14.09.09 | 08:47 | Fatal viral | Meinung | 34 Kommentare

Der Krieg der Kameras

polizist-ademonstrant.jpg

Ganz früher, sagen Leute, die es wissen müssen, konnte man sich in Kreuzberg am ersten Mai noch ungestört prügeln. Die Polizisten kannten die Namen der Leute vom schwarzen Block, die Linksradikalen wiederum wussten, wie die Führer der Hundertschaften hießen, wo sie wohnten und für welche Taktik sie berüchtigt waren. Man hasste sich gegenseitig, aber in gewisse Weise schätzte man sich auch gegenseitig.

Als ich dieses Jahr am ersten Mai in Berlin war, um die Demonstrationen in Kreuzberg zu beobachten, wurde zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig geprügelt. Die wichtigsten Waffen der Teilnehmer waren aber nicht länger Steine, Schlagstücke, Schild und Holzpaletten. Die Polizisten vertrauten stattdessen auf Camcorder der Marke Sony, wohingegen sich die Linksradikalen, passend zum Mac auf dem Schreibtisch zuhause, mit digitalen Canon Spiegelreflexkameras bewaffnet hatten. Die beiden Gruppen waren im Großen und Ganzen damit beschäftigt, gegenseitig die überzogenen Reaktionen kleinerer Teile der jeweiligen Gegenseite zu filmen.

Dass Demonstranten mit Aufnahmegeräten zurück schlagen, gehört seit vielen Jahren dazu. Auf Hunderten Seiten im Internet sind hochauflösende Bilder von einzelnen Polizeibeamten zu finden. In einschlägigen Buchläden der linken wie rechten Szene, in Treffpunkten wie der Roten Fabrik in Zürich hängen seit Jahrzehnten Bilder von vermeintlichen Zivilpolizisten und Fahndern.

Neu sind dagegen die Methoden, mit denen die Demonstranten heute ihre Videos von Polizeigewalt an die Massen und die Massenmedien weiter geben. Der aktuelle Fall, der nach einem kurzen Anlauf im Netz den Sprung in zahlreiche große Blätter schaffte, und längst von der dpa verbreitet wird, geschah auf der “Freiheit statt Angst” Demo am Samstag in Berlin. (sueddeutsche.de berichtet)

Ein Video des Chaos Computer Clubs (CCC) zeigt, wie der Mann im blauen T-Shirt ohne ersichtlichen Grund verprügelt und weggetragen wird. (Video high 237 MB / low 56 MB) CCC-Aktivisten zufolge wollte der Mann die Dienstnummern der Beamten erfragen, weil ein Freund von ihm verhaftet worden sei. Die Polizei, so dpa, bestritt die Echtheit des Videos nicht. Problematisch sei jedoch, dass es nicht die Vorgeschichte zeige, sagte der Polizeisprecher. Zu dem Übergriff sei es gekommen, als etwa 700 Angehörige des sogenannten „antikapitalistischen Blocks” im Berliner Stadtteil Kreuzberg von der angemeldeten Wegstrecke abweichen wollten und die Polizei dies verhinderte. Ein Mitglied des schwarzen Blocks in blauem T-Shirt und mit Fahrrad unterm Arm?

Jetzt schlägt das Netz zurück: Ein Wiki zur Beweissicherung ist eingerichtet. Anwälte beteiligen sich mit Einschätzungen an der Debatte, Netzpolitik und Evildaystar berichten. Felix von Leitners (fefe) Blog wird andauernd aktualisiert, enthält stets die neusten Informationen. Google findet mehr und mehr entsprechende Treffer. Zahlreiche große Medien, darunter die Bild-Zeitung, haben die Debatte aufgegriffen. Da nützt es der Polizei auch nichts mehr, dass Youtube das Video nach CCC-Angaben mehrfach gelöscht hat und es jetzt als”jugendgefährdens” auf Youtube.com nur angemeldeten Nutzern zeigt. Wenn sich ein Videodienst querstellt, werden eben andere genutzt. Oder das Video, wie aktuell vom CCC, gleich selbst auf dem eigenen Server gehostet. Eine Zensur findet nicht statt.

Die enorme Verbreitung liegt sicher auch an der Eindeutigkeit, mit der auf dem Video Polizeibeamten aller Wahrscheinlichkeit nach gegen das Gesetz verstoßen. Gleichzeitig ist dies eine viel diskutierte Errungenschaft des Netzes, die hier in aller Deutlichkeit gezeigt wird: Wie durchlässig die Grenzen vom Bürgerreporter zu den Mainstreammedien geworden sind. Und dass eine Videokamera im Zweifel die bessere Waffe ist.

Gleichzeitig macht der Fall deutlich, wie unprofessionell mit dem Material umgegangen wird – auch von Mainstreammedien wie zum Beispiel dem Boulevardblatt BZ, die es besser wissen müssten. Auf den Videos, die vor allem von Datenschutzaktivisten verbreitet werden, ist zum Beispiel keine Person anonymisiert. So sehr man den Polizisten beim Anblick der Schläge auch eine harte Bestrafung wünscht, hätte es nicht gereicht, den Ermittlungsbehörden die Gesichter des Polizisten zu zeigen? Mit der Veröffentlichung zu drohen? Es ist unwahrscheinlich, dass der schlagende Polizist ein braves Lämmchen ist, dem aus Versehen die Nerven durchgingen. Und selbst wenn es so wäre, müsste er zu Recht mit harten Konsequenzen rechnen. Aber worin besteht die Bestrafung eigentlich? Für immer der schlagende Polizist der Schande im Netz zu sein, oder von einem Richter zu Disziplinarmaßnahmen und Strafe verurteilt zu werden? Und der junge Mann, der später im Video blutend zu sehen ist – möchte der so gezeigt werden? Wie steht es um die zahlreichen Unbeteiligten, die im hochauflösenden Video als Demonstranten zu sehen sind? Und warum haben die Datenschützer die Handynummer eines Zeugens fotogafiert und ins Internet gestellt? Gewiss, hier dient alles einem guten, sinnvollen Zweck: die Täter zu fassen, die Opfer zu unterstützen. Was aber, wenn dieses Ziel erreicht ist? Was einmal im Netz steht, kann in der Regel nie wieder gelöscht werden. Ein nicht zu rechtfertigender Schlag ins Gesicht ist endlicher Schmerz. Ein Video im Internet eine unendliche Anklage.

Update,  13. September, 9:23 Uhr:  Darstellung der Geschehnisse durch Beteiligte / Debatte im privaten Polizeiforum copzone

Der Blogger Adrian Lang hat einen Gegendarstellung zum oben zitierten Statement der Polizei veröffentlicht.

Im privat geführten Forum für Polizisten, copzone.de, werden Beamten mit der Frage konfrontiert, ob es sich um “ein paar schwarze Schafe oder ein strukturelles Problem handele”

34 Kommentare »

  1. [...] (UPDATE) Fefe hält endlos viel dazu bereit. Vor allem hier aber auch hier und hier Schaltzentrale: Krieg der Kameras Lawblog: Mustergültiger Einsatz II Doktors Blog: Angst statt Freiheit? Stellungnahme der Berliner [...]

    Pingback by ?ª]V[ªX » Mein Post zur Demo vom 12.9.2009 — September 14, 2009 @ 10:41 am

  2. Auch wenn ich emotional zu 100% auf Seiten der “Verurteiler” stehe und solche Polizeimethoden nicht akzeptabel, zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen sind:

    Sie haben vollkommen Recht. Ist ein bisschen so wie mit “Wasser predigen und Wein trinken”. Wir alle wollen umfangreichen Datenschutz und dass mit Informationen sorgfältiger umgegangen wird.

    Aber wenns schnell geht, vergisst man das mit der Sorgfalt auch mal… Ob man nen Behördenlaptop mit wichtigen Daten liegenlässt oder auf 180 ein Video ohne anonymisierung postet.

    Dilemma, Dilemma… :D

    Comment by RA — September 14, 2009 @ 10:56 am

  3. Da frage ich mich allerdings, weshalb dem RSS-feed genau diese hier beanstandete Video-Version beiliegt.
    Nebst Wasser und Wein gibt es auch noch die eigene Nase. ;-)

    Comment by Paule — September 14, 2009 @ 11:07 am

  4. vollkommen korrekt, das war dumm von mir: zwischenzeitlich enthielt dieser beitrag ebenfalls das nicht anonymisierte video. jedoch für nicht länger als 50 sekunden, schätze ich – dann entschied ich mich im zwiespalt zwischen vollständiger berichterstattung (denn das video ist ja nun wirklich überall zu sehen, und insbesondere meine leser dürften es längst kennen) und stringenz in der argumentation für letzteres.

    Comment by Johannes Boie — September 14, 2009 @ 12:01 pm

  5. Ich denke, die Sache ist klar. Hier liegt ein grobes Fehlverhalten der beteiligten Polizisten vor. Das muss geahndet werden. Was auf solchen Videos leider nicht zu sehen ist: Die Szenen rundherum, die Inhalte der “Gespräche”, Rechtsverstösse durch einzelne Demonstrierende, Beleidigungen und Gewalt gegenüber den Polizisten. Diese machen ihren Job, und der ist in solchen Situationen alles andere als einfach. Eine Einschätzung dazu, insbesondere mit Fokus auf die Kommunikation, im Krisenblog unter http://www.rolandbinz.com/krisenblog

    Comment by Roland Binz — September 14, 2009 @ 2:05 pm

  6. Jetzt wird schon darüber nachgedacht, dass derjenige, der das Video veröffentlicht hat, der “Böse” ist, weil er den “armen” Schlägerpolizisten nicht anonymisiert hat. Wer sich einmal mit Videobearbeitung näher befasst hat, weiß, dass man sowas nicht mal im Vorbeigehen macht. Der Hobbyfilmer wäre u.U. damit überfordert gewesen oder hätte viel zu lange dafür gebraucht, um es noch aktuell und wirksam veröffentlichen zu können. Ich denke nicht, dass der Hobbyfilmer in diesem Moment überlegt hatte, dass er mit seiner Veröffentlichung evt. einige arme Exektutiv- Beamte nachhaltig abstrafen würde. Es ging ihm womöglich vielmehr darum, diese entsätzlichen Ereignisse beweiskräftig zu dokumentieren. Ich hoffe nicht, dass er letztendlich dafür noch bestraft werden wird. Die Konsequenzen für den nachweislichen Schläger sind anscheinend sehr bescheiden. Angeblich wurde er ohne weitere Maßnahmen lediglich versetzt, die Strafanzeige ist dabei nicht berücksichtigt. In der Regel haben Polizisten für solche Aktionen (zu) wenig zu befürchten, es ist zu hoffen, dass sich dies durch das hohe mediale Interesse jetzt ändert. Man hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen: Freiheit statt Angst
    Gegenbeispiel: Im Fall Jörg Tauss, der wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornographie zwischenzeitlich angeklagt wurde, hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft keine Zeit verstreichen lassen, die Presse über den Stand der Dinge noch vor dem Angeklagten selbst zu informieren. Da frage ich mich ernsthaft, wer da unprofessioneller gehandelt hat – der Hobbyfilmer auf der Demo oder die Staatsanwaltschaft Karlsruhe im Fall Tauss?

    http://www.guedesweiler.wordpress.com

    Comment by Johannes Döh — September 14, 2009 @ 2:12 pm

  7. Finde dass staatliches Handeln durchaus öffentlich gemacht werden kann, allerdings hast du recht, dass die Gesichter der Beteiligten nicht in die Öffentlichkeit gehören. Vielleicht liege ich aber auch falsch und hoffe, dass es breit diskutiert wird.

    Comment by evil daystar — September 14, 2009 @ 4:15 pm

  8. [...] 4: Johnnes Boie kritisiert das nicht anonymisierte Veröffentlichen von Bildern und Videos von prügelnden Polizisten, Opfern sowie [...]

    Pingback by Fetter Erfolg: Freiheit statt Angst 2009 « evil daystar — September 14, 2009 @ 4:28 pm

  9. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Kreuzberg Tweets und Kreuzberg Tweets. Kreuzberg Tweets sagte: Google-Blogs: Der Krieg der Kameras « Schaltzentrale – http://tinyurl.com/qp66db [...]

    Pingback by Tweets die X erwähnen Der Krieg der Kameras « Schaltzentrale -- Topsy.com — September 14, 2009 @ 5:08 pm

  10. [...] die Diskussion im Internet zu dem Vorfall und die web-typischen neuen Umgangsformen gibt es in der Schaltzentrale: Der Krieg der Kameras. Share and [...]

    Pingback by betonblog.de — Blog für schwere Gedanken — September 14, 2009 @ 6:20 pm

  11. [...] Boie von der Süddeutschen Zeitung hat in seinem Blog einen sehr interessanten Beitrag zum Thema der Polizeigewalt auf der Freiheit statt Angst Demo [...]

    Pingback by Der Krieg der Kameras « evil daystar — September 14, 2009 @ 8:06 pm

  12. Du schreibst: “So sehr man den Polizisten beim Anblick der Schläge auch eine harte Bestrafung wünscht, hätte es nicht gereicht, den Ermittlungsbehörden die Gesichter des Polizisten zu zeigen? Mit der Veröffentlichung zu drohen? Es ist unwahrscheinlich, dass der schlagende Polizist ein braves Lämmchen ist, dem aus Versehen die Nerven durchgingen. Und selbst wenn es so wäre, müsste er zu Recht mit harten Konsequenzen rechnen. Aber worin besteht die Bestrafung eigentlich? Für immer der schlagende Polizist der Schande im Netz zu sein, oder von einem Richter zu Disziplinarmaßnahmen und Strafe verurteilt zu werden?”

    Und du meinst tatsächlich, dass es auch ohne den medialen Druck, aufgrund einer erpresserischen “Drohung gegen eine Behörde” zu einer _effektiven_ Strafverfolgung in der Sache gekommen wäre? Und du meinst wirklich, es ist dem kriminellen Schläger eine Strafe, wenn sein Verhalten einer größeren Öffentlichkeit bekannt wird, als nur den Menschen dort auf der Stasse während der öffentlichen Demonstration? Du denkst ernsthaft, den Gewalttätern ist sowas irgendwie peinlich?
    Ich frage mich ehrlich in welcher Realität du eigentlich lebst?!?

    Comment by Dexter — September 14, 2009 @ 11:06 pm

  13. [...] Einen sehr guten, viele Blog-Artikel verlinkenden und kompetent und differenziert dargestellten Beitrag bietet aber vor allem das Süddeutsche-Zeitung-Blog „Schaltzentrale“: http://blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale/2009/09/14/der-krieg-der-kameras/ [...]

    Pingback by Eglatholion.de » Blog Archive » Polizeigewalt auf der Freiheit-statt-Angst-Demo — September 15, 2009 @ 2:31 am

  14. @10:

    Der Gedanke war wohl dass man das Video hätte anonymisiert veröffentlichen können/sollen.
    Den Behörden hätte man dann natürlich die “nicht-anonymisierte” Version vorgelegt.

    Die Frage die sich mir dann aber direkt stellt ist, ob es nicht Konsequenzen für den Filmenden haben könnte wenn er sich im nachhinein dazu entschliessen sollte doch die “normale Version” zu veröffentlichen.

    “Dilemma, Dilemma…” … ^^

    Comment by RA — September 15, 2009 @ 10:49 am

  15. Andererseits zeigt sowas dann doch auch die Gefahren auf, die durch ständige Überwachung zunehmend entstehen.

    Comment by David — September 15, 2009 @ 10:57 am

  16. @dexter: Für den medialen Druck war und ist es völlig unerheblich, ob der Täter auf dem Video anonymisiert ist oder nicht (diesmal hat sogar die bild ausnahmsweise mal beide verpixelt, kommt auch nicht so oft vor).

    Es ist wirklich beschämend zu sehen, wie weit bei der Demo Theorie und Praxis bei Datenschutz und Persönlichkeitsrechten auseinander driften. Auch diese Täter haben das Recht auf einen fairen Prozess ohne Vorverurteilung, Persönlichkeitsschutz, Rehabilitation usw. Was man (völlig zurecht) für sich selbst einfordert, sollte auch dem Gegenüber zugestanden werden.

    Das man bei allen vorangegangenen Demos nicht mal gelernt hat, dass man die Demonstranten und Opfer unkenntlich macht, ist so unterirdisch – da fällt mir nix mehr zu ein…

    Comment by Daniel — September 15, 2009 @ 11:07 am

  17. Die Situation ist leider nicht ganz so einfach. Eine Strafverfolgung gegen einen Polizisten im Dienst gehört in Deutschland zu den schwierigsten Dingen. Welcher Polizist sagt auch schon gegen einen Kollegen seiner Hunderschaft aus und will deshalb aus Verräter dastehen?
    Deshalb ist es wichtig, dass das Video an die Öffentlichkeit kommt. Abgesehen davon ist Hinterzimmergeklüngel in der Justiz grundsätzlich zu verurteilen und keinesfalls eine Alternative zu einem transparenten Prozess. Damit wäre dieser Punkt erstmal erledigt.

    Schwieriger ist die Frage nach der Anonymisierung. Es stimmt, man hätte nur eine anonymisierte Version veröffentlichen und lediglich den Behörden das Original geben können. Ich vermute mal sehr stark dass dieser Gedanke in diesem Fall in der Erregung unterging und keine bösartige Absicht dahintersteckte.

    Comment by Oberschwabe — September 15, 2009 @ 11:16 am

  18. Natürlich wäre es im Interesse des Persönlichkeitsschutzes besser gewesen, die Gesichter der Beteiligten unkenntlich zu machen.

    Allerdings sollte man sich vor Augen führen, daß der Aufschrei im Netz, das Aufspringen der Holzmedien und letztendlich damit auch die schnelle Reaktion der Behörden primär deshalb erfolgte, weil die Täter im Video deutlich zu erkennen sind. Ich bezweifle, daß eine verpixelte Version eine so starke Verbreitung erreicht hätte und dann auch in den Medien nicht erwähnt worden wäre.

    Comment by unterschwabe — September 15, 2009 @ 11:25 am

  19. Das ist eine Argumentation, die Kai Diekmann sehr gefallen würde…

    Comment by Daniel — September 15, 2009 @ 11:30 am

  20. Also dieser Vorfall ereignete sich im öffentlichen Raum. Auf einer Demonstration, die ja schon per Definition dazu da ist, dass die Protagonisten ihr Anliegen öffentlich kundtun. Wozu in Herrgotts Namen sollten da die Beteiligten verpixelt werden? Wenn über die Demonstration in der Tagesschau berichtet wird, würde an der Stelle auch niemand fordern, dass die Teilnehmer vorher alle befragt werden, ob das OK ist, wenn sie unverpixelt in der Sendung zu sehen sind.

    Was die Herren “brutale Polizisten” angeht, so kann ich nur wiederholen: Auch diese Leute standen bei Ihrer Handlung in der Öffentlichkeit und dies war ihnen bewusst. Und ich bin überzeugt, dass denen ihr Vorgehen nicht peinlich ist, weil es sinnlos aggressiv war, sondern vielleicht nur, weil sie das im falschen (beobachteten) Augenblick getan haben. Das ist natürlich nur eine Vermutung, aber jeder kann sich gerne selbst überzeugen, wie überheblich und “allmächtig” sich solche Leute fühlen, wenn er einfach mal ein bisschen im Copzone-Forum schmökert.
    Jeder, der schon mal der einen oder anderen Demo war, wird mir beipflichten, dass es beileibe keine Seltenheit ist, dass sich dort solche Freaks in Uniform hervortun.

    Der Vergleich mit der Diekmann-Pest ist einfach nur bescheuert. Dessen Klüngel zerrt Privates(!) an die Öffentlichkeit, ohne auf die Opfer Rücksicht zu nehmen. Das ist schon ein qualitativer Unterschied. Warum zur Hölle sollte man nicht einen Polizisten im Dienst in der Öffentlichkeit filmen dürfen? Wo leben wir?

    Comment by Dexter — September 15, 2009 @ 12:18 pm

  21. Alles andere als eine Verpixelung/Anonymisierung ist inkonsequent. Die Argumentation dass ohne ja wenigstens was “passiert” ist erschreckend naiv, so kann man auch Wanted-Plakate mit den Gesichtern entlassener Krimineller, die neu in eine Gegend ziehen rechtfertigen, oder quasi jede zweite Grenzüberschreitung bei Bild, wie Daniel es schon andeutet. Bildblog lesen, aber dann “für die gute Sache” die gleichen Methoden anwenden ist, leider leider, halt doch: Verlogen.

    Comment by Martin — September 15, 2009 @ 12:27 pm

  22. @Martin: Du willst es nicht verstehen, oder?
    Was hat denn das Privatleben eines (ehemaligen) Kriminellen mit den öffentlichen Handlungen von Beamten am Rande von Demonstrationen von Bürgern zu tun?

    Comment by Dexter — September 15, 2009 @ 1:42 pm

  23. @dexter & @martin: heee… gegenseitig stressen bringt doch keine was. ich denke das martins argumentation insofern richtig ist, als das allein der moralische standpunkt noch kein recht zur aussnahme duldet weil wer definiert dann was moralisch richtig/falsch ist. gleiches recht für alle. aber auch dexters standpunkt ist verständlich “weil eben alles auf öffentlichem raum geschehen ist” – anderseits ist dieser tatbestand temporärer natur und sicher nicht dafür gedacht auf ewig im www herum zu schwirren. genau weil es eben derart viel kamerapräsenz gibt kann meiner einer sich schon gleich gar nicht mehr auf solche veranstaltungen trauen weil immer befürchtet werden muss zwischen privaten facebookkontakten, polizeiberichten und evtl. weiteren medialen exessen herumgereicht zu werden und je nach interessenlage es um die ohren gehauen zu bekommen….. wer kennt den schon die einstellung seines arbeitgebers hierzu? wer weiß den ob nicht ein wichtiger auftraggeber dann doch hierzu eine andere meinung vertritt als man persönlich. ich wäre gern bereit im privaten öfters presents zuzeigen muss aber immer (im beratenden bereich tätig) mit abstrafung rechnen da im job anderes erwartet wird.

    Comment by tilda — September 15, 2009 @ 6:17 pm

  24. Lieber Dexter, mein Beitrag bezog sich nicht auf den deinen, da ich den noch nicht gesehen hatte. Über deiner ersten Einlassung stehen im übrigen noch 19 andere Kommentare, in denen unter anderem die Argumentation “aber sonst passiert doch nüscht” aufgemacht wurde, um die ging es mir. Auch wenn deiner natürlich der wichtigste, beste, ja sogar schönste Beitrag ist. Insofern bitte wieder herunterkommen. Danke.

    Inwieweit konkrete Geschehnisse auf einer Demo im allgemeinen Interesse sind, oder unter Panoramafreiheit fallen, kann ich nicht wirklich beantworten. Moralisch halte ich es dennoch für falsch Menschen so konkret zu zeigen, anzuprangern und dann auch noch “Fahndungsaufrufe” zu veröffentlichen.

    Comment by Martin — September 15, 2009 @ 6:51 pm

  25. (gelöscht, da mehrfach geschrieben, siehe Kommentar #26 – Johannes Boie)

    Comment by Dirk Burchard — September 15, 2009 @ 7:53 pm

  26. Die Forderung an Privatpersonen, eine anonymisierte Fassung online zu stellen und der Ermittlungsbehörden die Gesichter zu zeigen, geht von einem funktionierenden Selbstreinigungssystem der staatsbesoldeten Kaste aus. Diese gibt es nicht im Ansatz.

    Es gab zuletzt gerade noch bei der Erschießung von Wolfgang Grams diese ehemals halbwegs kritische und ansatzweise auch investigative westdeutsche Presse, die darauf gedrängt hätte, während heute selbst ein Rechtsbeugungsverfahren gegen Richter im Sorgerechtsfall Görgulü kaum nennenswert journalistisch beobachtet wird (http://de.wikipedia.org/wiki/Fall_G%C3%B6rg%C3%BCl%C3%BC).

    Es ist daher ziemlich armselig, wenn hier gegen vielleicht kleine Formfehler beim Anprangern von massivem Mißbrauch des staatlichen Gewaltmonopos gebeckmessert wird, denn das ist lediglich eine Bankrotterklärung von professionellen Journalisten, das ihnen derartiges Material nicht mehr vertrauensvoll angeboten werden wird, um damit auch tatsächlich effektiven medialen Druck zu erzeugen.

    Comment by Dirk Burchard — September 15, 2009 @ 7:55 pm

  27. (gelöscht, da mehrfach geschrieben, siehe Kommentar #26. Wir haben derzeit ein kleines Problem mit den Servern. Dieses betrifft nur die SZ-Blogs, nicht aber sueddeutsche.de, die Schuld der Doppelpostings liegt daher bei uns, nicht bei den Schreibern der Kommentare. Morgen sollte alles wieder wie gewohnt laufen. Sorry für die Umstände und einen schönen Abend. – Johannes Boie)

    Comment by Dirk Burchard — September 15, 2009 @ 7:57 pm

  28. @Martin: Entschuldige bitte das Missverständniss. Ein Anprangern mittels “Fahndungsaufrufen” etc. ist natürlich vermessen. Aber hier ging es ja primär um den Clip und dessen Öffentlichmachung.

    @tilda: Also wenn ich für eine Sache öffentlich demonstriere, dann muss ich davon ausgehen, dass ich dabei in der Öffentlichkeit stehe, wie soll das sonst funktionieren!? Wie tief ist eine Gesellschaft innerlich schon verfault, wenn sich die Leute schon scheuen, öffentlich für Ihre Überzeugung einzutreten! Dabei spielt der Grund für diese Selbstunterdrückung absolut keine Rolle (z.B. die Angst vor dem Arbeitgeber)! Diese Art der Selbstzensur ist äußerst bedenklich und hat nicht viel mit Überwachungskameras oder Vorratsdatenspeicherung zu tun. SOWAS Unfreies kenne ich nur aus düsteren DDR-Zeiten. Der Duktus scheint mir aber typisch deutsch.

    Comment by Dexter — September 15, 2009 @ 9:06 pm

  29. [...] früh verlinkte die netz-süddeutsche hierher. unsere antwort: nein. die gerichtsverhandlung, um die es hier geht, ist eine [...]

    Pingback by Sammelplatz für Beweismittel – Freiheit statt Angst Demonstration in Berlin am 12.9.2009 (UPDATED MIT 30 COMMENTS UND EINEM SONNTAGSLINK) « wikinews030. — September 15, 2009 @ 11:15 pm

  30. Treffender Beitrag.

    Comment by Sascha — September 16, 2009 @ 12:41 am

  31. @20:

    Hast mich mit der Argumentation überzeugt. Wenn man beginnen würde solche Aufnahmen konsequent zu anonymisieren, wären wohl jeder Film einer Demo nen riesengroßer Pixelbrei :)

    Comment by RA — September 16, 2009 @ 4:05 pm

  32. Es sind Teilnehmer an einer ÖFFENTLICHEN Demonstration. Das Recht ist hier eindeutig. Was die betroffene PVBs betrifft: Wer sich so verhält, der muss es eben schlucken, dass es einen Anspruch auf Berichterstattung gibt.

    Mein Tipp: Weniger Prügeln.

    Comment by John Dean — September 16, 2009 @ 10:51 pm

  33. [...] Der Krieg der Kameras (schaltzentrale, 14.09.2009) [...]

    Pingback by Criminologia | Verlinkenswertes (KW 38/09) — September 20, 2009 @ 11:42 pm

  34. Es ist absolut unnötig unkenntlich zu machen.
    Falls der oder die Polizisten aufgrund von wiedererkennungen nun soziale nachteile haben, ist das absolut in Ordung. Darauf würde ich nicht verzichten wollen.
    Und wenn mal ein Vorfall sehr ausführlich dokumentiert wurde, und die Möglichkeit besteht sein privates Umfeld zu ermitteln, würde ich Partnerin, Nachbar usw. das Material zukommen lassen. Evtl. gleich an der Haustüre zeugen.
    Da kann der noch so zetern, ich kann seinen Nachbarn zeigen wass ich will. Und wenn dadurch seine Partnerschaft oder Ehe in die Brüche geht, auch kein Problem. Wenn die Frau den deswegen verlässt, dann war es auch im Interesse seiner Frau (sind ja meist Männer).

    Was sind da “Vorverurteilungen”??? Jeder kann sehen was passiert ist. Da gibt es keinerlei Rechtfertigungen für. Egal was vorher nicht zu sehen ist.
    Außerdem sind die “Verurteilungen” durch die Justiz eh zu vergessen. Verurteilungen durch dauerhaftes und öffentliches Anprangern, möglichst mit Klarname und was sonst noch zu ermitteln ist, ist dann die Ersatzstrafe durch den Bürger. Würde der Staat ausreichend verurteilen, wäre der legitime Wunsch danach nicht so stark.

    Diese Unkenntlichmacherei ist auch nach keinem Gesetz nötig. Erst recht nicht bei Polizisten, denn die haben im Dienst diesbezüglich kein Recht am eigenen Bild.

    Es sollte geplanter dokumentiert werden. Zweierteams, einer filmt mit möglichst guter Kamera (auch ein einfacher FullHD-Camcorder), der andere fotografiert alle Polizistengesichter die im Film zu sehen sind.
    Der Camcorder sollte noch ein gutes externes Richtmikrofon haben. Evtl. halten die sich doch nicht ganz so nahe am Geschehen auf. Dann könnte ein sich harmlos verhaltender dritter mit Audiorekorder (z.B. H1 oder H2 von Zoom) und gutem Mikrofon am Körper versteckt daneben stehen.
    Filmer und Fotografierer nutzen (möglichst guten optischen) Zoom um nicht so nah herangehen zu müssen. Das Audio kann dann ins Video integriert werden.
    Die Teams können auch PMR-Handfunken mit Headset nutzen, um miteinander zu sprechen.

    Und wenn Demonstranten festgenommen werden, sollten sie zuvor getarnte Aufzeichnungsgeräte am Körper tragen.
    Uhren, Kulis, “Funkfernbedienungen”,, Hemdknöpfe, alles mit Kameras. Evtl. kann man einen winzigen Rekorder auch in diverse Dinge wie dicke Jacken, Absätze usw. unsichtbar einzubauen. Dann ist es sogar möglich AUfnahmen von der Fahrt zur Wache, auf der Wache usw. zu erhalten. Ist es ein Ding was einem abgenommen wird, sogar mit Aufnahme der Zeit wo das Teil wärend sie (sich ver)quatschen auf dem Tisch liegt.

    Das sind Dinge die von wenigen Euro (Portofrei aus China) bis unter €100 reichen. Das sollte es vielen dieser (auch gewaltbereiten/provozierenden Demonstranten doch Wert sein.

    Das Material muss dann bei einem sicheren Hoster im Ausland in eine Art frei zugängliche Datenbank eingetragen werden.
    Fahndungsaufrufe mit Fotos und Videos wären eine Möglichkeit. Die Besucher tragen Daten zusammen.
    “Human Flesh Search Engine” nennt der Chinese das gemeinsame ermitteln von Personendaten über das Internet. So wurde die Frau ermitteln die in selbstgemachten Videos Kätzchen mit HighHeels erstach. Sie wurde mit Name und Personalien angeprangert, und verlor sogar ihre Arbeit als Krankenschwester.
    Wir brauchen einen modernen gewaltfreien Vigilantismus gegen unkorrekte Beamte.

    Comment by Tobias Claren — Februar 24, 2011 @ 10:35 am

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