21.02.13 | 13:29 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Samuel Eto’o und das Oligarchen-Projekt Anschi Machatschkala

Mein Stück aus der SZ von heute als Vorbereitung auf das abendliche Europa-League-Rückspiel von Hannover 96:

Samuel Eto’o hat sich im Laufe seiner Karriere viele ehrenvolle Bezeichnungen verdient. Er durfte sich „Champions-League-Gewinner“ nennen und „Olympiasieger“, ein paar Mal „Afrikas Fußballer des Jahres“ und „Torschützenkönig der Primera Division“. Aber selbst jetzt, wo der Angreifer aus Kamerun im Alter von 31 Jahren nicht mehr bei internationalen Top-Vereinen wie dem FC Barcelona oder Inter Mailand, sondern beim russischen Klub Anschi Machatschkala spielt, ist ihm noch ein beeindruckender Titel sicher. Eto’o gilt als „bestbezahlter Fußballer der Welt“. Von 20 Millionen Euro Jahresgage ist die Rede, manchmal in Euro, manchmal in Dollar, auf jeden Fall netto.

Diese Zahl sagt einiges aus über das kaukasische Oligarchen-Projekt. Der Zweitplatzierte in der russischen Meisterschaft möchte an diesem Donnerstag beim deutschen Erstligisten Hannover 96 sein 3:1 aus dem Hinspiel verteidigen und ins Achtelfinale der Europa League einziehen. Geld spielt dort keine Rolle. 2011 übernahm Sulejman Kerimow den Klub, ein Parteigänger Putins, der seine Milliarden vor allem mit der Investment-Holding Nafta Moskau verdiente. Seitdem lockte er einige international renommierte Profis (unter anderem Lassana Diarra, Jurij Schirkow oder zuletzt den Brasilianer Willian) sowie den niederländischen Trainer Guus Hiddink, der sich derzeit mit einem geschätzten Monatsverdienst von einer Million Euro natürlich als „bestbezahlter Trainer der Welt“ bezeichnen darf.

Allerdings handelt es sich bei Anschi nicht nur um das Lieblingsspielzeug eines sportbegeisterten Oligarchen, sondern auch um ein hochpolitisiertes Projekt. Machatschkala ist die Hauptstadt von Dagestan, einer der großen Unruheregionen Russlands, in der es immer wieder zu Terroranschlägen kommt. Wegen dieser Probleme leben und trainieren die Spieler auch nicht in Machatschkala, sondern in Moskau – und reisen zu ihren „Heimspielen“ in der russischen Liga immer mit dem Flugzeug an. Internationale Partien dürfen sie dort gar nicht austragen, sondern müssen in die Landeshauptstadt ausweichen, was sich allerdings nach der für nächste Saison geplanten Eröffnung des neuen Stadions ändern soll. Zudem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Anschi und anderen Klubs. Kaukasier sind bei Russen generell unbeliebt, speziell bei Fußballfans sind nationalistische Tendenzen nicht selten.

Gleichwohl hat Anschi die Unterstützung der politischen Führung in Moskau. Diese hofft, dass ein erfolgreicher Fußballverein das Image der Region fördern und von den Problemen ablenken kann. Manche raunen gar, der Kreml schieße einen Teil zum Budget zu. In diesem Kontext ist auch auffällig, wie oft sich um Spiele von Machatschkala Manipulationsgerüchte ranken. Über Hiddinks Vorgänger Gadschi Gadschijew gibt es die Geschichte, wie er einmal in der Halbzeitpause mit einigen starken Männern an seiner Seite die Kabinentür des Schiedsrichters eintrat – und sich danach über genehmere Pfiffe freute. Der Trainer von Lokomotive Moskau musste nach dem 1:2 gegen Anschi gehen, weil er die Mannschaft nach Ansicht seiner Präsidentin „extra schlecht aufgestellt“ habe. Aktuell steht Machatschkalas Hinrundensieg gegen Amkar Perm unter Verdacht; erst kürzlich wandte sich die Staatsanwaltschaft in dieser Causa an den Verband.

Rund um die Mannschaft sorgt zudem ihr Spitzenverdiener Samuel Eto’o des Öfteren für Diskussionen. Im vergangenen Jahr stritt er sich mächtig mit seinem Mitspieler Schirkow, weil ihm dessen Spielweise nicht passte. Anfang des Jahres irritierte er mit den Worten, Vertreter des heimatlichen kamerunischen Fußball-Verbandes, mit dem er schon oft im Clinch lag, wollten ihn umbringen; sein Trainer Hiddink sagte, das sei doch etwas übertrieben. Zuletzt fiel Eto’o im Hinspiel gegen Hannover auf, als er einen Elfmeter aufreizend lässig ausführte – und verschoss. Die Verantwortlichen von Anschi sehen ihm das trotzdem nach. Zum einen, weil der Stürmer zwar nicht immer, aber immer mal wieder seine von früher bekannte Klasse zeigt; immerhin elf Tore und ebenso viele Vorlagen hat er in seinen wettbewerbsübergreifend 21 Saisonspielen erzielt. Und zum anderen, weil er neben dem Platz weiß, was sich bei dem politischen Projekt gehört: Neulich summte er fürs vereinseigene Anschi-TV auf Russisch „Dagestan, vperjod“ ins Mikrofon – Dagestan, vorwärts.

20.02.13 | 11:29 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Wie Gazprom die vereinigte russisch-ukrainische Liga durchsetzen will

Ich habe das eine oder andere Mal ja schon über die Diskussion berichtet, dass es im Osten des Kontinents zu einer länderübergreifenden Liga kommen soll. Hier nochmal eine nachgereicht eine Zusammenfassung aus der SZ vom Mittwoch, nach dem ersten Treffen des Organisationskomites.

Als das Treffen beendet war, sah Walerij Gassajew zufrieden aus. Im Hauptberuf ist er Präsident und Trainer von Alanija Wladikawkas, doch derzeit hat er eine wichtigere Aufgabe: Auf Wunsch diverser Spitzenklubs soll er als „Vorsitzender des Komitees für ein vereinigtes Turnier“ eine länderübergreifende Liga vorbereiten. Dieses Komitee hat zwar keine Legitimation durch den russischen Verband, aber am Montag lud Gassajew alle Vereinsvertreter ein, um erstmals konkrete Pläne zu nennen. Demnach soll das Projekt 2014 mit je neun russischen und ukrainischen Klubs starten. Heikle Fragen wie die Besetzung von Europacup-Startplätzen wurden ausgespart, dafür aber immense Summen genannt. Über ein jährliches Budget von einer Milliarde Dollar soll die Liga verfügen, alleine 92 Millionen Dollar der Gewinner erhalten – das ist mehr, als der FC Chelsea bei seinem Champions-League-Sieg 2012 einstrich.

Die Organisatoren gaben sich dabei keine Mühe, den Taktgeber hinter dem Projekt zu verschleiern. Das Treffen fand im Moskauer Gazprom-Büro statt, den Haupt-Vortrag hielt nicht etwa Gassajew, sondern Gazprom-Chef Alexej Miller. Und das irrsinnig hoch erscheinende Budget ließe sich erreichen, indem die Gazprom- Media-Gruppe für ihre Kanäle die Fernsehrechte erwirbt oder diverse Tochterfirmen des staatlich kontrollierten Erdgaskonzerns als Sponsoren einsteigen.

Hintergrund des Projekts ist ein Machtkampf im russischen Fußball, der sich seit einigen Monaten zuspitzt. Einige Jahre lang stellte das Lager von Gazprom beziehungsweise der vom Konzern kontrollierte Klub Zenit St. Petersburg den Verbandspräsidenten. Doch nachdem deren Kandidat vor der Abstimmung im vergangenen Herbst wegen Verstrickungen ins Spieleragentengeschäft in die Kritik geraten war, wählten die Delegierten Nikolaj Tolstych zum Chef. Der versucht seither, seine Unabhängigkeit zu beweisen; er hat viele Personen ausgetauscht, zudem ging ein Sport- gerichtsverfahren gegen Zenit aus. Jetzt streben die Petersburger mit ihren Verbündeten aus dem Einflussbereich des neuen Präsidenten heraus; denn für eine länderübergreifende Liga könnte natürlich nicht der Verbandschef eines Landes das Sagen haben. Mit den enormen Summen will das Gazprom-Lager nun jene Klubs ködern, die bisher auf Tolstychs Seite standen – sowie die Vertreter der Ukraine, die sich mit wenigen Ausnahmen bisher eher reserviert gezeigt hatten.

Nun ist der Einfluss von Gazprom traditionell immens; der Kontakt zwischen Konzernchef Miller und dem Kreml ist eng. Doch dieses Mal ist die Sache vertrackter. Obwohl die Debatte über die Einführung einer Sowjet-Liga nun schon eine Weile läuft, hat sich Staatschef Wladimir Putin noch nicht öffentlich dazu geäußert – dabei ist ihm sonst kein Anlass zu gering, um sich auch in sportliche Fragen einzumischen. Grundsätzlich gefallen dürfte ihm ein solches Vorhaben schon; immerhin würde es ein wenig an Glanz und Größe der alten Sowjetunion erinnern. Zudem ist es ein Zeichen, dass er die Bemühungen seines Vertrauten Alexej Miller nicht einbremst. Andererseits können die beiden Nationen nicht einfach so eine länderübergreifende Liga beschließen – Sepp Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa), tat kürzlich bereits sein Missfallen kund. „Ein solcher Wettbewerb verstößt gegen die Prinzipien der Fifa“, sagte er: „Die Fifa wird niemals ihre Erlaubnis zu einem solchen Projekt geben.“ Diese Haltung klingt rigide, und Putin will es sich mit Blatter nicht verscherzen; schließlich steht in Russland 2018 die Fußball-WM an. Entsprechend moderat klang auch die einzige offizielle Regierungsstimme – Sportminister Witalij Mutko betonte, er wolle eine „nationale Liga“ stützen. Passenderweise ist jener Mutko aber auch Mitglied von Blatters Fifa-Exekutive.

Trotz der eindeutigen Äußerung des Schweizers ist der Weltverband formal zunächst nicht zuständig. Der europäische Fußballverband (Uefa) beharrt darauf, dass diese Entscheidung in seinen „Kompetenzbereich“ falle. Die Uefa-Spitzenvertreter haben sich bisher mit Äußerungen zurückgehalten. Ein Sprecher sagt, dass man noch nichts sagen wolle, weil noch kein offizieller Vorschlag eingegangen sei. In Moskau heißt es allerdings, dass Uefa-Präsident Michel Platini nicht grundsätzlich abgeneigt sei. Zudem stieg Gazprom erst vergangenen Sommer als Hauptsponsor für die Champions League ein.

Bisher rühmten sich sowohl Blatter als auch Platini bester Verbindungen nach Russland, das bei Abstimmungen ganze Stimmenpakete früherer Sowjetländer organisieren kann. Doch sollte sich die Auseinandersetzung der beiden Fußball-Lenker so fortsetzen wie zuletzt, wird es nicht unwichtig sein, wen das mächtige Russland stützt.

23.02.12 | 15:20 | Allgemein | 1 Kommentar

Der verschachtelte ZSKA Moskau

Wer ein Beispiel braucht für die verschachtelten Eigentümerverhältnisse in manchen osteuropäischen Klubs. Das hier habe ich zu ZSKA Moskau versus Real geschrieben:

Der ZSKA Moskau schwelgt gerade in der Historie. Im vergangenen Sommer jährte sich das Gründungsdatum des russischen Fußball-Klubs zum 100. Mal, und seitdem wird gefeiert. Noch jetzt befinden sich auf der Startseite der Vereins-Homepage keinerlei Fotos aus der laufenden Saison, sondern viele historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Aus der Perspektive des neutralen Beobachters waren einige Jahrzehnte der Klub-Geschichte zwar nur bedingt ehrenvoll, weil die Vertreter der russischen Armee über ZSKA befehligten – doch wenigstens waren die Besitzverhältnisse klar. Das ist jetzt nicht mehr so: Hinter dem Klub, der an diesem Dienstag (18 Uhr) im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales auf den Favoriten Real Madrid trifft, steht ein nebulöses Firmengeflecht.

Die russischen Offiziellen machen es sich leicht. Für sie ist ZSKA-Präsident Jewgenij Giner der Besitzer des Klubs. Doch Giner selbst gibt zu, dass die Verhältnisse etwas komplizierter sind. Denn wenn er oder sein Generaldirektor Roman Babajew etwas zum Eigentümer-Thema sagen, sprechen sie stets über „die Aktionäre“. Vor einiger Zeit hatte Giner in einem Interview angekündigt, 2012 die Geheimniskrämerei beenden zu wollen, doch bislang möchte sich der Verein nicht zu konkreten Namen äußern.

Die Verantwortlichen des Uefa-Pokal-Siegers und zehnmaligen nationalen Meisters bestätigen lediglich, dass es an dem mittlerweile zur Aktiengesellschaft gewandelten Klub drei Anteilseigner gibt: 49,21 Prozent gehören dem englischen Unternehmen Bluecastle Enterprises Limited, 25,85 Prozent der russischen Aktiengesellschaft Awo Kapital und die übrigen Anteile aus alter Tradition dem Verteidigungsministerium. Allerdings ist Awo Kapital eine hundertprozentige Tochter von Bluecastle Enterprises Limited, die im Dezember 2000 registriert wurde – und damit bezeichnenderweise nur wenige Wochen, bevor sie Anfang 2001 Anteile an ZSKA übernahm und Giner als Präsidenten installierte.

Hinter der englischen Unternehmensgruppe wiederum standen zumindest eine Zeit lang die niederländische Macasyng Holding und die luxemburgische Firma Era Intermedia. Dort ging einem Eintrag im Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburgs zufolge im Januar 2010 der Administratoren-Posten an eine Person, die einen in Fußball-Russland bekannten Nachnamen trägt – Wadim Giner, der Sohn des ZSKA-Präsidenten. Und nur zwei Tage später war im Amtsblatt erneut eine Notiz über ihn zu lesen: Diesmal teilte die Sensei International mit, dass Wadim Giner von nun an ihr Administrator sei. Diese Firma ist laut Nachforschungen der russisches Forbes-Ausgabe aus zwei Gründen interessant: Zum einen fungierte sie als Kreditgeber für den ZSKA-Eigentümer Bluecastle Enterprises, und zum anderen gab es enge geschäftliche Verflechtungen mit Firmen, an deren Ende die niederländische Holding VS Energy International steht. Diese Holding ist sehr stark in Geschäfte in der Ukraine verwickelt und im Besitz eines russischen Parlamentsabgeordneten, zweier Unternehmer sowie – Jewgenij Giner, der in der ukrainischen Stadt Charkow geboren wurde. Ist also diese Vierergruppe gemeint, wenn die ZSKA-Verantwortlichen stets von „den Aktionären“ sprechen?

Noch ein Name fällt immer wieder, wenn es um die wahren Besitzer beim aktuellen Zweiten der russischen Premjer Liga geht: Roman Abramowitsch, Oligarch, Eigentümer des FC Chelsea und ein enger Freund von Giner. Dieser Verdacht kam im Jahr 2004 auf, weil das damals zu Abramowitsch gehörende Mineralölunternehmen Sibneft mit einer auffällig hohen Summe als Sponsor einstieg. Das alarmierte sogar den Europäischen Fußballverband (Uefa), weil Chelsea und ZSKA im Rahmen der Champions-League-Vorrunde aufeinandertrafen. Sie fand aber keine Belege für eine Beteiligung des Milliardärs am Moskauer Klub. Mittlerweile, so sagt Giner, sei Abramowitsch nicht einmal mehr Sponsor des Klubs.

21.09.11 | 15:09 | Allgemein | 2 Kommentare

Dubiose Deals in Russland

Kürzlich habe ich ja einen Artikel zu der Affäre um den russischen Top-Funktionär Sergej Prjadkin und seine möglichen Verstrickungen in deutsch-russische Transferdeals geschrieben. Im Zuge der Recherchen bin ich auf einige weitere sondersame Dinge gestoßen, die der Kollege Andrej Suchotin von der Nowaja Gazeta aufgedeckt hat. Alle, die russisch lesen oder es sich rasch übersetzen lassen können, dürfen sich auf zwei Schmankerl freuen.

a) Wie der russische Pleite-Klub Saturn Ramenskoje noch kurz vor der Insolvenz des Vereins 400.000 Euro an einen unbekannten Spielerberater zahlte. (hier der Artikel)

b) Wie der russische Klub Tom Tomsk 400.000 Euro an eine Spieleragentur zahlte, damit diese potentielle Angreifer suchen möge – und diese Agentur am Ende lediglich den allseits bekannten Pawel Pogrebnjak vorschlug. (hier der Artikel)

18.08.11 | 16:43 | Allgemein | 0 Kommentare

Eto’o und Machatschkala: Viel Geld und zwei Probleme

Zenit St. Petersburg, ZSKA Moskau und selbst Rubin Kasan kennt die westliche Fußball-Welt nun schon. Doch nun muss sie sich langsam mit einem Klub beschäftigen, der auf viele noch mysteriöser wirkt als der russische Durchschnittsklub: Anschi Machatschkala.

In den vergangenen Tagen hat der vom Mäzen Kerimow übernommene Verein für ziemliche Aufregung gesorgt, als er den Kameruner Samuel Eto’o von Inter Mailand verpflichtete – für geschätzte 30 Millionen Euro Ablösesumme und ein geschätztes Jahressalär von 20 Millionen Euro. Das war der zweite Top-Transfer binnen kürzester Zeit, denn zuvor war schon Jurij Schirkow, einer der besten russischen Nationalspieler, zu Anschi gewechselt. Und schon ein Jahr zuvor hatte der Klub den Brasilianer Roberto Carlos unter Vertrag genommen.

Der Promi-Faktor ist künftig also ziemlich groß. Doch es bleiben zwei große Probleme:

a)      Die unruhige Lage der Region: Machatschkala liegt in Dagestan, einer Nachbar-Republik von Tschetschenien. Schon mehrfach wurde in diesem Blog thematisiert, dass die Politik den Fußball gerne ausnutzen würde, um in den kaukasischen Unruherepubliken so etwas wie Normalität vorzugaukeln – was im Falle von Machatschkala besonders schwer ist, weil die Spieler in Moskau wohnen und nur zum Fußballspielen einfliegen.

b)      Russlands Fußball hat ein Problem mit den rassistischen Ausfällen seiner Fans. Hitler-Banner auf der Stadiontribüne, Spuck- und Wurfattacken gegen Spieler mit dunkler Hautfarbe – das hat es in den vergangenen Jahren vermehrt gegeben. Allein Roberto Carlos wurde in diesem Jahr schon zwei Mal Opfer solcher Attacken. Im Spiel von Machatschkala gegen Zenit St. Petersburg und im Spiel von Machatschkala gegen Krylja Samara. Beim zweiten Mal verließ der Brasilianer vorzeitig und einfach so den Platz – seine Mannschaft hatte das Wechselkontingent schon ausgeschöpft. Nun befürchten manche Beobachter, dass auch Samuel Eto’o ziemlich heftig unter Beschuss gerät.

Auch der westlichen Fußball-Welt kann es nicht schaden, sich schon jetzt damit auseinander zu setzen. Denn Machatschkala liegt derzeit auf einem guten fünften Rang und könnte es durchaus in die Europa League der Spielzeit 2012/13 schaffen.

15.06.11 | 14:46 | Allgemein | 1 Kommentar

Terek Grosny entlässt Ruud Gullit

Der normale Ligabetrieb ist zwar nicht das Kernthema dieses Blogs, aber diese Meldung hier zeigt auch viel über die Verschmelzung von Politik, Wirtschaft und Fußball in Russland: Erstligist Terek Grosny entlässt Ruud Gullit.

Warum das interessant ist? Nun, hinter Terek Grosny steckt der berüchtigte tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, der als Moskauer-treuer Paladin im Kaukasus die Interessen des Kremls vertritt. Seine PR-Strategie sieht eigentlich vor, mit einer guten Fußball-Mannschaft für ein paar positive Nachrichten aus der immer noch unruhigen Region zu sorgen – und dafür verpflichtete er unlängst Ruud Gullit. Nun muss der niederländische Europameister von 1988 schon wieder gehen, weil der Klub in der Tabelle fast auf einem Abstiegsrang liegt und weil er selbst sich zu sehr in Bars und Diskotheken herumgetrieben habe, wie Kadyrow moniert. Kadyrow sieht den Glanz des Klubs und von ganz Tschetschenien in Gefahr, und vielleicht auch ein bisschen seinen eigenen Posten.

Wer aber Kadyrows Projekt verfolgt, der ahnt: Mit dieser Entlassung ist die Idee, einen prominenten ausländischen Trainer für Terek Grosny arbeiten zu lassen, keineswegs gescheitert. Vielmehr dürfte nun als Nachfolger ein ähnlicher bekannter Name wie Gullit kommen.