Eva Schweitzer zahlt überhaupt nichts
Habe eben für eine Geschichte im Feuilleton der SZ über Abmahnungen und die Vermutung, dass dieselben möglicherweise vom effizienten Rechtsmittels zum gut laufenden Geschäftsmodell mutiert sind, mit der mittlerweile im Netz bekannten Journalistin Eva Schweitzer telefoniert. In Schweitzers Namen wurden laut dem Blogger Johnny Haeusler ursprünglich 1200 Euro Schadensersatz von einem anderen Blogger wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung verlangt.
Zusätzlich sollte der Blogger 955 Euro an den Anwalt, den Schweitzer mit der Abmahnung beauftragt hatte zahlen, schrieb Johnny Haeusler auf Spreeblick.
Um illegale Veröffentlichungen ihrer Texte aufzuspüren, hat Eva Schweitzer die Hamburger Firma TextGuard beauftragt. Die ganze Geschichte sorgte für erheblichen Unmut im Netz.
Rechtsanwalt Udo Vetter bemerkte erst gestern in diesem Zusammenhang:
Wird aber ein Komplett- bzw. Rundum-Sorglos-Paket (zwischen Rechteinhaber, abmahnender Kanzlei und der Firma, die die Rechtsverletzungen aufspürt, Anm. Boie) auf Erfolgsbasis vereinbart, hat der beauftragte Anwalt gar keinen Gebührenanspruch gegen den Abmahner. Mit der Folge, dass der Abgemahnte auch nichts erstatten muss; jedenfalls nicht die gesetzlichen, bei entsprechenden Streitwerten sehr hohen Gebühren. (lawblog)
Eva Schweitzer sagte eben am Telefon zu mir:
(…) Mir entstehen keine Kosten, das trägt sich durch die Kosten, die den Abgemahnten entstehen. Mir geht es hauptsächlich um Zeitungen. Ich bezahle nichtmal was für den Service von TextGuard. Die machen das, und so finanziert sich das. Ich bekomme dann hoffentlich Geld. Letzten Endes finanziert sich das pro Fund (von Urheberrechtsverletzungen, Anm. Boie). Ich bekomme das nochmal zu sehen, dann geht das von TextGuard direkt an den Anwalt, da kümmern die sich drum.
(Das klingt ein bisschen komisch, weil es sich um meine unredigierte Mitschrift des Gesprächs handelt.)
Außerdem sagte Schweitzer, dass nicht sie sich an TextGuard gewandt habe, sondern dass sich TextGuard bei ihr gemeldet habe und ihr das Geschäft vorgeschlagen habe.
Ich bin gespannt, wie die abmahnende Kanzlei die 995 Euro Anwaltkosten rechtfertigt.
21 Kommentare »
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Danke, das war das fehlende Puzzleteil. Die Diskussion wird von nun an vermutlich um die Frage “rechtsmissbräuchliche Abmahnungen” kreisen. Wir haben hier eine Urteilssammlung dazu:
http://www.telemedicus.info/urteile/tag/Rechtsmissbrauch
Comment by Simon — November 6, 2009 @ 6:37 pm
[...] zu ahnden. Und hier wird es spannend. Gegenüber Johannes Boie von der Süddeutschen gab Frau Schweitzer an, für den Service nichts zu zahlen. Also auch nicht die von den abmahnenden Anwälten in [...]
Pingback by Fall Schweitzer: Abmahner in der Rechtfertigungsfalle? : netzpolitik.org — November 6, 2009 @ 7:44 pm
[...] http://blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale/2009/11/06/eva-schweitzer-zahlt-uberhaupt-nichts/ a few seconds ago from Spaz [...]
Pingback by Chris (chris97) 's status on Friday, 06-Nov-09 17:57:33 UTC - Identi.ca — November 6, 2009 @ 7:57 pm
[...] 06.11.2009 [↩]Johannes Boie, “Eva Schweitzer zahlt überhaupt nichts”, Schaltzentrale, 6.11.2009 [...]
Pingback by The Fellow Passenger » Zauberlehrling Eva C. Schweitzer — November 6, 2009 @ 8:26 pm
[...] Bloggerin nicht inhaltlich wie rechtlich nicht schon genügend Lerngelegenheiten habt, (und nicht nur ihr), aber ich hab noch was. Wenn ihr euren Bloggern und Bloggerinnen schon einfach so Zugriff auf die [...]
Pingback by Also taz, deine Blog-Logfiles und dein Datenschutz… | Tales from the Mac Hell — November 6, 2009 @ 8:35 pm
[...] http://blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale/2009/11/06/eva-schweitzer-zahlt-uberhaupt-nichts/ a few seconds ago from Choqok [...]
Pingback by Usul (usul) 's status on Friday, 06-Nov-09 19:14:38 UTC - Identi.ca — November 6, 2009 @ 9:14 pm
Sagen wir es so, Herr Boie, es gibt einige Blogger, die sich, um die Klickraten zu erhöhen und bestimmte Gesellschaftsgruppen zu bedienen, nicht die Hände mit Recherche schmutzig machen. Das könnte ein Thema sein. Insofern, besten Dank für die klärenden Wort. Aber warum hat Frau Schweitzer das in dieser Klarheit nicht selbst auf den Punkt gebracht und so verschwurbelte Beiträge im taz-Blog veröffentlicht, warum hat dort keiner einen redaktionellen (klärenden) Einfluß auf Frau Schweitzer (allein schon deshalb um einen redaktionelle Maßstäbe einzuhalten und die Frau vor sich selbst zu schützen).
Dass es um die medienrechtliche Beratung von Frau Schweitzer nicht optimal stand, war uns allen, die wir ein bisschen Medienluft gerochen haben, schon klar.
Dass dies keine Kommentarschlachten auslösen würde sondern Ernüchterung war auch klar.
Es ist sehr schade, dass einige Blogger in die Hände von denen spielen, die sie mit dem Internet Manifest bekämpfen/aufrütteln/bekehren wollten. Es könnte sein, dass ihr Verhalten diametral zu ihren Diskussionabsichten rund um das Manifest stehen. Es ist eine Farce, wie sich diejenigen, die mit dem Manifest eine Diskussion rund um den neuen Online-Journalismus wünschten, denselben torpedieren.
Leider verkommt ein Teil der Bloggerszene zu denselben Reichweitenmethoden, die man bei der Zeitung mit den vier Buchstaben zu verächtlich macht.
Wie der Herr, so’s Gescherr…?
Comment by Wittkewitz — November 6, 2009 @ 9:37 pm
@Wittkewitz: ehrlich gesagt verstehe ich Ihren kommentar nicht ganz. falls Sie aber gemeint haben, dass mein blogeintrag moralische ansprüche unterläuft, weil frau schweitzer unter umständen schlecht beraten ist, dann möchte ich Ihnen drei punkte zu bedenken geben:
1. frau schweitzer ist eine erfahrene journalistin, die in dieser debatte stets die öffentlichkeit gesucht, nicht gemieden hat
2. ich hab das verhalten von frau schweitzer zu keinem zeitpunkt beurteilt
3. ich halte es für problematisch und von öffentlichem interesse, dass es dienste gibt, die sich durch die strafzahlungen finanzieren, die selber sie im auftrag dritter (oftmals unachtsamen, aber nicht böswilligen) jugendlichen/bloggern/etc auferlegen. dieses geschäftsmodell erscheint mir äußerts bedenklich, weil es dazu führt, dass urheberrechtsverletzungen nicht mehr aus ideellem interesse, sondern allein aus monetärem gesucht und verfolgt werden. und das sollte auch kunden stutzig machen, die sich dieser dienste bedienen, ohne dafür etwas zu bezahlen.
soweit zumindest meine meinung. dazu aber mehr in einem anderen blogbeitrag demnächst. (und vermutlich auch am montag in der süddeutschen zeitung.)
Comment by Johannes Boie — November 6, 2009 @ 10:18 pm
Die angesprochenen Blogger verstehen schon, wen ich meine. Sie sind es nicht, Herr Boie. Der Kommentar würdigt ihre Arbeit da oben. Naja und zu den Abmahnfließbändern hat es ja sogar schon eine Urheberrechtsänderung gegeben mit dem 97a UrhG bspw. und es ist ja schon der eine oder andere Serienabmahner von dem einen oder anderen Gericht in die Schranken gewiesen worden.
zu 1. Es ging um das wie und nicht um das DAS.
zu 2. Aber ich.
zu 3. Unwissen schützt vor Strafe nicht. Die besagten Blogger könnten als “Leitfiguren” Licht ins offenbar dunkle Kabuff der “privaten” Bloggerei bringen. Und der letzte Satz, den sie in Punkt 3 ansprechen beurteilt auch das Verhalten von Frau Schweitzer und widerlegt damit Punkt2. Aber ich will keinen aussagenlogischen Diskurs beginnen. Dann müsste man 40% der meisten Zeitungenstexte als defizient bezeichnen.
Ich neige also zu dem Gedanken, dass es verbesserungswürdiges Verhalten auf allen drei Seiten gibt, dem privaten Blogger, der Betroffenen und denen, die mit dem Skandalisieren solcher Kinderkrankheiten des Online-Journalimus Klickraten generieren. Es gab mal unter diesen einige die ein Manifest erstellten, um Online-Journalismus ganz anders in die öffentliche Diskussion zu bringen. Die hätten angesichts dieser seltsamen Begebenheit eine gute Figur machen können. Frau Schweitzer hat etwas ungelenk, etwas naiv und mit wenig Übersicht gehandelt, aber sie hat auch nicht für sich in Anspruch genommen, etwas besser zu machen, als die skandalisierende Zeitung mit den vier Buchstaben.
Comment by Wittkewitz — November 7, 2009 @ 12:29 am
[...] zu Eva Redselig (Udo Vetter). Die nämlich hat gegenüber Johannes Boie in einem Telefonat die feine Geschäftsidee genauer erläutert. TextGuard macht nicht vorhandene Forderungen geltend; das funktioniert sehr [...]
Pingback by …Kaffee bei mir? — November 7, 2009 @ 4:20 am
[...] zu Eva Redselig (Udo Vetter). Die nämlich hat gegenüber Johannes Boie in einem Telefonat die feine Geschäftsidee genauer erläutert. TextGuard macht nicht vorhandene Forderungen geltend; das funktioniert sehr [...]
Pingback by Prima Idee « …Kaffee bei mir? — November 7, 2009 @ 4:40 am
[...] Eva Schweitzer zahlt überhaupt nichts – ein Nachschlag zum “Skandälchen” der letzten Woche, der die Frage nach “rechtsmissbräuchlicher Abmahnung” aufwirft. Lies dazu auch Fall Schweitzer: Abmahner in der Rechtfertigungsfalle? (Netzpolitik.org) und Eva redselig (Law Blog) [...]
Pingback by Die 7 WWMAG-Surftipps zum Wochenende 46/2009 — November 7, 2009 @ 1:45 pm
[...] (einen) (zwei) alle (ausgenommen Malte) ‘deutschen’ Blogger gesorgt. Kurze Auszüge aus dem Telefonat zwischen Johannes Boie und ihr hat er auf seinem Blog (unter dem Dach der Süddeutschen) veröffentlicht. Nach ihren eigenen [...]
Pingback by die blogs, die produktionsmittel und das kapital « qrios — November 8, 2009 @ 2:26 pm
Wochenrückblick: Rammstein, Three Strikes, Zitatrecht…
+++ OLG Düsseldorf: Telekom darf Kunden bei Kündigung anrufen
+++ OLG Köln: Sendematerial von „DSDS” durfte verwendet werden
+++ LG Stuttgart: Michael Jackson-Double darf Konzert geben
+++ Indizierung von Rammstein-Album
+++ Ers…
Trackback by Telemedicus — November 8, 2009 @ 4:28 pm
[...] wir uns Recht verstehen: Ich stehe vollkommen hinter dem Zitat, das ich von Eva Schweitzer veröffentlicht habe. Wie von mir veröffentlicht, und nicht anders, hat sich Schweitzer am Telefon [...]
Pingback by Heute so, morgen so « Schaltzentrale — November 9, 2009 @ 12:35 pm
[...] beim filesharing getwittert 1a Link! Wenn man sich die tweets direkt anschaut, kommt man auf eine interessante Seite, die die Sache aus Sicht eines Urhebers aufzeigt (geht allerdings um Textguard und nicht [...]
Pingback by N — November 9, 2009 @ 6:50 pm
Der Stand des Abmahnwesens – ein Schlaglicht…
In der Schaltzentrale der Süddeutschen Zeitung finden wir einen interessanten Einblick in den aktuellen Stand der Abmahnindustrie und die Auswüchse unseres immer weiter deformierten Urheberrechts.
Es fängt damit an, daß die Journalistin Eva Schweitzer …
Trackback by Die wunderbare Welt von Isotopp — November 11, 2009 @ 3:30 pm
Was wurde aus der Abmahngeschichte?…
Unter dem Titel Zitat? Nein Danke hatte ich kurz auf einen Abmahnfall hingewiesen, bei dem ein Blogger für ein etwas umfangreich ausgefallenes Zitat eines Zeit-Online-Artikels 2.155,00 Euro zahlen sollte. Ich habs jetzt geprüft: der Originalartikel bes…
Trackback by u1amo01 — November 11, 2009 @ 9:58 pm
[...] Schaltzentrale Blog Johannes Boie [...]
Pingback by Sendung vom 15.11.09 — November 15, 2009 @ 5:20 pm
zu: Nachrichten aus dem Netz 23.11.09 SZ
Sehr geehrter Herr Boie,
sind Sie an den Verträgen die Kornmeier mit Digprotect und der Firma Digibeast GmbH im Abmahngeschäft abschließt interessiert?
Mir wurden die als anwaltlicher Vertreter von Abgemahnten auf meine Anforderung hin zur Verfügung gestellt.
Sie können mich auch kurz anrufen:
(editiert – Johannes Boie, Rest per Mail. Danke.)
mfg
Amann
Comment by J.Amann — November 23, 2009 @ 6:42 pm
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Pingback by Zitieren? Klauen? Kommunizieren? Hättewürdekönnte? « Mind The Gap – Magazin für mehr Verstehen — Dezember 15, 2010 @ 11:51 am