04.11.12 | 18:45 | Allgemein | 0 Kommentare

Russland und die Bekämpfung der Korruption im Fußball

Oha, große Töne kommen da aus Russland. Bekanntlich gibt es kaum ein anderes Land, wo die Fußball-Beteiligten unter einem derart permanenten Manipulationsverdacht stehen (siehe nur das schon bisweilen verlinkte Schwarzbuch der Spielergewerkschaft Fifpro). Und jetzt kursiert folgendes Anliegen schon in den Medien, wie von den Kollegen vom sid vermeldet:

Darin heißt es unter anderem: Im Kampf gegen Spielmanipulationen und Korruption im Fußball plant Russland bis zum Jahresende ein neues Gesetz, mit dem Tätern einen Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren droht. „Wir reden über eine ganze Reihe an Maßnahmen, die darauf abzielen, die Verfälschung von Ergebnissen, illegales Wetten und Spielmanipulationen zu bekämpfen“, sagte Sportminister Witali Mutko am Freitag. Neben einer drakonischen Gefängnisstrafe soll es auch Geldstrafen von bis zu einer Million Rubel (ca. 25.000 Euro) geben.

Mal gespannt, was da wirklich herauskommt. Und noch gespannter, welche konkreten Folgen das hat.

04.09.12 | 18:37 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Zenit St. Petersburg verpflichtet Hulk und Witsel

Ein paar Gedanken zum aktuellen Transfergehabe von Zenit St. Petersburg, Text aus der SZ vom 5. September:

Russlands Fußball entwickelt sich vorbildlich weiter. Als die Statistiker nach dem Winter-Transferfenster 2011/12 die Liste mit den teuersten Wechseln erstellten, stand auf Platz eins ein Herr namens Balazs Dzsudzsak, der nicht jedem gemeinen Fußball-Fan ein Begriff ist, für den Dynamo Moskau aber etwa 20 Millionen Euro nach Machatschkala überwies.
Insofern ist es tröstlich, dass die Rekordliste der sommerlichen Wechselperiode seit Montagabend ein allseits bekannter Akteur anführt: Brasiliens Nationalangreifer Givanildo Vieira de Souza, genannt Hulk. Etwas weniger tröstlich ist zugleich allerdings, dass der russische Meister Zenit St. Petersburg den sogar für einen Angreifer wie Hulk recht hoch erscheinenden Preis von angeblich 50 Millionen Euro an den FC Porto zahlte. Und dass der Klub nur ein paar Stunden später auch noch 40 Millionen Euro für den belgischen Mittelfeldspieler Axel Witsel ausgab, dessen Bekanntheitsgrad bei allem Talent bisher eher auf Dzsudzsak-Niveau liegt.

“Beide sind Wunschspieler”, jubelte jedoch der italienische Zenit-Trainer Luciano Spalletti über die sündteuren Zugänge, deren Verpflichtung nur möglich war, weil die Transferzeit in Russland – anders als im Großteil der europäischen Verbände – erst am 6. September endet.

Fast in jeder Wechselperiode gibt es Transfers, die maßlos überteuert zu sein scheinen. Erst kürzlich hat selbst FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß eingeräumt, dass der wahre Marktwert des neuen Mittelfeldspielers Javier Martínez aus Bilbao um einiges unter den bezahlten 40 Millionen Euro liege. Doch bei einem Blick auf die teuersten Wechsel dieses Sommers ist es schon auffallend, wie problemlos manche Vereine auch überdimensionierte Ablösen zahlen – und es ist kein Zufall, welche Klubs dabei besonders herausragen.

Erstens der FC Chelsea des Oligarchen Roman Abramowitsch, der sich für mehr als 70 Millionen Euro die Dienste der Talente Eden Hazard, 21, und Oscar, 20, sicherte. Zweitens Paris St. Germain, das dank des Vermögens seiner katarischen Besitzer mehr als 130 Millionen Euro ausgab. Und eben Zenit St. Petersburg, dessen Eigentümer seit einigen Jahren der staatlich kontrollierte Energieriese Gazprom ist.

Für die Ziele in der russischen Meisterschaft sind dessen Investitionen in Spieler wie Hulk und Witsel nicht zwingend notwendig. Zenit hat sich schon in den zurückliegenden Spielzeiten kräftig verstärkt und in den vergangenen zwei Saisons den Titel gewonnen; auch in der laufenden liegt der Klub wieder auf Platz eins. Doch die Verantwortlichen, zu denen seit kurzem auch der frühere Bundesliga-Manager Dietmar Beiersdorfer zählt, drängt es wieder nach internationalen Erfolgen – so wie 2008, als Zenit den Uefa-Pokal und Europas Supercup gewann.

Dass Geld bei diesem Ansinnen keine Rolle spielt, zeigt nicht nur ein Blick auf die Ablösesummen, sondern auch auf den Stadion-Neubau: Dessen Kosten belaufen sich nach aktuellen Schätzungen auf die – selbst für russische Verhältnisse astronomische – Summe von einer Milliarde Dollar.

Doch wegen der europäischen Ambitionen müssen sich die St. Petersburger Fans auch noch etwas gedulden, bis sie Hulk und Witsel erstmals spielen sehen. Im Moment ist sowieso Länderspiel-Pause – und das für den 15. September terminierte Ligaspiel zwischen Zenit und Terek Grosny wurde jetzt auch vertagt. Das Team soll sich in Ruhe auf das Champions-League-Spiel in Malaga drei Tage später vorbereiten können.

18.08.11 | 16:43 | Allgemein | 0 Kommentare

Eto’o und Machatschkala: Viel Geld und zwei Probleme

Zenit St. Petersburg, ZSKA Moskau und selbst Rubin Kasan kennt die westliche Fußball-Welt nun schon. Doch nun muss sie sich langsam mit einem Klub beschäftigen, der auf viele noch mysteriöser wirkt als der russische Durchschnittsklub: Anschi Machatschkala.

In den vergangenen Tagen hat der vom Mäzen Kerimow übernommene Verein für ziemliche Aufregung gesorgt, als er den Kameruner Samuel Eto’o von Inter Mailand verpflichtete – für geschätzte 30 Millionen Euro Ablösesumme und ein geschätztes Jahressalär von 20 Millionen Euro. Das war der zweite Top-Transfer binnen kürzester Zeit, denn zuvor war schon Jurij Schirkow, einer der besten russischen Nationalspieler, zu Anschi gewechselt. Und schon ein Jahr zuvor hatte der Klub den Brasilianer Roberto Carlos unter Vertrag genommen.

Der Promi-Faktor ist künftig also ziemlich groß. Doch es bleiben zwei große Probleme:

a)      Die unruhige Lage der Region: Machatschkala liegt in Dagestan, einer Nachbar-Republik von Tschetschenien. Schon mehrfach wurde in diesem Blog thematisiert, dass die Politik den Fußball gerne ausnutzen würde, um in den kaukasischen Unruherepubliken so etwas wie Normalität vorzugaukeln – was im Falle von Machatschkala besonders schwer ist, weil die Spieler in Moskau wohnen und nur zum Fußballspielen einfliegen.

b)      Russlands Fußball hat ein Problem mit den rassistischen Ausfällen seiner Fans. Hitler-Banner auf der Stadiontribüne, Spuck- und Wurfattacken gegen Spieler mit dunkler Hautfarbe – das hat es in den vergangenen Jahren vermehrt gegeben. Allein Roberto Carlos wurde in diesem Jahr schon zwei Mal Opfer solcher Attacken. Im Spiel von Machatschkala gegen Zenit St. Petersburg und im Spiel von Machatschkala gegen Krylja Samara. Beim zweiten Mal verließ der Brasilianer vorzeitig und einfach so den Platz – seine Mannschaft hatte das Wechselkontingent schon ausgeschöpft. Nun befürchten manche Beobachter, dass auch Samuel Eto’o ziemlich heftig unter Beschuss gerät.

Auch der westlichen Fußball-Welt kann es nicht schaden, sich schon jetzt damit auseinander zu setzen. Denn Machatschkala liegt derzeit auf einem guten fünften Rang und könnte es durchaus in die Europa League der Spielzeit 2012/13 schaffen.

15.06.11 | 14:46 | Allgemein | 1 Kommentar

Terek Grosny entlässt Ruud Gullit

Der normale Ligabetrieb ist zwar nicht das Kernthema dieses Blogs, aber diese Meldung hier zeigt auch viel über die Verschmelzung von Politik, Wirtschaft und Fußball in Russland: Erstligist Terek Grosny entlässt Ruud Gullit.

Warum das interessant ist? Nun, hinter Terek Grosny steckt der berüchtigte tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, der als Moskauer-treuer Paladin im Kaukasus die Interessen des Kremls vertritt. Seine PR-Strategie sieht eigentlich vor, mit einer guten Fußball-Mannschaft für ein paar positive Nachrichten aus der immer noch unruhigen Region zu sorgen – und dafür verpflichtete er unlängst Ruud Gullit. Nun muss der niederländische Europameister von 1988 schon wieder gehen, weil der Klub in der Tabelle fast auf einem Abstiegsrang liegt und weil er selbst sich zu sehr in Bars und Diskotheken herumgetrieben habe, wie Kadyrow moniert. Kadyrow sieht den Glanz des Klubs und von ganz Tschetschenien in Gefahr, und vielleicht auch ein bisschen seinen eigenen Posten.

Wer aber Kadyrows Projekt verfolgt, der ahnt: Mit dieser Entlassung ist die Idee, einen prominenten ausländischen Trainer für Terek Grosny arbeiten zu lassen, keineswegs gescheitert. Vielmehr dürfte nun als Nachfolger ein ähnlicher bekannter Name wie Gullit kommen.