23.02.12 | 15:20 | Allgemein | 1 Kommentar

Der verschachtelte ZSKA Moskau

Wer ein Beispiel braucht für die verschachtelten Eigentümerverhältnisse in manchen osteuropäischen Klubs. Das hier habe ich zu ZSKA Moskau versus Real geschrieben:

Der ZSKA Moskau schwelgt gerade in der Historie. Im vergangenen Sommer jährte sich das Gründungsdatum des russischen Fußball-Klubs zum 100. Mal, und seitdem wird gefeiert. Noch jetzt befinden sich auf der Startseite der Vereins-Homepage keinerlei Fotos aus der laufenden Saison, sondern viele historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Aus der Perspektive des neutralen Beobachters waren einige Jahrzehnte der Klub-Geschichte zwar nur bedingt ehrenvoll, weil die Vertreter der russischen Armee über ZSKA befehligten – doch wenigstens waren die Besitzverhältnisse klar. Das ist jetzt nicht mehr so: Hinter dem Klub, der an diesem Dienstag (18 Uhr) im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales auf den Favoriten Real Madrid trifft, steht ein nebulöses Firmengeflecht.

Die russischen Offiziellen machen es sich leicht. Für sie ist ZSKA-Präsident Jewgenij Giner der Besitzer des Klubs. Doch Giner selbst gibt zu, dass die Verhältnisse etwas komplizierter sind. Denn wenn er oder sein Generaldirektor Roman Babajew etwas zum Eigentümer-Thema sagen, sprechen sie stets über „die Aktionäre“. Vor einiger Zeit hatte Giner in einem Interview angekündigt, 2012 die Geheimniskrämerei beenden zu wollen, doch bislang möchte sich der Verein nicht zu konkreten Namen äußern.

Die Verantwortlichen des Uefa-Pokal-Siegers und zehnmaligen nationalen Meisters bestätigen lediglich, dass es an dem mittlerweile zur Aktiengesellschaft gewandelten Klub drei Anteilseigner gibt: 49,21 Prozent gehören dem englischen Unternehmen Bluecastle Enterprises Limited, 25,85 Prozent der russischen Aktiengesellschaft Awo Kapital und die übrigen Anteile aus alter Tradition dem Verteidigungsministerium. Allerdings ist Awo Kapital eine hundertprozentige Tochter von Bluecastle Enterprises Limited, die im Dezember 2000 registriert wurde – und damit bezeichnenderweise nur wenige Wochen, bevor sie Anfang 2001 Anteile an ZSKA übernahm und Giner als Präsidenten installierte.

Hinter der englischen Unternehmensgruppe wiederum standen zumindest eine Zeit lang die niederländische Macasyng Holding und die luxemburgische Firma Era Intermedia. Dort ging einem Eintrag im Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburgs zufolge im Januar 2010 der Administratoren-Posten an eine Person, die einen in Fußball-Russland bekannten Nachnamen trägt – Wadim Giner, der Sohn des ZSKA-Präsidenten. Und nur zwei Tage später war im Amtsblatt erneut eine Notiz über ihn zu lesen: Diesmal teilte die Sensei International mit, dass Wadim Giner von nun an ihr Administrator sei. Diese Firma ist laut Nachforschungen der russisches Forbes-Ausgabe aus zwei Gründen interessant: Zum einen fungierte sie als Kreditgeber für den ZSKA-Eigentümer Bluecastle Enterprises, und zum anderen gab es enge geschäftliche Verflechtungen mit Firmen, an deren Ende die niederländische Holding VS Energy International steht. Diese Holding ist sehr stark in Geschäfte in der Ukraine verwickelt und im Besitz eines russischen Parlamentsabgeordneten, zweier Unternehmer sowie – Jewgenij Giner, der in der ukrainischen Stadt Charkow geboren wurde. Ist also diese Vierergruppe gemeint, wenn die ZSKA-Verantwortlichen stets von „den Aktionären“ sprechen?

Noch ein Name fällt immer wieder, wenn es um die wahren Besitzer beim aktuellen Zweiten der russischen Premjer Liga geht: Roman Abramowitsch, Oligarch, Eigentümer des FC Chelsea und ein enger Freund von Giner. Dieser Verdacht kam im Jahr 2004 auf, weil das damals zu Abramowitsch gehörende Mineralölunternehmen Sibneft mit einer auffällig hohen Summe als Sponsor einstieg. Das alarmierte sogar den Europäischen Fußballverband (Uefa), weil Chelsea und ZSKA im Rahmen der Champions-League-Vorrunde aufeinandertrafen. Sie fand aber keine Belege für eine Beteiligung des Milliardärs am Moskauer Klub. Mittlerweile, so sagt Giner, sei Abramowitsch nicht einmal mehr Sponsor des Klubs.

18.03.11 | 16:43 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Erst gegeneinander, jetzt miteinander: Ein Deal zwischen Russland und Portugal

Wie schnell im Sport Abstimmungsniederlagen vergessen sind, ist in diesem Blog ja schon an dieser Stelle dokumentiert. Denn Russland kann bei der Vorbereitung des WM-Turnieres 2018 auf Unterstützung aus Spanien hoffen, obwohl Spanien im Kampf um die Ausrichtung des Fußball-Großereignisses Russland unterlag.

Doch Spanien hatte in seinem Konzept ja noch das Nachbarland Portugal als Ko-Ausrichter an seiner Seite – und auch zwischen Fußball-Russland und Fußball-Portugal zeichnet sich nun ein interessanter Deal ab. Der Unternehmer Bruno de Carvalho möchte den Lissaboner Klub Sporting übernehmen und darf im Fall einer erfolgreichen Kandidatur auf Unterstützung aus der russischen Geschäftswelt hoffen. 50 Millionen Dollar, so heißt es, sollen dann aus dem Osten in den Südwesten Europas fließen.

Angeführt wird dieser Kreis russischer Geschäftsleute von zwei prominenten Namen. Zum einen Leonid Tjagatschow, früher Präsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und langjähriger Gegenspieler des Fußballfunktionärs Wjatscheslaw Fetissow. Und zum anderen Alexander Nasarow, von 1991 bis 2000 Gouverneur des Autonomen Kreises der Tschuktschen im äußersten Nordosten des großen russischen Landes, dem von 2000 bis 2008 wiederum Roman Abramowitsch vorstand.

“Wir unterstützen ihn nicht nur, weil er den Fußball wirklich liebt, sondern auch, weil er ein hervorragender Geschäftsmann ist”, sagte Tjagatschow auf einer Pressekonferenz. Doch natürlich dürfte sich für Russland die Investition ziemlich lohnen: “Wenn Carvalho Präsident wird, sind die Portugiesen bereit, bei der Entwicklung des Kinder- und Behindertenfußballs in den russischen Regionen zu helfen. Genauso hilfreich könnte die portugiesische Erfahrung beim Stadionbau sein”, sagte er der Zeitung Sowjetskij Sport.