30.09.10 | 03:32 | Digitalia | SZ-Plus | 2 Kommentare

In der Halle des Datenkönigs – zum neuen Film über Facebook und Mark Zuckerberg

Alles beginnt mit einem Moment der Verzweiflung. Der Student Mark Zuckerberg sitzt da, verlassen von der Frau, die ihm alles bedeutete. Er hackt sich in die Server verschiedener Studentenwohnheime seiner Eliteuniversität, klaut die digitalen Fotos der Studentinnen und entwirft eine Webseite, auf der man die Attraktivität der Mädchen vergleichen und bewerten kann. Datendiebstahl und pubertäre Spielchen legten also den Grundstein für die Karriere von Mark Zuckerberg, des jüngsten Milliardärs der Welt, den Hauptanteilseigner des sozialen Netzwerkes Facebook. Das zumindest könnte die deutsche Interpretation des Films „The Social Network“ sein.

Wenn man den Film in den Sony-Studios in Los Angeles anschaut, bekommt man von amerikanischen Journalisten eine andere Interpretation geliefert.

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23.09.10 | 02:30 | Hell A | In eigener Sache | Where are you from? | 9 Kommentare

Öffentliche Recherche – Fazit in Frage- und Antwortform

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Warum eine öffentliche Recherche?

Meine kommende Recherche zu Gangs in Los Angeles versprach spannend und umfangreich zu werden. Gleichzeitig hatte ich im Vorfeld viel über die Transparenz-Debatten im Journalismus geschrieben und gelesen. Wikileaks, aber auch Blogs von Journalisten und ungezählte Metablogs von Kritikern, verändern den Journalismus nachhaltig. Dieser Veränderung sollten sich — meiner Meinung nach — Journalisten schon aus eigenem Interesse nicht verweigern, sondern sie als Chance erkennen. Gleichwohl steht das Ende der Entwicklung noch lange nicht fest. Es gilt also, durch Experimentieren die neuen Werkzeuge und Strategien zu testen. Ein Stipendium gab mir in Los Angeles die zeitliche und finanzielle Unabhängigkeit, selber so ein Experiment zu wagen.

Was soll das sein, eine „öffentliche Recherche“?

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21.09.10 | 02:15 | Hell A | Where are you from? | 23 Kommentare

Straight into Compton (Gangs #14)

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Der schwere V8-Motor blubbert ruhig als wir uns auf den Weg in die Dunkelheit machen. Ein paar Stunden später stehen wir vor dem Haus von Gangmitgliedern. Hier hat vor anderthalb Wochen ein Drive-By-Shooting stattgefunden. Detective Mike K. parkt sein ziviles Polizeiauto mitten auf der Straße, die Lichter gedimmt. Während er und seine Partnerin, Detective Gayle D. mit Gangmitgliedern, die vor dem Haus sitzen und rauchen, reden, kommt ein Auto angefahren, dessen Fahrer an dem Polizeiauto vorbei möchte. Der Fahrer wird nach ein paar Minuten ungeduldigt, er blendet sein Fernlicht auf und wieder ab.

Detective K. zieht eine seiner beiden Dienstwaffen, schaltet im Ziehen den kleinen, am Lauf der Waffe befestigten Scheinwerfer ein. Er zielt dem Autofahrer ins Gesicht. Der ist von der Lampe geblendet und blickt direkt in den Lauf der Waffe. Er reißt die Hände nach oben. K. schaltet den Scheinwerfer aus, steckt die Waffe ein. Der Fahrer dreht sein Auto langsam um und zuckelt davon. Er wird einen anderen Heimweg wählen müssen. “Volltrottel”, murmelt der Polizist. Man kann mit Mike K. eine Menge Spaß haben. Man muss nur auf der richtigen Seite seiner Waffe sein.

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17.09.10 | 04:37 | Hell A | Where are you from? | 1 Kommentar

Marijuana im Haus, Shotgun im Schuppen (Gangs #13)

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Die Deputies fangen an, sich locker zu machen. Ein paar von ihnen sind im Haus von Beverly E. und ihrem Mann Arnell. Andere stehen auf dem Rasen davor, behalten die Gegend im Auge. Die Waffen stecken in den Holstern. Alles ist ruhig. Im Haus läuft die Durchsuchung. Auf dem Sofa sitzen zwei junge Mädchen, Verwandte der E.s.

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15.09.10 | 19:57 | Hell A | Where are you from? | 0 Kommentare

Vom Sheriff geweckt (Gangs #12)

Kurz vor sechs, noch eine Stunde bis Sonnenaufgang. Im Dunkeln glitzern die Sheriffsterne an den Gürteln. Die Beamnten bewegen sich geschmeidig, ziehen im Laufen ihre Waffen.

Mountain View Street Altadena. Das Haus ist heruntergekommen, im Hof liegen zerbrochene Möbel, kaputtes Spielzeug, Extremente. Es riecht wie auf eine Müllkippe. In der Ferne krähen Hähne. Die Menschen hier sind arm. Bel Air ist nur ein paar Meilen weit weg. Bel Air ist Welten entfernt.

Sergeant Mike Trujillo klopft mit seiner Waffe an eines der beschlagenen Fenster. Sechs Deputies, zwei Hundeführer und zwei Bewährungshelfer stehen hinter ihm. Alle haben ihre Waffen gezogen und entsichert. Drei zielen auf die Fenster des Hauses, drei stehen neben dem Sergeant, bereit, jeden zu erschießen, der bewaffnet herauskommt. Amerikanische Polizisten müssen immer damit rechnen, dass hinter einer verschlossenen Tür eine geladene Waffe wartet. Die übrigen vier Beamten sichern die Nachbargrundstücke und den Weg zur Straße. Von dort dröhnt das sonore Brummen der großen V8-Motoren. Die Sheriffs lassen ihre Automotoren immer laufen. Sonst rührt sich nichts.

Trujillo klopft nochmal. Seine Stimme schneidet durch die Morgenruhe. “Aufmachen. Los Angeles County Sheriff’s Departement. Aufmachen, sofort.” Die Deputies machen sich bereit, die Tür einzutreten.

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13.09.10 | 23:19 | Hell A | Where are you from? | 0 Kommentare

Operation “Sichere Straßen” (Gangs #11)

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Habe also Gangster getroffen, bin in Gerichten rumgesessen, habe mir Compton und viele andere von massiver Gangkriminalität geplagte Orte angeschaut, Akten und Statistiken gewälzt und die Leichen der Mörder und ihrer Opfer in der Leichenhalle besucht.

Zeit, mal zu schauen, was eigentlich die Gegenseite der Gangster auf der Straße macht. In Los Angeles gibt es neben der Polizei von Los Angeles (LAPD), die -etwas vereinfacht gesagt- für das Stadtgebiet zuständig ist, noch das Los Angeles Sheriff’s Departement (LASD). Die Untergeordneten von Sheriff Leroy D. Baca patrouillieren in jenen an Los Angeles angrenzenden Bereichen, die keine eigenen Polizei haben, so wie außerhalb dessen, was man in Deutschland wohl “geschlossene Ortschaft” nennen würde. Dazu zählen auch Orte wie Compton und Florence Firestone.

Die Sheriff’s Deputies haben vielschichtige Strategien gegen Gangkriminalitä entwickelt. Auf der Straße sind das vor allem große Operationen, nächtliche Jagd-Streifen auf Gangmitglieder und investigative Ermittlungen im Milieu. Wenn man da als Journalist mal dabei sein will, dann geht das zwar klar. Aber es dauert ein bisschen, bis alles organisiert ist.

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02.09.10 | 00:41 | Hell A | Where are you from? | 0 Kommentare

Zwischenmeldung

“Die Geschichte ist ja nicht aktuell, die können wir schieben.” Es gibt wenige Sätze, die freie Journalisten mehr nerven als dieser. Aber die Redakteure, die mit diesem Satz längst geschriebene Text aus der Zeitung oder dem Nachrichtenportal raushalten, haben ja Recht. Das Aktuelle geht vor. Im Moment ist das mit meiner Recherche ähnlich. Das Tagesgeschäft hat mich eingeholt, und die Gang-Investigation (ist es nicht toll, wie alles auf Englisch viel wichtiger klingt?) ruht gerade. Wie ich geschrieben habe: Für mich ist dies hier auch ein Experiment, und ich habe mich vorab nicht organisatorisch absichern können. Dass mal was dazwischen kommt, war eigentlich zu erwarten. Aber ein Ende der Auszeit ist abzusehen. Ein paar Termine habe ich noch, bevor ich mich dann mal ans Schreiben mache.

In der Zwischenzeit eine kleine Googlemap mit einem Überblick, wo ich überall recherchiert habe:

Recherche: Gangs in LA auf einer größeren Karte anzeigen

Ich arbeite derzeit für zwei Monate bei der latimes. Während dieser Zeit recherchiere ich im Umfeld von Gangs in Los Angeles. Dieser Text ist Teil einer öffentlichen Dokumentation der Recherche. Alle Texte der Serie können hier gefunden werden.