Seit 2007 gibt es einen russischen Staatskonzern namens Olimpstroj, der im Auftrag der Regierung alle Baumaßnahmen für die Olympischen Spiele in Sotschi im Jahr 2014 koordiniert. Und seit dieser Zeit fällt Olimpstroj in ziemlich regelmäßigen Abständen mit Meldungen zu zwei unangenehmen Themenkomplexen auf. Themenkomplex a): Die ursprünglich auf zwölf Milliarden Dollar veranschlagten Kosten für die Vorbereitungen der Spiele sind mal wieder gestiegen. Themenkomplex b): Die politische Administration setzt bei Olimpstroj mal wieder einen neuen Chef ein.
Im September 2007 ernannte Wladimir Putin, damals noch Präsident des Landes, Semjon Weinstock zum Chef. Zuvor hatte dieser jahrelang den staatlichen Pipelinekonzern Transneft geführt. Aber nach nur einem halben Jahr musste er einräumen, dass die ursprüngliche zwölf-Milliarden-Dollar-Schätzung doch arg optimistisch war – und räumte kurz darauf seinen Posten.
Auf Weinstock folgte der damalige Bürgermeister von Sotschi, Viktor Kolodjaschnij. Kritiker warfen ihm vor, zum Clan des Krasnodarer Gouverneurs Alexander Tkatschow zu zählen – und Sotschi zu dessen Kolonie umzufunktionieren. Kolodjaschnij erboste die Bürger in Sotschi besonders, weil zu seiner Zeit als Olimpstroj-Chef endgültig die “Konfiszierung von Grundstücken und anderen Immobilien” über die Bühne ging – durch ein Duma-Gesetzes rechtlich abgesichert. Im Juni 2009 endete Kolodjaschnijs Zeit an der Spitze von Olimpstroj.
An seiner Stelle übernahm Taimuras Bollojew, der zuvor Manager der in Putins Heimatstadt St. Petersburg beheimateten Baltika-Brauerei gewesen war. Er fiel unter anderem deshalb negativ negativ auf, weil die Umweltschützer vom WWF während seiner Zeit die Zusammenarbeit mit Olimpstroj beendeten. Von allen bisherigen Inhabern dieses Postens hielt Bollojew am längsten durch – bis Ende Januar. Dann ging er, offiziell aus gesundheitlichen Gründen.
Doch kurz nach seiner Rücktrittsmeldung tauchten Gerüchte über sechs Korruptionsfälle auf, die fiktive Arbeitsvermittlung bei Olimpstroj beträfen. Von 2007 bis 2010 seien durch das Vorlegen von falschen Dokumenten insgesamt 23 Millionen Rubel (knapp 600.000 Euro) erbeutet worden. “Es gibt trotz der genauen Beobachtung durch verschiedene Organe keine Hinweise auf Missbrauch oder Korruption bei SC Olimpstroj oder anderen Behörden”, sagte der für Olympia zuständige russische Vize-Premier Dmitrij Kosak. “Der Olimpstroj Sicherheitsservice hat einige Verletzungen festgestellt und an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet. Jedoch haben diese Fälle nichts mit Korruption zu tun.”
Nun darf sich also wieder jemand anderes mit der Organisation des zig-Milliarden-Projekts Olympia in Sotschi versuchen, und natürlich ist es wieder jemand, den die Medien mit “Putin-Vertrauter” beschreiben. Sergej Gaplikow, 40, bisher Vizechef von Putins Regierungsbüro, übernimmt.
Kurios ist übrigens, wie sehr der Olimpstroi-Chefposten auch in den kompletten Postenverteilungsapparat der politischen Führung einfließt. Als im vergangenen September die Fehde zwischen Dmitrij Medwedjew und dem damaligen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow ihrem Höhepunkt entgegensteuerte, soll es dem Vernehmen nach Kompromissmöglichkeiten gegeben habe. Eine davon lautete: Luschkow tritt zurück und übernimmt dafür die Leitung von Olimpstroi – doch Luschkow lehnte ab.