30.05.11 | 16:39 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Blatter, Bin Hammam und Putin

Eine unfassbare Korruptionsaffäre erschüttert die Fifa, und sollte sich das Image des Fußballweltverbandes auf einem Level befunden haben, von dem aus es weiter sinken kann, dann ist es in den vergangenen Tagen auf den ultimativen Tiefpunkt gesunken. Korruptionsvorwürfe gegen Blatter-Herausforderer Bin Hammam, Verschleierungsvorwürfe gegen Blatter, ein merkwürdiger Rückzug des Gegenkandidaten, eine noch merkwürdigere Suspendierung – und parallel zu alledem die permanenten Vorwürfe, rund um die Vergabe der WM 2022 nach Katar sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

Wie ist Russlands Rolle in dieser Affäre? Was bedeuten diese Affären fürs Land? Ein paar Gedanken:

1.)    Im Machtkampf zwischen Blatter und Bin Hammam hat sich Russland eindeutig positioniert. Die Vorwürfe gegen den amtierenden Fifa-Chef seien “totaler Blödsinn” ließ sich niemand geringeres als der Ministerpräsident Wladimir Putin persönlich zitieren – der schon länger ein enges Verhältnis zu Blatter pflegt. “Ich bin mir sicher, dass dies nicht die Wahl des neuen FIFA-Präsidenten beeinflussen wird”, sagte er dieser Tage – und kündigte die Unterstützung Russlands für Blatter bei der Abstimmung an. Das ist ja nun gar nicht mehr nötig, weil der Herausforderer nicht mehr kandidiert. Aber um zu demonstrieren, wie groß sein Vertrauen in Blatter ist, schob Putin noch hinterher: Er persönlich würde dem Schweizer sofort seine Stimme geben.

2.)    Putin spielt im internationalen Weltsport eine immer entscheidendere Rolle. Dass die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi und die Spiele der Fußball-WM 2018 in Russlands Städten stattfinden, gilt gemeinhin als sein Verdienst. Nun mischt er sich auch noch in solch eine entscheidende Personalie des Fußballweltverbandes ein. Er wuchert ja auch mit einem gehörigen Pfund: Die Seilschaften zwischen vielen der früheren Sowjetrepubliken sind auf Funktionärsebene immer noch so eng, dass Putin in der Rolle erscheint, als könne er ein ganzes Paket an Stimmen verschaffen. Im Einzelfall ist das nicht zutreffend, aber es wirkt bisweilen so.

3.)    Russland kommt es extrem zupass, dass die Manipulationsvorwürfe rund um die WM-Vergabe 2022 einfach nicht verstummen. Zur Erinnerung: Die Entscheidungen, Russland das Turnier 2018 und Katar jenes vier Jahre später zu geben, fielen an einem Tag – und beide Länder hatten nicht gerade als Favoriten gegolten. In Russland mag man sich gar nicht vorstellen, was gerade los wäre, wenn die WM 2022 noch gar nicht oder an ein favorisiertes Land wie die USA vergeben worden wäre. Dann stünde die ebenfalls irritierende Vergabe der WM 2018 an Russland stärker im Interesse der kritischen Öffentlichkeit – und dass angesichts all der Oligarchen und Putins persönlichem Engagement für dieses Turnier alles mit rechten Dingen zuging, bezweifeln viele, wenngleich es keinerlei Beweise gibt, dass dem so war. Allerdings war schon im Vorfeld der Entscheidung von dubiosen Absprachen die Rede gewesen.

4.)    Im Kontext dieser Entwicklungen ist auch noch ein weiterer Punkt interessant: Durch einige Personalentscheidungen – die natürlich, wem sonst, Putin zugeschrieben werden – hat sich das Ansehen des russischen Sports international etwas gebessert. Im Biathlon beispielsweise hat mittlerweile nicht mehr der obskure Alexander Tichonow das Sagen, sondern der Multimilliardär Michail Prochorow, der drittreichste Mann des Landes – und dem gelang es kürzlich sogar, einen überzeugten Anti-Doping-Mann wie Wolfgang Pichler als Trainer in das chronisch dopingverseuchte Land zu lotsen. Und im Fußball sitzt statt der Skandalnudel Wjatscheslaw Koloskow nun Putins alter Petersburger Wegbegleiter Witalij Mutko in diversen Gremien – und verhält sich dort viel weniger auffällig als sein Landsmann Koloskow.

20.02.11 | 13:31 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 4 Kommentare

Stadien, die die Welt nicht braucht (3)

Wie erwartet: Die Frage, wie viele und welche WM-Spielstätten es im Jahr 2018 gibt, ist noch lange nicht entschieden. Bislang sind 16 Stadien in 13 Stätten (Liste über die veranschlagten Kosten siehe hier) vorgesehen. Doch es sieht so aus, als würden es am Ende weniger sein und als beginne der Kampf schon jetzt, obwohl die Fifa ihre endgültige Entscheidung erst im März 2013 treffen dürfte. RBK Daily berichtet unter Berufung auf eine Quelle aus dem Bewerbungskomitee, dass schon die Gespräche mit dem Fußballweltverband begonnen hätten. Danach sind Jekaterinenburg, Saransk und das Stadion in der Moskauer Region, das in Podolsk stehen soll, die Streichkandidaten.

Doch die Frage ist, wer das letztlich entscheiden darf. Die russischen Verantwortlichen sagen: die Fifa. Die Fifa sagt: die Russen selbst. Das kann ja noch zu manch spannender Auseinandersetzung führen.

Interessant übrigens am Rande: Mittlerweile beschweren sich auch die Vertreter der Regionen, die in der 16er-Liste nicht berücksichtigt sind, immer heftiger. Vor allem die Regierung der immer noch unruhigen Kaukasus-Republik Dagestan. Doch dieses Ansinnen von Dagestans Präsident Magomedsalam Magomedow ist aussichtslos.

05.02.11 | 19:38 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Stadien, die die Welt nicht braucht (2)

Vor einigen Tagen habe ich mich in diesem Blog schon einmal mit der Frage beschäftigt, ob es für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 wirklich 16 Stadien bedarf und warum ausgerechnet diese 16 Stadien in diesen 13 Städten vorausgewählt wurden. Es ist ein Thema, das bis mindestens 2013, wenn die Fifa die endgültige Entscheidung über die Spielstätten fällt, aktuell bleibt.

Über ein besonders absurdes Beispiel berichten die Kollegen von  RusBusinessNews am Beispiel des Stadions in Jekaterinenburg, das als eines von nur drei Stadien für die WM nicht neu-, sondern lediglich umgebaut werden soll – und wo die Verantwortlichen dieser Tage verkündeten, unbedingt als Erste das Stadion spielbereit haben zu wollen. Die Kollegen von  RusBusinessNews hingegen kommen zu dem Schluss, dass das Geld dort verpfuscht wird, “da das Stadion den Fifa-Standards trotz aller Baumaßnahmen nicht entsprechen kann” und der Umbau des Stadions lediglich eine Vorhangfunktion habe, “damit die Geschäftemacher das staatliche Geld verteilen können”.

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