15.06.11 | 14:46 | Allgemein | 1 Kommentar

Terek Grosny entlässt Ruud Gullit

Der normale Ligabetrieb ist zwar nicht das Kernthema dieses Blogs, aber diese Meldung hier zeigt auch viel über die Verschmelzung von Politik, Wirtschaft und Fußball in Russland: Erstligist Terek Grosny entlässt Ruud Gullit.

Warum das interessant ist? Nun, hinter Terek Grosny steckt der berüchtigte tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, der als Moskauer-treuer Paladin im Kaukasus die Interessen des Kremls vertritt. Seine PR-Strategie sieht eigentlich vor, mit einer guten Fußball-Mannschaft für ein paar positive Nachrichten aus der immer noch unruhigen Region zu sorgen – und dafür verpflichtete er unlängst Ruud Gullit. Nun muss der niederländische Europameister von 1988 schon wieder gehen, weil der Klub in der Tabelle fast auf einem Abstiegsrang liegt und weil er selbst sich zu sehr in Bars und Diskotheken herumgetrieben habe, wie Kadyrow moniert. Kadyrow sieht den Glanz des Klubs und von ganz Tschetschenien in Gefahr, und vielleicht auch ein bisschen seinen eigenen Posten.

Wer aber Kadyrows Projekt verfolgt, der ahnt: Mit dieser Entlassung ist die Idee, einen prominenten ausländischen Trainer für Terek Grosny arbeiten zu lassen, keineswegs gescheitert. Vielmehr dürfte nun als Nachfolger ein ähnlicher bekannter Name wie Gullit kommen.

19.05.11 | 17:40 | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Ein bisschen WM in Grosny

Die ständigen Beschwerden aus Tschetschenien, warum denn Grosny nicht zu den ausgewählten Spielorten der Fußball-WM 2018 zähle, hatten offensichtlich Erfolg. Jedenfalls gibt es laut Fußballverbandschef Sergej Fursenko nun doch eine Möglichkeit, wie die WM auch in Grosny stattfinden könnte. Die tschetschenische Hauptstadt könne ja als Basis für eine der Teilnehmer-Mannschaften dienen, sagte Fursenko dieser Tage. Nun ist in Grosny trotz permanenter Unruhen und Anschläge vieles möglich, unter anderem Ruud Gullit als Trainer des örtlichen Klubs Terek oder Prominente wie Lothar Matthäus und Diego Maradona als Gastspieler bei Benefizpartien – doch der WM-Teilnehmer, der sich auf das Wagnis Tschetschenien einlässt, muss wahrscheinlich erst noch gefunden werden. Am Ende muss dann wohl die eigene Sbornaja dahin …

09.03.11 | 15:27 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 2 Kommentare

Matthäus, Kadyrow und der Kampf um Grosny als WM-Spielstätte

Der Fußball ist für die immer noch unruhigen Kaukasus-Republiken eine der besten Möglichkeiten, um so etwas wie Normalität vorzuspiegeln und von den täglichen Problemen abzulenken. Brot und Spiele, so hat das schon das alte Rom gehalten. In Russland hat das zur Folge, dass Terek Grosny (Tschetschenien)  Ruud Gullit als Trainer unter Vertrag nimmt, dass Anschi Machatschkala (Dagestan) Roberto Carlos verpflichtet – und dass sowohl Grosny als auch Machatschkala darum kämpfen, doch noch in die Reihe der Spielstätten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 befördert zu werden.

Das zu tun, hatte sich nicht einmal die russische Führung getraut. Stattdessen musste sie nach dem jüngsten Terroranschlag in Moskau vielmehr viele Anstrengungen unternehmen, um der Welt zu versichern: Ja, der Kampf gegen den Terror ist uns ein Anliegen. Ja, wir versichern gewaltfreie Großereignisse 2014 und 2018.

Doch die kaukasischen Republiken lassen nicht locker. Vor allem Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow, der schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen beschuldigt wird, kämpft mit allen Mitteln dafür. Sein neuester Clou: ein Benefizspiel zwischen früheren brasilianischen Nationalkickern und einem von ihm zusammengestellten All-Star-Team. Daran wirkten unter anderem mit: Kadyrow selbst, der beim 4:6 auch zwei Tore schoss, natürlich Gullit als Trainer von Terek, dessen Präsident Ramsan Kadyrow heißt – aber auch Lothar Matthäus, der zwar nur eine Halbzeit mitwirkte, aber nichts Besonderes daran fand.

Die Lehren des Abends: Tschetschenien hat mal wieder den Fußball missbraucht, um einen schönen Schein zu suggerieren (beziehungsweise: der Fußball hat sich mal wieder missbrauchen lassen), Lothar Matthäus hat sich mal wieder unmöglich gemacht – aber Grosnys Aussichten auf WM-Spiele sind nicht im geringsten gestiegen.