28.05.13 | 10:08 | Fußball-WM 2018 | 3 Kommentare

Die Kosten für die Fußball-WM 2018

Die nächste russische Großveranstaltung läuft finanziell aus dem Ruder. Nachdem an dieser Stelle ja schon des Öfteren berichtet wurde, dass die Olympischen Spiele in Sotschi mittlerweile bei einem Budget von mehr als 40 Milliarden Dollar liegen, kommt es im Zuge der Fußball-WM 2018 wohl zu ähnlichen Summen. Das ist zumindest das Fazit einer interessanten Studie der GTAI. Und das ganze fünf Jahre vor dem Turnierbeginn – da darf man gespannt sein, wo das endet.

02.11.12 | 19:22 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

So teuer wie Wembley: Zu den vielen Problemen rund um das neue Stadion in St. Petersburg

Hier hatte ich ja schon kurz auf die Meldung hingewiesen, dass der Rechnungshof Russlands die Vorgänge rund um das neue Stadion in St. Petersburg untersuchen möchte. Für die SZ habe ich folgendes einordnendes Stück dazu verfasst:

Im Prinzip, so spotten sie gerade in St. Petersburg, hat sich beim Zeitplan für das neue Fußball-Stadion gar nichts verändert. Als es 2006 erste konkrete Überlegungen gab, für den örtlichen Klub Zenit auf der Krestowskij-Insel eine neue Spielstätte zu errichten, da hieß es: So in zwei Jahren könnte es fertig sein. Als 2009 im Zuge des Bewerbungsverfahrens für die Weltmeisterschaft 2018 einige technische Umplanungen und eine Erhöhung der Kapazität auf zirka 67<TH>000 Plätze beschlossen wurden, da hieß es: So in zwei Jahren könnte es fertig sein. Und nach diversen weiteren Verzögerungen lautet der aktuelle Planungsstand nun: So in zwei Jahren könnte das Stadion fertig sein.

Es ist wohl nicht auszuschließen, dass das Image-Projekt in der Heimatstadt von Staatspräsident Wladimir Putin erst kurz vor der WM 2018 wirklich abgeschlossen wird. Doch parallel zur permanenten Verschiebung des Zwei-Jahres-Zieles hat sich rund um den Neubau eine andere Zahl verändert, die für heftige Aufregung sorgt: Anstatt der ursprünglich einmal kalkulierten 6,7 Milliarden Rubel betragen die voraussichtlichen Kosten nach Angaben der St. Petersburger Stadtregierung bereits 43 Milliarden Rubel (nach derzeitigem Umrechnungskurs mehr als eine Milliarde Euro). Sollten zu dieser Zahl noch ein paar Millionen Rubel dazukommen, könnte die Spielstätte die Londoner Wembley-Arena als teuerstes Stadion der Welt ablösen.

Doch weil diese Summe von mehr als einer Milliarde Euro selbst für russische Fußball-Verhältnisse horrend ist, schaltet sich nun der russische Rechnungshof ein: „Wir wollen überprüfen, wohin bereits 16 Milliarden Rubel gegangen sind und wie es zu jener sagenhaften Summe von 43 Milliarden Rubel kam“, sagte dessen Vorsitzender Sergej Stepaschin – und kündigte an, bis zum Ende der Bauarbeiten eine „operative“ Kontrolle ausüben zu wollen. Zugleich wurde von Seiten des Parlamentes ein Kontroll-Komitee gegründet und musste nach Informationen der Zeitung Kommersant der Vorsitzende der zuständigen Petersburger Baubehörde zurücktreten.

Nun haben in Russland derartige Ankündigungen und Komitee-Gründungen oft rein dekorativen Charakter. Aber zum einen hat es in der Vergangenheit schon manches Mal zu Konsequenzen geführt, wenn der Rechnungshof etwas anprangerte. Und zum zweiten deutet sich mit diesem Vorgehen an, dass die Mächtigen des Landes mittlerweile einen Image-Schaden für ihr wichtigstes Fußball-Vorhaben der kommenden Jahre fürchten, die WM 2018. In der St. Petersburger Bevölkerung gibt es schon seit längerem Protest gegen das Stadion-Projekt. Erst jüngst befeuerte Gouverneur Georgij Poltawtschenko die ablehnende Haltung, als er die alte sowjetische Tradition des Subbotniks (der freiwilligen unentgeltlichen Zusatzarbeit am Samstag) erneuern und die Zenit-Fans zu freiwilligen Arbeitseinsätzen ermuntern wollte. Ein führender lokaler Abgeordneter der zumindest formal zur Opposition zählenden Partei Sprawedliwaja Rossija (Gerechtes Russland) sagte bereits populistisch, er plädiere für einen sofortigen Baustopp und die Vergabe des WM-Austragungsort-Status an eine andere Stadt. Wahrscheinlich muss am Ende der staatlich kontrollierte Erdgas-Konzern und Zenit-Eigentümer Gazprom zusätzliche Investitionen tätigen oder die Moskauer Zentrale Mittel aus dem gesamten WM-Topf abzwacken.

So rabiat wie in St. Petersburg ist die Stimmung in den übrigen zehn Ausrichter-Städten zwar nicht, und so hoch sind die angedachten Ausgaben für Um- und Neubauten der Stadien dort auch nicht. Aber überall nimmt man verärgert zur Kenntnis, dass sich die geplanten Kosten für die Ausrichtung des gesamten Turnieres erst kürzlich auf 15 Milliarden Euro verdoppelt haben – und dass sich diese Summe noch erhöhen dürfte.

26.10.12 | 18:12 | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Rechnungshof untersucht neues Zenit-Stadion

Eine Milliarde Euro sind selbst in Russland viel Geld – so viel kostet das neue Petersburger Stadion, dessen Bau nicht recht voran kommt, aber mindestens. Heute zitieren die russischen Agenturen nun Gouverneur Georgij Poltawtschenko, einen Putin-Vertrauten, nach dem sich jetzt der Rechnungshof um die Angelegenheit kümmere.

Die Kollegen der dpa schreiben dazu unter anderem: “Das Bauunternehmen Transstroi machte auch nachträgliche Änderungswünsche des Weltfußballverbandes Fifa für die auf 43,8 Milliarden Rubel (1,08 Milliarden Euro) gestiegenen Kosten verantwortlich. Die Arena soll nach Angaben des Erstligisten Zenit St. Petersburg 62 000 Besucher fassen, die Fifa spricht von 69 501 Plätzen. Das für 2010 geplante Bauende ist nicht absehbar. Derzeit seien etwa 70 Prozent fertiggestellt, teilte Transstroi mit. Mit dem Bau des „Raumschiffs“ nach einem Entwurf des japanischen Architekten Kisho Kurakawa war 2007 begonnen worden. Kürzlich hatte Ministerpräsident Dmitrij Medwedew, der wie Putin aus St. Petersburg stammt, das langsame Tempo und die horrenden Kosten angeprangert.”

29.09.12 | 21:57 | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Stadien, die die Welt nicht braucht (8) – die endgültige Entscheidung

Soeben haben Sepp Blatter und die Vertreter der russischen Organisatoren die elf Städte bzw. zwölf Stadien bekanntgegeben. (Anschaubar in der Wiederholung hier in der Mediathek des Pervyj Kanal).

Gegenüber dem gestern vermeldeten Tipp hat es dann doch noch einmal eine Änderung gegeben: Nicht die Moskauer Dynamo-Arena, Jaroslawl und Saransk fliegen aus der Kandidatenliste, sondern die Dynamo-Arena, Jaroslawl und Krasnodar. Mal gespannt, zu was sich die Dynamo-Lobby in den kommenden Wochen noch so hinreißen lässt. Da bauen sie einen neuen Sportkomplex, der insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar kostet – und dann ist da nicht einmal ein WM-Spiel …

BTW: Moskau munkelt, dass es entgegen der Planung nicht der letzte Tage gewesen sein könnte, an dem Kandidaten gestrichen werden. Ob Städte wie etwa Saransk am Ende wirklich Ausrichter werden, glauben noch nicht alle …

28.09.12 | 14:35 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 1 Kommentar

Stadien, die die Welt nicht braucht (7) – die Entscheidung

Also, die Entscheidung, über die seit ein paar Monaten gerungen wurde, ist offenbar gefallen. Drei der bisher 15 Kandidaten-Spielstätten* fliegen raus, sagte Sportminister Witalij Mutko heute in Zürch. Und nicht nur das: Er sagte auch, dass man das Turnier in zwölf  Stadien und elf Städten austragen wolle.

Das heißt, das etwas überraschend von den drei Moskauer Stadien – Olympiastadion Luschniki, neue Spartak-Arena, neue Dynamo-Arena – eines kein Austragungsort ist. Der Sowjetskij Sport mutmaßt, es handele sich dabei um die Dynamo-Arena. Weniger überraschend: Saransk und Jaroslawl, die ohnehin als chancenlos galten, werden danach ebenso gestrichen.

Das heißt, es verblieben: Moskau (2), St. Petersburg, Sotschi, Kasan, Jekaterinenburg, Kaliningrad, Rostow, Krasnodar, Samara, Nischnij Nowgorod

Offiziell verkündet wird die Auswahl am Samstagabane din einer großen Zeremonie.

* In der verlinkten Tabelle ist noch von 16 Stadien die Rede. Damals gab es sogar die Möglichkeit, dass in Moskau vier Spielstätten entstehen. Doch das Stadion der Region Moskau davon wurde recht bald schon von der Liste gestrichen.

20.01.12 | 11:37 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Sepp Blatter, der Astrologe

Fifa-Chef Sepp Blatter macht und sagt ja allerhand Dinge, die den gemeinen Beobachter, vorsichtig gesagt, verblüffen. Doch wenn es um die Einschätzung der WM 2018 in Russland geht, schlüpft der Schweizer noch einmal in eine besonders verblüffende Rolle: die des Astrologen. “Ich bin kein Prophet, aber ich kenne mich mit Astrologie aus: Die Sterne sind Witalij Mutko [Russlands Sportminister] gewogen”, zitiert Ria Nowosti Blatter. Aha.

10.07.11 | 19:35 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Was kostet die WM?

Wenn die Organisatoren einer Sportveranstaltung Etatzahlen präsentieren, ist immer etwas Skepsis geboten. Was eine Weltmeisterschaft, was die Ausrichtung von Olympischen Spielen tatsächlich kosten, ist meist schwer zu beziffern, weil zum Beispiel Infrastrukturmaßnahmen, Kosten für Stadionneu- und -umbauten sowie die Ausgaben für Personal und Transport gerne mal verschwimmen. Nicht alles landet in einem großen WM-Topf, manches finanziert zum Beispiel auch der Staat unter Bezug auf irgendwelche merkwürdige Querverweise. Ein jüngstes Beispiel aus Deutschland: Hätte München den Zuschlag für Olympia 2018 bekommen, hätte München auch einen zweiten S-Bahn-Tunnel bekommen – so erklärte es der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Warum auch immer.

Umso verblüffender ist es, was gerade an reinen Etatzahlen aus Russland berichtet wird. Laut Kommersant stiegen diese binnen kürzester Zeit von rund einer halben Milliarde Dollar auf knapp vier Milliarden Dollar an. Und wer glaubt sieben Jahre vor dem Turnier, dass damit schon Schluss ist? Man muss nur einmal nach Sotschi schauen, wo die Kosten für die Olympischen Winterspiele massiv explodieren – auf geschätzte 36 Milliarden Dollar.

01.07.11 | 21:09 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Stadien, die die Welt nicht braucht (5)

Aus 16 mach 13 oder 12 oder sogar nur 10 – die Reduzierung der vorläufigen Spielstätten-Zahl ist eines der Dauerbrenner-Thema in Russland und in diesem Blog. Bisher galten Jekaterinenburg, Saransk und das Stadion in der Moskauer Region, das in Podolsk stehen soll, als Streichkandidaten. Nun gibt es alut Iswestija einige Verswchiebungen in dieser Frage: Danach trifft es Samara, Saransk, Jaroslawl und das Podolsker Stadion.

Natürlich dementierte Sportminister Mutrko pflichtgemäß sofort. Diese Diskussionen dürften noch ein Jahr so andauern.

30.05.11 | 16:39 | Allgemein | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Blatter, Bin Hammam und Putin

Eine unfassbare Korruptionsaffäre erschüttert die Fifa, und sollte sich das Image des Fußballweltverbandes auf einem Level befunden haben, von dem aus es weiter sinken kann, dann ist es in den vergangenen Tagen auf den ultimativen Tiefpunkt gesunken. Korruptionsvorwürfe gegen Blatter-Herausforderer Bin Hammam, Verschleierungsvorwürfe gegen Blatter, ein merkwürdiger Rückzug des Gegenkandidaten, eine noch merkwürdigere Suspendierung – und parallel zu alledem die permanenten Vorwürfe, rund um die Vergabe der WM 2022 nach Katar sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

Wie ist Russlands Rolle in dieser Affäre? Was bedeuten diese Affären fürs Land? Ein paar Gedanken:

1.)    Im Machtkampf zwischen Blatter und Bin Hammam hat sich Russland eindeutig positioniert. Die Vorwürfe gegen den amtierenden Fifa-Chef seien “totaler Blödsinn” ließ sich niemand geringeres als der Ministerpräsident Wladimir Putin persönlich zitieren – der schon länger ein enges Verhältnis zu Blatter pflegt. “Ich bin mir sicher, dass dies nicht die Wahl des neuen FIFA-Präsidenten beeinflussen wird”, sagte er dieser Tage – und kündigte die Unterstützung Russlands für Blatter bei der Abstimmung an. Das ist ja nun gar nicht mehr nötig, weil der Herausforderer nicht mehr kandidiert. Aber um zu demonstrieren, wie groß sein Vertrauen in Blatter ist, schob Putin noch hinterher: Er persönlich würde dem Schweizer sofort seine Stimme geben.

2.)    Putin spielt im internationalen Weltsport eine immer entscheidendere Rolle. Dass die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi und die Spiele der Fußball-WM 2018 in Russlands Städten stattfinden, gilt gemeinhin als sein Verdienst. Nun mischt er sich auch noch in solch eine entscheidende Personalie des Fußballweltverbandes ein. Er wuchert ja auch mit einem gehörigen Pfund: Die Seilschaften zwischen vielen der früheren Sowjetrepubliken sind auf Funktionärsebene immer noch so eng, dass Putin in der Rolle erscheint, als könne er ein ganzes Paket an Stimmen verschaffen. Im Einzelfall ist das nicht zutreffend, aber es wirkt bisweilen so.

3.)    Russland kommt es extrem zupass, dass die Manipulationsvorwürfe rund um die WM-Vergabe 2022 einfach nicht verstummen. Zur Erinnerung: Die Entscheidungen, Russland das Turnier 2018 und Katar jenes vier Jahre später zu geben, fielen an einem Tag – und beide Länder hatten nicht gerade als Favoriten gegolten. In Russland mag man sich gar nicht vorstellen, was gerade los wäre, wenn die WM 2022 noch gar nicht oder an ein favorisiertes Land wie die USA vergeben worden wäre. Dann stünde die ebenfalls irritierende Vergabe der WM 2018 an Russland stärker im Interesse der kritischen Öffentlichkeit – und dass angesichts all der Oligarchen und Putins persönlichem Engagement für dieses Turnier alles mit rechten Dingen zuging, bezweifeln viele, wenngleich es keinerlei Beweise gibt, dass dem so war. Allerdings war schon im Vorfeld der Entscheidung von dubiosen Absprachen die Rede gewesen.

4.)    Im Kontext dieser Entwicklungen ist auch noch ein weiterer Punkt interessant: Durch einige Personalentscheidungen – die natürlich, wem sonst, Putin zugeschrieben werden – hat sich das Ansehen des russischen Sports international etwas gebessert. Im Biathlon beispielsweise hat mittlerweile nicht mehr der obskure Alexander Tichonow das Sagen, sondern der Multimilliardär Michail Prochorow, der drittreichste Mann des Landes – und dem gelang es kürzlich sogar, einen überzeugten Anti-Doping-Mann wie Wolfgang Pichler als Trainer in das chronisch dopingverseuchte Land zu lotsen. Und im Fußball sitzt statt der Skandalnudel Wjatscheslaw Koloskow nun Putins alter Petersburger Wegbegleiter Witalij Mutko in diversen Gremien – und verhält sich dort viel weniger auffällig als sein Landsmann Koloskow.

19.05.11 | 17:40 | Fußball-WM 2018 | 0 Kommentare

Ein bisschen WM in Grosny

Die ständigen Beschwerden aus Tschetschenien, warum denn Grosny nicht zu den ausgewählten Spielorten der Fußball-WM 2018 zähle, hatten offensichtlich Erfolg. Jedenfalls gibt es laut Fußballverbandschef Sergej Fursenko nun doch eine Möglichkeit, wie die WM auch in Grosny stattfinden könnte. Die tschetschenische Hauptstadt könne ja als Basis für eine der Teilnehmer-Mannschaften dienen, sagte Fursenko dieser Tage. Nun ist in Grosny trotz permanenter Unruhen und Anschläge vieles möglich, unter anderem Ruud Gullit als Trainer des örtlichen Klubs Terek oder Prominente wie Lothar Matthäus und Diego Maradona als Gastspieler bei Benefizpartien – doch der WM-Teilnehmer, der sich auf das Wagnis Tschetschenien einlässt, muss wahrscheinlich erst noch gefunden werden. Am Ende muss dann wohl die eigene Sbornaja dahin …

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