Zwei Schuhe, ein Toter (Gangs #5)

Lebensqualität gering, Mordrate hoch: War mal wieder in Compton und angrenzenden Vierteln unterwegs. Los Angeles ist nicht nur höchstwahrscheinlich die Mutterstadt der modernen Straßengang, sondern, diversen Großstadtlegenden zufolge, auch die Stadt in der die Menschen anfingen, ihre Schuhe über Strom- und Kabelleitungen zu werfen. Warum? Es gibt viele Erklärungen: in vielen Städten markieren die Schuhe Gangreviere, Orte, an denen Drogen verkauft werden, oder einfach nur Plätze, an denen Menschen es lustig finden, Schuhe über Stromkabel zu werfen. (zum Beispiel: Buenos Aires, Rostock, New York)
In South Los Angeles, sagt Pastor Chris LeGrande, der es wissen muß, hätten Schuhe über Stromleitungen immer noch die ursprüngliche Bedeutung des Phänomens: Jedes Paar Schuhe soll einem Menschen gehört haben, der erschossen wurde.
Und dort, wo er sein Leben verlor, werfen seine Freunde ein Paar seiner Schuhe über die Stromleitung.

Wenn man von den großen Straßen in Compton abbiegt, sieht man ungefähr alle 500 Meter Schuhe auf den Leitungen. Ein Paar, noch ein Paar, noch ein Paar, oder auch mal acht Paare auf einmal, wie in dieser Hintergasse der 91. Straße. Einige der Morde kann man im Homicide-Tool der LA Times nachvollziehen, aber nicht alle. Viele Schuhe sind offensichtlich älter als die Datensätze der Times, die bis 2007 zurückgehen.

Die Schuhe in Compton sind, aller Reden von Pastor Chris LeGrande zum Trotz, ein Anhaltspunkt, kein Beweis für Morde. Sie sind aber in jedem Fall der auch für Fremde sichtbare Beweis für eine gewalttätige Kultur, die breiten Raum im öffentlichen und privaten Leben der Bewohner von South Los Angeles einnimmt.
Mehr über Pastor Chris LeGrande, Predigten in schusssicheren Westen und die dicksten Felgen für einen Landrover im nächsten Beitrag.
Ich arbeite derzeit für zwei Monate bei der
. Während dieser Zeit recherchiere ich im Umfeld von Gangs in Los Angeles. Dieser Text ist Teil einer öffentlichen Dokumentation der Recherche. Alle Texte der Serie können hier gefunden werden.
Fotos: privat
3 Kommentare »
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL



Ich muss sagen, dass ich ihre Recherche sehr interessant finde. Ich weiß ja nicht, aber wahrscheinlich haben sie die DVD “Crips and Bloods: Made in America” von Stacy Peralta schon gesehen, sonst einfach mal googlen. Ist eine Dokumentation wie der Konflikt von Crips und Bloods entstand und wie er heute immer noch anhält. Kann den nächsten Beitrag kaum erwarten.
Comment by Niklas — August 17, 2010 @ 10:09 pm
Danke, freut mich. Die Doku ist mir bekannt. Viele Grüße!
Comment by Johannes Boie — August 18, 2010 @ 4:54 am
Ja die schuhe sind wirklich für die toten homies gedacht…
wenn du an meinem blocck vorbeifährst (400 Spruce st) siehst du direkt mehrere
Comment by BomptonTTP — August 19, 2010 @ 1:25 am