17.09.10 | 04:37 | Hell A | Where are you from? | 1 Kommentar

Marijuana im Haus, Shotgun im Schuppen (Gangs #13)

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Die Deputies fangen an, sich locker zu machen. Ein paar von ihnen sind im Haus von Beverly E. und ihrem Mann Arnell. Andere stehen auf dem Rasen davor, behalten die Gegend im Auge. Die Waffen stecken in den Holstern. Alles ist ruhig. Im Haus läuft die Durchsuchung. Auf dem Sofa sitzen zwei junge Mädchen, Verwandte der E.s.

Es ist früher Morgen und ungewöhnlich kalt in Altadena, ein paar Meilen von Los Angeles Downtown entfernt. Arnell E. ist ein Einbrecher, der auf Bewährung entlassen wurde. Die Sheriff’s Deputies haben ihn und seine Famlie aus dem Bett geholt, mit Waffen an seine Tür geklopft und überprüfen jetzt, ob Arnell sich an seine Bewährungsauflagen hält. Der Mann trägt nur Shorts und ein Muscleshirt, in dem er geschlafen hat. Auf dem Kopf schützt eine Duschhaube den Jheri Curl.

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Der 46-Jährige scheint alles richtig zu machen. Er ist erschrocken über den plötzlichen Besuch — die Polizisten sehen in voller Montur fast wie Soldaten aus –, aber er ist kooperativ und auch seine 50-jährige Frau bewahrt die Nerven. Seine Adresse stimmt, er ist zu Hause, alles ist gut. Nur seine Tätowierungen zeugen von jahrelanger Mitgliedschaft in der Gang Pasadena Denver Lanes (PDL).

“Haben Sie Waffen oder Munition im Haus?’, fragt der diensthabende Sergeant, in der Hand eine Videokamera.

“Nein”, sagt Arnell E.

“Geldbeträge in ungewöhnlicher Höhe?”

“Nein.”

“Diamanten, Schmuck, Vergleichbares?”

“Nein.”

“Drogen?”

“Nein.”

“Sie wissen, dass wir jederzeit das Recht haben Ihr Haus zu betreten und Ihr Eigentum zu durchsuchen, da Sie sich derzeit als verurteilter Einbrecher auf Bewährung befinden?”

“Ja.”

“Alles klar”, sagt der Sergeant. “Sieht gut aus.”

Da kommt ein Deputy aus dem Schuppen im Garten. In der Hand eine verschlissene Lederhülle. Darin liegt eine abgesägte Shotgun. Die war im Schuppen versteckt. Der Sergeant verzieht das Gesicht. Handschellen für Arnell E.

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Die K9-Beamten öffnen die Türen ihrer schweren Geländewagen. Drogenhund Tommy rennt ins Haus, Bomben- und Waffenhund Reza in den Schuppen. Die Schäferhunde finden sorgfältig eingepackte Munition für die Shotgun und eine kleine Menge Marijuana im Haus.

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Alle drei gefundenen Gegenstände sind verboten auf dem Grundstück eines auf Bewährung Entlassenen. Gras und Shotgun sind auch ansonsten verboten, weil man in Kalifornien zwar alle möglichen Waffen kaufen kann und darf, aber nicht wenn man schon mal im Gefängnis saß. Und modifizieren darf man Waffen überhaupt nicht. Die Shotgun aber ist abgesägt. Und Marijuana ist zwar in Kalifornien weit verbreitet, aber ohne Medical Marijuana Card nicht erlaubt. Und wofür ein unbescholtener Bürger eine kleine Strafe zahlen muss, geht Arnell E. ins Gefängnis.

Seine Frau ist verzweifelt und wütend. “Ich habe einem Nachbarn erlaubt, dort ein paar Sachen zu lagern”, sagt sie. “Ich bin extrem wütend. Ich habe neun Enkelkinder. Die spielen da hinten.”

Arnell E. wird abgef@euhrt, er kommt in einen schwarz-weißen Sheriff-Wagen.

“Gott ist auf Deiner Seite”‘, ruft seine Frau hinter ihm her. “Ich werde den Anwalt anrufen. Und den Pastor.” Dann fängt sie an, zu weinen.

Die Wagenkolonne der Sheriff’s Deputies setzt sich in Bewegung.

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Warum heißen die Hundestaffeln K9? Weil das, englisch ausgesprochen, entfernt wie canine klingt. Und canine heißt Hund.

Ich arbeite derzeit für zwei Monate bei der latimes. Während dieser Zeit recherchiere ich im Umfeld von Gangs in Los Angeles. Dieser Text ist Teil einer öffentlichen Dokumentation der Recherche. Alle Texte der Serie können hier gefunden werden.

Fotos: Al Seib, Los Angeles Times

1 Kommentar »

  1. Na endlich geht der Blog mal weiter! Die ganze Geschichte ist irgendwie traurig. Scheint ein Scheiß-Leben zu sein dort.

    Comment by Stefan Walther — September 19, 2010 @ 8:22 am

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