03.09.12 | 18:18 | Allgemein | 1 Kommentar

Prjadkin unterliegt Tolstych

Viel war in diesem Blog schon von den Machenschaften des russischen Fußball-Funktionärs Sergej Prjadkin die Rede, beispielsweise hier und hier und hier. Kürzlich hat der frühere KGB-Mann gehofft, noch weiter aufzusteigen in der Funktionärs-Hierarchie: Er hatte nach dem – offiziell natürlich freiwilligen, tatsächlich aber wohl von der Politik erzwungenen Rückzug des bisherigen Amtsinhabers Sergej Fursenko versucht, das Amt an der Spitze des Verbandes zu erringen. Vergebens, unter anderem wegen dieser Enthüllungen des geschätzten russischen Kollegen Andrej Suchotin.

Stattdessen amtiert nun Nikolaj Tolstych, ein früherer Fußballer und Funktionär bein Dynamo Moskau und zuletzt Direktor im Nationalen Olympischen Komitee, über den für einen russischen Funktionär erstaunlich wenige Geschichten mit Geschmäckle im Umlauf sind. Mal sehen, was der so bringt, Arbeit gibt es ja genug. Stichworte: WM 2018, grassierende Korruption, ständige Berichte über Spielmanipulationen, Aufarbeitung des Schwarzbuches des osteuropäischen Fußballs.

Weiterer Gewinner dieser Rochade: Sportminister Witalij Mutko, einst von Dmitrij Medwedjew gezwungen, sich zwischen Sportministerium und Fußballverband zu entscheiden. Er hatte sich im Wahlkampf eindeutig für Tolstych ausgesprochen.

05.04.12 | 14:55 | Allgemein | 0 Kommentare

Eine seltsame Art, mit Spielmaniplationen umzugehen …

… hat jetzt Russlands Verbandschef Fursenko, Buddy des umstrittenen Ligachefs Prjadkin, ins Spiel gebracht. Einfach weniger bekämpfen, sondern stattdessen Bedigungen schaffen, dass Manipulationen gänzlich uninteressant werden (Quelle: hier). Aha. Und was soll das jetzt konkret bedeuten?

30.01.12 | 11:55 | Allgemein | 1 Kommentar

Fall Prjadkin soll vor den CAS

Der “Fall Prjadkin” (einen Überblicksartikel von mir hier und die Seite der Gegner auf Facebook hier) setzt sich fort. Der Fall rund um den mutmaßlichen Interessenskonflikt von einem der einflussreichsten russischen Sportfunktionäre soll vor den Cas. Wie Fans, Spieler und die Gewerkschaft der Trainer und Spieler darum kämpfen, habe ich in einem Stück für die SZ aufgeschrieben.

Zwischen Moskau und Adelaide liegen 13.818 Flugkilometer, und natürlich hat es auch etwas mit dieser Distanz zu tun, dass Jewgenij Lewtschenko gerade so forsch auftritt. Lewtschenko, 34, ist Ukrainer, er hat schon für viele Klubs gespielt, im Moment steht er beim australischen Verein Adelaide United unter Vertrag. Doch mehr noch als die australische interessiert sich gerade die russische Fußball-Öffentlichkeit für ihn: Denn Lewtschenko ist Teil einer Gruppe, die etwas versucht, was im internationalen Fußball-Geschäft eher unüblich ist – via Klage beim Internationalen Sportgerichtshof Cas einen mächtigen Funktionär aus dem Amt zu treiben.

Der mächtige Funktionär, das ist der russische Ligachef Sergej Prjadkin. Seit 2007 hat er dieses Amt inne, seit vergangenem Jahr ist er zudem Mitglied in einer Kommission des Europäischen Fußballverbandes. Doch seit geraumer Zeit steht er in der Kritik: Denn Funktionäre dürfen gemäß den Statuten nicht als Spielerberater arbeiten. Aber Prjadkin ist seit Mitte der neunziger Jahre Mitinhaber der in Berlin ansässigen Firma Girrus, zu deren Aktivitäten ausweislich des Eintrages im Handelsregister auch die „Tätigkeit als Spieleragenten“ zählt (SZ vom 7.9.2011). Bei manchem deutsch-russischen Transfer-Deal der jüngeren Vergangenheit war ein Spielerberater beteiligt, der auf den Listen des Deutschen Fußball-Bundes als Girrus-Mitarbeiter geführt wurde.

Aber der Aufklärungseifer in dieser Affäre ist überschaubar. Prjadkin beteuert ebenso wie sein Co-Geschäftsführer Konstantin Sarsanija, gegen keinerlei Geschäfte verstoßen zu haben. Eine Ethikkommission des russischen Verbandes, den Prjadkins guter Bekannter Sergej Fursenko führt, kam zu dem Schluss, dass es in der Angelegenheit nichts zu beanstanden gebe. Und die internationalen Verbände fühlten sich offenbar nicht recht zuständig für den mutmaßlichen Interessenkonflikt.

Jewgenij Lewtschenko, der früher für ZSKA Moskau und Saturn Ramenskoje gespielt hat, konnte das nicht verstehen. „Die Macht der russischen Fußball-Funktionäre ist doch nur auf Bestechung und Betrügereien aufgebaut“, sagt er. Ihn wurmte die Sache besonders, weil er nach eigener Darstellung selbst einmal Teil eines Deals gewesen sei, in dem die Familie Prjadkin mitmischte – im Jahr 2009, als er vom holländischen Klub FC Groningen nach Ramenskoje wechselte. Also entstand gemeinsam mit der russischen Spieler- und Trainergewerkschaft sowie Vertretern der Nowosibirsker Fan-Vereinigung die Idee, den Fall selbst vor den Cas zu bringen.

Doch das gestaltete sich schwieriger als gedacht. In einem ersten Versuch reichte nicht Lewtschenko selbst die Klage ein, sondern eine Gruppe der Nowosibirsker Fan-Vereinigung. Das Geld für die Gerichtsgebühren sammelte sie mit einer Kampagne im Netz, sogar den Anteil des sich zierenden russischen Verbandes an dem Verfahren wollte sie notfalls aufbringen – da zogen manche Unterzeichner ihre Unterschrift zurück, angeblich auf Druck des Verbandes. Prjadkins Sprecher will sich zu diesem Vorwurf nicht äußern, jedenfalls war das Verfahren formal beendet.

Doch nun unternimmt die Gruppe einen zweiten Versuch – und reicht gleich zwei Klagen ein. Die eine stammt von der Spieler- und Trainergewerkschaft, die andere von Jewgenij Lewtschenko direkt. „Alle verstehen, dass mein Fall weder der erste noch der letzte ist“, sagt er. „Aber die Fußballer in Russland haben jetzt Angst, ihre Meinung zu sagen. Sie unterstützen uns, aber sie unternehmen keine konkreten Schritte.“ Bis Mitte Februar, so hoffen Lewtschenko und seine Mitstreiter, soll das Verfahren beim Cas starten.

22.11.11 | 17:40 | Allgemein | 0 Kommentare

Problemlösung auf Russisch

Für alle, die der russischen Sprache mächtig sind: Hier gibt es einen wunderbaren Überblick, wie die russischen Spitzenfunktionäre offenkundig verhinderten, dass eine Fan-Gruppierung in der “Affäre Pradkin” vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen konnte. In der Affäre geht es darum, dass der russische Liga-Chef Prjadkin über eine in Deutschland registrierte Firma nebenbei bei Spielertransfers abkassiert, Details siehe hier.

Im Kern ist der Vorwurf folgender: Eine Gruppe von Fan-Aktivisten reicht die Klage beim CAS, erst verweigert der russische Verband die Bezahlung der obligatorischen 18.000 Schweizer Franken und dann bringt er unter Druck zwei Unterzeichner dazu, ihre Anschuldigungen fallen zu lassen – und fällt der Prozess aus. Wenn die Tage mal etwas mehr Zeit ist, fasse ich das ganze vll. nochmal etwas ausführlicher zusammen.

21.09.11 | 15:09 | Allgemein | 2 Kommentare

Dubiose Deals in Russland

Kürzlich habe ich ja einen Artikel zu der Affäre um den russischen Top-Funktionär Sergej Prjadkin und seine möglichen Verstrickungen in deutsch-russische Transferdeals geschrieben. Im Zuge der Recherchen bin ich auf einige weitere sondersame Dinge gestoßen, die der Kollege Andrej Suchotin von der Nowaja Gazeta aufgedeckt hat. Alle, die russisch lesen oder es sich rasch übersetzen lassen können, dürfen sich auf zwei Schmankerl freuen.

a) Wie der russische Pleite-Klub Saturn Ramenskoje noch kurz vor der Insolvenz des Vereins 400.000 Euro an einen unbekannten Spielerberater zahlte. (hier der Artikel)

b) Wie der russische Klub Tom Tomsk 400.000 Euro an eine Spieleragentur zahlte, damit diese potentielle Angreifer suchen möge – und diese Agentur am Ende lediglich den allseits bekannten Pawel Pogrebnjak vorschlug. (hier der Artikel)

11.09.11 | 18:29 | Allgemein | 3 Kommentare

Nicht vermittelbar: Eine russische Affäre

Folgender Artikel ist in der Mittwochausgabe der SZ erschienen und hier verlinkt. Es geht um die möglichen Verstrickungen eines russischen Top-Funktionärs in Tranfers und das Verhalten der internationalen Fußball-Verbände in dieser Affäre.

Sergej Prjadkin sitzt der russischen Fußball-Profiliga (RFPL) vor, gerade muss er eine gewaltige Reform stemmen. 2010 wurde beschlossen, die Liga nicht mehr nach dem Kalenderjahr spielen zu lassen, sondern – wie die großen westeuropäischen Ligen – von Spätsommer bis Frühjahr. Ziel der Modifizierung: Russische Klubs sollen künftig besser mit der Europacup-Konkurrenz mithalten und für Furore sorgen.

Doch nun sorgt Prjadkin selbst für Aufregung. Funktionären ist es gemäß den Regeln des Fußball-Weltverbands (Fifa) verboten, als Spielervermittler tätig zu sein. Der russische Liga-Boss aber wird beschuldigt, über eine in Berlin ansässige Firma in Transfers verstrickt zu sein. Merkwürdig verhalten sich dabei die internationalen Verbände. Nicht genug, dass sie die Vorwürfe bislang ignorieren – das von Michel Platini geführte Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbandes (Uefa) hat ausgerechnet Prjadkin in die Kommission für den Status und Transfer von Spielern sowie für Spieler- und Spielvermittler berufen. Denkbar, dass sich der 50-Jährige in seiner Uefa-Funktion mit seiner eigenen Affäre beschäftigen müsste.

Prjadkin ist Gründer und Geschäftsführer der beim Amtsgericht Charlottenburg registrierten Firma Girrus. Diese handelt laut Handelsregister-Eintrag von Mitte August mit ziemlich vielen Dingen, mit Personen- und Lastkraftwagen, alkoholischen Getränken, aber auch mit Sportgeräten und Sportartikeln – und betreibt “sodann Sportmanagement und Consulting” sowie die “Tätigkeit als Spieleragenten”.

Die Webseite www.girrus.com, mittlerweile nicht mehr online verfügbar, führte unter “our players” unter anderem den russischen Angreifer Pawel Pogrebnjak, der 2009 von Zenit St. Petersburg zum VfB Stuttgart wechselte, und den früheren deutschen Nationalstürmer Kevin Kuranyi, der im Vorjahr von Schalke 04 zu Dynamo Moskau ging – beide versehen mit dem Hinweis “in cooperation with an other agent”. Vieles deutet darauf hin, dass die Firma des russischen Funktionärs in die wichtigsten deutsch-russischen Transferdeals der vergangenen Jahre involviert ist.

Prjadkin bestreitet dies. “Es gab nicht den Interessenkonflikt, der mir unterstellt wird”, sagte er der Zeitung Sowjetskij Sport. Seit November 2006 seien weder die von ihm gegründete Agentur noch seine Partner als Spieleragenten tätig gewesen. Zu der Zeit hatte er seine erste hohe Funktion in Russlands Fußball übernommen: Er wurde Generaldirektor des Verbandes.

“Sprachbarrieren überbrückt”

Auch Konstantin Sarsanija, Mit-Geschäftsführer bei Girrus und im russischen Fußball schon als Trainer, Sportdirektor und Berater tätig, wies gegenüber russischen Medien die Vorwürfe zurück. Seine Lizenz habe er zurückgegeben und nie für die Firma verwandt. “Girrus ist eine vielfältig tätige Gesellschaft, einer der Geschäftsbereiche kann sich auch mit Beratungsleistungen befassen, auch für Spieler”, sagte er – und fügte etwas an, das in Widerspruch zu den Einträgen im Handelsregister steht: “Die Firma selbst bietet keine Agententätigkeit an.” Sie verstoße auch gegen keine Gesetze. Zudem betonte er, dass die Firma keine Fifa-Lizenz habe – die hat aber der Firmenmitarbeiter Tomas Zorn: “Er hat das volle Recht auf Agententätigkeiten.”

In der Tat ist Tomas Zorn ein offizieller Spielervermittler, lizenziert beim DFB. Zorn bestreitet auf SZ-Anfrage, für Girrus zu arbeiten oder für Girrus gearbeitet zu haben. Er habe dort nur eine Art Praktikum durchlaufen. Doch es fällt schwer, scharf zwischen dem Spielervermittler Zorn und den Aktivitäten der Firma zu trennen. In der aktuellen Spielervermittler-Liste des DFB ist hinter dem Namen Tomas Zorn zwar nichts vermerkt – auf älteren Versionen, die der SZ vorliegen, steht dort allerdings “Girrus GmbH”. Auch ist auf seinen Namen die Internetseite der Firma registriert worden.

Rund um die Wechsel von Pogrebnjak und Kuranyi habe er nur geholfen, “Sprachbarrieren zu überbrücken”, heißt es. Ein Mitarbeiter der Firma Rogon, die Kuranyi seit Jahren berät, sagte aber, Vertreter von Girrus seien “in die Kontaktanbahnung zwischen Rogon und Vertretern des aktuellen Vereins” involviert gewesen. Die Nowaja Gazeta, die mit ihren Recherchen den Fall publik machte, berichtet gar von einem Verwandtschaftsverhältnis zwischen Spieleragent und Girrus-Gründer, was Zorn gegenüber der SZ aber dementiert.

Russlands Ethikkommission sagt: Alles okay

In Russland muss Prjadkin vorerst keine Konsequenzen fürchten. Die zuständige Ethikkommission befand, der Liga-Boss habe weder gegen die Regularien des Verbandes noch gegen die der Fifa verstoßen, es werde nicht weiter ermittelt. Unter Verweis darauf wollte sich Prjadkin gegenüber der SZ auch nicht zu konkreten Nachfragen äußern.

Merkwürdig wirkt angesichts der Auffälligkeiten die Haltung der internationalen Verbände. Schon im April hatte Nowaja Gazeta über den Fall berichtet – doch Wochen später berief die Uefa-Exekutive Prjadkin auf Antrag Russlands ausgerechnet in die Kommission für Transferfragen. Die Uefa habe zu dem Zeitpunkt keine “Kenntnis über ein Problem mit einer deutschen Spielervermittlung” gehabt, teilte sie auf Anfrage mit. Die Nachfrage, ob sie dem Thema noch einmal nachgegangen sei, ließ sie unbeantwortet.

Zugleich versuchte die Uefa, die Bedeutung dieses Gremiums runterzuspielen. Es handele sich beim Ausschuss für Transferfragen nur “um eine Beratungskommission des Exekutivkomitees”. Die Kompetenz der Uefa sei in solchen Dingen sehr beschränkt, sie befasse sich nur mit allgemeinen Themen, hieß es weiter. “Sie hat weder Entscheidungsbefugnisse noch ist sie in die Anwendung dieser Fifa-Transferbestimmungen involviert.” Die Fifa wiederum sieht sich nicht zuständig: “Wenn Prjadkin bei der Uefa gewählt war, muss man bei Uefa für eine Erklärung fragen.”

17.06.11 | 22:06 | Allgemein | 0 Kommentare

Mutko, Fursenko und andere Funktionäre

Das Uefa-Exekutivkomitee hat getagt und die Kommissionen des Verbandes für die kommenden Jahre mit Personal bestückt. Die offizielle Uefa-Homepage hüllt sich zwar noch in Schweigen, wer wo welche Funktion hat und verweist auf den 1. Juli als Arbeitsbeginn dieser Kommissionen, doch die Kollegen von sports.ru haben schon jetzt vermeldet, dass gleich neun Russen in den diversen Gremien sitzen. Als da wären:

a) Sportminister Witalij Mutko (Mitglied des Fifa-Exekutivkomitee): Vorsitzender der Medienkommission

b) Fußballverbandschef Sergej Fursenko: Vorsitzender der Marketingkommission

c) Ligapräsident Sergej Prjadkin: Mitglied der Kommission für den Status und Transfer von Spielern sowie für Spieler- und Spielvermittler

d) Andrej Balaschow, Generalsekretär des Fußballverbandes: stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Stadien und Sicherheit

e) Jekaterina Fedyshina, stellvertretende Generalsekretärin des Fußballverbandes: stellvertretende Vorsitzende der Kommission für Fairplay und soziale Verantwortung

f) Jelena Jeremejewa: Mitglied der Klublizensierungskommission

g) Igor Schalimow: Mitglied der Kommission für Frauenfußball

h) Jurij Baskakow: Mitglied der Schiedsrichterkommission

i) ZSKA-Moskau-Präsident Jewgenij Giner, Mitglied der Kommission für Klubwettbewerbe

Zum Vergleich übrigens: Der deutsche Fußballbund entsendet auch neun Vertreter in die diversen Kommissionen.