09.03.11 | 15:27 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 2 Kommentare

Matthäus, Kadyrow und der Kampf um Grosny als WM-Spielstätte

Der Fußball ist für die immer noch unruhigen Kaukasus-Republiken eine der besten Möglichkeiten, um so etwas wie Normalität vorzuspiegeln und von den täglichen Problemen abzulenken. Brot und Spiele, so hat das schon das alte Rom gehalten. In Russland hat das zur Folge, dass Terek Grosny (Tschetschenien)  Ruud Gullit als Trainer unter Vertrag nimmt, dass Anschi Machatschkala (Dagestan) Roberto Carlos verpflichtet – und dass sowohl Grosny als auch Machatschkala darum kämpfen, doch noch in die Reihe der Spielstätten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 befördert zu werden.

Das zu tun, hatte sich nicht einmal die russische Führung getraut. Stattdessen musste sie nach dem jüngsten Terroranschlag in Moskau vielmehr viele Anstrengungen unternehmen, um der Welt zu versichern: Ja, der Kampf gegen den Terror ist uns ein Anliegen. Ja, wir versichern gewaltfreie Großereignisse 2014 und 2018.

Doch die kaukasischen Republiken lassen nicht locker. Vor allem Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow, der schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen beschuldigt wird, kämpft mit allen Mitteln dafür. Sein neuester Clou: ein Benefizspiel zwischen früheren brasilianischen Nationalkickern und einem von ihm zusammengestellten All-Star-Team. Daran wirkten unter anderem mit: Kadyrow selbst, der beim 4:6 auch zwei Tore schoss, natürlich Gullit als Trainer von Terek, dessen Präsident Ramsan Kadyrow heißt – aber auch Lothar Matthäus, der zwar nur eine Halbzeit mitwirkte, aber nichts Besonderes daran fand.

Die Lehren des Abends: Tschetschenien hat mal wieder den Fußball missbraucht, um einen schönen Schein zu suggerieren (beziehungsweise: der Fußball hat sich mal wieder missbrauchen lassen), Lothar Matthäus hat sich mal wieder unmöglich gemacht – aber Grosnys Aussichten auf WM-Spiele sind nicht im geringsten gestiegen.

22.02.11 | 13:05 | Allgemein | Sotschi 2014 | 1 Kommentar

Der Gipfel der Gewalt

Der Kollege Frank Nienhuysen, SZ-Korrespondent in Moskau, hat ein lesenswertes Stück über die zunehmenden Terror-Anschläge in den kaukasischen Skitourismus-Gebieten geschrieben (hier der vollständiger Artikel). Das ist natürlich für die russischen Hobby-Sportler von Belang, aber auch für die anstehenden sportlichen Großereignisse. Sowohl Sotschi (nicht nur Olympia-, sondern auch geplanter Fußball-WM-Gastgeber) als auch der voraussichtliche WM-Gastgeber Krasnodar liegen nicht weit entfernt vom Kaukasus.