09.01.13 | 16:25 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Putin macht einen auf Manipulations-Bekämpfer

Niemand bestreitet, dass Russlands Fußball ein Korruptionsproblem hat. Immer wieder gibt es Fälle, aktuell beispielsweise diskutiert das Land, wie absichtlich die 1:2-Niederlage von Amkar Perm gegen Anschi Machatschkala im Dezember wohl gewesen war. Die Verbandskommission in dieser Causa, an deren Sinn man schon lange zweifeln konnte, ist vom neuen Verbandschef Nikolaj Tolstych kürzlich aufgelöst worden. Nun tut die Politik so, als nehme sie sich des Themas an. Staatspräsident Putin höchstselbst fordert ein strengeres Gesetz. Er will die Sanktionen verschärfen, es geht um Geldstrafen von bis zu einer Million Rubel und sogar Gefängnisstrafen für die Organisatoren von manipulierten Spielen. Die Spielergewerkschaft sieht das ganze aber nur in Teilen positiv. Für sie sind in erster Linie die inkompetenten Vereinsführungen schuld.

02.01.13 | 21:17 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Besitzer von Terek Grosny auf Expansionstour

Über den Oligarchen Telman Ismailow muss man dreierlei wissen.

Erstens: Er war derjenige, der das luxuriöse Restaurant Prag, eine der schönsten Angeberaausführdressen Moskaus, renovierte.

Zweitens: Er kontrollierte faktisch den berüchtigen Moskauer Tscherkisowskij-Markt, den die Ermittlungsbehörden einmal „Kloake der Kriminalität“ nannten und der 2009 geschlossen wurde.

Drittens: Er ist seit 2010 Sponsor von Terek Grosny, einem der Lieblingsklubs von Wladimir Putin, weil der Klub in der immer noch heftig umkämpften Teil-Republik Tschetschenien ein wenig Normalität vorspiegeln soll. Und bald möchte er einen zweiten Klub übernehmen, wie es heißt, nämlich Beitar Jerusalem, das bisher noch dem russischen Geschäftsmann Arkadij Gajdamak gehört. Jenem Mann, den in Frankreich einst die Polizei suchte, weil er in einen Angola betreffenden Waffenskandal verwickelt war. Jedenfalls trifft es sich bestens, dass Terek und Beitar kommende Woche zu einem Freundschaftsspiel zusammenkommen …

02.01.13 | 19:23 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Dubioser Deal unter reichen Männern: Kurtschenko löst Jaroslawskij bei Metallist Charkow ab

Alexander Jaroslawskij ist mittlerweile ja auch hier ganz gut bekannt. Er ist der ukrainische Oligarch mit dem Glatzkopf, der sich in der Öffentlichkeit gerne sehr leidenschaftlich und als großer Fußball-Fan gibt. Jetzt hat er überraschend seinen Klub Metallist Charkow verkauft – mein Artikel aus der SZ von heute dazu:

Geschenke schaden ja nie, um die Stimmung zu verbessern, und in der Ukraine gibt es kein geeigneteres Datum für Präsente als den 31. Dezember. Am letzten Tag des Jahres kommt nämlich Ded Moros (Väterchen Frost, die slawische Variante des Weihnachtsmannes), um die Gaben zu verteilen – und so schloss sich Sergej Kurtschenko einfach der Reihe der Schenker an. 500 Fans, so verkündete der neue Präsident von Metallist Charkow, dürften im Februar auf Kosten des Klubs zum Europa-League-Spiel in Newcastle reisen. Kurtschenko hat solche Gesten allerdings auch nötig. Denn der Ruf des gerade mal 27-Jährigen ist nicht sonderlich gut, seit er kurz vor Weihnachten den Verein vom Oligarchen Alexander Jaroslawskij erwarb.

Es ist ein dubioser Fall, der sich da rund um den ostukrainischen Klub ereignete – und der wieder einmal exemplarisch zeigt, wie eng Sport, Politik und Wirtschaft in der Ukraine miteinander verflochten sind. Jaroslawskij, der im Finanzbusiness anfing und heute über die Holding DCH in etlichen Branchen mitmischt, zählt zu den reichsten Männern des Landes. Wie genau der 53-Jährige mit dem markanten Glatzkopf zu seinem Geld kam, darüber schweigt er. 2004 jedenfalls erwarb er Metallist und steckte seitdem zirka eine halbe Milliarde Euro in den Verein sowie die Infrastruktur des EM-2012-Spielorts, wo es unter anderem zum Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Holland (2:1) kam. Ein umgebautes Stadion, ein neuer Flughafen, ein neuer Bahnhof und neue Hotels: Überall mischte Jaroslawskij mit. Und weil er anders als sein Donezker Oligarchen-Rivale Rinat Achmetow kein zurückhaltender Typ ist, inszenierte er sich und sein Geld auch gerne. So lud er etwa vor der EM Fernsehteams ein, um seine Besitztümer abfilmen zu lassen. Als „König von Charkow“ galt er irgendwann – sehr zum Verdruss von Bürgermeister Gennadij Kernes. „Wer sich selbst König nennt, ist krank“, ätzte dieser. Jetzt hat er es geschafft, den König zu stürzen. Denn Jaroslawskij suggeriert, er sei von der Stadt zu dem Verkauf gezwungen worden; er spricht von „unverständlichen Forderungen“ und einem „beispiellosen psychologischen Druck“.

Einen konkreten Grund nennt er nicht, doch zuletzt hatte es immer wieder gravierende Vorfälle gegeben. Der jüngste Konfliktpunkt: ein Streit über das Stadion, das die Stadt und der Oligarch vor der EM für zirka 80 Millionen Dollar gemeinsam renoviert hatten. Nun wollte die Stadt über das Stadion komplett selbst verfügen.

In der Ukraine gibt es aber den Verdacht, dass bei dem Deal auch die politische Führung in Kiew eine Rolle spielte. Der neue Vereinspräsident Kurtschenko, der in Charkow geboren wurde und über dessen sonstige Vita nur wenig bekannt ist, gilt trotz seiner erst 27 Jahre als Mann mit besten Verbindungen. Kolportiert wird eine Freundschaft mit Alexander Janukowitsch, dem Sohn des Staatspräsidenten. Nach Recherchen der ukrainischen Forbes-Ausgabe kontrolliert er faktisch die Firma GasUkraina-2009. Und der Anteil des Konzerns am ukrainischen Gasgeschäft ist in den vergangenen Jahren so imposant angewachsen, dass die Zeitung Kurtschenko bereits den Titel „neuer Gas-König“ verlieh. Bei einem lukrativen Deal gelang es ihm sogar überraschend, den Oligarchen Dmitrij Firtasch auszustechen – der als enger Vertrauter des Staatschefs gilt.

Allerdings nehmen dem ehemaligen Eigner Jaroslawskij nicht alle Beobachter dessen Erschütterung ab. Zwar nennen die Beteiligten den Kaufpreis offiziell nicht, doch die ukrainischen Medien gehen von einer Summe von immerhin 300 Millionen Euro aus. Außerdem kommt Jaroslawskij nun um ein unangenehmes Thema herum. Denn der Klub ist noch immer ein Fall für den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne. 2008 war Metallist Charkow auch wegen eines 4:0-Sieges gegen Karpaty Lwiw in den Uefa-Pokal eingezogen. Später hatte ein Spieler von Karpaty gestanden, die Partie manipuliert und dafür Geld von Charkower Vereinsverantwortlichen erhalten zu haben.

12.12.12 | 11:45 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

VTB-Bank übernimmt Dynamo Moskau

Es tut sich was bei der Eigentümer-Struktur der wichtigsten russischen Fußball-Klubs. Nachdem zuletzt verstärkt Gerüchte aufgetreten waren, der Oligarch Machmudow könne bei ZSKA Moskau einsteigen, betrifft es jetzt den Klub von Kevin Kuranyi, Dynamo Moskau. Die VTB-Bank (die Vneschtorgbank, zu deutsche die Außenhandelsbank), bisher Hauptsponsor des Vereins, hat dort nach eigenen Angaben die Aktienmehrheit übernommen.

Das ist aus mindestens zwei Gründen nicht uninteressant. Erstens gilt VTB-Chef Kostin als enger Vertrauter von Putin (wenngleich er kürzlich anmahnte, Putins Intimfeind Chodorkowskij habe mittlerweile lange genug im Gefängnis gesessen). Und zweitens war die VTB-Bank Mitte des vergangenen Jahrzehnts schon einmal intensiv bei einem Fußball-Klub engagiert – damals war es der langjährige Dynamo-Rivale ZSKA Moskau …

05.12.12 | 12:57 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Wie in der Sowjetunion: Diskussion über länderübergreifende Liga

Es tut sich etwas Interessantes im sportpolitischen Bereich Osteuropas. Immer mehr Funktioäre denken über die Schaffung einer länderübergreifenden Liga mit Teams aus Russland, der Ukraine und kleineren Staaten nach. Für die SZ von heute habe ich die Debatte mal zusammengefasst:

Niemand kann es den Verantwortlichen von Bate Borissow verdenken, dass sie sich mal für etwas Neues interessieren. Seit Jahren dominiert ihre Mannschaft die bescheidene Liga in Weißrussland, kürzlich sicherte sie sich den siebten Titel in Serie, aber genauso regelmäßig wie der sportliche Erfolg ist der Verlust wichtiger Spieler zum Saisonende. Aktuell hat bereits der Brasilianer Bressan seinen bevorstehenden Wechsel nach Wladikawkas verkündet, der in Deutschland bestens bekannte Aliaksandr Hleb schaut sich ebenfalls um. Da scheint es überlegenswert zu sein, es einmal in einem neuen, qualitativ hochwertigeren Umfeld zu versuchen. Ganz in diesem Sinne liest sich das Statement, das die Bate-Verantwortlichen wenige Tage vor ihrem Champions-League-Spiel beim FC Bayern an diesem Mittwoch formulierten: Sie befürworten eine nähere Prüfung der Idee, dass Klubs aus diversen Nachfolgestaaten der Sowjetunion bald eine gemeinsame Fußball-Liga bilden.

Das mag ein wenig absurd klingen, und doch steckt dahinter mehr als eine Einzelstimme aus der weißrussischen Provinz. Denn in ihrem Anliegen beziehen sich die Vertreter von Bate auf ein interessantes Interview, das Alexej Miller kürzlich gab – der Vorstandsvorsitzende des einflussreichen Energie-Konzerns Gazprom, der seit 2006 Haupteigentümer von Zenit St. Petersburg ist. „Viele glauben, dass wir eine Meisterschaft der GUS-Länder ausspielen könnten, und ich bin ein großer Befürworter dieser Idee“, sagte Miller auf der Vereins-Homepage von Zenit.

Eine ebenso heftige wie komplizierte Diskussion ist daraus entstanden, denn sie spielt sich auf diversen Ebenen ab. Zum einen ist Millers Aussage im Zuge einer aktuellen sportgerichtlichen Auseinandersetzung zu sehen. Vor gut zwei Wochen war das russische Ligaspiel zwischen Dynamo Moskau und Zenit abgebrochen worden, nachdem der Torwart der Gastgeber von einem Böller aus der Petersburger Fankurve im Gesicht getroffen worden war. Erstinstanzlich wurde Zenit mit einer Niederlage und zwei Heimspielen unter Ausschluss des Publikums sanktioniert, doch der Klub kämpft gegen das Urteil an. Zudem gärt im russischen Verband ein Machtkampf, seit sich bei den Präsidentschaftswahlen im Sommer etwas überraschend Nikolaj Tolstych durchsetzte – die großen Vereine wie St. Petersburg oder ZSKA Moskau hatten einen anderen Kandidaten unterstützt. Da wäre eine unabhängige, länderübergreifende Liga eine gute Möglichkeit, um sich dem Einfluss von Tolstych zu entziehen.

Andererseits taucht die Debatte um eine solche Liga immer mal wieder und von vielen Seiten auf. Meinungsmacher im osteuropäischen Fußball stören sich an dem großen qualitativen Gefälle, das in den Parade-Ligen in Russland und der Ukraine existiert. Sie meinen, dies ausmerzen zu können, indem sie die besten sieben, acht russischen Mannschaften mit den vier ukrainischen Vorzeigeteams (Donezk, Kiew, Charkow, Dnjepropetrowsk) sowie diversen erfolgreicheren Phänomenen wie Borissow zusammenführen. Vor allem verschiedene Oligarchen, die sich im Fußball engagieren, plädieren für eine solche Lösung, weil sie ihnen wirtschaftlich reizvoll erscheint. Eine gemeinsame Fußball-Liga ließe sich zudem als ein Beleg für eine politische engere Kooperation zwischen den Ländern deuten, die manche anstreben.

Die Befürworter der Idee verweisen gerne auf Beispiele aus anderen Sportarten. So treten etwa in der Eishockey-Liga KHL neben zahlreichen russischen Mannschaften auch Teams aus sechs weiteren Ländern an. Auch im Fußball sind länderübergreifende Modelle grundsätzlich denkbar. Das zeigen beispielsweise Vereine wie Swansea City (Wales) oder der FC Vaduz (Liechtenstein), die mangels ernsthafter nationaler Konkurrenz in den Ligen der Nachbarländer England respektive Schweiz antreten. Noch weiter geht ein Experiment im Frauenfußball, wo sich dieses Jahr eine transnationale belgisch-holländische Liga konstituiert hat.

Konkrete Details einer Liga der Sowjet-Nachfolgestaaten – wie Teilnehmerzahl oder Auswirkungen für die Europapokal-Startplätze – liegen bisher noch nicht vor. Die Europäische Fußball-Union Uefa betont prophylaktisch, dass eine solche Idee nur mit Zustimmung des Exekutiv-Komitees möglich ist. Doch dieses Problem ließe sich wohl lösen: Die Lobby der osteuropäischen Vertreter dort ist groß – nicht zuletzt Uefa-Chef Michel Platini gilt als ihr enger Bündnispartner.

weitere Links zu dem Thema:

* Stimmen-Smmlung diverser Funktionäre und Trainer

* Meinung des kasachischen Klubs Kairat

03.12.12 | 11:40 | Allgemein | Vereinsfußball | 1 Kommentar

FC Bayern und Gazprom

Die Bild-Kollegen berichten von einem baldigen Einstieg von Gazprom beim FC Bayern. Wie genau, in welcher Form, wann etc., das lassen sie noch offen. Mein Stück aus der heutigen SZ dazu:

Gibt es nun noch jemanden, der am Einstieg von Gazprom zweifelt? An diesem Wochenende hat sich der russische Präsident Wladimir Putin in Ankara mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan getroffen, und im Zuge der Zusammenkunft gaben die Verantwortlichen des ambitionierten türkischen Erstligisten Antalyaspor vergnügt bekannt, dass ein Engagement des russischen Energiekonzerns geplant sei.

Damit sind sie am Mittelmeer schon einen Schritt weiter als in München, wo Gazprom dieser Tage ebenfalls Gegenstand vieler Diskussionen ist. Am Samstag berichtete die Bild, das staatlich kontrollierte und ob seiner politischen Wechselwirkungen oft kritisierte Unternehmen würde sich in Zukunft „im großen Stil“ beim FC Bayern engagieren. Details nannte das Blatt nicht. Die Spekulationen sind nicht neu. Im vergangenen Jahr hatte es kurz vor Weihnachten ein Treffen der Münchner Vereinsspitze mit den Gazprom-Verantwortlichen gegeben. Zu Jahresbeginn war zu vernehmen, dass es zumindest kurzfristig zu keiner Zusammenarbeit käme. Doch in Russland heißt es, die Gespräche seien weitergegangen – auch im Zuge der Verhandlungen der Firma mit der bayerischen Staatsregierung um mögliche Investitionen im hiesigen Strommarkt.

Zudem hatte es im Sommer Aufregung gegeben, als die russische Gas-Vereinigung, hinter der im Wesentlichen Gazprom steht, den FC-Bayern-Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer als Botschafter verpflichtete – und das, obwohl Beckenbauer kurz zuvor noch Teil jenes Fifa- Exekutivkomitees war, das Russland zum WM-Ausrichter 2018 kürte. Der FC Bayern wollte den Bild-Bericht nicht kommentieren; und von Gazprom hieß es nur, es gebe keine konkreten Neuigkeiten.

Ein Engagement beim deutschen Rekordmeister würde allerdings zur Strategie des Konzerns passen, der den Sport längst als Möglichkeit der Markenpositionierung und Imagepolitur ausgemacht hat. Gazprom ist seit 2006 Mehrheitseigner von Zenit St. Petersburg sowie seit einigen Jahren über seine Firmen-Strukturen Trikotsponsor des FC Schalke 04 und des serbischen Traditionsklubs Roter Stern Belgrad. Seit Sommer firmiert das Unternehmen auch als „Global Energy Partner“ des FC Chelsea. Zudem taucht es immer wieder als Kandidat auf, wenn es um neue Geldgeber für den AC Mailand geht. Und seit 2012 ist Gazprom auch noch offizieller Sponsor der Champions League.

Auch in andere Sportarten investiert der Konzern viel Geld, zumeist allerdings in Russland. Beispielsweise in den Eishockey-Verein Awangard Omsk, in die Volleyballer aus Surgut oder in das Tischtennis-Team Fakel Orenburg, wo unter anderem der deutsche Spitzenspieler Dmitrij Ovtcharov spielt.

28.11.12 | 13:52 | Allgemein | Vereinsfußball | 1 Kommentar

Ein weiterer Oligarch steigt ein

Wenn das stimmt, was die Kollegen von Argumenty i fakty hier berichten, dann steht dem russischen Fußball der Einstieg eines weiteren Oligarchen bevor. Angeblich hat Iskander Machmudow die Aktien-Mehrheit am derzeitigen Tabellenführer ZSKA Moskau erworben. Der bisherige Präsident Jewgenij Giner soll Minderheitseigner bleiben.

Neben der Gestalt Machmudow als solcher (er zählt zu den zehn reichsten Russen, ist im Bergbau-Business reich geworden, wurde früher einmal der Geldwäsche verdächtigt; weitere Details hier) wäre das vor allem aus einem Grund interessant. Denn ZSKA Moskau war bisher der Verein mit der undurchsichtigsten Eigentümerstruktur der an undurchsichtigen Eigentümerstrukturen sich nicht armen russischen Liga. In diesem Text hatte ich mal versucht, das etwas aufzuschlüsseln.

ZSKA Moskau will das Thema übrigens nicht kommentieren.

04.11.12 | 18:45 | Allgemein | 0 Kommentare

Russland und die Bekämpfung der Korruption im Fußball

Oha, große Töne kommen da aus Russland. Bekanntlich gibt es kaum ein anderes Land, wo die Fußball-Beteiligten unter einem derart permanenten Manipulationsverdacht stehen (siehe nur das schon bisweilen verlinkte Schwarzbuch der Spielergewerkschaft Fifpro). Und jetzt kursiert folgendes Anliegen schon in den Medien, wie von den Kollegen vom sid vermeldet:

Darin heißt es unter anderem: Im Kampf gegen Spielmanipulationen und Korruption im Fußball plant Russland bis zum Jahresende ein neues Gesetz, mit dem Tätern einen Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren droht. „Wir reden über eine ganze Reihe an Maßnahmen, die darauf abzielen, die Verfälschung von Ergebnissen, illegales Wetten und Spielmanipulationen zu bekämpfen“, sagte Sportminister Witali Mutko am Freitag. Neben einer drakonischen Gefängnisstrafe soll es auch Geldstrafen von bis zu einer Million Rubel (ca. 25.000 Euro) geben.

Mal gespannt, was da wirklich herauskommt. Und noch gespannter, welche konkreten Folgen das hat.

02.11.12 | 19:22 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

So teuer wie Wembley: Zu den vielen Problemen rund um das neue Stadion in St. Petersburg

Hier hatte ich ja schon kurz auf die Meldung hingewiesen, dass der Rechnungshof Russlands die Vorgänge rund um das neue Stadion in St. Petersburg untersuchen möchte. Für die SZ habe ich folgendes einordnendes Stück dazu verfasst:

Im Prinzip, so spotten sie gerade in St. Petersburg, hat sich beim Zeitplan für das neue Fußball-Stadion gar nichts verändert. Als es 2006 erste konkrete Überlegungen gab, für den örtlichen Klub Zenit auf der Krestowskij-Insel eine neue Spielstätte zu errichten, da hieß es: So in zwei Jahren könnte es fertig sein. Als 2009 im Zuge des Bewerbungsverfahrens für die Weltmeisterschaft 2018 einige technische Umplanungen und eine Erhöhung der Kapazität auf zirka 67<TH>000 Plätze beschlossen wurden, da hieß es: So in zwei Jahren könnte es fertig sein. Und nach diversen weiteren Verzögerungen lautet der aktuelle Planungsstand nun: So in zwei Jahren könnte das Stadion fertig sein.

Es ist wohl nicht auszuschließen, dass das Image-Projekt in der Heimatstadt von Staatspräsident Wladimir Putin erst kurz vor der WM 2018 wirklich abgeschlossen wird. Doch parallel zur permanenten Verschiebung des Zwei-Jahres-Zieles hat sich rund um den Neubau eine andere Zahl verändert, die für heftige Aufregung sorgt: Anstatt der ursprünglich einmal kalkulierten 6,7 Milliarden Rubel betragen die voraussichtlichen Kosten nach Angaben der St. Petersburger Stadtregierung bereits 43 Milliarden Rubel (nach derzeitigem Umrechnungskurs mehr als eine Milliarde Euro). Sollten zu dieser Zahl noch ein paar Millionen Rubel dazukommen, könnte die Spielstätte die Londoner Wembley-Arena als teuerstes Stadion der Welt ablösen.

Doch weil diese Summe von mehr als einer Milliarde Euro selbst für russische Fußball-Verhältnisse horrend ist, schaltet sich nun der russische Rechnungshof ein: „Wir wollen überprüfen, wohin bereits 16 Milliarden Rubel gegangen sind und wie es zu jener sagenhaften Summe von 43 Milliarden Rubel kam“, sagte dessen Vorsitzender Sergej Stepaschin – und kündigte an, bis zum Ende der Bauarbeiten eine „operative“ Kontrolle ausüben zu wollen. Zugleich wurde von Seiten des Parlamentes ein Kontroll-Komitee gegründet und musste nach Informationen der Zeitung Kommersant der Vorsitzende der zuständigen Petersburger Baubehörde zurücktreten.

Nun haben in Russland derartige Ankündigungen und Komitee-Gründungen oft rein dekorativen Charakter. Aber zum einen hat es in der Vergangenheit schon manches Mal zu Konsequenzen geführt, wenn der Rechnungshof etwas anprangerte. Und zum zweiten deutet sich mit diesem Vorgehen an, dass die Mächtigen des Landes mittlerweile einen Image-Schaden für ihr wichtigstes Fußball-Vorhaben der kommenden Jahre fürchten, die WM 2018. In der St. Petersburger Bevölkerung gibt es schon seit längerem Protest gegen das Stadion-Projekt. Erst jüngst befeuerte Gouverneur Georgij Poltawtschenko die ablehnende Haltung, als er die alte sowjetische Tradition des Subbotniks (der freiwilligen unentgeltlichen Zusatzarbeit am Samstag) erneuern und die Zenit-Fans zu freiwilligen Arbeitseinsätzen ermuntern wollte. Ein führender lokaler Abgeordneter der zumindest formal zur Opposition zählenden Partei Sprawedliwaja Rossija (Gerechtes Russland) sagte bereits populistisch, er plädiere für einen sofortigen Baustopp und die Vergabe des WM-Austragungsort-Status an eine andere Stadt. Wahrscheinlich muss am Ende der staatlich kontrollierte Erdgas-Konzern und Zenit-Eigentümer Gazprom zusätzliche Investitionen tätigen oder die Moskauer Zentrale Mittel aus dem gesamten WM-Topf abzwacken.

So rabiat wie in St. Petersburg ist die Stimmung in den übrigen zehn Ausrichter-Städten zwar nicht, und so hoch sind die angedachten Ausgaben für Um- und Neubauten der Stadien dort auch nicht. Aber überall nimmt man verärgert zur Kenntnis, dass sich die geplanten Kosten für die Ausrichtung des gesamten Turnieres erst kürzlich auf 15 Milliarden Euro verdoppelt haben – und dass sich diese Summe noch erhöhen dürfte.

26.10.12 | 18:12 | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Rechnungshof untersucht neues Zenit-Stadion

Eine Milliarde Euro sind selbst in Russland viel Geld – so viel kostet das neue Petersburger Stadion, dessen Bau nicht recht voran kommt, aber mindestens. Heute zitieren die russischen Agenturen nun Gouverneur Georgij Poltawtschenko, einen Putin-Vertrauten, nach dem sich jetzt der Rechnungshof um die Angelegenheit kümmere.

Die Kollegen der dpa schreiben dazu unter anderem: “Das Bauunternehmen Transstroi machte auch nachträgliche Änderungswünsche des Weltfußballverbandes Fifa für die auf 43,8 Milliarden Rubel (1,08 Milliarden Euro) gestiegenen Kosten verantwortlich. Die Arena soll nach Angaben des Erstligisten Zenit St. Petersburg 62 000 Besucher fassen, die Fifa spricht von 69 501 Plätzen. Das für 2010 geplante Bauende ist nicht absehbar. Derzeit seien etwa 70 Prozent fertiggestellt, teilte Transstroi mit. Mit dem Bau des „Raumschiffs“ nach einem Entwurf des japanischen Architekten Kisho Kurakawa war 2007 begonnen worden. Kürzlich hatte Ministerpräsident Dmitrij Medwedew, der wie Putin aus St. Petersburg stammt, das langsame Tempo und die horrenden Kosten angeprangert.”

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