“Where are you from?” – Öffentliche Recherche zu den Gangs von Los Angeles

Alle bisher erschienenen Texte der Serie:

- Wo alles endet – Besuch in der Gerichtsmedizin des LA County
- In den Straßen der Gangs – Kurzbesuch in Compton
- “18″ auf der Stirn. Und noch 18 Jahre im Knast – Gangmitglied vor Gericht
- Gang-Graffiti entschlüsselt
- Zwei Schuhe, ein Toter
- Im Namen des Herren: Hört auf zu schießen – Besuch bei Pastor Chris LeGrande
- Suchen, warten, fluchen – Stagnation bei der Recherche
- Treffen mit einem Mörder
- Vom Recht zu schweigen
- Schuss in den Nacken
- Operation “Sichere Straßen“
- Vom Sheriff geweckt – Hausdurchsuchung in Altadena (I)
- Marijuana im Haus, Shotgun im Schuppen – Hausdurchsuchung in Altadena (II)
- Straight into Compton – auf Streife mit zwei Sheriff’s Detectives
- Fazit
“Where are you from?” ist die Frage, die zum Beispiel einem jungen Marine und seiner schwangeren Frau während seines Urlaubes in Southeast Los Angeles gestellt wurde. Der junge Mann antwortete erstmal nichts, aber die Gangmitglieder ließen nicht locker. “Where are you from, where are you from?” Der Soldat sagte schließlich: “Ich bin von den US Marines.” Die Gangmitglieder schossen ihm in den Kopf, seiner schwangeren Frau in den Bauch. Sie überlebte, das ungeborene Kind starb. Jede Antwort wäre hier die falsche gewesen. “Wenn dich jemand fragt ‘where are you from’ und du siehst nicht aus wie der, der dich fragt, und du trägst nicht die Farbe seiner Gang und du kannst nicht mit dem Namen seiner Gang antworten, dann renn’ um dein Leben”, sagt Sam Quinones, Reporter bei der LA Times für Gangthemen. “Oder nein, vergiss es. Die Kugeln sind schneller als du.”
Weitere Erklärungen nach dem Klick:
Ich recherchiere derzeit im Umfeld von Gangs in Los Angeles. Die Recherche scheint mir recht spannend zu sein und ich habe beschlossen, sie in diesem Blog unter dem Kategorienamen “Where are you from?” öffentlich zu machen. Wohin sie führt, ist offen. Ich habe noch nie eine Recherche veröffentlicht, das ist also ein Experiment für mich, auch, weil ich hier ungesicherte Vermutungen und Erlebtes ohne Gegenchecks veröffentlichen werde. Die Tendenzen zu mehr Transparenz in der journalistischen Arbeit und die Netztechnik, mit der sich diese einfach herstellen lässt, sind in München Gegenstand meiner Berichterstattung. Zuletzt habe ich zum Beispiel über Wikileaks geschrieben.
Ich arbeite derzeit als Stipendiat und Gastjournalist bei der Los Angeles Times und möchte die Zeit auch nutzen, um die neuen Arbeitsmethoden selber wenigstens mal auszuprobieren.
Foto: privat
12 Kommentare »
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[...] weiter – der SZ-Kollege Johannes Boie wählt einen ähnlichen Ansatz wie Pantelouris, in seinem Blog wird er über seine Recherchen zu Gangs in Los Angeles berichten, auch er mit dem Vorsatz der [...]
Pingback by Süddeutsche Zeitung Magazin - Reporterblog » Versuchsfeld Internet: Die Live-Reportage — August 11, 2010 @ 4:49 pm
Urgh – spannendes Thema aber zum in der Mittagspause Lesen eher ungeeignet.
Was antwortet dann ein Journalist auf dei Frage?
Und: wie groß ist denn die Gefahr, dass ein Gangmitglied Ihren Namen googelt und auf das Blog stößt?
Comment by Raphael — August 12, 2010 @ 12:27 pm
Spannende Recherche!
Comment by Schreiber — August 12, 2010 @ 4:17 pm
Als Journalist muss man manchmal auf dem schmalen Pfad zwischen Risikovermeidung und Erkenntnisgewinn wandeln. Prinzipiell finde ich: Gefahr sollte einen nicht davon abhalten, ein Thema zu recherchieren. Klar: Andererseits sollte man sich nicht unnoetig oder durch Unbedachtsamkeit in Gefahr bringen, was ich auch sicher nicht tue. Verglichen mit dem, was unzaehlige Kollegen taeglich in Afghanistan, Irak oder im Sudan leisten, sind meine Nachmittage in Compton ein Sommerspaziergang.
Comment by Johannes Boie — August 12, 2010 @ 11:24 pm
I would omit the last word of your question and leave it just “where are you?” and point it to the police, the local authorities and mostly to the Austrian bodybuilder. My deutsch is not as good as it was and google translation sucks, but from what I understood the situation is pretty bad. It looks more like a manuscript, one that could easily turn into a best-seller Hollywood summer-action movie.
Movie filmed not far from the same streets and starring with the same bodybuilder. He can even use his famous “hasta la vista baby” phrase just like during his election campaign.
Schabat Schalom
Comment by Robert — August 14, 2010 @ 10:16 am
Gefaellt mir gut der Blog. Tolle Themenwahl.
Comment by Colin — August 16, 2010 @ 6:16 pm
[...] Versuch Leser einzubeziehen. Und auch das Projekt des SZ-Reporters Johannes Boie, der derzeit im Blog Schaltzentrale seine Recherche zum Thema Gangs in Los Angeles für die Leser dokumentiert, ist ein vielversprechender [...]
Pingback by Jetzt bloß nicht hyperinteraktiv werden… | lab — August 18, 2010 @ 11:44 am
[...] ist nur ein kleiner Ausschnitt eines Artikels von Johannes Boie, der auf seinem Blog eben auch über die Gangs in L.A. recherchiert. [...]
Pingback by Im Umkreis von zwei Meilen wurden seit 2007 153 Menschen ermordet. “Where are you from?” von Johannes Boie — August 18, 2010 @ 12:18 pm
sehr unterhaltsam soweit.
Comment by martin — August 20, 2010 @ 1:31 pm
[...] In regelmäßigen Abständen veröffentlicht er seither Teile seiner spannenden und aufschlussreichen Recherchearbeit auf seinem Blog. [...]
Pingback by Gangs in Los Angeles | Criminologia — August 21, 2010 @ 1:42 pm
Viel Glück
Es klingt sehr interessant aus und ich warte schon über dem nächstem Artikel
Comment by ronny frried — August 22, 2010 @ 9:36 am
Eine spannende Recherche und tolle Idee, alles hier zu dokumentieren. Wird es auch eine SZ-Reportage dazu geben?
Comment by Jan — November 3, 2010 @ 2:00 pm