Neues Google-Tool: “Government requests”

Google hat heute ein neues Tool freigeschaltet, das die Anfragen und Löschaufforderungen verschiedener Regierungsbehörden an Google im Zeitraum vom 1. Juli 2009 bis 31. Dezember 2009 grafisch illustriert. Dabei wird zwischen “removal requests” und “data requests” unterschieden. Die zuerst genannten Anfragen verlangen das Löschen von Material aus dem Netz auf Google-Servern, zum Beispiel Youtube-Videos oder Blogeinträge. Mit einem Klick auf das Land werden diese Einträge noch weiter hinsichtlich der betroffenen Google-Services aufgeschlüsselt. Die “data requests” zwingen Google dagegen, Auskunft über einen Nutzer zu geben.
Dieses Werkzeug ist ein kleiner Schritt auf dem großen Weg zu mehr Transparenz im Internet. Noch sind die Zahlen für unterschiedliche Länder nicht wirklich vergleichbar, weil die Anfragen von vielen unterschiedlichen Behörden aus vielen unterschiedlichen Ländern gestellt wurden – und die Gesetze kompliziert sind. Auch die grafische Umsetzung ist verbesserungswürdig; insbesondere aber ist der von Google gewählte Zeitraum äußerst kurz. Wirkliche Transparenz sieht anders aus. Man muss Google aber auch zugestehen, dass der Weg dorthin schwierig ist und auch kleine Schritte zu begrüßen sind.
Dazu auch David Drummond (Senior Vice President, Corporate Development and Chief Legal Officer von Google) im Google-Blog.
Insbesondere in den USA, wo das Misstrauen der Bevölkerung – anders als in Deutschland – eher die Regierung betrifft als private Unternehmen, dürfte dieses Tool begrüßt werden.
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Erstaunlich, dass nicht ein Diktaturstaat, sondern Deutschland den 2. Platz weltweit bei Löschaufforderungen belegt, und dass nur 58 % dieser Aufforderungen durch Gerichtsbeschlüsse legitimiert sind – wäre interessant zu wissen, wer in Deutschland für die übrigen 42 % der Löschaufforderungen verantwortlich zeichnete. Denn die Frage ist doch, ob es bei uns überhaupt eine Regierungsbehörde gibt bzw. geben kann, die solche Löschungen verlangen kann – wenn ich mich nicht irre, kann bei uns nur ein Gericht bzw. Richter feststellen, ob ein Inhalt gegen ein Gesetz verstößt und deswegen gelöscht werden muss.
Comment by Dion — April 21, 2010 @ 9:43 am