11.07.13 | 10:27 | Allgemein | 0 Kommentare

Universiade in Kasan: Auftakt zu Putins großer Sportshow

In der SZ von heute habe ich ein paar Hintergründe über das Spektakel bei den Studentenspielen zusammengetragen.

Der Präsident ließ es sich natürlich nicht nehmen, selbst aufzutreten. Mehr als vier Stunden dauerte die Eröffnungsfeier da schon, bunt und groß und pompös ging es zu, und nun schritt Wladimir Putin zum Mikrofon – und mit dem üblichen Pathos in der Stimme, aber zugleich ungewohnt häufig lächelnd eröffnete er am Wochenende die Sommer-Universiade in Kasan. Wobei sich Pathos und Lächeln nicht nur auf das aktuelle Ereignis bezogen. Denn nach dem Verständnis von Putin und seinen Strippenziehern waren die Eröffnungsworte zu den diesjährigen Studentenspielen zugleich auch die Eröffnungsworte für eine Sport-Ära, in der ihrem Land eine bedeutende Rolle zukommt. Olympische Winterspiele, Fußball-Weltmeisterschaft, Formel-1-Rennen, Welttitelkämpfe in den olympischen Kerndisziplinen Leichtathletik und Schwimmen – kaum eine maßgebliche Sportart kommt in den nächsten Jahren an Russland als Veranstaltungsort vorbei. Und zu einem nicht unerheblichen Anteil geht diese geballte Ladung an Events auf Wladimir Putin selbst zurück, der sich längst intensiv in zentrale Fragen des Weltsports einmischt.

Die Universiade in Kasan, an der Athleten teilnehmen, die zwischen 17 und 28 Jahren alt und an einer Hochschule eingeschrieben sind, interpretieren sie als Testlauf. Entsprechend haben sie die an der Wolga gelegene Hauptstadt der Republik Tatarstan, die auch Austragungsort der Fußball-WM 2018 sein soll, aufgemotzt. Sie haben den Flughafen erweitert, viele Sportstätten hochgezogen und für die mehr als 13 000 Teilnehmer ein Athletendorf errichtet. Vieles ist so bunt und pompös wie bei der Eröffnungsfeier – und gar nicht im üblichen Geist von Universiaden. 350 Medaillenentscheidungen in 27 Sportarten gibt es, ein Rekord, natürlich. Ein Vertreter der deutschen Delegation sagt, Kasan habe neue Maßstäbe gesetzt, er fühle sich mehr an olympische denn an studentische Spiele erinnert. Die Russen selbst streuen als Botschaft: In den vergangenen Jahren hat es immer Kritik am dürftigen Stand unserer Vorbereitungen gegeben und wir haben es dennoch geschafft, fertig zu werden. Und genauso werden wir trotz aller Kritik auch die Winterspiele oder die Fußball-WM gut vorbereiten.

Nun, niemand bezweifelt, dass es die Russen angesichts des großen politischen Willens und der gewaltigen finanziellen Ressourcen schaffen, solche Großprojekte zu stemmen. Die Frage ist immer nur, wie: mit welchen Schäden für die Umwelt, mit welchen Nachteilen für die einfache Bevölkerung und mit wie viel Geld. Knapp fünf Milliarden Euro sind in Kasan in den vergangenen fünf Jahren investiert worden, zirka zwei Drittel davon tragen staatliche Haushalte. Alleine die Kosten für den Straßenbau betrugen nach Angaben des staatlichen Fernsehens etwa eine Milliarde Euro.

Doch Blogger beklagen, dass Kritik an der Universiade, beispielsweise an den hohen Kosten, in den sozialen Netzwerken blockiert werde. In einem Beitrag der russischen BBC-Ausgabe berichteten zudem Betroffene, dass manche Einwohner gezwungen worden seien, an der Fertigstellung der Projekte mitzuarbeiten. Das erinnerte viele an die Zeit der so genannten „Subbotniks“ in der Sowjetunion, also den unbezahlten, allenfalls formal freiwilligen Arbeitseinsatz am Samstag (russisch: Subbotnik). Die vielsagende Antwort von Rustam Minnichanow, dem Präsidenten von Tatarstan: „Ich weiß nicht, gezwungen, nicht gezwungen. Wenn Sie ein Kind haben und das Essen fertig ist, sagen Sie doch auch: Iss. Wir haben auch, wo es nötig war, gesagt, das müssen wir schneller machen oder rechtzeitig fertig machen.“

Aber nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich soll die noch eine Woche andauernde Veranstaltung das Land auf die Groß-Events der kommenden Jahre einstimmen. Und sportlich bedeutet in diesem Fall: mit Erfolgen der heimischen Athleten. Die russische Mannschaft ist jedenfalls auffallend gut besetzt. So sind beispielsweise einige Teilnehmer der Leichtathletik-Wettbewerbe soeben noch beim Diamond League Meeting in Paris angetreten, jetzt nach Kasan geflogen – und bald reisen sie weiter nach Moskau, um dort Anfang August bei der WM zu starten. Ähnliches gilt für die anderen Sportarten. Kein Vergleich mit den Starterfeldern anderer Nationen wie beispielsweise Deutschland, wo sportartübergreifend gerade mal sechs Olympiateilnehmer dabei sind.

Zudem versprechen Russlands Funktionäre ihren Athleten üppige Prämien. Für einen Sieg kassieren sie bis zu 6000 Dollar. Zum Vergleich: Deutsche Starter bekommen für entsprechende Erfolge ein kleines Präsent, aber kein Geld. „Warum soll jemand, der bei der Universiade gewinnt, keinen Zuschuss bekommen“, sagt der russische Sportminister Witalij Mutko. „Selbst für einen Sieg bei der russischen Schach-Olympiade gibt es doch einen Zuschuss.“

Da ist es kein Wunder, dass die Russen mit dem Siege zählen schon jetzt kaum noch nachkommen und im Medaillenspiegel mit gewaltigem Vorsprung führen. Stand Mittwochnachmittag hatten sie fast so viele Goldplaketten wie alle anderen Nationen zusammen. Wobei das allerdings ein Wert ist, den sich Putin & Co. für ihre nächsten sportlichen Großveranstaltungen eher nicht als Maßstab nehmen sollten.

10.02.11 | 17:56 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 4 Kommentare

Was kostet ein Stadion?

Nachdiesem dieser Blog ja schon hier und hier die Stadion-Frage zur vorläufig entscheidenden Frage erkoren hat, ist es nun Zeit für einen etwas konkreteren Blick auf die Kosten der Spielstätten. So Stadien haben ja bekanntlich die merkwürdige Eigenschaft, im Laufe der Monate und Jahre teurer und teurer zu werden. Von daher soll anhand einiger Beispiele nun einmal festgehalten werden, was derzeit der Stand bei den Kostenkalkulationen ist – damit dann gut verfolgt werden kann, was denn am Ende dabei herauskommt. Laut Bewerbung beträgt die Gesamtsumme 3,8 Milliarden Dollar.

Jaroslawl: 200 Millionen Dollar

Jekaterinenburg (Umbau): 140 Millionen Dollar

Kasan: 250 Millionen Dollar

Kaliningrad: 210 Millionen Dollar

Krasnodar: 260 Millionen Dollar

Moskau (Dynamo/Umbau): 280 Millionen Dollar

Moskau (Olympiastadion/Umbau): 240 Millionen Dollar

Moskau (Regionsstadion): 260 Millionen Dollar

Moskau (Spartak): 290 Millionen Dollar

Nischnij Nowgorod: 240 Millionen Dollar

Rostow: 220 Millionen Dollar

Samara: 180 Millionen Dollar

Saransk: 180 Millionen Dollar

Sotschi: 225 Millionen Dollar

St. Petersburg: 415 Millionen Dollar (nach neuesten Entwicklungen jetzt schon: 1,1 Milliarden Dollar, ursprünglich, allerdings weit vor der WM-Vergabe nach Russland: 250 Millionen Dollar.)

Wolgograd: 210 Millionen Dollar