16 Stadien, 13 Städte, vier Cluster – und bis auf eine Ausnahme alle im europäischen Teil des Landes. Mit diesem Spielstättenkonzept ist es der russischen Bewerbung gelungen, den Fifa-Entscheidern die Angst vor dem Riesenland, vor weiten Reisewegen zwischen zwei Spielorten und vor WM-Partien im fernen Sibirien zu nehmen.
Konkret sehen die Cluster-Zuordnungen so aus:
a) Nördliches Cluster: Sankt Petersburg, Kaliningrad
b) Zentrales Cluster: Moskau (vier Stadien)
c) Wolga-Cluster: Jaroslawl, Nischnij Nowgorod, Saransk, Kasan, Samara
d) Südliches Cluster: Rostow, Krasnodar, Sotschi
e) Jekaterinenburg
Allerdings: Gerade mal drei dieser 16 Stadien existieren bereits (das Olympiastadion in Moskau, das Dinamo-Stadion in Moskau und das Stadion in Jekaterinenburg), alle anderen müssen neu errichtet werden. Die großen Baufirmen des Landes dürfen sich freuen – zumal es ja nicht bei den Stadien bleibt, sondern diverse Infrastrukturmaßnahmen dazu kommen. Insgesamt investiert die russische Regierung gut 40 Milliarden Dollar.
Die Nominierungen einiger Städte sind überraschend, beispielsweise die von Jaroslawl oder die von Saransk. Deren Mannschaften spielen nicht einmal in der ersten Liga, und es ist zweifelhaft, ob es künftig genügend Fans gibt, um die mindestens 40.000 Zuschauer fassenden Stadien zu füllen – obwohl es nach Auskunft des Bewerbungskomitees ein Kriterium war, dass in der Stadt ein Klub der ersten oder zweite Liga beheimatet ist, um eine “angemessene fußballerische Benutzung des Stadions nach dem Turnier zu gewährleisten”.
Und ganz generell stellt sich die Frage, ob für eine WM überhaupt 16 Stadien nötig sind. Zum Vergleich: 2010 in Südafrika reichten zehn, 2006 in Deutschland zwölf, 1998 in Frankreich zehn. Nur 2002, bei der WM in Japan und Südkorea gab es mehr Spielstätten, insgesamt nämlich 20.
Manche Beobachter haben deswegen den Verdacht, dass die 16 Bewerberstädte jetzt mal munter anfangen können, für Bauvorhaben Geld auszugeben – doch dass die Zahl der tatsächlichen WM-Städte am Ende sinkt. Für Aufregung sorgte in den vergangenen Tagen schon eine Äußerung des Kaliningrader Gouverneur Nikolaj Zukanow, der davon sprach, dass seine Stadt in die “goldene Acht” strebe. Danach soll es also offenbar acht in irgendeiner Form priviligierte Austragungsorte geben. Im Bewerbungsbuch Russlands ist solch eine Formulierung jedoch nicht zu finden. Der Verband erklärte, dass er sich wundere, wie Zukanow darauf komme.
Doch eine kleine Hintertür zu einer möglichen Reduzierung der Stadionzahl lässt sich der Verband. Die endgültige Auswahl der Bewerberstädte, so hieß es auf Anfrage, sei Sache der Fifa – und diese Entscheidung falle wohl Anfang des Jahres 2013.