03.12.12 | 11:40 | Allgemein | Vereinsfußball | 1 Kommentar

FC Bayern und Gazprom

Die Bild-Kollegen berichten von einem baldigen Einstieg von Gazprom beim FC Bayern. Wie genau, in welcher Form, wann etc., das lassen sie noch offen. Mein Stück aus der heutigen SZ dazu:

Gibt es nun noch jemanden, der am Einstieg von Gazprom zweifelt? An diesem Wochenende hat sich der russische Präsident Wladimir Putin in Ankara mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan getroffen, und im Zuge der Zusammenkunft gaben die Verantwortlichen des ambitionierten türkischen Erstligisten Antalyaspor vergnügt bekannt, dass ein Engagement des russischen Energiekonzerns geplant sei.

Damit sind sie am Mittelmeer schon einen Schritt weiter als in München, wo Gazprom dieser Tage ebenfalls Gegenstand vieler Diskussionen ist. Am Samstag berichtete die Bild, das staatlich kontrollierte und ob seiner politischen Wechselwirkungen oft kritisierte Unternehmen würde sich in Zukunft „im großen Stil“ beim FC Bayern engagieren. Details nannte das Blatt nicht. Die Spekulationen sind nicht neu. Im vergangenen Jahr hatte es kurz vor Weihnachten ein Treffen der Münchner Vereinsspitze mit den Gazprom-Verantwortlichen gegeben. Zu Jahresbeginn war zu vernehmen, dass es zumindest kurzfristig zu keiner Zusammenarbeit käme. Doch in Russland heißt es, die Gespräche seien weitergegangen – auch im Zuge der Verhandlungen der Firma mit der bayerischen Staatsregierung um mögliche Investitionen im hiesigen Strommarkt.

Zudem hatte es im Sommer Aufregung gegeben, als die russische Gas-Vereinigung, hinter der im Wesentlichen Gazprom steht, den FC-Bayern-Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer als Botschafter verpflichtete – und das, obwohl Beckenbauer kurz zuvor noch Teil jenes Fifa- Exekutivkomitees war, das Russland zum WM-Ausrichter 2018 kürte. Der FC Bayern wollte den Bild-Bericht nicht kommentieren; und von Gazprom hieß es nur, es gebe keine konkreten Neuigkeiten.

Ein Engagement beim deutschen Rekordmeister würde allerdings zur Strategie des Konzerns passen, der den Sport längst als Möglichkeit der Markenpositionierung und Imagepolitur ausgemacht hat. Gazprom ist seit 2006 Mehrheitseigner von Zenit St. Petersburg sowie seit einigen Jahren über seine Firmen-Strukturen Trikotsponsor des FC Schalke 04 und des serbischen Traditionsklubs Roter Stern Belgrad. Seit Sommer firmiert das Unternehmen auch als „Global Energy Partner“ des FC Chelsea. Zudem taucht es immer wieder als Kandidat auf, wenn es um neue Geldgeber für den AC Mailand geht. Und seit 2012 ist Gazprom auch noch offizieller Sponsor der Champions League.

Auch in andere Sportarten investiert der Konzern viel Geld, zumeist allerdings in Russland. Beispielsweise in den Eishockey-Verein Awangard Omsk, in die Volleyballer aus Surgut oder in das Tischtennis-Team Fakel Orenburg, wo unter anderem der deutsche Spitzenspieler Dmitrij Ovtcharov spielt.

28.11.12 | 13:52 | Allgemein | Vereinsfußball | 1 Kommentar

Ein weiterer Oligarch steigt ein

Wenn das stimmt, was die Kollegen von Argumenty i fakty hier berichten, dann steht dem russischen Fußball der Einstieg eines weiteren Oligarchen bevor. Angeblich hat Iskander Machmudow die Aktien-Mehrheit am derzeitigen Tabellenführer ZSKA Moskau erworben. Der bisherige Präsident Jewgenij Giner soll Minderheitseigner bleiben.

Neben der Gestalt Machmudow als solcher (er zählt zu den zehn reichsten Russen, ist im Bergbau-Business reich geworden, wurde früher einmal der Geldwäsche verdächtigt; weitere Details hier) wäre das vor allem aus einem Grund interessant. Denn ZSKA Moskau war bisher der Verein mit der undurchsichtigsten Eigentümerstruktur der an undurchsichtigen Eigentümerstrukturen sich nicht armen russischen Liga. In diesem Text hatte ich mal versucht, das etwas aufzuschlüsseln.

ZSKA Moskau will das Thema übrigens nicht kommentieren.

04.11.12 | 18:45 | Allgemein | 0 Kommentare

Russland und die Bekämpfung der Korruption im Fußball

Oha, große Töne kommen da aus Russland. Bekanntlich gibt es kaum ein anderes Land, wo die Fußball-Beteiligten unter einem derart permanenten Manipulationsverdacht stehen (siehe nur das schon bisweilen verlinkte Schwarzbuch der Spielergewerkschaft Fifpro). Und jetzt kursiert folgendes Anliegen schon in den Medien, wie von den Kollegen vom sid vermeldet:

Darin heißt es unter anderem: Im Kampf gegen Spielmanipulationen und Korruption im Fußball plant Russland bis zum Jahresende ein neues Gesetz, mit dem Tätern einen Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren droht. „Wir reden über eine ganze Reihe an Maßnahmen, die darauf abzielen, die Verfälschung von Ergebnissen, illegales Wetten und Spielmanipulationen zu bekämpfen“, sagte Sportminister Witali Mutko am Freitag. Neben einer drakonischen Gefängnisstrafe soll es auch Geldstrafen von bis zu einer Million Rubel (ca. 25.000 Euro) geben.

Mal gespannt, was da wirklich herauskommt. Und noch gespannter, welche konkreten Folgen das hat.

02.11.12 | 19:22 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

So teuer wie Wembley: Zu den vielen Problemen rund um das neue Stadion in St. Petersburg

Hier hatte ich ja schon kurz auf die Meldung hingewiesen, dass der Rechnungshof Russlands die Vorgänge rund um das neue Stadion in St. Petersburg untersuchen möchte. Für die SZ habe ich folgendes einordnendes Stück dazu verfasst:

Im Prinzip, so spotten sie gerade in St. Petersburg, hat sich beim Zeitplan für das neue Fußball-Stadion gar nichts verändert. Als es 2006 erste konkrete Überlegungen gab, für den örtlichen Klub Zenit auf der Krestowskij-Insel eine neue Spielstätte zu errichten, da hieß es: So in zwei Jahren könnte es fertig sein. Als 2009 im Zuge des Bewerbungsverfahrens für die Weltmeisterschaft 2018 einige technische Umplanungen und eine Erhöhung der Kapazität auf zirka 67<TH>000 Plätze beschlossen wurden, da hieß es: So in zwei Jahren könnte es fertig sein. Und nach diversen weiteren Verzögerungen lautet der aktuelle Planungsstand nun: So in zwei Jahren könnte das Stadion fertig sein.

Es ist wohl nicht auszuschließen, dass das Image-Projekt in der Heimatstadt von Staatspräsident Wladimir Putin erst kurz vor der WM 2018 wirklich abgeschlossen wird. Doch parallel zur permanenten Verschiebung des Zwei-Jahres-Zieles hat sich rund um den Neubau eine andere Zahl verändert, die für heftige Aufregung sorgt: Anstatt der ursprünglich einmal kalkulierten 6,7 Milliarden Rubel betragen die voraussichtlichen Kosten nach Angaben der St. Petersburger Stadtregierung bereits 43 Milliarden Rubel (nach derzeitigem Umrechnungskurs mehr als eine Milliarde Euro). Sollten zu dieser Zahl noch ein paar Millionen Rubel dazukommen, könnte die Spielstätte die Londoner Wembley-Arena als teuerstes Stadion der Welt ablösen.

Doch weil diese Summe von mehr als einer Milliarde Euro selbst für russische Fußball-Verhältnisse horrend ist, schaltet sich nun der russische Rechnungshof ein: „Wir wollen überprüfen, wohin bereits 16 Milliarden Rubel gegangen sind und wie es zu jener sagenhaften Summe von 43 Milliarden Rubel kam“, sagte dessen Vorsitzender Sergej Stepaschin – und kündigte an, bis zum Ende der Bauarbeiten eine „operative“ Kontrolle ausüben zu wollen. Zugleich wurde von Seiten des Parlamentes ein Kontroll-Komitee gegründet und musste nach Informationen der Zeitung Kommersant der Vorsitzende der zuständigen Petersburger Baubehörde zurücktreten.

Nun haben in Russland derartige Ankündigungen und Komitee-Gründungen oft rein dekorativen Charakter. Aber zum einen hat es in der Vergangenheit schon manches Mal zu Konsequenzen geführt, wenn der Rechnungshof etwas anprangerte. Und zum zweiten deutet sich mit diesem Vorgehen an, dass die Mächtigen des Landes mittlerweile einen Image-Schaden für ihr wichtigstes Fußball-Vorhaben der kommenden Jahre fürchten, die WM 2018. In der St. Petersburger Bevölkerung gibt es schon seit längerem Protest gegen das Stadion-Projekt. Erst jüngst befeuerte Gouverneur Georgij Poltawtschenko die ablehnende Haltung, als er die alte sowjetische Tradition des Subbotniks (der freiwilligen unentgeltlichen Zusatzarbeit am Samstag) erneuern und die Zenit-Fans zu freiwilligen Arbeitseinsätzen ermuntern wollte. Ein führender lokaler Abgeordneter der zumindest formal zur Opposition zählenden Partei Sprawedliwaja Rossija (Gerechtes Russland) sagte bereits populistisch, er plädiere für einen sofortigen Baustopp und die Vergabe des WM-Austragungsort-Status an eine andere Stadt. Wahrscheinlich muss am Ende der staatlich kontrollierte Erdgas-Konzern und Zenit-Eigentümer Gazprom zusätzliche Investitionen tätigen oder die Moskauer Zentrale Mittel aus dem gesamten WM-Topf abzwacken.

So rabiat wie in St. Petersburg ist die Stimmung in den übrigen zehn Ausrichter-Städten zwar nicht, und so hoch sind die angedachten Ausgaben für Um- und Neubauten der Stadien dort auch nicht. Aber überall nimmt man verärgert zur Kenntnis, dass sich die geplanten Kosten für die Ausrichtung des gesamten Turnieres erst kürzlich auf 15 Milliarden Euro verdoppelt haben – und dass sich diese Summe noch erhöhen dürfte.

26.10.12 | 18:12 | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Rechnungshof untersucht neues Zenit-Stadion

Eine Milliarde Euro sind selbst in Russland viel Geld – so viel kostet das neue Petersburger Stadion, dessen Bau nicht recht voran kommt, aber mindestens. Heute zitieren die russischen Agenturen nun Gouverneur Georgij Poltawtschenko, einen Putin-Vertrauten, nach dem sich jetzt der Rechnungshof um die Angelegenheit kümmere.

Die Kollegen der dpa schreiben dazu unter anderem: “Das Bauunternehmen Transstroi machte auch nachträgliche Änderungswünsche des Weltfußballverbandes Fifa für die auf 43,8 Milliarden Rubel (1,08 Milliarden Euro) gestiegenen Kosten verantwortlich. Die Arena soll nach Angaben des Erstligisten Zenit St. Petersburg 62 000 Besucher fassen, die Fifa spricht von 69 501 Plätzen. Das für 2010 geplante Bauende ist nicht absehbar. Derzeit seien etwa 70 Prozent fertiggestellt, teilte Transstroi mit. Mit dem Bau des „Raumschiffs“ nach einem Entwurf des japanischen Architekten Kisho Kurakawa war 2007 begonnen worden. Kürzlich hatte Ministerpräsident Dmitrij Medwedew, der wie Putin aus St. Petersburg stammt, das langsame Tempo und die horrenden Kosten angeprangert.”

16.10.12 | 10:52 | Allgemein | Sotschi 2014 | 0 Kommentare

Heiße, winterliche, fragwürdige – zum Stand der Olympia-Vorbereitungen in Sotschi

Nur noch knapp 500 Tage bis zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi; dass dort Wettkampfstätten-technisch noch manches im Argen liegt, hat jetzt erst wieder Skiweltverbands-Präsident Kasper mitgeteilt (und damit dem jüngsten Vermerk der zuständigen Kommission des IOC widersprochen). Aber mit den Wettkampfstätten ist es ja so, dass sie in der Regel immer noch kurz vor Spiele-Beginn fertig werden, wenn auch dann natürlich entsprechend teurer. Doch die Wettkampfstätten sind nicht Sotschis einzige Sorge; ich habe für die heutige Ausgabe der SZ folgenden Kommentar über die Lage geschrieben:

Etwas weniger als 500 Tage sind es noch bis zu den Olympischen Spielen in Sotschi, und fast täglich kommt derzeit aus Russland eine nette Meldung. Die zuständige Kommission des Internationalen Olympischen Komitees fand bei der jüngsten Inspektionstour der Wettkampfstätten im Schwarzmeer-Ort und dem knapp 50 Kilometer entfernt gelegenen Gebirgsdorf Krasnaja Poljana alles prima. Die Organisatoren konzipieren den längsten Fackellauf der Olympia-Geschichte. Die Regierung beschließt eine Obergrenze für Hotelpreise (knapp 108 Euro für ein Zimmer in einer Drei-Sterne-Unterkunft und 344 Euro für ein Appartement in einer Luxus-Herberge), um den anreisenden Sportfans die Angst vor Wuchersummen zu nehmen. Und das offizielle „Wir lernen jeden Tag ein Wort Englisch“-Projekt für die Bewohner der Stadt ist mittlerweile bei Vokabel Nummer 184 angekommen<TH>– bis zum Spiele-Beginn am 7. Februar 2014 sollen es 662 werden. Das muss ja ganz wunderbar werden.

Tatsächlich aber bleibt die zwischen Palmen, Putins Sommerresidenz und brodelndem Kaukasus-Konflikt stattfindende Veranstaltung für viele in der Bevölkerung ein fragwürdiges Vorhaben. Sie stören sich an dem Gigantismus dieses Projektes, an den zahlreichen Eingriffen in die Natur und an den Zwangsumsiedlungen, die Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch immer noch beklagen. Sie wissen noch nicht, welche Einschränkungen aus den sicherheitspolitischen Überlegungen erwachsen, mit denen sich die Politik gegen die befürchteten Terroranschläge nordkaukasischer Untergrundkämpfer rüsten will. Und sie beklagen vor allem die horrenden Kosten.

Die Organisatoren verweisen zwar darauf, sich immer noch im Rahmen des offiziellen Budgets von 200 Milliarden Rubel (umgerechnet derzeit knapp fünf Milliarden Euro) zu bewegen. Doch inklusive zusätzlicher Infrastruktur-Maßnahmen gehen Eingeweihte inzwischen von Kosten jenseits der 20 Milliarden Euro aus – das ist ein Rekord für Olympische Winterspiele. Dass nicht wenig davon in dunklen Kanälen versickern dürfte, ist nicht nur ein Klischee; der russische Rechnungshof selbst hat schon die grassierende Korruption rund um die Sotschi-Spiele angeprangert. Insider berichten, dass für den Erhalt von Aufträgen mindestens 15 Prozent Aufschlag üblich seien, bei besonderen Projekten sogar mehr als 30 Prozent. Für zusätzlichen Verdruss sorgt, dass die Oligarchen-Klasse offenbar weit weniger und zudem risikofreie Investitionen beisteuert als bisweilen suggeriert – und die Belastungen für den Staatssäckel entsprechend höher ausfallen.

Da verwundert es nicht mehr, dass den Russen rund um Olympia 2014 selbst Nebensächlichkeiten missfallen. Den vor wenigen Wochen verkündeten Spiele-Slogan „Heiße, winterliche, deine“ lehnen in einer aktuellen Umfrage mehr als zwei Drittel der Teilnehmer ab.

14.10.12 | 14:47 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Extra schlecht aufgestellt – eine kuriose Trainer-Entlassung

Eine nette Geschichte aus der Welt der Fußball-Manipulation gewinnt in Russland gerade wieder etwas an Fahrt. Im Kern geht es um eine alte Geschichte aus dem Jahr 2011: Der damalige Trainer von Lokomotive Moskau, Jurij Krasnoschan, wurde von seiner Präsidentin (ja, so etwas gibt es in Russland anders als in Deutschland und vielen anderen westeuropäischen Ligen tatsächlich, eine Fußballklub-Präsidentin) Olga Smorodskaja nach einer Niederlage gegen den schwerrreichen und bestens vernetzten Oligarchen-Klub Anschi Machatschkala entlassen – obwohl Lok in der Liga gut platziert war. Die Begründung: Krasnoschan habe seine Mannschaft mutwillig schlecht aufgestellt, in ihren Äußerungen schwang der Vorwurf mit, Krasnoschan habe das Spiel bewusst verloren – und Russlands Fußball-Öffentlichkeit debattierte leidenschaftlich, woran sich der manipulative Charakter des Spiels erkennen lasse. Kurioserweise blieb der Fall damals folgenlos, Ermittlungen gab es nicht. Alle Beteiligten, die sich äußerten, bestritten die kursierenden Vorwürfe.

Pikanterweise bekam Krasnoschan seine nächsten Jobs – beim Verband, der nichts unternommen hatte, und Anschi Machatschkala, dem angeblichen Anstifter zur schlechten Aufstellung.

Mittlerweile ist Krasnoschan Trainer bei Kuban Krasnodar, und die Angelegenheit wäre wohl vergessen, wenn nicht im Zuge der Präsidentschaftswahlen in Russlands Fußball gerade ein Machtkampf toben würde. Und deswegen ließ der eine oder andere dieser Tage verlauten, man solle die Sache vielleicht doch noch einmal untersuchen. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass es formal tatsächlich dazu kommt, aber immerhin beschäftigt sich nun die Öffentlichkeit noch einmal mit diesem merkwürdigen Fall.

29.09.12 | 21:57 | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Stadien, die die Welt nicht braucht (8) – die endgültige Entscheidung

Soeben haben Sepp Blatter und die Vertreter der russischen Organisatoren die elf Städte bzw. zwölf Stadien bekanntgegeben. (Anschaubar in der Wiederholung hier in der Mediathek des Pervyj Kanal).

Gegenüber dem gestern vermeldeten Tipp hat es dann doch noch einmal eine Änderung gegeben: Nicht die Moskauer Dynamo-Arena, Jaroslawl und Saransk fliegen aus der Kandidatenliste, sondern die Dynamo-Arena, Jaroslawl und Krasnodar. Mal gespannt, zu was sich die Dynamo-Lobby in den kommenden Wochen noch so hinreißen lässt. Da bauen sie einen neuen Sportkomplex, der insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar kostet – und dann ist da nicht einmal ein WM-Spiel …

BTW: Moskau munkelt, dass es entgegen der Planung nicht der letzte Tage gewesen sein könnte, an dem Kandidaten gestrichen werden. Ob Städte wie etwa Saransk am Ende wirklich Ausrichter werden, glauben noch nicht alle …

28.09.12 | 14:35 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Stadien, die die Welt nicht braucht (7) – die Entscheidung

Also, die Entscheidung, über die seit ein paar Monaten gerungen wurde, ist offenbar gefallen. Drei der bisher 15 Kandidaten-Spielstätten* fliegen raus, sagte Sportminister Witalij Mutko heute in Zürch. Und nicht nur das: Er sagte auch, dass man das Turnier in zwölf  Stadien und elf Städten austragen wolle.

Das heißt, das etwas überraschend von den drei Moskauer Stadien – Olympiastadion Luschniki, neue Spartak-Arena, neue Dynamo-Arena – eines kein Austragungsort ist. Der Sowjetskij Sport mutmaßt, es handele sich dabei um die Dynamo-Arena. Weniger überraschend: Saransk und Jaroslawl, die ohnehin als chancenlos galten, werden danach ebenso gestrichen.

Das heißt, es verblieben: Moskau (2), St. Petersburg, Sotschi, Kasan, Jekaterinenburg, Kaliningrad, Rostow, Krasnodar, Samara, Nischnij Nowgorod

Offiziell verkündet wird die Auswahl am Samstagabane din einer großen Zeremonie.

* In der verlinkten Tabelle ist noch von 16 Stadien die Rede. Damals gab es sogar die Möglichkeit, dass in Moskau vier Spielstätten entstehen. Doch das Stadion der Region Moskau davon wurde recht bald schon von der Liste gestrichen.

04.09.12 | 18:37 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Zenit St. Petersburg verpflichtet Hulk und Witsel

Ein paar Gedanken zum aktuellen Transfergehabe von Zenit St. Petersburg, Text aus der SZ vom 5. September:

Russlands Fußball entwickelt sich vorbildlich weiter. Als die Statistiker nach dem Winter-Transferfenster 2011/12 die Liste mit den teuersten Wechseln erstellten, stand auf Platz eins ein Herr namens Balazs Dzsudzsak, der nicht jedem gemeinen Fußball-Fan ein Begriff ist, für den Dynamo Moskau aber etwa 20 Millionen Euro nach Machatschkala überwies.
Insofern ist es tröstlich, dass die Rekordliste der sommerlichen Wechselperiode seit Montagabend ein allseits bekannter Akteur anführt: Brasiliens Nationalangreifer Givanildo Vieira de Souza, genannt Hulk. Etwas weniger tröstlich ist zugleich allerdings, dass der russische Meister Zenit St. Petersburg den sogar für einen Angreifer wie Hulk recht hoch erscheinenden Preis von angeblich 50 Millionen Euro an den FC Porto zahlte. Und dass der Klub nur ein paar Stunden später auch noch 40 Millionen Euro für den belgischen Mittelfeldspieler Axel Witsel ausgab, dessen Bekanntheitsgrad bei allem Talent bisher eher auf Dzsudzsak-Niveau liegt.

“Beide sind Wunschspieler”, jubelte jedoch der italienische Zenit-Trainer Luciano Spalletti über die sündteuren Zugänge, deren Verpflichtung nur möglich war, weil die Transferzeit in Russland – anders als im Großteil der europäischen Verbände – erst am 6. September endet.

Fast in jeder Wechselperiode gibt es Transfers, die maßlos überteuert zu sein scheinen. Erst kürzlich hat selbst FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß eingeräumt, dass der wahre Marktwert des neuen Mittelfeldspielers Javier Martínez aus Bilbao um einiges unter den bezahlten 40 Millionen Euro liege. Doch bei einem Blick auf die teuersten Wechsel dieses Sommers ist es schon auffallend, wie problemlos manche Vereine auch überdimensionierte Ablösen zahlen – und es ist kein Zufall, welche Klubs dabei besonders herausragen.

Erstens der FC Chelsea des Oligarchen Roman Abramowitsch, der sich für mehr als 70 Millionen Euro die Dienste der Talente Eden Hazard, 21, und Oscar, 20, sicherte. Zweitens Paris St. Germain, das dank des Vermögens seiner katarischen Besitzer mehr als 130 Millionen Euro ausgab. Und eben Zenit St. Petersburg, dessen Eigentümer seit einigen Jahren der staatlich kontrollierte Energieriese Gazprom ist.

Für die Ziele in der russischen Meisterschaft sind dessen Investitionen in Spieler wie Hulk und Witsel nicht zwingend notwendig. Zenit hat sich schon in den zurückliegenden Spielzeiten kräftig verstärkt und in den vergangenen zwei Saisons den Titel gewonnen; auch in der laufenden liegt der Klub wieder auf Platz eins. Doch die Verantwortlichen, zu denen seit kurzem auch der frühere Bundesliga-Manager Dietmar Beiersdorfer zählt, drängt es wieder nach internationalen Erfolgen – so wie 2008, als Zenit den Uefa-Pokal und Europas Supercup gewann.

Dass Geld bei diesem Ansinnen keine Rolle spielt, zeigt nicht nur ein Blick auf die Ablösesummen, sondern auch auf den Stadion-Neubau: Dessen Kosten belaufen sich nach aktuellen Schätzungen auf die – selbst für russische Verhältnisse astronomische – Summe von einer Milliarde Dollar.

Doch wegen der europäischen Ambitionen müssen sich die St. Petersburger Fans auch noch etwas gedulden, bis sie Hulk und Witsel erstmals spielen sehen. Im Moment ist sowieso Länderspiel-Pause – und das für den 15. September terminierte Ligaspiel zwischen Zenit und Terek Grosny wurde jetzt auch vertagt. Das Team soll sich in Ruhe auf das Champions-League-Spiel in Malaga drei Tage später vorbereiten können.

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