16.07.13 | 18:10 | Allgemein | 0 Kommentare

Korruption im Moskauer Fußballverband

Zumindest für alle, die Russisch verstehen, hier der Verweis auf ein wirkliches Schmankerl osteuropäischer Kourruptionskultur. Ich hoffe, ich finde die Tage Zeit, das noch einmal aufzuarbeiten. Es geht darum, dass ein Funktionär des Moskauer Verbandes angeblich 110 000 Rubel forderte für den gewünschten Match-Ausgang. Details hier: http://www.sovsport.ru/news/text-item/624900

16.07.13 | 18:08 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Europa-League-Spiel unter Verdacht

Neues von der Manipulationsfront, verfasst für die SZ vom 17. Juli:

Die aktuelle Europa-League-Saison ist erst einen Qualifikationsspieltag alt, da sind schon Partien des Wettbewerbs unter Manipulationsverdacht geraten. Betroffen ist unter anderem der 2:0-Sieg von Dacia Chisinau (Moldawien) im Rückspiel gegen Teuta Durres (Albanien) am 11. Juli, auf den es auffallend viele Wetten gab; auch bei zwei weiteren Partien soll es auf dem Wettmarkt zu Auffälligkeiten gekommen sein. Die internationalen Verbände Uefa und Fifa wollten entsprechende Anfragen nicht kommentieren. Chisinaus Präsidentin Sinaida Schioare weist die Vorwürfe so zurück: „Die Klubleitung hat von der Staatsanwaltschaft die Bestätigung bekommen, dass auf den Namen eines Spielers oder der Klubleitung kein Straffall in Gang gesetzt worden ist.“

Allerdings gibt es gewichtige Indizien, die den Verdacht untermauern. Diese frühe Ebene der internationalen Wettbewerbe, in denen die Öffentlichkeit nicht so genau hinschaut, ist für Manipulateure grundsätzlich interessant. Auffallend häufig geraten Spiele ins Blickfeld, in die wie im vorliegenden Fall Vereine aus Osteuropa und/oder Albanien involviert sind. Beim Duell zwischen Chisinau und Durres ist bei vielen Wettanbietern offenkundig so viel Geld auf das später eingetroffene Ergebnis gesetzt worden, dass etliche von ihnen die Wette vor Spielbeginn oder spätestens zur Halbzeitpause aus dem Angebot nahmen. Zudem ist der moldawische Klub Dacia bezüglich derartiger Vorgänge nicht unbelastet. Als er 2011 Meister wurde, gab es den Vorwurf, dass er Teil eines vier Mannschaften umfassenden Kollektivs sei, das sich gegenseitig Punkte zuschustere. Nachdem mehrere Spieler öffentlich über Manipulationsvorgänge berichtet hatten, sah es eine Verbandskommission zumindest als erwiesen an, dass das Spiel gegen Sfintul Gheorghe manipuliert worden war. Folgen hatte das aber nur für zwei Verantwortlichen von Sfintul, die für zwei bzw. fünf Jahre gesperrt wurden.

11.07.13 | 10:27 | Allgemein | 0 Kommentare

Universiade in Kasan: Auftakt zu Putins großer Sportshow

In der SZ von heute habe ich ein paar Hintergründe über das Spektakel bei den Studentenspielen zusammengetragen.

Der Präsident ließ es sich natürlich nicht nehmen, selbst aufzutreten. Mehr als vier Stunden dauerte die Eröffnungsfeier da schon, bunt und groß und pompös ging es zu, und nun schritt Wladimir Putin zum Mikrofon – und mit dem üblichen Pathos in der Stimme, aber zugleich ungewohnt häufig lächelnd eröffnete er am Wochenende die Sommer-Universiade in Kasan. Wobei sich Pathos und Lächeln nicht nur auf das aktuelle Ereignis bezogen. Denn nach dem Verständnis von Putin und seinen Strippenziehern waren die Eröffnungsworte zu den diesjährigen Studentenspielen zugleich auch die Eröffnungsworte für eine Sport-Ära, in der ihrem Land eine bedeutende Rolle zukommt. Olympische Winterspiele, Fußball-Weltmeisterschaft, Formel-1-Rennen, Welttitelkämpfe in den olympischen Kerndisziplinen Leichtathletik und Schwimmen – kaum eine maßgebliche Sportart kommt in den nächsten Jahren an Russland als Veranstaltungsort vorbei. Und zu einem nicht unerheblichen Anteil geht diese geballte Ladung an Events auf Wladimir Putin selbst zurück, der sich längst intensiv in zentrale Fragen des Weltsports einmischt.

Die Universiade in Kasan, an der Athleten teilnehmen, die zwischen 17 und 28 Jahren alt und an einer Hochschule eingeschrieben sind, interpretieren sie als Testlauf. Entsprechend haben sie die an der Wolga gelegene Hauptstadt der Republik Tatarstan, die auch Austragungsort der Fußball-WM 2018 sein soll, aufgemotzt. Sie haben den Flughafen erweitert, viele Sportstätten hochgezogen und für die mehr als 13 000 Teilnehmer ein Athletendorf errichtet. Vieles ist so bunt und pompös wie bei der Eröffnungsfeier – und gar nicht im üblichen Geist von Universiaden. 350 Medaillenentscheidungen in 27 Sportarten gibt es, ein Rekord, natürlich. Ein Vertreter der deutschen Delegation sagt, Kasan habe neue Maßstäbe gesetzt, er fühle sich mehr an olympische denn an studentische Spiele erinnert. Die Russen selbst streuen als Botschaft: In den vergangenen Jahren hat es immer Kritik am dürftigen Stand unserer Vorbereitungen gegeben und wir haben es dennoch geschafft, fertig zu werden. Und genauso werden wir trotz aller Kritik auch die Winterspiele oder die Fußball-WM gut vorbereiten.

Nun, niemand bezweifelt, dass es die Russen angesichts des großen politischen Willens und der gewaltigen finanziellen Ressourcen schaffen, solche Großprojekte zu stemmen. Die Frage ist immer nur, wie: mit welchen Schäden für die Umwelt, mit welchen Nachteilen für die einfache Bevölkerung und mit wie viel Geld. Knapp fünf Milliarden Euro sind in Kasan in den vergangenen fünf Jahren investiert worden, zirka zwei Drittel davon tragen staatliche Haushalte. Alleine die Kosten für den Straßenbau betrugen nach Angaben des staatlichen Fernsehens etwa eine Milliarde Euro.

Doch Blogger beklagen, dass Kritik an der Universiade, beispielsweise an den hohen Kosten, in den sozialen Netzwerken blockiert werde. In einem Beitrag der russischen BBC-Ausgabe berichteten zudem Betroffene, dass manche Einwohner gezwungen worden seien, an der Fertigstellung der Projekte mitzuarbeiten. Das erinnerte viele an die Zeit der so genannten „Subbotniks“ in der Sowjetunion, also den unbezahlten, allenfalls formal freiwilligen Arbeitseinsatz am Samstag (russisch: Subbotnik). Die vielsagende Antwort von Rustam Minnichanow, dem Präsidenten von Tatarstan: „Ich weiß nicht, gezwungen, nicht gezwungen. Wenn Sie ein Kind haben und das Essen fertig ist, sagen Sie doch auch: Iss. Wir haben auch, wo es nötig war, gesagt, das müssen wir schneller machen oder rechtzeitig fertig machen.“

Aber nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich soll die noch eine Woche andauernde Veranstaltung das Land auf die Groß-Events der kommenden Jahre einstimmen. Und sportlich bedeutet in diesem Fall: mit Erfolgen der heimischen Athleten. Die russische Mannschaft ist jedenfalls auffallend gut besetzt. So sind beispielsweise einige Teilnehmer der Leichtathletik-Wettbewerbe soeben noch beim Diamond League Meeting in Paris angetreten, jetzt nach Kasan geflogen – und bald reisen sie weiter nach Moskau, um dort Anfang August bei der WM zu starten. Ähnliches gilt für die anderen Sportarten. Kein Vergleich mit den Starterfeldern anderer Nationen wie beispielsweise Deutschland, wo sportartübergreifend gerade mal sechs Olympiateilnehmer dabei sind.

Zudem versprechen Russlands Funktionäre ihren Athleten üppige Prämien. Für einen Sieg kassieren sie bis zu 6000 Dollar. Zum Vergleich: Deutsche Starter bekommen für entsprechende Erfolge ein kleines Präsent, aber kein Geld. „Warum soll jemand, der bei der Universiade gewinnt, keinen Zuschuss bekommen“, sagt der russische Sportminister Witalij Mutko. „Selbst für einen Sieg bei der russischen Schach-Olympiade gibt es doch einen Zuschuss.“

Da ist es kein Wunder, dass die Russen mit dem Siege zählen schon jetzt kaum noch nachkommen und im Medaillenspiegel mit gewaltigem Vorsprung führen. Stand Mittwochnachmittag hatten sie fast so viele Goldplaketten wie alle anderen Nationen zusammen. Wobei das allerdings ein Wert ist, den sich Putin & Co. für ihre nächsten sportlichen Großveranstaltungen eher nicht als Maßstab nehmen sollten.

10.07.13 | 18:30 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

“Nazi-Zug” auf Loko-Trikot

Aufregung bei Lokomotive Moskau: Eigentlich wollte der Klub nur ein bisschen Werbung machen für seine neuen Trikots. Doch blöderweise war auf dem Werbefoto neben den Hemden auch ein Zug zu sehen, den ein paar Fans als “Nazi-Zug” bezeichneten – und den die Pressestelle des Klubs schleunigst entfernte.  Der ganze Fall ist am besten hier nachzulesen.

30.05.13 | 17:13 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Falcao, Carvalho, Moutinho: Oligarch Rybolowljew mit Monaco auf Einkaufstour

Meine Stück aus der SZ zum Einkaufswahn bei AS Monaco. Zudem noch folgender Linktipp: Eines der seltenen Interviews des Oligarchen Dmitrij Rybolowljew aus dem Jahr 2006 bei den Kollegen von Wedomosti hier:

Die fürstliche Familie war entzückt. Ende 2011 befand sich ihr einst so ruhmreicher Klub AS Monaco in arger Not, letzter Platz in Liga zwei – da näherte sich aus Russland die Rettung. Der Oligarch Dmitrij Rybolowljew übernahm zwei Drittel des Vereins und versprach viele Investitionen. Es kamen also ein paar Spieler wie der Bundesliga-Verteidiger Andreas Wolf, die für einen Zweitligisten eigentlich zu gut waren, und als Trainer der renommierte Claudio Ranieri. Und spätestens jetzt, eineinhalb Jahre und einen Aufstieg später, blickt Fußball-Europa verstört auf das Treiben am Mittelmeer. Denn auf seiner Shopping-Tour hat sich der AS Monaco mittlerweile der Luxus-Abteilung zugewandt. Vergangene Woche verpflichtete er für 70 Millionen Euro Joao Moutinho und James Rodriguez vom FC Porto, nun folgte Ricardo Carvalho (Real Madrid), der kolumbianische Überangreifer Falcao war angeblich schon zum Medizincheck da, dazu vielleicht Fabio Coentrao – es sieht so aus, als wolle Monaco gleich in Jahr eins nach dem Wiederaufstieg das mit katarischem Geld aufgemotzte Paris St. Germain herausfordern.

Und das alles dank Dmitrij Jewgenjewitsch Rybolowljew, 46, geschätzt knapp zehn Milliarden Dollar reich, einst Russlands Dünger-König, Spitzname “der große Schweiger”.

Er hat wie so viele Oligarchen eine kuriose Biographie. In seiner Heimat Perm arbeitete er Anfang der Neunziger zunächst als Kardiologe; für nur 120 Rubel pro Monat plus zehn Rubel Diplom-Zulage, wie er in einem seiner seltenen Interviews erzählte. Erstes richtiges Geld verdiente er mit einer Firma, die sich auf eine Methode der Magnetfeld-Therapie spezialisierte. Doch er stieg bald ins Investmentgeschäft ein, stand an der Spitze einer Privatbank – und verschaffte sich die Mehrheit an Uralkali, dem größten Mineraldüngerhersteller Russlands. Zwischendurch saß er im Gefängnis, weil er einen Mord in Auftrag gegeben haben soll; nach elf Monaten wurde er freigesprochen. Restlos aufgeklärt wurde der Fall nie. 2010 verkaufte er Uralkali für 5,3 Milliarden Dollar – und baute seinen Anteil an der Bank of Cyprus auf zehn Prozent auf; als Anfang 2013 die große Zypern-Krise ausbrach und die Oligarchen um das dort geparkte Geld fürchten mussten, vermerkte die bankeigene Internetseite aber nur noch 5,01 Prozent.

Rybolowljews Beziehung zu Russlands Staatsführung ist wechselhaft. Früher galt sein Verhältnis zu Wladimir Putin als eng. Der Spiegel berichtete einmal von einem Vorfall, wonach ihn 2005 ein Vertreter einer Oppositionspartei um Spenden gebeten habe. Die Antwort: Er könne gerne wiederkommen, “wenn ihr an der Macht seid”. Später jedoch kühlte das Verhältnis offenkundig ab. Rund um den Verkauf von Uralkali soll er von politischer Seite gehörig unter Druck gesetzt worden sein.

Als er den Fürstenklub kaufte, sagte Rybolowljew, das sei “kein reines Erwerbsgeschäft”, sondern “der Beginn einer effizienten und schlagkräftigen Partnerschaft”. Es gab aber auch ein paar andere Erklärungsansätze. Einer besagte, dass der Oligarch im ewigen Scheidungskrieg mit seiner Frau Jelena, die ein paar Milliarden Dollar fordert, so ein wenig Vermögen entziehen kann. Ein anderer wies darauf hin, dass sich das viele erwirtschaftete Geld in der Steueroase Monaco effektiv weiterverarbeiten lässt. Und zudem haben Rybolowljew (und seine 24-jährige Tochter Jekaterina) durchaus den Hang, in Statussymbole zu investieren. Eine kleine Auswahl: eine Donald-Trump-Villa für 100 Millionen Dollar, die bis dahin teuerste Wohnung New Yorks für 88 Millionen Dollar, dazu einen Privat-Airbus, eine gigantische Gemäldesammlung sowie per langlaufendem Leasing-Vertrag eine Mittelmeer-Insel von den Erben des Onassis-Clans. Dieser Deal könnte aber noch Ärger geben; der griechische Juristenrat prüft, ob damit nicht das Testament des legendären Tycoons missachtet wurde.

Ärger ist auch für Rybolowljews Monaco-Investment ein gutes Stichwort. Bei seinem Angriff auf die Ligaspitze kommt ihm neben dem eigenen Vermögen auch das Steurrecht zugute: Carvalho & Co. müssen in Monaco so gut wie keine Abgaben auf ihre zehn-Millionen-und-mehr-pro-Jahr-Verträge zahlen. Die Konkurrenz will das so nicht hinnehmen, der Profiligaverband beschloss, dass von der nächsten Spielzeit an alle Erst- und Zweitligisten in Frankreich Steuern zahlen müssen. AS legte dagegen Einspruch ein. Einen Kompromiss von Verbandspräsident Noel Le Graet, nach dem Monaco in den nächsten vier bis sieben Jahren 200 Millionen Euro als Ausgleich zahlen soll, lehnte die Liga ab.

08.05.13 | 11:51 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Uefa darf Anschi Machatschkala Europa-League-Preisgelder nicht auszahlen

Meistens gelingt es ja der Fußball-Welt, ihre Streitigkeiten intern auszutragen. Nichts fürchtet sie so sehr wie die Einmischung ziviler Gerichte. Nun gibt es rund um den russischen Klub Anschi Machatschkala einen interessanten Fall, den ich für die heutige Ausgabe der SZ aufgeschrieben habe:

Geld ist nun wirklich das letzte, was beim russischen Oligarchen-Projekt Anschi Machatschkala eine Rolle spielt. Jahresgagen in zweistelliger Millionenhöhe sind üblich, Samuel Eto’o gilt mit einem kolportierten Verdienst von 20 Millionen pro annum gar als bestbezahlter Fußballer der Welt – und zum Geburtstag eines Spielers schenkte Klubbesitzer Sulejman Kerimow schon mal einen Bugatti. Da wirkt ein Betrag über 1,6 Millionen Euro vergleichsweise unbedeutend. Und doch ist er der Auslöser einer Affäre, die Anschi schon lange beschäftigt und in der auch Europas Fußball-Verband Uefa schlecht dasteht. Denn die Föderation, die Streitigkeiten im Fußball so gerne allein und abseits der ordentlichen Justiz lösen will, musste sich von zivilen Gerichten vorschreiben lassen, dass sie die Preisgelder für Machatschkala aus der laufenden Europa-League-Saison nicht überweisen darf.

Die Angelegenheit begann im April 2010, als der damals noch nicht von Kerimow geführte Klub und die portugiesische Spieleragentur Onsoccer über den Wechsel des Brasilianers William dos Santos verhandelten – die Agentur hatte die Transferrechte an dem Spieler kurz zuvor von dos Santos’ vormaligem Klub Paços de Ferreira erworben. In einem Hotel nahe München kamen Vertreter der beiden Seiten zusammen und unterzeichneten einen Vertrag, nach dem dos Santos für 1,6 Millionen Euro nach Machatschkala wechseln würde. Kurz darauf kam er nach Russland, blieb allerdings nicht lange dort – nach nur wenigen Tagen flog er nach Lissabon. Was genau vorgefallen war, bleibt unklar.

Obwohl dos Santos nie richtig in Machatschkala angekommen war, pochte Onsoccer auf die Überweisung der vereinbarten Summe. Anschi aber weigerte sich. Daher wandte sich die Agentur an den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne, der ihr im Oktober 2011 Recht gab. Doch Anschi überwies immer noch nicht. Der Klub äußert sich zu der Causa nicht. Zu vernehmen ist, dass die neue Vereinsführung um den Oligarchen Kerimow offenkundig die Haltung vertritt, es sei Sache der alten Bosse, alles zu regeln.

Onsoccer jedenfalls verließ die Ebene der Sportgerichtsbarkeit und wandte sich an ein ordentliches Gericht, das Bezirksgericht in Nyon – und damit kam nun auch die Uefa ins Spiel. Denn das Gericht registrierte, dass sich Anschi für die Europa League der Saison 2012/13 qualifiziert hatte und dort auf ordentliche Einnahmen hoffen durfte. Also entschied man in Nyon am 3. August des vergangenen Jahres, dass die Uefa alle Preisgelder des späteren Achtelfinalisten einfrieren und stattdessen Onsoccer überweisen müsse, bis die Forderungen beglichen seien – inklusive Zinsen und der prozessüblichen Nebengeräusche war die Summe mittlerweile auf drei Millionen Schweizer Franken angewachsen.

Einen solchen Weg über eine dritte Partei zu wählen, um Schulden einzutreiben, ist durchaus üblich. Die Uefa hätte sich im Prinzip als lediglich ausführendes Organ begreifen können. Doch ihr schmeckte es nicht, dass sich da ein ziviles Gericht in eine Fußballfrage einschaltete. In einer Mitteilung an den Klub sowie an den russischen Verband bat ein Uefa-Vertreter um nähere Informationen und wies zugleich auf wichtige Paragraphen des Schweizer Rechts hin. Am Ende des Schreibens heißt es: „Die Uefa ist interessiert, solche Themen innerhalb der Fußball-Familie abzuhandeln.“ Offiziell äußern möchte sich der Verband nicht; er bestätigt allein die gerichtliche Verfügung, „weitere Informationen sind nicht verfügbar“.

Kurioserweise war es dabei ausgerechnet das Reglement des Fußball-Weltverbandes Fifa, das den Fall aus der Fußball-Familie und vor die zivile Gerichtsbarkeit trieb. Denn normalerweise wenden sich Betroffene zur Umsetzung eines Cas-Urteils an den jeweiligen Sportweltverband; das läuft in der Regel kostengünstiger und schneller als bei einem normalen Gericht. Doch im Jahr 2011 hatte die Fifa einen Artikel beschlossen, nach dem die Fifa-Organe nicht für Verfahren der sogenannten O-Kategorie zuständig seien – und die Cas-Angelegenheit zwischen Onsoccer und Anschi Machatschkala war ein ebensolches Verfahren der O-Kategorie.

Nun zieht sich die Angelegenheit in die Länge. Die Berufung von Anschi gegen das Nyoner Urteil wurde jüngst von einer höheren Instanz zurückgewiesen. Machatschkala bleibt noch der Weg vors Bundesgericht.

29.04.13 | 16:54 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Linienrichter verprügelt Spieler

Mal wieder eine üble Meldung aus dem russischen Fußball: Bei einem Spiel der Reserve-Mannschaften Terek Grosny und Amkar Perm wurde ein Perm-Spieler von einem Linienrichter nach dem Abpfiff heftig attackiert.(Details siehe zum Beispiel hier). Die gute Nachricht ist: Der Verband hat schnell reagiert, der Unparteiische wurde lebenslang gesperrt. Die schlechte Nachricht ist: Dies ist kein Einzelfall, erinnert sei hier nur an das im Vorjahr vorgestellte Schwarzbuch des osteuropäischen Fußballs (Details hier und hier). Aber das sich grundsätzlich in Russlands Fußball diesbezüglich etwas ändert, erscheint derzeit ziemlich fraglich.

20.04.13 | 11:23 | Allgemein | 0 Kommentare

Der merkwürdige Umgang mit der hochgefährlichen Substanz GW1516

Nach mehrwöchiger Urlaubspause ein Thema, das auch, aber nicht nur mit Russland zu tun: Die hochgradig gefährliche Dopingsubstanz GW1516 breitet sich mehr und mehr aus, die Positivfälle häufen sich – und das Verhalten der Sportwelt, insbesondere auch der Welt-Anti-Doping-Agentur, irritiert. Hier ein Überblick über die Recherchen, die ich heute gemeinsam mit dem Kollegen Kistner in der SZ veröffentlicht habe:

Die Welle der neuesten Doping-Kultur baute sich ganz unauffällig auf, fernab der globalen Sportöffentlichkeit. Sergej Lisin verblüffte Ende Oktober alle russischen Eisschnelllauf-Beobachter – bei den nationalen Meisterschaften siegte der 33-Jährige, der sich vor geraumer Zeit aus dem Kader-System ausgeklinkt hatte und eigenständig trainierte, über die 10 000-Meter-Strecke und verbesserte dabei seine Bestzeit mal rasch um mehr als eine halbe Minute. Wochen später löste sich die Verblüffung auf: Lisin sei positiv getestet und vorläufig suspendiert worden, teilte die russische Anti-Doping-Agentur (Rusada) mit. Details verriet sie nicht, doch an die Öffentlichkeit sickerte durch, Lisin sei mit dem Blutdoping-Klassiker Epo erwischt worden. So weit, so unspektakulär – in dem intransparenten Riesenreich kommt es ja ständig zu Dopingfällen, quer durch die Disziplinen. Spektakulär ist aber die Substanz, die nach SZ-Informationen tatsächlich zu der Sperre führte: das hochgradig gesundheitsgefährdende Schwarzmarkt-Produkt GW1516.

Dieser Befund, vor allem der Umgang damit, werfen Fragen auf, die aus einem beliebigen Dopingfall im russischen Hinterland eine delikate Angelegenheit für das Management der globalen Betrugsbekämpfung machen – bis hinauf zur Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

GW1516 ist ein Präparat, das vor einigen Jahren zur Bekämpfung von Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten entwickelt wurde. Aufgrund der gravierenden Nebenwirkungen wie einer erhöhten Krebsgefahr wurde die klinische Entwicklung frühzeitig beendet. Im Nebeneffekt herausgestellt hatte sich da nur bereits, dass die Substanz eine für Ausdauersportler ideale Kombination darstellt: eine Verbesserung der Ausdauer-Muskulatur bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion. Schon bei den Spielen 2008 in Peking galt GW1516 als Geheimtipp. Bald kam es auf die Dopingliste, zunächst in die Gendoping-Rubrik, 2012 in eine andere Kategorie. Schon 2009 entwickelte das Kölner Anti-Doping-Labor ein Nachweisfahren, das es weiter verfeinerte. Positive Fälle blieben zunächst aus. Doch seit Monaten häufen sie sich, in aller Stille.

Erst vor zehn Tagen wurde publik, dass eine im März genommene Probe des russischen Radprofis Walerij Kaikow Spuren von GW1516 enthielt. Der Radweltverband (UCI) bestätigte in dieser Woche zudem, dass die vier costa-ricanischen Fahrer Vargas Barrantes, Mudarra Segura, Morales Castillo und Villalobos Azofeifa positiv auf die Substanz getestet wurden – bereits bei der Costa-Rica-Rundfahrt im Dezember. Fürs Erste hat nun also der russische Eisschnellläufer Sergej Lisin als frühester positiver GW1516-Dopingfall zu gelten.

Undurchsichtig wirkt dabei auch das Verhalten der Wada. Während die Fälle von Lisin und der vier Latino-Radler aus 2012 zunächst gar nicht publik wurden, wandte sich die Wada Ende März mit einem denkwürdigen Aufruf an Sport und Öffentlichkeit: Eindringlich warnte sie jetzt alle Athleten vor dem Präparat GW1516, weil das so stark gesundheitsgefährdend sei. Es sei seit einigen Monaten auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Beiläufig und ganz am Ende hieß es, es gäbe auch einige Positivfälle.

Nun sind viele Fragen offen. Warum gab die Wada Ende März diese Warnung heraus? Lisins Fall ist ja seit Anfang November aktenkundig, der Fall des costa-ricanischen Rad-Quartetts kam wenig später. Und dass GW1516 auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist, ist in der Branche seit vielen Jahren bekannt. Bereits 2010 fand das Kölner Labor Spuren, 2011 publizierten die Experten diese Informationen auch.

Entsprechend groß war die Verstimmung, als die Wada mit ihrer Athleten-Warnung vorpreschte – insbesondere bei den Geldgebern der Kölner Pioniere, dem Bundesinnenministerium (BMI) und der „Anti-Doping Schweiz“. Aus Köln erging eine geharnischte Beschwerde an die Wada, die darauf hingewiesen wurde, dass es nicht der Motivation von Geldgebern für die Forschung diene, wenn Sachverhalte, die man drei Jahren zuvor eruiert habe, plötzlich global von anderen als Neuheit verkauft werden. Die Wada soll eingelenkt, doch auf die Dringlichkeit verwiesen haben, die ob der Krebsgefahr des Mittels gegeben sei.

Das aber klingt nicht nur für die Kölner wenig schlüssig – offen bleibt ja zum Beispiel die Frage, warum man statt der Gesundheitswarnung nicht gleich konkret mit den neuen Fällen ans Publikum ging. Nichts schreckt Doper mehr als der Hinweis, dass eine verbotene Substanz nun gefunden werden kann. Zudem erfreut sich GW1516 offenbar trotz der Wada-Warnung großer Beliebtheit – erst am Mittwoch erhielten die Kölner Dopingfahnder von Schweizer Behörden die Mitteilung, dass GW1516 gerade wieder einmal beschlagnahmt worden sei.

Auf Nachfrage versicherte die Wada der SZ nochmals, dass es für sie „nicht der normale Weg“ sei, Doper durch konkrete Warnungen auf dem Laufenden zu halten. Bemerkenswerter noch, dass die Wada erneut die Kölner Pionierarbeit seit 2009 unerwähnt lässt, stattdessen einen plötzlichen Handlungsdruck beschreibt: „Die Wada wurde zu der schnellen Warnung gedrängt durch einige GW1516-Funde Anfang 2013 und der Information, dass die Substanz derzeit im Internet verfügbar ist.“ Was die Kölner schon 2010 ermittelt und publiziert hatten.

So zeigt sich vielerorts eine bemerkenswerte Nervosität im Umgang mit der Substanz. In Russland, wo Lisins Positivtest zunächst nicht öffentlich werden sollte; bei der UCI, die erst ihren fünften Radsportfall publizierte. Eine zaghafte Kommunikation, die im neuen Gesundheitsbewusstsein der Wada gipfelt, die ja erst vor ganz kurzem Klarheit über GW1516 haben will – eine Klarheit, die es seit drei Jahren gibt.

21.02.13 | 13:52 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Gazprom gegen den Verband

Wie hier berichtete, ist Gazprom ja die treibende Kraft, um gegen den Willen des russischen Verbandes eine russisch-ukrainische Liga voranzutreiben. Es ist bestimmt reiner Zufall, dass jetzt die Vertreter von NTW Plus (einem Abonnementssender, der zur Gazprom-Media-Holding zählt) gegen den verband gerichtlich vorgehen, weil sie glauben, dass ihnen noch 2,6 Millionen Dollar aus einem Deal zustehen.

21.02.13 | 13:29 | Allgemein | Vereinsfußball | 0 Kommentare

Samuel Eto’o und das Oligarchen-Projekt Anschi Machatschkala

Mein Stück aus der SZ von heute als Vorbereitung auf das abendliche Europa-League-Rückspiel von Hannover 96:

Samuel Eto’o hat sich im Laufe seiner Karriere viele ehrenvolle Bezeichnungen verdient. Er durfte sich „Champions-League-Gewinner“ nennen und „Olympiasieger“, ein paar Mal „Afrikas Fußballer des Jahres“ und „Torschützenkönig der Primera Division“. Aber selbst jetzt, wo der Angreifer aus Kamerun im Alter von 31 Jahren nicht mehr bei internationalen Top-Vereinen wie dem FC Barcelona oder Inter Mailand, sondern beim russischen Klub Anschi Machatschkala spielt, ist ihm noch ein beeindruckender Titel sicher. Eto’o gilt als „bestbezahlter Fußballer der Welt“. Von 20 Millionen Euro Jahresgage ist die Rede, manchmal in Euro, manchmal in Dollar, auf jeden Fall netto.

Diese Zahl sagt einiges aus über das kaukasische Oligarchen-Projekt. Der Zweitplatzierte in der russischen Meisterschaft möchte an diesem Donnerstag beim deutschen Erstligisten Hannover 96 sein 3:1 aus dem Hinspiel verteidigen und ins Achtelfinale der Europa League einziehen. Geld spielt dort keine Rolle. 2011 übernahm Sulejman Kerimow den Klub, ein Parteigänger Putins, der seine Milliarden vor allem mit der Investment-Holding Nafta Moskau verdiente. Seitdem lockte er einige international renommierte Profis (unter anderem Lassana Diarra, Jurij Schirkow oder zuletzt den Brasilianer Willian) sowie den niederländischen Trainer Guus Hiddink, der sich derzeit mit einem geschätzten Monatsverdienst von einer Million Euro natürlich als „bestbezahlter Trainer der Welt“ bezeichnen darf.

Allerdings handelt es sich bei Anschi nicht nur um das Lieblingsspielzeug eines sportbegeisterten Oligarchen, sondern auch um ein hochpolitisiertes Projekt. Machatschkala ist die Hauptstadt von Dagestan, einer der großen Unruheregionen Russlands, in der es immer wieder zu Terroranschlägen kommt. Wegen dieser Probleme leben und trainieren die Spieler auch nicht in Machatschkala, sondern in Moskau – und reisen zu ihren „Heimspielen“ in der russischen Liga immer mit dem Flugzeug an. Internationale Partien dürfen sie dort gar nicht austragen, sondern müssen in die Landeshauptstadt ausweichen, was sich allerdings nach der für nächste Saison geplanten Eröffnung des neuen Stadions ändern soll. Zudem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Anschi und anderen Klubs. Kaukasier sind bei Russen generell unbeliebt, speziell bei Fußballfans sind nationalistische Tendenzen nicht selten.

Gleichwohl hat Anschi die Unterstützung der politischen Führung in Moskau. Diese hofft, dass ein erfolgreicher Fußballverein das Image der Region fördern und von den Problemen ablenken kann. Manche raunen gar, der Kreml schieße einen Teil zum Budget zu. In diesem Kontext ist auch auffällig, wie oft sich um Spiele von Machatschkala Manipulationsgerüchte ranken. Über Hiddinks Vorgänger Gadschi Gadschijew gibt es die Geschichte, wie er einmal in der Halbzeitpause mit einigen starken Männern an seiner Seite die Kabinentür des Schiedsrichters eintrat – und sich danach über genehmere Pfiffe freute. Der Trainer von Lokomotive Moskau musste nach dem 1:2 gegen Anschi gehen, weil er die Mannschaft nach Ansicht seiner Präsidentin „extra schlecht aufgestellt“ habe. Aktuell steht Machatschkalas Hinrundensieg gegen Amkar Perm unter Verdacht; erst kürzlich wandte sich die Staatsanwaltschaft in dieser Causa an den Verband.

Rund um die Mannschaft sorgt zudem ihr Spitzenverdiener Samuel Eto’o des Öfteren für Diskussionen. Im vergangenen Jahr stritt er sich mächtig mit seinem Mitspieler Schirkow, weil ihm dessen Spielweise nicht passte. Anfang des Jahres irritierte er mit den Worten, Vertreter des heimatlichen kamerunischen Fußball-Verbandes, mit dem er schon oft im Clinch lag, wollten ihn umbringen; sein Trainer Hiddink sagte, das sei doch etwas übertrieben. Zuletzt fiel Eto’o im Hinspiel gegen Hannover auf, als er einen Elfmeter aufreizend lässig ausführte – und verschoss. Die Verantwortlichen von Anschi sehen ihm das trotzdem nach. Zum einen, weil der Stürmer zwar nicht immer, aber immer mal wieder seine von früher bekannte Klasse zeigt; immerhin elf Tore und ebenso viele Vorlagen hat er in seinen wettbewerbsübergreifend 21 Saisonspielen erzielt. Und zum anderen, weil er neben dem Platz weiß, was sich bei dem politischen Projekt gehört: Neulich summte er fürs vereinseigene Anschi-TV auf Russisch „Dagestan, vperjod“ ins Mikrofon – Dagestan, vorwärts.

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