20.04.13 | 11:23 | Allgemein | 0 Kommentare

Der merkwürdige Umgang mit der hochgefährlichen Substanz GW1516

Nach mehrwöchiger Urlaubspause ein Thema, das auch, aber nicht nur mit Russland zu tun: Die hochgradig gefährliche Dopingsubstanz GW1516 breitet sich mehr und mehr aus, die Positivfälle häufen sich – und das Verhalten der Sportwelt, insbesondere auch der Welt-Anti-Doping-Agentur, irritiert. Hier ein Überblick über die Recherchen, die ich heute gemeinsam mit dem Kollegen Kistner in der SZ veröffentlicht habe:

Die Welle der neuesten Doping-Kultur baute sich ganz unauffällig auf, fernab der globalen Sportöffentlichkeit. Sergej Lisin verblüffte Ende Oktober alle russischen Eisschnelllauf-Beobachter – bei den nationalen Meisterschaften siegte der 33-Jährige, der sich vor geraumer Zeit aus dem Kader-System ausgeklinkt hatte und eigenständig trainierte, über die 10 000-Meter-Strecke und verbesserte dabei seine Bestzeit mal rasch um mehr als eine halbe Minute. Wochen später löste sich die Verblüffung auf: Lisin sei positiv getestet und vorläufig suspendiert worden, teilte die russische Anti-Doping-Agentur (Rusada) mit. Details verriet sie nicht, doch an die Öffentlichkeit sickerte durch, Lisin sei mit dem Blutdoping-Klassiker Epo erwischt worden. So weit, so unspektakulär – in dem intransparenten Riesenreich kommt es ja ständig zu Dopingfällen, quer durch die Disziplinen. Spektakulär ist aber die Substanz, die nach SZ-Informationen tatsächlich zu der Sperre führte: das hochgradig gesundheitsgefährdende Schwarzmarkt-Produkt GW1516.

Dieser Befund, vor allem der Umgang damit, werfen Fragen auf, die aus einem beliebigen Dopingfall im russischen Hinterland eine delikate Angelegenheit für das Management der globalen Betrugsbekämpfung machen – bis hinauf zur Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

GW1516 ist ein Präparat, das vor einigen Jahren zur Bekämpfung von Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten entwickelt wurde. Aufgrund der gravierenden Nebenwirkungen wie einer erhöhten Krebsgefahr wurde die klinische Entwicklung frühzeitig beendet. Im Nebeneffekt herausgestellt hatte sich da nur bereits, dass die Substanz eine für Ausdauersportler ideale Kombination darstellt: eine Verbesserung der Ausdauer-Muskulatur bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion. Schon bei den Spielen 2008 in Peking galt GW1516 als Geheimtipp. Bald kam es auf die Dopingliste, zunächst in die Gendoping-Rubrik, 2012 in eine andere Kategorie. Schon 2009 entwickelte das Kölner Anti-Doping-Labor ein Nachweisfahren, das es weiter verfeinerte. Positive Fälle blieben zunächst aus. Doch seit Monaten häufen sie sich, in aller Stille.

Erst vor zehn Tagen wurde publik, dass eine im März genommene Probe des russischen Radprofis Walerij Kaikow Spuren von GW1516 enthielt. Der Radweltverband (UCI) bestätigte in dieser Woche zudem, dass die vier costa-ricanischen Fahrer Vargas Barrantes, Mudarra Segura, Morales Castillo und Villalobos Azofeifa positiv auf die Substanz getestet wurden – bereits bei der Costa-Rica-Rundfahrt im Dezember. Fürs Erste hat nun also der russische Eisschnellläufer Sergej Lisin als frühester positiver GW1516-Dopingfall zu gelten.

Undurchsichtig wirkt dabei auch das Verhalten der Wada. Während die Fälle von Lisin und der vier Latino-Radler aus 2012 zunächst gar nicht publik wurden, wandte sich die Wada Ende März mit einem denkwürdigen Aufruf an Sport und Öffentlichkeit: Eindringlich warnte sie jetzt alle Athleten vor dem Präparat GW1516, weil das so stark gesundheitsgefährdend sei. Es sei seit einigen Monaten auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Beiläufig und ganz am Ende hieß es, es gäbe auch einige Positivfälle.

Nun sind viele Fragen offen. Warum gab die Wada Ende März diese Warnung heraus? Lisins Fall ist ja seit Anfang November aktenkundig, der Fall des costa-ricanischen Rad-Quartetts kam wenig später. Und dass GW1516 auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist, ist in der Branche seit vielen Jahren bekannt. Bereits 2010 fand das Kölner Labor Spuren, 2011 publizierten die Experten diese Informationen auch.

Entsprechend groß war die Verstimmung, als die Wada mit ihrer Athleten-Warnung vorpreschte – insbesondere bei den Geldgebern der Kölner Pioniere, dem Bundesinnenministerium (BMI) und der „Anti-Doping Schweiz“. Aus Köln erging eine geharnischte Beschwerde an die Wada, die darauf hingewiesen wurde, dass es nicht der Motivation von Geldgebern für die Forschung diene, wenn Sachverhalte, die man drei Jahren zuvor eruiert habe, plötzlich global von anderen als Neuheit verkauft werden. Die Wada soll eingelenkt, doch auf die Dringlichkeit verwiesen haben, die ob der Krebsgefahr des Mittels gegeben sei.

Das aber klingt nicht nur für die Kölner wenig schlüssig – offen bleibt ja zum Beispiel die Frage, warum man statt der Gesundheitswarnung nicht gleich konkret mit den neuen Fällen ans Publikum ging. Nichts schreckt Doper mehr als der Hinweis, dass eine verbotene Substanz nun gefunden werden kann. Zudem erfreut sich GW1516 offenbar trotz der Wada-Warnung großer Beliebtheit – erst am Mittwoch erhielten die Kölner Dopingfahnder von Schweizer Behörden die Mitteilung, dass GW1516 gerade wieder einmal beschlagnahmt worden sei.

Auf Nachfrage versicherte die Wada der SZ nochmals, dass es für sie „nicht der normale Weg“ sei, Doper durch konkrete Warnungen auf dem Laufenden zu halten. Bemerkenswerter noch, dass die Wada erneut die Kölner Pionierarbeit seit 2009 unerwähnt lässt, stattdessen einen plötzlichen Handlungsdruck beschreibt: „Die Wada wurde zu der schnellen Warnung gedrängt durch einige GW1516-Funde Anfang 2013 und der Information, dass die Substanz derzeit im Internet verfügbar ist.“ Was die Kölner schon 2010 ermittelt und publiziert hatten.

So zeigt sich vielerorts eine bemerkenswerte Nervosität im Umgang mit der Substanz. In Russland, wo Lisins Positivtest zunächst nicht öffentlich werden sollte; bei der UCI, die erst ihren fünften Radsportfall publizierte. Eine zaghafte Kommunikation, die im neuen Gesundheitsbewusstsein der Wada gipfelt, die ja erst vor ganz kurzem Klarheit über GW1516 haben will – eine Klarheit, die es seit drei Jahren gibt.

21.02.13 | 13:52 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Gazprom gegen den Verband

Wie hier berichtete, ist Gazprom ja die treibende Kraft, um gegen den Willen des russischen Verbandes eine russisch-ukrainische Liga voranzutreiben. Es ist bestimmt reiner Zufall, dass jetzt die Vertreter von NTW Plus (einem Abonnementssender, der zur Gazprom-Media-Holding zählt) gegen den verband gerichtlich vorgehen, weil sie glauben, dass ihnen noch 2,6 Millionen Dollar aus einem Deal zustehen.

21.02.13 | 13:29 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Samuel Eto’o und das Oligarchen-Projekt Anschi Machatschkala

Mein Stück aus der SZ von heute als Vorbereitung auf das abendliche Europa-League-Rückspiel von Hannover 96:

Samuel Eto’o hat sich im Laufe seiner Karriere viele ehrenvolle Bezeichnungen verdient. Er durfte sich „Champions-League-Gewinner“ nennen und „Olympiasieger“, ein paar Mal „Afrikas Fußballer des Jahres“ und „Torschützenkönig der Primera Division“. Aber selbst jetzt, wo der Angreifer aus Kamerun im Alter von 31 Jahren nicht mehr bei internationalen Top-Vereinen wie dem FC Barcelona oder Inter Mailand, sondern beim russischen Klub Anschi Machatschkala spielt, ist ihm noch ein beeindruckender Titel sicher. Eto’o gilt als „bestbezahlter Fußballer der Welt“. Von 20 Millionen Euro Jahresgage ist die Rede, manchmal in Euro, manchmal in Dollar, auf jeden Fall netto.

Diese Zahl sagt einiges aus über das kaukasische Oligarchen-Projekt. Der Zweitplatzierte in der russischen Meisterschaft möchte an diesem Donnerstag beim deutschen Erstligisten Hannover 96 sein 3:1 aus dem Hinspiel verteidigen und ins Achtelfinale der Europa League einziehen. Geld spielt dort keine Rolle. 2011 übernahm Sulejman Kerimow den Klub, ein Parteigänger Putins, der seine Milliarden vor allem mit der Investment-Holding Nafta Moskau verdiente. Seitdem lockte er einige international renommierte Profis (unter anderem Lassana Diarra, Jurij Schirkow oder zuletzt den Brasilianer Willian) sowie den niederländischen Trainer Guus Hiddink, der sich derzeit mit einem geschätzten Monatsverdienst von einer Million Euro natürlich als „bestbezahlter Trainer der Welt“ bezeichnen darf.

Allerdings handelt es sich bei Anschi nicht nur um das Lieblingsspielzeug eines sportbegeisterten Oligarchen, sondern auch um ein hochpolitisiertes Projekt. Machatschkala ist die Hauptstadt von Dagestan, einer der großen Unruheregionen Russlands, in der es immer wieder zu Terroranschlägen kommt. Wegen dieser Probleme leben und trainieren die Spieler auch nicht in Machatschkala, sondern in Moskau – und reisen zu ihren „Heimspielen“ in der russischen Liga immer mit dem Flugzeug an. Internationale Partien dürfen sie dort gar nicht austragen, sondern müssen in die Landeshauptstadt ausweichen, was sich allerdings nach der für nächste Saison geplanten Eröffnung des neuen Stadions ändern soll. Zudem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Anschi und anderen Klubs. Kaukasier sind bei Russen generell unbeliebt, speziell bei Fußballfans sind nationalistische Tendenzen nicht selten.

Gleichwohl hat Anschi die Unterstützung der politischen Führung in Moskau. Diese hofft, dass ein erfolgreicher Fußballverein das Image der Region fördern und von den Problemen ablenken kann. Manche raunen gar, der Kreml schieße einen Teil zum Budget zu. In diesem Kontext ist auch auffällig, wie oft sich um Spiele von Machatschkala Manipulationsgerüchte ranken. Über Hiddinks Vorgänger Gadschi Gadschijew gibt es die Geschichte, wie er einmal in der Halbzeitpause mit einigen starken Männern an seiner Seite die Kabinentür des Schiedsrichters eintrat – und sich danach über genehmere Pfiffe freute. Der Trainer von Lokomotive Moskau musste nach dem 1:2 gegen Anschi gehen, weil er die Mannschaft nach Ansicht seiner Präsidentin „extra schlecht aufgestellt“ habe. Aktuell steht Machatschkalas Hinrundensieg gegen Amkar Perm unter Verdacht; erst kürzlich wandte sich die Staatsanwaltschaft in dieser Causa an den Verband.

Rund um die Mannschaft sorgt zudem ihr Spitzenverdiener Samuel Eto’o des Öfteren für Diskussionen. Im vergangenen Jahr stritt er sich mächtig mit seinem Mitspieler Schirkow, weil ihm dessen Spielweise nicht passte. Anfang des Jahres irritierte er mit den Worten, Vertreter des heimatlichen kamerunischen Fußball-Verbandes, mit dem er schon oft im Clinch lag, wollten ihn umbringen; sein Trainer Hiddink sagte, das sei doch etwas übertrieben. Zuletzt fiel Eto’o im Hinspiel gegen Hannover auf, als er einen Elfmeter aufreizend lässig ausführte – und verschoss. Die Verantwortlichen von Anschi sehen ihm das trotzdem nach. Zum einen, weil der Stürmer zwar nicht immer, aber immer mal wieder seine von früher bekannte Klasse zeigt; immerhin elf Tore und ebenso viele Vorlagen hat er in seinen wettbewerbsübergreifend 21 Saisonspielen erzielt. Und zum anderen, weil er neben dem Platz weiß, was sich bei dem politischen Projekt gehört: Neulich summte er fürs vereinseigene Anschi-TV auf Russisch „Dagestan, vperjod“ ins Mikrofon – Dagestan, vorwärts.

20.02.13 | 11:29 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Wie Gazprom die vereinigte russisch-ukrainische Liga durchsetzen will

Ich habe das eine oder andere Mal ja schon über die Diskussion berichtet, dass es im Osten des Kontinents zu einer länderübergreifenden Liga kommen soll. Hier nochmal eine nachgereicht eine Zusammenfassung aus der SZ vom Mittwoch, nach dem ersten Treffen des Organisationskomites.

Als das Treffen beendet war, sah Walerij Gassajew zufrieden aus. Im Hauptberuf ist er Präsident und Trainer von Alanija Wladikawkas, doch derzeit hat er eine wichtigere Aufgabe: Auf Wunsch diverser Spitzenklubs soll er als „Vorsitzender des Komitees für ein vereinigtes Turnier“ eine länderübergreifende Liga vorbereiten. Dieses Komitee hat zwar keine Legitimation durch den russischen Verband, aber am Montag lud Gassajew alle Vereinsvertreter ein, um erstmals konkrete Pläne zu nennen. Demnach soll das Projekt 2014 mit je neun russischen und ukrainischen Klubs starten. Heikle Fragen wie die Besetzung von Europacup-Startplätzen wurden ausgespart, dafür aber immense Summen genannt. Über ein jährliches Budget von einer Milliarde Dollar soll die Liga verfügen, alleine 92 Millionen Dollar der Gewinner erhalten – das ist mehr, als der FC Chelsea bei seinem Champions-League-Sieg 2012 einstrich.

Die Organisatoren gaben sich dabei keine Mühe, den Taktgeber hinter dem Projekt zu verschleiern. Das Treffen fand im Moskauer Gazprom-Büro statt, den Haupt-Vortrag hielt nicht etwa Gassajew, sondern Gazprom-Chef Alexej Miller. Und das irrsinnig hoch erscheinende Budget ließe sich erreichen, indem die Gazprom- Media-Gruppe für ihre Kanäle die Fernsehrechte erwirbt oder diverse Tochterfirmen des staatlich kontrollierten Erdgaskonzerns als Sponsoren einsteigen.

Hintergrund des Projekts ist ein Machtkampf im russischen Fußball, der sich seit einigen Monaten zuspitzt. Einige Jahre lang stellte das Lager von Gazprom beziehungsweise der vom Konzern kontrollierte Klub Zenit St. Petersburg den Verbandspräsidenten. Doch nachdem deren Kandidat vor der Abstimmung im vergangenen Herbst wegen Verstrickungen ins Spieleragentengeschäft in die Kritik geraten war, wählten die Delegierten Nikolaj Tolstych zum Chef. Der versucht seither, seine Unabhängigkeit zu beweisen; er hat viele Personen ausgetauscht, zudem ging ein Sport- gerichtsverfahren gegen Zenit aus. Jetzt streben die Petersburger mit ihren Verbündeten aus dem Einflussbereich des neuen Präsidenten heraus; denn für eine länderübergreifende Liga könnte natürlich nicht der Verbandschef eines Landes das Sagen haben. Mit den enormen Summen will das Gazprom-Lager nun jene Klubs ködern, die bisher auf Tolstychs Seite standen – sowie die Vertreter der Ukraine, die sich mit wenigen Ausnahmen bisher eher reserviert gezeigt hatten.

Nun ist der Einfluss von Gazprom traditionell immens; der Kontakt zwischen Konzernchef Miller und dem Kreml ist eng. Doch dieses Mal ist die Sache vertrackter. Obwohl die Debatte über die Einführung einer Sowjet-Liga nun schon eine Weile läuft, hat sich Staatschef Wladimir Putin noch nicht öffentlich dazu geäußert – dabei ist ihm sonst kein Anlass zu gering, um sich auch in sportliche Fragen einzumischen. Grundsätzlich gefallen dürfte ihm ein solches Vorhaben schon; immerhin würde es ein wenig an Glanz und Größe der alten Sowjetunion erinnern. Zudem ist es ein Zeichen, dass er die Bemühungen seines Vertrauten Alexej Miller nicht einbremst. Andererseits können die beiden Nationen nicht einfach so eine länderübergreifende Liga beschließen – Sepp Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa), tat kürzlich bereits sein Missfallen kund. „Ein solcher Wettbewerb verstößt gegen die Prinzipien der Fifa“, sagte er: „Die Fifa wird niemals ihre Erlaubnis zu einem solchen Projekt geben.“ Diese Haltung klingt rigide, und Putin will es sich mit Blatter nicht verscherzen; schließlich steht in Russland 2018 die Fußball-WM an. Entsprechend moderat klang auch die einzige offizielle Regierungsstimme – Sportminister Witalij Mutko betonte, er wolle eine „nationale Liga“ stützen. Passenderweise ist jener Mutko aber auch Mitglied von Blatters Fifa-Exekutive.

Trotz der eindeutigen Äußerung des Schweizers ist der Weltverband formal zunächst nicht zuständig. Der europäische Fußballverband (Uefa) beharrt darauf, dass diese Entscheidung in seinen „Kompetenzbereich“ falle. Die Uefa-Spitzenvertreter haben sich bisher mit Äußerungen zurückgehalten. Ein Sprecher sagt, dass man noch nichts sagen wolle, weil noch kein offizieller Vorschlag eingegangen sei. In Moskau heißt es allerdings, dass Uefa-Präsident Michel Platini nicht grundsätzlich abgeneigt sei. Zudem stieg Gazprom erst vergangenen Sommer als Hauptsponsor für die Champions League ein.

Bisher rühmten sich sowohl Blatter als auch Platini bester Verbindungen nach Russland, das bei Abstimmungen ganze Stimmenpakete früherer Sowjetländer organisieren kann. Doch sollte sich die Auseinandersetzung der beiden Fußball-Lenker so fortsetzen wie zuletzt, wird es nicht unwichtig sein, wen das mächtige Russland stützt.

14.01.13 | 11:53 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Heftige Kritik an Gazprom

Alischer Aminow ist ein gescheiterter Verbandspräsidentschaftsbewerber, bekannter Populist und irgendwie nicht so recht greifbar inmitten all der russischen Sportfunktionäre. Das muss man bedenken, wenn man seine neueste Einlassung über das Engagement von Gazprom im Fußball liest, gleichwohl ist sie interessant. Denn darin sagt er a), dass die Investitionen des Konzerns verrückt seien, b), dass das Verhalten von Gazprom-Chef Miller & Co. eine Frechheit sei und c), dass man die Investitionen staatlicher Firmen  in den Fußball begrenzen müsse.

Vorerst wird sich da nichts ändern, weil Zenit nun mal eng verbunden ist mit den politischen Mächten des Landes. Aber interessant ist es schon, dass es in jüngster Zeit so viel Kritik an Gazprom/Zenit gibt. Sei es bei der Entscheidung, das Spiel gegen Dynamo nach einem Böller-Wurf aus der Petersburger Fan-Kurve als verloren zu werten; sei es im Zuge der Idee, eine länderübergreifende Liga in Erinnerung an alte Sowjet-Zeiten zu konstituieren; oder eben nun in Form von Alischer Aminow.

09.01.13 | 16:25 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Putin macht einen auf Manipulations-Bekämpfer

Niemand bestreitet, dass Russlands Fußball ein Korruptionsproblem hat. Immer wieder gibt es Fälle, aktuell beispielsweise diskutiert das Land, wie absichtlich die 1:2-Niederlage von Amkar Perm gegen Anschi Machatschkala im Dezember wohl gewesen war. Die Verbandskommission in dieser Causa, an deren Sinn man schon lange zweifeln konnte, ist vom neuen Verbandschef Nikolaj Tolstych kürzlich aufgelöst worden. Nun tut die Politik so, als nehme sie sich des Themas an. Staatspräsident Putin höchstselbst fordert ein strengeres Gesetz. Er will die Sanktionen verschärfen, es geht um Geldstrafen von bis zu einer Million Rubel und sogar Gefängnisstrafen für die Organisatoren von manipulierten Spielen. Die Spielergewerkschaft sieht das ganze aber nur in Teilen positiv. Für sie sind in erster Linie die inkompetenten Vereinsführungen schuld.

02.01.13 | 21:17 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Besitzer von Terek Grosny auf Expansionstour

Über den Oligarchen Telman Ismailow muss man dreierlei wissen.

Erstens: Er war derjenige, der das luxuriöse Restaurant Prag, eine der schönsten Angeberaausführdressen Moskaus, renovierte.

Zweitens: Er kontrollierte faktisch den berüchtigen Moskauer Tscherkisowskij-Markt, den die Ermittlungsbehörden einmal „Kloake der Kriminalität“ nannten und der 2009 geschlossen wurde.

Drittens: Er ist seit 2010 Sponsor von Terek Grosny, einem der Lieblingsklubs von Wladimir Putin, weil der Klub in der immer noch heftig umkämpften Teil-Republik Tschetschenien ein wenig Normalität vorspiegeln soll. Und bald möchte er einen zweiten Klub übernehmen, wie es heißt, nämlich Beitar Jerusalem, das bisher noch dem russischen Geschäftsmann Arkadij Gajdamak gehört. Jenem Mann, den in Frankreich einst die Polizei suchte, weil er in einen Angola betreffenden Waffenskandal verwickelt war. Jedenfalls trifft es sich bestens, dass Terek und Beitar kommende Woche zu einem Freundschaftsspiel zusammenkommen …

02.01.13 | 19:23 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Dubioser Deal unter reichen Männern: Kurtschenko löst Jaroslawskij bei Metallist Charkow ab

Alexander Jaroslawskij ist mittlerweile ja auch hier ganz gut bekannt. Er ist der ukrainische Oligarch mit dem Glatzkopf, der sich in der Öffentlichkeit gerne sehr leidenschaftlich und als großer Fußball-Fan gibt. Jetzt hat er überraschend seinen Klub Metallist Charkow verkauft – mein Artikel aus der SZ von heute dazu:

Geschenke schaden ja nie, um die Stimmung zu verbessern, und in der Ukraine gibt es kein geeigneteres Datum für Präsente als den 31. Dezember. Am letzten Tag des Jahres kommt nämlich Ded Moros (Väterchen Frost, die slawische Variante des Weihnachtsmannes), um die Gaben zu verteilen – und so schloss sich Sergej Kurtschenko einfach der Reihe der Schenker an. 500 Fans, so verkündete der neue Präsident von Metallist Charkow, dürften im Februar auf Kosten des Klubs zum Europa-League-Spiel in Newcastle reisen. Kurtschenko hat solche Gesten allerdings auch nötig. Denn der Ruf des gerade mal 27-Jährigen ist nicht sonderlich gut, seit er kurz vor Weihnachten den Verein vom Oligarchen Alexander Jaroslawskij erwarb.

Es ist ein dubioser Fall, der sich da rund um den ostukrainischen Klub ereignete – und der wieder einmal exemplarisch zeigt, wie eng Sport, Politik und Wirtschaft in der Ukraine miteinander verflochten sind. Jaroslawskij, der im Finanzbusiness anfing und heute über die Holding DCH in etlichen Branchen mitmischt, zählt zu den reichsten Männern des Landes. Wie genau der 53-Jährige mit dem markanten Glatzkopf zu seinem Geld kam, darüber schweigt er. 2004 jedenfalls erwarb er Metallist und steckte seitdem zirka eine halbe Milliarde Euro in den Verein sowie die Infrastruktur des EM-2012-Spielorts, wo es unter anderem zum Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Holland (2:1) kam. Ein umgebautes Stadion, ein neuer Flughafen, ein neuer Bahnhof und neue Hotels: Überall mischte Jaroslawskij mit. Und weil er anders als sein Donezker Oligarchen-Rivale Rinat Achmetow kein zurückhaltender Typ ist, inszenierte er sich und sein Geld auch gerne. So lud er etwa vor der EM Fernsehteams ein, um seine Besitztümer abfilmen zu lassen. Als „König von Charkow“ galt er irgendwann – sehr zum Verdruss von Bürgermeister Gennadij Kernes. „Wer sich selbst König nennt, ist krank“, ätzte dieser. Jetzt hat er es geschafft, den König zu stürzen. Denn Jaroslawskij suggeriert, er sei von der Stadt zu dem Verkauf gezwungen worden; er spricht von „unverständlichen Forderungen“ und einem „beispiellosen psychologischen Druck“.

Einen konkreten Grund nennt er nicht, doch zuletzt hatte es immer wieder gravierende Vorfälle gegeben. Der jüngste Konfliktpunkt: ein Streit über das Stadion, das die Stadt und der Oligarch vor der EM für zirka 80 Millionen Dollar gemeinsam renoviert hatten. Nun wollte die Stadt über das Stadion komplett selbst verfügen.

In der Ukraine gibt es aber den Verdacht, dass bei dem Deal auch die politische Führung in Kiew eine Rolle spielte. Der neue Vereinspräsident Kurtschenko, der in Charkow geboren wurde und über dessen sonstige Vita nur wenig bekannt ist, gilt trotz seiner erst 27 Jahre als Mann mit besten Verbindungen. Kolportiert wird eine Freundschaft mit Alexander Janukowitsch, dem Sohn des Staatspräsidenten. Nach Recherchen der ukrainischen Forbes-Ausgabe kontrolliert er faktisch die Firma GasUkraina-2009. Und der Anteil des Konzerns am ukrainischen Gasgeschäft ist in den vergangenen Jahren so imposant angewachsen, dass die Zeitung Kurtschenko bereits den Titel „neuer Gas-König“ verlieh. Bei einem lukrativen Deal gelang es ihm sogar überraschend, den Oligarchen Dmitrij Firtasch auszustechen – der als enger Vertrauter des Staatschefs gilt.

Allerdings nehmen dem ehemaligen Eigner Jaroslawskij nicht alle Beobachter dessen Erschütterung ab. Zwar nennen die Beteiligten den Kaufpreis offiziell nicht, doch die ukrainischen Medien gehen von einer Summe von immerhin 300 Millionen Euro aus. Außerdem kommt Jaroslawskij nun um ein unangenehmes Thema herum. Denn der Klub ist noch immer ein Fall für den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne. 2008 war Metallist Charkow auch wegen eines 4:0-Sieges gegen Karpaty Lwiw in den Uefa-Pokal eingezogen. Später hatte ein Spieler von Karpaty gestanden, die Partie manipuliert und dafür Geld von Charkower Vereinsverantwortlichen erhalten zu haben.

12.12.12 | 11:45 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

VTB-Bank übernimmt Dynamo Moskau

Es tut sich was bei der Eigentümer-Struktur der wichtigsten russischen Fußball-Klubs. Nachdem zuletzt verstärkt Gerüchte aufgetreten waren, der Oligarch Machmudow könne bei ZSKA Moskau einsteigen, betrifft es jetzt den Klub von Kevin Kuranyi, Dynamo Moskau. Die VTB-Bank (die Vneschtorgbank, zu deutsche die Außenhandelsbank), bisher Hauptsponsor des Vereins, hat dort nach eigenen Angaben die Aktienmehrheit übernommen.

Das ist aus mindestens zwei Gründen nicht uninteressant. Erstens gilt VTB-Chef Kostin als enger Vertrauter von Putin (wenngleich er kürzlich anmahnte, Putins Intimfeind Chodorkowskij habe mittlerweile lange genug im Gefängnis gesessen). Und zweitens war die VTB-Bank Mitte des vergangenen Jahrzehnts schon einmal intensiv bei einem Fußball-Klub engagiert – damals war es der langjährige Dynamo-Rivale ZSKA Moskau …

05.12.12 | 12:57 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Wie in der Sowjetunion: Diskussion über länderübergreifende Liga

Es tut sich etwas Interessantes im sportpolitischen Bereich Osteuropas. Immer mehr Funktioäre denken über die Schaffung einer länderübergreifenden Liga mit Teams aus Russland, der Ukraine und kleineren Staaten nach. Für die SZ von heute habe ich die Debatte mal zusammengefasst:

Niemand kann es den Verantwortlichen von Bate Borissow verdenken, dass sie sich mal für etwas Neues interessieren. Seit Jahren dominiert ihre Mannschaft die bescheidene Liga in Weißrussland, kürzlich sicherte sie sich den siebten Titel in Serie, aber genauso regelmäßig wie der sportliche Erfolg ist der Verlust wichtiger Spieler zum Saisonende. Aktuell hat bereits der Brasilianer Bressan seinen bevorstehenden Wechsel nach Wladikawkas verkündet, der in Deutschland bestens bekannte Aliaksandr Hleb schaut sich ebenfalls um. Da scheint es überlegenswert zu sein, es einmal in einem neuen, qualitativ hochwertigeren Umfeld zu versuchen. Ganz in diesem Sinne liest sich das Statement, das die Bate-Verantwortlichen wenige Tage vor ihrem Champions-League-Spiel beim FC Bayern an diesem Mittwoch formulierten: Sie befürworten eine nähere Prüfung der Idee, dass Klubs aus diversen Nachfolgestaaten der Sowjetunion bald eine gemeinsame Fußball-Liga bilden.

Das mag ein wenig absurd klingen, und doch steckt dahinter mehr als eine Einzelstimme aus der weißrussischen Provinz. Denn in ihrem Anliegen beziehen sich die Vertreter von Bate auf ein interessantes Interview, das Alexej Miller kürzlich gab – der Vorstandsvorsitzende des einflussreichen Energie-Konzerns Gazprom, der seit 2006 Haupteigentümer von Zenit St. Petersburg ist. „Viele glauben, dass wir eine Meisterschaft der GUS-Länder ausspielen könnten, und ich bin ein großer Befürworter dieser Idee“, sagte Miller auf der Vereins-Homepage von Zenit.

Eine ebenso heftige wie komplizierte Diskussion ist daraus entstanden, denn sie spielt sich auf diversen Ebenen ab. Zum einen ist Millers Aussage im Zuge einer aktuellen sportgerichtlichen Auseinandersetzung zu sehen. Vor gut zwei Wochen war das russische Ligaspiel zwischen Dynamo Moskau und Zenit abgebrochen worden, nachdem der Torwart der Gastgeber von einem Böller aus der Petersburger Fankurve im Gesicht getroffen worden war. Erstinstanzlich wurde Zenit mit einer Niederlage und zwei Heimspielen unter Ausschluss des Publikums sanktioniert, doch der Klub kämpft gegen das Urteil an. Zudem gärt im russischen Verband ein Machtkampf, seit sich bei den Präsidentschaftswahlen im Sommer etwas überraschend Nikolaj Tolstych durchsetzte – die großen Vereine wie St. Petersburg oder ZSKA Moskau hatten einen anderen Kandidaten unterstützt. Da wäre eine unabhängige, länderübergreifende Liga eine gute Möglichkeit, um sich dem Einfluss von Tolstych zu entziehen.

Andererseits taucht die Debatte um eine solche Liga immer mal wieder und von vielen Seiten auf. Meinungsmacher im osteuropäischen Fußball stören sich an dem großen qualitativen Gefälle, das in den Parade-Ligen in Russland und der Ukraine existiert. Sie meinen, dies ausmerzen zu können, indem sie die besten sieben, acht russischen Mannschaften mit den vier ukrainischen Vorzeigeteams (Donezk, Kiew, Charkow, Dnjepropetrowsk) sowie diversen erfolgreicheren Phänomenen wie Borissow zusammenführen. Vor allem verschiedene Oligarchen, die sich im Fußball engagieren, plädieren für eine solche Lösung, weil sie ihnen wirtschaftlich reizvoll erscheint. Eine gemeinsame Fußball-Liga ließe sich zudem als ein Beleg für eine politische engere Kooperation zwischen den Ländern deuten, die manche anstreben.

Die Befürworter der Idee verweisen gerne auf Beispiele aus anderen Sportarten. So treten etwa in der Eishockey-Liga KHL neben zahlreichen russischen Mannschaften auch Teams aus sechs weiteren Ländern an. Auch im Fußball sind länderübergreifende Modelle grundsätzlich denkbar. Das zeigen beispielsweise Vereine wie Swansea City (Wales) oder der FC Vaduz (Liechtenstein), die mangels ernsthafter nationaler Konkurrenz in den Ligen der Nachbarländer England respektive Schweiz antreten. Noch weiter geht ein Experiment im Frauenfußball, wo sich dieses Jahr eine transnationale belgisch-holländische Liga konstituiert hat.

Konkrete Details einer Liga der Sowjet-Nachfolgestaaten – wie Teilnehmerzahl oder Auswirkungen für die Europapokal-Startplätze – liegen bisher noch nicht vor. Die Europäische Fußball-Union Uefa betont prophylaktisch, dass eine solche Idee nur mit Zustimmung des Exekutiv-Komitees möglich ist. Doch dieses Problem ließe sich wohl lösen: Die Lobby der osteuropäischen Vertreter dort ist groß – nicht zuletzt Uefa-Chef Michel Platini gilt als ihr enger Bündnispartner.

weitere Links zu dem Thema:

* Stimmen-Smmlung diverser Funktionäre und Trainer

* Meinung des kasachischen Klubs Kairat

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