09.03.10 | 10:08 | Nachricht | SZ-Plus | 0 Kommentare

Der Traum von Babylon

Als Autor dieses Blogs glaube ich selbstverständlich nicht daran, dass es jemals zur virtuellen Schaltzentrale ein angemessenes Pendant im realen Leben geben kann. Aber falls man den Titel einem Raum zugestehen möchte, dann wäre es sicher dieser hier:

schaltzentrale

Hier, im Presseraum der Europäischen Kommission in Brüssel, findet jeden Tag um 12 Uhr für die Korrespondenten der europäischen Radiostationen, Fernsehsender, Onlineportale und Zeitungen ein Briefing statt. Weil die EU 23 Amtssprachen hat sitzen erhöht rund um die Korrespondenten, die auf den blauen Stühle Platz nehmen, Übersetzer hinter Glas. Das tägliche Briefing wird lediglich in den Sprachen Englisch und Französisch angeboten. Die Sprecher der Kommission benötigen für diese kleine tägliche Übung nur selten Übersetzung – sie antworten in beiden Sprachen. Kommissionpräsident José Manuel Barroso übrigens auch. Für die Journalisten, die oft genug aus einem Land kommen, in dem keine der beiden Sprachen gesprochen wird, geht es aber nicht immer ohne Übersetzer. Vor allem dann, wenn in größeren Pressekonferenzen wesentlich mehr Sprachen als nur Englisch und Französisch zugelassen sind: Dann hat jeder seinen kleinen Kopfhörer auf, der aus dem Sitz kommt, und hört – egal wer im Raum gerade in welcher Sprache spricht – immer seine Muttersprache. Nur die Stimme kann sich plötzlich ändern: Wenn aufgrund der Sprachvielfalt im Raum mehrere Übersetzer ins Deutsche notwendig sind.

Foto: privat

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