Falsche Fälscher
Bin derzeit viel auf Reisen, daher ein bisschen verzögert noch ein paar Worte zu dem Blogeintrag jener Menschen, die viele Monate als Franz Müntefering getwittert haben. Und, davon ausgehend, eine kurze Betrachtung einiger dieser hämischen Journalisten-Fallen der letzten Monate und Jahre.
Wie viele deutsche Blogger sind auch die, die sich hinter “muentefering” verbargen, medienkritische Menschen. Ganz klar: Das ist gut so, sowas braucht die Mediengesellschaft. Dass aber immer mehr Menschen auf die Idee kommen, Journalisten mehr oder weniger gezielt an der Nase herum zu führen, und das dann als großes medienkritisches Experiment verkaufen, ist ein schlechter Witz.
Ja, eine ganze Menge deutscher Journalisten sind auf “muentefering” reingefallen, haben seine Twitter-Beiträge für echt gehalten und sie in ihren Texten zitiert.
Und ja, unfassbar viele Kollegen, darunter auch Autoren der Süddeutschen Zeitung, sind vor Monaten auf die plumpe Wikipedia-Änderung eines Kölner Journalistenschülers von der Kölner Journalistenschule hereingefallen, und haben den vielen Vornamen von Karl-Theodor zu Guttenberg anlässlich dessen Ernennung zum Bundesminister noch einen weiteren dazu gedichtet.
In beiden Fällen schreiben und schrieben viele Blogs und auch andere Journalisten recht hämisch über jene Kollegen, die auf die Fälschungen hereingefallen sind. Quintessenz: Journalisten müssten endlich im digitalen Zeitalter ankommen. Journalisten müssten Wikipedia-Versionen abgleichen können, Twitter-Accounts doppelt und dreifach prüfen, bevor sie aus diesen zitierten.
Einerseits: Ja, richtig. Viele Journalisten müssen nach wie vor dazu lernen, was die Instrumente des Webs betrifft. Die Fehler sind peinlich und wären vermeidbar gewesen.
Andererseits: Vollkommener Blödsinn. Da fälscht – ausgerechnet ein Journalistenschüler, der sich später noch stolz bei Bildblog und Zeit Online zu Wort meldet – einen Wikipediaeintrag. Glaubwürdig und humorlos, in gewisser Weise: hinterhältig. Und ein paar Hundert Journalisten gucken den Namen zu Guttenbergs bei Wikipedia nach, ohne die Versionen des Lemmas abzugleichen. Das Web (und auch klassische Medien) schreien später auf: So leicht lässt sich also die sogenannte Qualitätspresse manipulieren. Häme schwingt mit.
Was für ein Schwachsinn! Jeder Fehler in der Zeitung und auf Nachrichtenportalen ist bedauerlich und eine kleine Katastrophe für sich, das ist klar. Aber was haben die Kollegen bei Wikipedia nachgeschaut? Einen Namen. Sie haben keinen Skandal recherchiert, keine Person angegriffen, keinen heiklen Konflikt beschrieben. Sie haben sich lediglich beim Fact-Checking einer Nebensache auf eine der besten Seiten im Netz verlassen. Das ist kein Beweis fehlender Qualität, sondern höchstens dafür, dass Journalisten bereit sind, sich dem Netz zu öffnen, es zu verwenden und als Recherchequelle zu gebrauchen. Viel mehr, als feixende Fälscher dies vielleicht wahr haben möchten.
Ähnlich im Fall Müntefering: Ein Bild des SPD-Haudegens auf Twitter, sein Nachname als Account-Name. Und durchaus glaubwürdige Tweets, vor allem vor dem Hintergrund des sinnfreien Gebrabbels, das viele Politiker auf Twitter so verbreiten. Dass da der eine oder andere Kollege darauf hereingefallen ist, spricht sicher nicht für die Recherchemethode desjenigen. Ein großes, medienkritisches Experiment, wie es der Text der Twitterer suggeriert (“Kommunikationsguerilla ist einfach eine schöne Sache: gelebter digitaler Dadaismus.”), war das aber nicht. Aber im Netz, um ein angebliches, klischeehaftes Feindbild meiner Zunft zu zitieren, darf halt nicht nur jeder Journalist sein. Sondern auch Medienkritiker.
22 Kommentare »
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Altes Problem. Remember, a nude horse is a rude horse: http://bit.ly/3J3Qd4
Das Problem ist halt die große Überheblichkeit, mit der Berufsjournalisten über den Anspruch an sich selbst sprechen, ohne ihn einzuhalten. Das Wort “Qualitätsjournalismus” ist eine Ausrede.
Comment by Hanno Zulla — Oktober 15, 2009 @ 7:22 pm
Entschiedener Widerspruch!
Ich bin “nur” Lehrer an einem Gymnasium, nicht Journalist bei einer der besten Zeitungen Deutschlands. Aber kein Schüler würde es wagen, Wikipedia auch nur als Quelle einer Hausaufgabe anzugeben.
Nicht weil Wikipedia grundsätzlich schlecht ist. Im Gegenteil: Für einen ersten Überblick ist es hervorragend zu gebrauchen. Aber mehr auch nicht. Wikipedia ist nicht
zitierbar, weil man sich nicht darauf verlassen kann.
Was ist so schwer daran, sich einen Zettel an den Bildschirm zu kleben, auf dem steht: “Ich darf nie, nie, nie Wikipedia zitieren”?
Comment by K.H. — Oktober 15, 2009 @ 9:34 pm
Herr Boie,
Sie haben mit Ihrer Kritik, dass journalistische Fehler unnötiger weise mit Häme und Spott begleitet werden, freilich recht. Nichtsdestotroz muss ich Ihnen in einem Punkt wiedersprechen. Sie schreiben:
“Was für ein Schwachsinn! Jeder Fehler in der Zeitung und auf Nachrichtenportalen ist bedauerlich und eine kleine Katastrophe für sich, das ist klar. Aber was haben die Kollegen bei Wikipedia nachgeschaut? Einen Namen. Sie haben keinen Skandal recherchiert, keine Person angegriffen, keinen heiklen Konflikt beschrieben. Sie haben sich lediglich beim Fact-Checking einer Nebensache auf eine der besten Seiten im Netz verlassen.”
Natürlich wurde hier nur sog. Nebesächlichkeiten recherchiert, doch zeigen diese eines, eine Überprüfung durch andere Quellen findet offensichtlich nicht statt! Nachrichtenmagazine (Zeitungen, Sendunge etc.) leben davon, dass ich als Bürgerin und zahlender Kundin mich darauf verlassen kann, dass mir als interessierten Menschen eine qualitativ und mangelfreie Information geliefert wird – wenn ich dies in den Kategorien des Marktes mal so zusammenfassen darf. Letztlich ist es Vertrauen, Vertrauen darin, dass die Nachricht stimmt und ich daran, ohne Sorge Fehlinformationen erlegen zu seine, meine Meinung anschließen und entwickeln kann. Daher führen auch die von Ihnen, wenn ich Sie recht verstehe, als marginal erscheinene Fehler zu einem Vertrauensverlust. Insoweit ist die Schuldzuweisung an jene, die bewusst den Fehler ins Netz stelten und die dafür die Medienlandschaft kritisieren, nicht der richtige Weg. Denn die Journlisten haben ihre Arbeit nicht korrekt erfüllt und die Rezipienten haben dies leider festestellen müssen.
Insoweit erachte ich eine Kritik an den sog. “Fallenstellern” als berechtig, halte dies aber nicht für den Kern der Problematik! Denn wie soll ich einer Zeitung/Sendung etc. vertrauen können, die schon bei der einfachen Informationsbeschaffung scheitert? Wie soll ich diesen Journalisten abnehmen, dass diese bei gravierenderen Nachrichten (Eskalationen bei Demonstrationen, Berichten über Atommüll, Nachrichten aus Krisengebieten etc.) aktiver recherchieren und ihre Quellen überprüfen?
Daher stimme ich auch dem Kommentar von Hanno Zulla zu, ein wesentliches Problem m.E. ist, dass die Arbeit des Journlismus plötzlich überprüfbar wird und damit Fehler aufgedeckt werden können. Doch statt diese Möglichkeit für die qualität der Nachrichten zu nutzen, fühlt der Journalismus sich zu unrecht angeriffen, kritisiert und anwortet mit Vorwürfen und weißt die Schuld von sich. Sie schreiben daher völlig zurecht: “Jeder Fehler in der Zeitung und auf Nachrichtenportalen ist bedauerlich und eine kleine Katastrophe für sich”!
Comment by Poelloe — Oktober 16, 2009 @ 9:57 am
einerseits kann ich der argumentation folgen, andererseits nicht. denn der name von guttenberg, würde er einfach walter guttenberg heißen, wäre sicher eine nebensache. es wäre auch egal, ob er bei wikipedia als walter oder wallter oder walther oder walther-wendelin geführt würde. die tatsache aber, dass er dermaßen viele vornamen trägt, wurde in der berichterstattung über ihn sehr gerne und anhaltend in den mittelpunkt gerückt. insofern: doch, gerade bei guttenberg wäre es wichtig gewesen, genau zu schauen und sich eben nicht per klick die vage idee von den vielen vornamen bestätigen zu lassen, ohne zu prüfen, weil’s halt so gut gepasst hat.
außerdem finde ich nach wie vor, dass wikipedia als belastbare quelle nicht taugt.
Comment by Pia Ziefle — Oktober 16, 2009 @ 10:03 am
Wikipedia ist grundsätzlich eine brauchbare Quelle, ein zusätzlicher Vorname im Falle des Guttenberg, der zahllose hat, eine Petitesse, jedwede Aufregung darüber albern.
Comment by Hartmut Dresia — Oktober 16, 2009 @ 10:45 am
zunächst mal: es kann derzeit ein bisschen dauern, bis ich kommentare freischalte. das liegt daran, dass ich – siehe oben – auf reisen bin. (übrigens wurde in diesem blog noch nie ein von einem mensch geschriebener kommentar nicht freigeschaltet.)
zur debatte: ob man wikipedia für wissenschaftliches arbeiten nutzen darf oder nicht, ist eine thematik, an die ich mich noch gut aus unizeiten erinnere. und da findet sicher ein sinneswandel statt, auch, weil wikipedia durch unabhängige quellen immer wieder bei diversen themen bessere qualität als den herkömmlichen lexika nachgewiesen wird. grundsätzlich spricht also nicht so viel gegen das online lexikon, wie noch immer viele denken. gleichzeitig stimmt aber auch: wer wikipedia für journalistisches oder wissenschaftliches arbeiten nutzt, muss die software in vollem umfang bedienen können, also auch versionen abgleichen und offenkundige manipulationen sofort entdecken können.
worum es mir ging: bewusst gestellte fallen für journalisten sind ein billiger witz, eine hinterhältige taktik um kollegen bloßzustellen. das hat mit medienkritik nix zu tun, sondern ist ein schlechter scherz.
außerdem ist es ein großer unterschied in der wirkung, ob ein journalist einen namen nachschaut, oder einen komplexen, in irgendeiner art und weise heiklen sachverhalt recherchiert. denn da (wie übrigens auch bei 95 prozent aller namen-checks) würde ich zumindest für sz-journalisten die hand ins feuer legen, dass sie einer dermaßen billigen fälschung nicht aufsitzen.
das ändert nichts daran, dass fehler in der zeitung eine katastrophe sind. allerdings gibt es keine fehlerlose zeitung auf der ganzen welt, auch wenn die sz jeden tag verdammt nah dran ist, eine zu sein.
Comment by Johannes Boie — Oktober 16, 2009 @ 5:56 pm
Ob es legitim ist, Journalisten Fallen zu stellen? In manchen Fällen schon, viele Journalisten verlassen sich bei Recherchen ausschließlich auf eine Quelle, in Zeiten, in denen jeder alles ins Netz stellen kann und es mit nur etwas Können als Glaubwürdig erscheinen lassen ist es wichtig, dass Journalisten kritisch ihre Quellen hinterfragen. Die Häme, mit der einige Fälscher ihr Werk begleiten geht manchmal zu weit, da gebe ich ihnen Recht, Fakt ist aber, dass eben auch ein pickeliger Schüler den Wikipedia-Eintrag hätte fälschen können, es also egal ist, wer es schlussendlich getan hat.
Im übrigen ging es in diesem speziellen Fall über das bloße abgleichen von Fakten hinaus, viele Journalisten haben bei der Ernennung Gs den Wikipedia-Eintrag geöffnet, den langen Namen gesehen und daraus die Story gemacht ohne den Namen oder den Eintrag zu überprüfen (dabei wäre es so einfach gewesen).
Dieser und auch andere Fälle beweisen: Wikipedia mag zwar eine nette Seite für Erstrecherchen sein, man sollte sich aber keinesfalls darauf verlassen. Immer wieder werden kleine Fehler gefunden oder eingebaut (ob absichtlich oder aus Versehen). Da aber Wikipedia Quellen verlangt bietet es sich aber zur Quellenfindung an, in diesem Fall hätte man anschließend die Homepage des Bayerischen Landtages öffnen können (sollen) und schwups wären die Artikel richtig gewesen (und es hätte noch nicht mal eine Minute gedauert)
(Interessanterweise haben einige Medien unabhängig voneinander ein Zitat gebracht, in dem ursprünglich der korrekte Name Gs angegeben war, dies wurde auf den Wiki-Eintrag angeglichen. Hier haben also Journalisten dem Wiki mehr getraut als der Aussage der betroffenen Person selbst)
Comment by Kris — Oktober 19, 2009 @ 9:27 am
Ich meine: Bei Wikipedia haben Sie recht, Herr Boie. Man sollte es in der Regel nicht als Quelle verwenden, aber es ist überflüssig, sie bewusst zu hacken, um Kollegen anzuschmieren.
Ein Twitter-Account wie der von “muentefering” aber hat eine andere Daseinsberechtigung. Ich würde es weniger als Medienguerilla denn als Satireguerilla bezeichnen – und das ist völlig in Ordnung und hat ja auch funktioniert. Es schien ja eher eine Art Gedankenexperiment von Seiten der Autoren zu sein als ein “Oh, komm, wir legen mal die Journalisten rein”. Warum man aus einem nicht deutlichst verifizierten Twitter-Account zitieren sollte, habe ich sowieso noch nicht verstanden.
Comment by Alex — Oktober 19, 2009 @ 10:48 am
Die Recherche von Fakten ist nicht nebensächlich, sie ist der Kern journalistischer Arbeit. Wer hier einen Fehler macht, leichtsinnig wird oder einfach aus dem Bauch heraus wertet, macht einen kaum zu entschuldigen Fehler. Natürlich Wiki nicht schuld an dem Problem und natürlich sind Fehler dort nicht selten. Das heißt einerseits, daß man nicht verteufeln sollte, was einem hilft, aber auch nicht über den grünen Klee loben und sein Vertrauen hineinstecken, was dieses Vertrauen nicht verdient. Quellenarbeit ist das A und O bei Publikationen, ob nun journalistisch oder wissenschaftlich.
Wenn einem Minister A unter vier Augen sagt, daß er mit dieser Korruptionsaffäre überhaupt nichts zu tun hat, kann man das als Fakt hinstellen: “Minister unschuldig!” Oder man kann es hinterfragen und mit entsprechender Quellenangabe versehen. “Minister sagt: Ich bin unschuldig!”. Die erste Meldung ist eine als Fakt dargebotene Meinung einer Person, die – unabhängig von der Wahrheit – einen großen Bedarf daran hat, sich als unschuldig zu präsentieren. Die zweite relativiert richtiger Weise die Aussage dadurch, daß man die Quelle angibt und sich nun jeder selber denken kann, was er davon hält. Damit ist man journalistisch aus dem Schneider, egal was letztlich die Wahrheit ist. Gibt man als Quelle für einen Information dann Wikipedia an, werden sich die meisten Menschen schon denken, daß man da besser nochmal woanders schauen sollte. Und das sollte man auch. Es ist immer unglücklich, sich auf nur eine Quelle zu beziehen, wenn es doch noch andere gibt.
Also bitte keine Ausreden. Wer Fakten nicht überprüft und dabei reinfällt, ob nun hereingelegt oder nicht, hat sich nun mal lächerlich gemacht und sollte daraus Konsequenzen ziehen.
RunRunRun…away!
Comment by RunRunRun — Oktober 19, 2009 @ 10:57 am
Die Qualität von Wikipedia-Artikeln ist bekanntlich sehr unterschiedlich. Zur Internetkompetenz sollte es gehören, sich in Grundzügen mit der Arbeitsweise der Wikipedianer vertraut zu machen, so man Wikipedia als Quelle nutzen will. Ein Klick auf die Artikel-Diskussion etwa reicht oft, um zu erfahren, ob ein Text heftig umgekämpft ist oder einen “Reifezustand” erreicht hat.
Comment by rp__ — Oktober 19, 2009 @ 12:01 pm
Wenn ich mich recht entsinne, wurden die Twitter-Einträge noch von Journalisten zitiert als schon lange bekannt war, dass der Account nicht Franz Müntefering gehört.
Auf einen Fake reinzufallen ist allein schon schwach, da es beweist, dass man seine Quellen nicht überprüft, aber auf einen Fake reinzufallen der bekannt ist….
Comment by klauser — Oktober 19, 2009 @ 1:00 pm
Ich bin auch ein Kritiker des Qualitätsjournalismus und freue mich hämisch über jede neue blöße desselbigen.
Dies jedoch auch erst seit solche Verblödungsmechanismen wie die Bild-”Zeitung” offen Wikipedia angegriffen (“Wikifehlia”) haben bzw. die ganze Zeitungsbranche über das ach so böse und schlechte Internet herziehen.
Wenig hilfreich ist dabei auch die überhebliche Arroganz mit der die Verlage bzw. dessen übergeordneten Konzerne Dienste wie google oder eben auch Wikipedia schlechtreden und öffentlich den Wunsch äußern diese am liebsten abschalten zu lassen, da sie ihre Existenz bedroht sehen. Das sie selber mehr vom Internet profitieren als sie zurückgeben und dann auch noch öffentlich negativ darüber urteilen finde ich mit Verlaub einfach dummdreist!
Diese schizophrene Verhaltenweise ist der Grund warum viele Leute, darunter meine wenigkeit, sich über jeden Fehltritt des “Qualitätsjournalismus” freuen.
Um es in ein kurzes Zitat zu packen:
“Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte!”
Beispiele auf die Schnelle:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2014013_Kolumne-Piraten-nein-danke.html&em_comment_page=13
http://www.bildblog.de/1817/bild-als-wikipediablog-1/
P.S.: Das “BILD” selber Fehler in Wikipedia eingebracht hat um anschließend negativ darüber zu berichten ist ja nur ein Gerücht……
Comment by David — Oktober 19, 2009 @ 1:20 pm
1. kurze zeit nachdem der muentefering online auftrat war im internet zu lesen das dieser account ein fake war…. eine google suche hätte gereicht, zur sicherheit einfach bei der spd persönlich anrufen…. das ein 68 jähriger einen twitter acc hat fände ich schon sehr verwunderlich und hätte imo stuzig machen sollen
2. es gibt auch schlimmere skandale als die beiden beispiele, wie den bluewater-skandal… die dpa ist auf eine schlechte fake-meldung hereingefallen und hat verbreitet ein terroranschlag wurde in den usa verübt….
ein blick auf cnn.com hätte ausgereicht um zumindest etwas tiefer nachzuhaken, und wozu hat man auslandskorrespondenten wenn man diese nicht kontaktiert?
Journalisten fallen immer wieder auf falsche meldungen herein, machnmal handelt es sich um kleinigkeiten, wie ein falscher name oder falsche altersangaben und sind sicher vertreter…. aber nur oder grade weil das netz mit einen haufen von informationen gefüllt ist darf man nicht alles glauben was verbreitet wird, und als guter journalist sollte man das auch nicht müssen
Bis man zu dieser erkenntnis kommt müssen falschmeldungen verbreitet werden, damit endlich alle aufwachen…
Comment by j.t. — Oktober 19, 2009 @ 4:54 pm
Die Wiki-Geschichte hat zwei Probleme, und imho ist nicht direkt eines, dass sie bei kleinere Sachen als Recherchequelle genutzt wird. Warum sollte man mehr Zeit als unbedingt nötig damit verschwenden, Boulevart-Mist zu suchen? Die Zeit kann sinnvoller genutzt werden. Z.B. um, wie unser Bundespräsident so schon sagte, mal die Gesundheitsreform sachlich zu kritisieren statt den legalen Dienstwagen-”Missbrauch”.
Das erste Hauptproblem ist aber eng damit verwandt: Weil Wiki zitiere so “schlecht” ist, tun es so wenige offen. Hätte man seinerzeit einfach (Quelle: Wikipedia) dahinter gehängt, wäre jedem die nicht 100%ige Sicherheit bekannt gewesen, und, wichtiger, der Artikel hätte nicht wieder als bestätigende Quelle bei der Wikipedia aufgenommen werden können.
Das zweite Hauptproblem hängt ebenfalls eng damit zusammen: Das Gehabe um den “Qualitätsjournalismus” verhindert ebenfalls allzu oft, die Quellen im Netz zu nennen oder ehrlich zu möglichen Lücken zu stehen.
Hm, eigentlich ist es doch nur ein Problem: Mangelnde Ehrlichkeit aus Angst, für “Schund” gehalten zu werden. Was ab und an eben böse nach hinten los geht…
Comment by Mirko — Oktober 19, 2009 @ 6:53 pm
1. Warum wird aus Wikipedia nicht offiziell zitiert?
Antwort: Weil dann jeder innerhalb von fünf Minuten feststellen kann, daß ich keine eigene Geistesleistung erbracht habe, sondern nur abschreibe.
2. Warum wird Wikipedia schlechtgeredet?
Antwort: Weil ich damit den Vorwurf zu 1. soweit wie möglich von mir fortschiebe und vorgebe, wahren “Qualitätsjournalismus” zu leisten.
3. Warum die Häme ?
Antwort: Erwischt beim Verstoß gegen 1. und 2.(haha)
Comment by ultrafrettchen — Oktober 19, 2009 @ 8:26 pm
Meiner Meinung nach werden hier zwei Sachen vermischt. Die Sache mit der Wikipedia war hinterhältig, das gestehe ich ein, aber sie war trotzdem notwendig.
Zuallererst muss man sich die Frage stellen, warum die Journalisten überhaupt auf der Wikiseite waren. Das mit den vielen Vornamen wussten nämlich allerhöchstens eine verschwindend geringe Minderheit. Der ganze Rest hat bei Wikipedia nachgeschaut weil er Informationen über Guttenberg wollte und dabei ist eben aufgefallen, dass er viele Namen hat. Sie haben nicht “nur einen Namen nachgeschaut” sondern waren auf der Suche nach verwertbarem Material für die Zeitung. Dass sie sich dann ausgerechnet bei einer Nebensache verzetteln und die ganze Sache auffliegt, ist die Ironie an der Geschichte, macht sie aber keinesfalls besser. Ich war früher als Kind ein begeisterter Zeitungsleser. Jetzt bin ich 22 und würde mir keinesfalls eine Zeitung kaufen. Nicht wegen Desinteresse oder Geiz. Der Grund besteht vorallem darin, dass mir eine gedruckte Zeitung keinen Mehrwert bietet. Wenn der Journalist aus der Wikipedia abschreibt (und das passiert meines Erachtens nach sehr häufig), brauche ich kein Geld dafür zahlen. Da kann ich auch gleich meinen Laptop auf den Küchentisch stellen…
Journalismus, insbesondere sogenannter Qualitätsjournalismus, muss zum einen ehrlich sein und zum anderen aber auch die Informationen die er verbreitet sauber überprüfen und im Zweifelsfall eben auch auf “ich erkläre meine xx Vornamen” verzichten.
Die Müntefering-Sache ist etwas anders gelagert, geht aber in eine ähnliche Richtung. Die Presse sieht sich ja gerne als 4. Macht im Staat und verbreitet das auch ziemlich offen. Das darf sie auch gerne sein, aber mit Macht muss man verantwortungsvoll umgehen und in diesem Fall muss man sich bewusst sein, dass ein Zitat von “@muentefering” das von einem Journalisten verbreitet wird, eben die gleiche Wirkung hat wie ein Zitat das Müntefering dem Journalisten direkt ins Mikro sagt. Ein Zeitungsbericht wird eben schnell zum Selbstläufer und dann kann die Karriere eines Politikers ganz schnell beendet sein o.ä.
Was die Sache noch schlimmer macht ist, dass bekannt ist, dass sich im Internet hinter einer Identität eben oft auch ein Fake verbirgt. Wer mit diesem Wissen einfach Zitate weiterverbreitet, verstößt grob gegen sämtliche journalistische Sorgfaltspflichten. Wenn man sich als Leser aber bei jedem vermeintlichen Zitat fragen muss, ob es nicht in Wahrheit ein Fake ist, braucht man keine Zeitung mehr. Womit wir wieder bei meinem Grund wären, keine Zeitung zu kaufen…
Comment by Manziel — Oktober 19, 2009 @ 9:19 pm
zum thema wikipedia hier noch einen link, den ich gestern schon posten wollte, aber verzichtet hatte, weil ich die quelle nicht beurteilen kann. trotzdem. heute kams im bildblog, daher: http://aggregat7.ath.cx/2009/10/19/99-aller-deutschen-sind-irrelevant
ließ mich nochmal neu nachdenken über wikipedia. lese übrigens sehr gerne im internet, aber ebenso gerne in tages- und wochenzeitungen.
Comment by Pia Ziefle — Oktober 20, 2009 @ 10:33 am
jup.
klar ist wikipedia ein super überblick AM ANFANG.
ich habe bis vor kurzem an der TU berlin die philosophie und technikgeschichte studiert. mir war es eigentlich immer untersagt, wikipedia in hausarbeiten zu benutzen, im gegenteil, ich hatte seminare, wo man sich im referat zusatzpunkte verdienen konnte, im entsprechenden wikiartikel fehler nachzuweisen
das traurig-lustige ist jedoch, daß sowohl in den lehrveranstaltungen, die ich in der soziologie besucht habe, als auch in hausarbeiten von freunden von mir, wikipedia teilweise die primärquelle ist. deswegen wundere ich mich nicht über journalisten, die wiki benutzen. man ist oft leider nur so gut wie seine ausbildung; sonst würde das wort “killerspiele” niemals auf einer 1. seite erscheinen. oder wie in der faz, als nach dem amoklauf von winnenden im hauptartikel stand, der typ hätte das spiel “egoshooter” gespielt…
wenn man sowas raushaut, kann man gleich bei spiegel-online recherchieren.
Comment by schorschi — Oktober 20, 2009 @ 10:54 pm
Jetzt möchte ich auch mal meinen Senf dazugeben.
Meine Tochter sollte ein Referat über die EU halten.
Sie bemühte ihr Schulbuch….. von 2001!! Vielen Dank.
Dann lasen wir unser Lexikon und dann die Wiki. Soviel umfangreiche Informationen hätten wir sonst nie so schnell gefunden. Danke Wiki.
Für den Hausgebrauch …. perfekt!!!
Comment by Stefanie — Oktober 21, 2009 @ 8:24 pm
[...] Boie , Schaltzentrale // Falsche Fälscher [via BildBlog] Ich liebe die Freiheit, das Nachdenken mit anderen, das Fremde, das Querverbinden. [...]
Pingback by Worte zum Wochenende « Real Virtuality — Oktober 23, 2009 @ 3:52 pm
Als Leser sehe ich es einfach so: Wenn ich einen Artikel über eine Person lese, dann ist der Name dieser Person keine Nebensache sondern eine Hauptsache. Wenn der Name falsch wiedergegeben wird, dann hat der Autor schlampig gearbeitet.
Ein Freund von mir hat für einen Zeitungsartikel jemanden Interviewt, der ihm eine falsche Jahreszahl genannt hat. Sowas geht nicht. Entweder es ist wichtig und es kommt korrekt in den Artikel oder es ist unwichtig und es wird nicht gedruckt.
Comment by Mett — Oktober 27, 2009 @ 9:54 am
[...] ein, dass „SZ”-Autor Johannes Boie sich in einem Blogeintrag vor ein paar Wochen sich öffentlich darüber geärgert hat, dass Hinz & Kunz nun glauben, sich als große Medienkritiker aufspielen zu können, [...]
Pingback by Ein Weihnachtsmannmärchen « Stefan Niggemeier — Dezember 28, 2009 @ 6:10 pm