13.08.10 | 07:03 | Hell A | Where are you from? | 4 Kommentare

In den Straßen der Gangs (Gangs #2)

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“Wenn du deine Geschichte schreibst, dann schreib’, dass Gangs kaum noch gewalttätig sind”, sagt mein Kollege bei der LA Times, Sam Quinones. “Wo in den Achtzigern Drive-By-Shootings waren, steht heute ein Starbucks.”

Quinones sieht die Welt mit den Augen von jemand, der seit Jahrzehnten als Journalist Gangs thematisch begleitet. Ich werde mir Statistiken besorgen, um herauszufinden, wie sehr die Gewalt wirklich nachgelassen hat. Aber zunächst fahre ich ein erstes Mal nach Compton, jenen knapp 100 000 Einwohner großen Ort, der in den Achtzigern und Neunzigern für die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Crips und den Bloods bekannt wurde. Compton liegt circa 20 Kilometer südlich von Los Angeles, aber auf dem Weg dorthin fährt man ausschließlich durch urbanes Gebiet.

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12.08.10 | 00:27 | Hell A | In eigener Sache | Kommentare deaktiviert

Hinweis in eigener Sache

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Auf diesem Blog dokumentiere ich derzeit eine Rercheche zum Thema Gangs in Los Angeles. Alles weitere steht hier, eine Googlemap zum Thema gibt es hier.

12.08.10 | 00:26 | Hell A | Where are you from? | 4 Kommentare

Wo alles endet (Gangs #1)

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Vierhundert Tote passen in den Kühlraum der Gerichtsmediziner des Los Angeles County, in ein Gerüst gestapelt, je vier Leichen übereinander. Das sind achthundert Füße, die aus Plastiksäcken gucken, an jedem zweiten großen Zeh ein Zettel mit dem Namen des Toten. Einige von ihnen, wie dieses Opfer eines Feuers, tragen denselben Namen: John oder Jane Doe – das amerikanische Pendant zum deutschen Max Mustermann. Eine Tür weiter, ebenfalls auf 4,5 Grad heruntergekühlt, ist ein Raum für Babyleichen. 30 Körper finden dort Platz.

Hier landen sie also, die Opfer der Gangs, zusammen mit allen anderen Ermordeten innerhalb des Los Angeles County. Und hier werden sie auseinander genommen. Und hier wird ihr Tod aufgeschlüsselt, hier werden ihre letzten Momente rekonstruiert. Das ist so interessant, dass man sich das auch gerne anschaut, wenn auch nicht alle Toten die Tätowierungen der Gangs auf dem Körper tragen.

Im oberen Stockwerk werden die Toten in Zahlenreihen und Diagramme verwandelt. Brian J. Waters, ein Humanbiologe und Chemiker, bekommt nur Blutstropfen zu sehen. Er untersucht sie auf jede Art von Droge und Medizin. “Immer seltener kämpfen Gangs aus Spaß am Kämpfen oder zur Verteidigung von Territorien. Immer öfter geht es stattdessen zum Beispiel um Drogenschmuggel”, sag Sam Quinones, Gang-Reporter bei der LA Times. Und Drogen haben die Gangmitglieder auch selber oft genug im Blut.

Der folgende Artikel enthält Bilder von Leichenteilen.

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11.08.10 | 03:15 | Hell A | Where are you from? | 12 Kommentare

“Where are you from?” – Öffentliche Recherche zu den Gangs von Los Angeles

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Alle bisher erschienenen Texte der Serie:

  1. Wo alles endet – Besuch in der Gerichtsmedizin des LA County
  2. In den Straßen der Gangs – Kurzbesuch in Compton
  3. “18″ auf der Stirn. Und noch 18 Jahre im Knast – Gangmitglied vor Gericht
  4. Gang-Graffiti entschlüsselt
  5. Zwei Schuhe, ein Toter
  6. Im Namen des Herren: Hört auf zu schießen – Besuch bei Pastor Chris LeGrande
  7. Suchen, warten, fluchen – Stagnation bei der Recherche
  8. Treffen mit einem Mörder
  9. Vom Recht zu schweigen
  10. Schuss in den Nacken
  11. Operation “Sichere Straßen
  12. Vom Sheriff geweckt – Hausdurchsuchung in Altadena (I)
  13. Marijuana im Haus, Shotgun im Schuppen – Hausdurchsuchung in Altadena (II)
  14. Straight into Compton – auf Streife mit zwei Sheriff’s Detectives
  15. Fazit

“Where are you from?” ist die Frage, die zum Beispiel einem jungen Marine und seiner schwangeren Frau während seines Urlaubes in Southeast Los Angeles gestellt wurde. Der junge Mann antwortete erstmal nichts, aber die Gangmitglieder ließen nicht locker. “Where are you from, where are you from?” Der Soldat sagte schließlich: “Ich bin von den US Marines.” Die Gangmitglieder schossen ihm in den Kopf, seiner schwangeren Frau in den Bauch. Sie überlebte, das ungeborene Kind starb. Jede Antwort wäre hier die falsche gewesen. “Wenn dich jemand fragt ‘where are you from’ und du siehst nicht aus wie der, der dich fragt, und du trägst nicht die Farbe seiner Gang und du kannst nicht mit dem Namen seiner Gang antworten, dann renn’ um dein Leben”, sagt Sam Quinones, Reporter bei der LA Times für Gangthemen. “Oder nein, vergiss es. Die Kugeln sind schneller als du.”

Weitere Erklärungen nach dem Klick:

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04.08.10 | 23:07 | Hell A | 4 Kommentare

Die Freiheit der Mehrheit

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Foto: Rick Loomis / Los Angeles Times

Sie hat jetzt drei Minuten lang ruhig und gefasst auf den Richter eingeredet. “Euer Ehren”, sagt die Anwältin abschließend, “meine Mandantin hat große Angst, im Gefängnis umgebracht zu werden, wenn ihr Foto in der Zeitung ist.”

Der Richter Craig J. Mitchell wiegt im dritten Stock des Clara-Shortridge-Foltz-Criminal-Justice-Center in Downtown Los Angeles nachdenklich den Kopf. Links von ihm stehen die beiden Angeklagten, eine 30 Jahre alte Frau und ihr 38-jähriger Freund. Die Frau soll ihre zweijährige Pflegetochter mit einem Hammer erschlagen haben. Ihr Freund wird als Mitwisser und Komplize verdächtigt. Die beiden sehen müde aus, gezeichnet von Monaten im Gefängnis.

“Ich sag Ihnen was”, sagt Mitchell dann in Richtung der Angeklagten. “Wir haben in Amerika eine lange Tradition der Pressefreiheit.” Im Zuschauerraum flüstert die 26-jährige Web-Producerin der Los Angeles Times, Sarah Ardalani, ein leises “Yes!”. “Der Fotograf der LA Times kann vorkommen. Los, fotografieren Sie die beiden, im Interesse der Mehrheit”, sagt der Richter.

Gelassen steht der Fotograf auf und schraubte sein großes Objektiv auf seine digitale Spiegelreflexkamera. Er schlendert durch die kleine Tür, die den Raum des Gerichtes von den Zuschauerbänken trennt. “Attorneys only”, steht darauf. Er steht links an der Wand, die beiden Angeklagten vom Zuschauerraum aus gesehen rechts. Der Fotograf zoomt ganz nah an die Angeklagten ran, die verzweifelt zu Boden blicken, sein Objektiv zielt genau auf ihre Gesichter. Die Verdächtigen stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie tragen den blauen Ganzkörperanzug des LA County Jail, die Hände auf den Rücken gefesselt. Schließlich drehen sie sich zur Wand.

Der Fotograf flucht leise.

Draußen, auf dem Weg zurück in die Redaktion, scheint die Sonne, wie jeden Tag in Kalifornien. “Die Leute wollen Gesichter sehen”, sagt Ardalani. Ihr Project The Homicide Report findet in den gesamten USA Beachtung. Darin schreibt sie zusammen mit Kollegen täglich über die neusten Morde in Los Angeles. Oft sind es nur ein paar Sätze, aber Ardalani versucht stets, so viel wie möglich an Information zu recherchieren. Sie veröffentlich alles, vollständige Namen, genaue Fundorte von Leichen, und gerne eben auch Bilder von Verdächtigen. Die ersten Datensätze erhält Ardalani stets vom Gerichtsmediziner per E-Mail. Viel Zeit hat sie nicht, denn in Los Angeles sterben fast jeden Tag mehrere Menschen durch die Hand anderer.

Der Vater des Angeklagten, ein alter Mann, ruft ihr aus dem Gerichtsgebäude hinterher: “Mein Sohn ist auch ein Christ! Schreiben Sie das! Mein Sohn ist ein guter Christ!”

Meldungen zum Tod des Säuglings im Homicide Report: 1, 2

Ich arbeite derzeit für zwei Monate bei der latimes.

15.07.10 | 20:44 | In eigener Sache | 0 Kommentare

Urlaub

Liebe Leserinnen und Leser, die geringe Postingfrequenz hat Gründe, und die heißen Urlaub und längere Auslandsaufenthalte. Herzliche Grüße, einen schönen Sommer und bis bald!

01.07.10 | 15:19 | In eigener Sache | SZ-Plus | 8 Kommentare

Die vermisste Richterin H.

“Wenn Sie diese Geschichte schreiben, laufen Sie Gefahr, erschossen zu werden”, sagte KH. vor anderthalb Wochen zu mir. Sowas hat bislang noch niemand zu mir gesagt, und es machte mich einigermaßen nervös. H., Richterin am Amtsgericht Berlin-Tiergarten, weiß in der Regel, wovon sie spricht. Die ehemalige Staatsanwältin bekämpft Jugendkriminalität zweigleisig: mit harten Urteilen, kaum, dass die Tat begangen wurde. Und mit einer beispiellosen Öffentlichkeitsarbeit. Immer wieder berichtet sie in den Medien über arabische Familienclans, Intensivtäter und Parallelgesellschaften. Ich sprach mit ihr im Rahmen einer längeren Hintergrundrecherche zu kriminellen Milieus in Berlin. Sie warnte mich, eindringlich, was mich erstaunte, lachte aber nur, als ich sie nach ihrer eigenen Bedrohungslage fragte. Sie käme schon klar, sagte sie sinngemäß. Im Übrigen würde sie bald in den Urlaub fahren.

Vieles muss an H. zerren: Die permanente, latente Bedrohung durch kriminelle, skrupellose Feinde. Der fehlende öffentliche Zuspruch von Kollegen, die mit denselben Problemen wie sie kämpfen, aber keine Worte dafür finden. Die Vereinnahmung durch falsche Freunde von Rechtsaußen, die die harten Aussagen der sozialdemokratisch geprägten Richterin für ausländerfeindliche Kampagnen missbrauchten.

Seit Montag wird H. vermisst, mehrere Medien haben darüber breits berichtet. Bislang ist unklar, was dahintersteckt. Ihr Auto wurde gefunden, ordentlich geparkt an einem Waldstück in Heiligensee. Die Polizei suchte mit Hubschraubern, Hunden und Hundertschaften, fand aber wohl nichts. Mein Wunsch, ihr möge nichts geschehen sein, mag jede professionelle Distanz vermissen lassen, aber er kommt von Herzen.

(Mehr zum Fall und zur Person H. morgen in der SZ, Seite 6)

30.06.10 | 15:35 | Fatal viral | 1 Kommentar

Bei Twitter schrieb jemand, was die Medien schreiben

Dass nach dem Zwitschern der Weinkönigin Julia Klöckner (CDU) und anderer bei der letzten Bundspräsidentenwahl die Journalisten auch Twitter im Auge behalten würden, war klar. Aber wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen dem Kolportieren von Gerüchten und seriöser Berichterstattung? Stellvertretend für viele eine Screenshot von faz.net. Ob ich da die Grenze überschritten finde, weiß ich selber nicht genau. Auf jeden Fall ein Zeichen für den unsicheren Umgang mit Twitter und den professionellen Wunsch, als erster zu berichten.

twitter-faz

Update: Die Verwirrung hält an. Lesenswerter Artikel auf spiegel.de über den mutmaßlichen Fake @martinagedeck

17.06.10 | 15:06 | Digitalia | Nachricht | 0 Kommentare

OLG Frankfurt/Main: Telekom muss IP-Adresse nicht sofort löschen

Das wäre der Traum vieler Surfer gewesen; Datenschützer wie Downloader hätten sich gefreut, wenn der Kläger Recht bekommen hätte. Er wollte, dass die Telekom seine Verbindungsdaten so schnell wie technisch möglich löscht. Das OLG Frankfurt/Main hat dies abgelehnt.

Beklagt worden war die Telekom. Und die hielt gegen den Wunsch des Klägers: “Die Beklagte meint, sie sei berechtigt, die IP-Adressen zur Erkennung, Eingrenzung und Beseitigung von Fehlern und Störungen an ihren Anlagen sowie zur Abrechnung mit den Nutzern zu erheben und zu verwenden.”

Das Gericht gab dem Provider Recht: “Mit einem Urteil vom 16.6.2010 hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main eine Entscheidung des Landgerichts Darmstadt bestätigt, wonach ein Telekom-Kunde keinen Anspruch auf unverzügliche Löschung der für die Internetnutzung vergebenen IP-Adressen (Internet- Protokoll-Adressen) hat.”

(alle Zitate aus der Pressemitteilung. Vollständig hier (pdf))

08.06.10 | 11:50 | Digitalia | Interview | 3 Kommentare

Angesetzt und abgesagt – Interview mit Lars Klingbeil (SPD)

Lars Klingbeil (SPD), netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagt im Interview, warum gestern seiner Meinung nach die Netzsperren im Bundestags-Unterausschuss Neue Medien nicht behandelt wurden..

Klingbeil: Schon vor Wochen wurde bei der ersten Sitzung des Unterausschusses von allen Mitgliedern vereinbart, das Thema Netzsperren im Unterausschuss Neue Medien zu besprechen.

Seit Februar gibt es drei Anträge zu dem Thema im Parlament, je einen von der Linken, den Grünen und der SPD. Alle mit dem Ziel, die Netzsperren zu verhindern und die bestehende Infrastruktur wieder abzuschaffen.

Wann wurde das Thema von der Tagesordnung gestrichen?

Klingbeil: Eine halbe Stunde vor dem Ausschuss gab es eine Runde der Obleute, in der sich die Sprecher des Ausschusses treffen. Und dahaben Marco Wanderwitz (CDU) und FDP-Mitglied Jimmy Schulz gesagt, dass der Tagesordnungspunkt abgesetzt werden soll.

Was schließen Sie daraus?

Klingbeil: Es gibt bei dem Thema keine Einigkeit zwischen FDP und CDU. Deshalb versucht man die Netzsperren aus der parlamentarischen Beratung fernzuhalten. Nur damit man sich keine Blöße als Koalition geben muss. Aber das war eben das zentrale Netzthema im letzten Jahr, daher ist man der Öffentlichkeit eine Behandlung im Ausschuss schuldig.

Für die SPD ist das Thema ja auch kein Spaß. Erinnert das nicht immer an die 180-Grad-Wende der Partei?

Klingbeil: Ich persönlich habe schon im Vorfeld Stellung gegen die Netzsperren bezogen und war in der SPD immer bei denen, die das Gesetz kritisiert haben. Allerdings bin ich erst seit sieben Monaten im Bundestag.

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