“Ah, die Bavaria”
Stolz präsentiert sie ihr Dindl. Schwarz ist es mit kleinen Blumen drauf. Doch als Clou zeigt sie ihre grüne Schürze. “Das ist mein SZ-Dindl” , scherzt die Kabarettistin. Doch wer in diesen Tagen mit Luise Kinseher spricht, will mit ihr nicht über die Farbe ihrer Schürze oder die Anzahl der Dirndl in ihrem Kleiderschrank sprechen, sondern über das kabarettistische Großereignis im Freistaat: den Nockherberg. Sie wird als mögliche Nachfolgerin von Michael Lerchenberg für die Fastenrede gehandel. Aber kaum kommt das Thema auf ihre mögliche Rolle, verstummt sie, presst die Lippen aufeinander. Nur das Grinsen, das sich in ihrem Gesicht breit macht, kann sie nicht unterdrücken. Es sei “definitiv noch nichts entschieden” – das ist der einzige Satz, den sie sich entlocken lässt. Umso mehr schwärmt sie von ihrer Rolle als Bavaria, die sie im Frühjahr auf dem Nockherberg gespielt hat. Von der “Energie”, die diese Figur auf die Zuschauer ausgestrahlt hätte, von ihrem Partner Helmut Schleich als Franz Josef Strauß. Und wie viele Menschen sich jährlich den Nockherberg anschauen. Einmal sei sie sogar in der Schwabinger 7 von einem 18-Jährigen mit den Worten begrüßt worden: “Ah, die Bavaria!” Wie wäre die Resonanz dann erst auf die erste Frau in der Rolle des Bruder Barnabas? Eines müsste sich auf jeden Fall ändern. Der Name. Schwester Barnabarbie wäre doch was, findet Kinseher. Sicher, nur bitte nicht mit blonder Perücke. Birgit Foto: Robert Haas
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Das heißt Krüg’!
Die Bedienung, nicht aus Bayern, kommt an unseren Tisch in der Bräurosl, bringt zwei neue Maß und möchte dafür zwei leere abräumen. Es entspinnt sich folgender Dialog. Bedienung: “Könnt ihr mir die zwei Gläser geben?” Tischnachbar: “Das heißt Krüg’!” Bedienung: “Ich sage lieber Gläser, weil bei der Aussprache tue ich mir noch schwer.” Foto: dpa
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Promis zum Mitnehmen
Die Prominenz tummelt sich auf der Wiesn im Käfer oder im Hippodrom? Von wegen. Ein Fast-Namensvetter der Kanzlerin betreibt auf der Wiesn einen “Promi-Treff”. An diesem Stand ist Eisbär Knut neben dem Fliegenpilz aus Super Mario anzutreffen. Das Beste daran: Wer einen Volltreffer landet, darf den Promi sogar mit nach Hause nehmen. Petra
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Rebell im Bierkartell
Die ganze Theresienwiese ist von Münchner Brauereinen besetzt. Die ganze Wiesn? Nein, ein kleiner Stand leistet dem Biermonopol der Wirte tapfer Widerstand. Zwischen den verzierten Wäscheklammern am Stand der Holzbrennerei steht diese Flasche des in München äußerst beliebten Tegernseer Biers. Und dann auch noch verziert mit dem Wahrzeichen des Hofbräu-Zelts – dem Engel Aloisius. Soll das heißen: Augustiner predigen und selber Tegernseer trinken? Wir wissen es nicht. Fest steht jedenfalls, dass diese Jubiläumswiesn in Sachen Bierkonsum wieder Rekordzahlen schreiben dürfte. Bereits zur Halbzeit haben die Massen 100.000 Liter mehr als im Vorjahr getrunken. Petra
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After Wiesn das ganze Jahr
Eigentlich bin ich kein Fan der After-Wiesn-Kultur. Ich finde, es gehört sich, nach dem Wiesnbesuch nach Hause zu gehen oder zumindest sich umzuziehen und den Bierzeltgestank abzuduschen. Doch ich habe in diesem Jahr eine Ausnahme gemacht. Aber nur, weil meine Kollegen ins Roy wollten. Nirgendwo kann man meiner Meinung nach besser After Wiesn feiern. In der schrägen Kneipe direkt am Sendlinger Tor geht es auch unter dem Jahr so wild zu, als wäre Oktoberfest. Und tatsächlich waren bei unserem Besuch genau die gleichen Besucher da wie sonst, tranken Schampus und Bier, tanzten ausgelassen. Der einzige Unterschied: Zur Oktoberfestzeit erscheinen sie in Tracht.
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Finanzbeamter in Lederhose![]() Hier geht's zum Oktoberfest-Finanzamt Ein seltsames Schild hängt da, an einer Wand drei Meter von dem Piesler-Hügel entfernt, an dem schon um ein Uhr Mittag die ersten Bierleichen ihren Rausch ausschlafen. “Wiesn-Finanzamt” steht da – eine neue Geisterbahn, ein Schauerkabinett? Nein, wer den Pfeil auf dem Schild folgt, kommt zu einer alten Villa oberhalb der Theresienwiese, und dort im ersten Stock, da liegt der Fiskus auf der Lauer. An der Wand hängt neben Klebebildchen von Jogi Löw von der WM 2006 eine große Sammlung Speisekarten, davor Schreibtische mit Computern, leicht angegilbt. Über 10.000 Menschen arbeiten auf der Wiesn, das habe Ausmaße eines DAX-Konzerns. Da müsse kontrolliert werden, ob steuermäßig alles mit rechten Dingen zu geht, erfährt man. Mehr aber auch nicht, denn das Wiesn-Finanzamt arbeitet wie alle bayerischen Ämter: Sehr korrekt. Der Steuerfahnder trägt Lederhose, “um einen besseren Zugang zu den Klienten zu finden”, Auskunft geben darf er jedoch nicht. Davor müsse man erst eine Presseanfrage ans Landesfinanzamt stellen. Nur so viel: Die Wiesnwirte seien die korrektesten Steuerzahler Deutschlands und die Wiesn die steuerlich am besten überwachte Großveranstaltung der Welt. Das glaubt man sofort, die bayerische Verwaltung spielt schließlich immer in der Champions League, wie Edmund Stoiber zu sagen pflegte. Nur eines ist komisch, an den Wiesn-Finanzamt: Es hat am Freitagnachmittag geöffnet. Nach zwölf.
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In Wiesn veritas Das Weinzelt ist ganz klar der Exot unter den Zelten auf dem Oktoberfest – Wiesnbier gibt es hier gar nicht, Maßkrüge auch nicht, höchstens ein Weißbier. Oder eben Wein und Schampus, für schlappe 1900 Euro die Neunliterflasche. Nur: Wie löst die Band dann das mit dem Antsoßen? Heil Prosit, die – äh, was jetzt – hoch? Der Schampus wird ja nicht aus Maßkrügen getrunken. Doch Gott sei Dank erfand Gott den Diminutiv. Im Weinzelt heißt es: “Die Krügerl hoch.” Trifft es ja auch irgendwie. Oans, zwoa, gsuffa – runter mit der Brause.
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Edle Rösser mit wertvoller Ladung![]() Foto: Toni Heigl Ein Wiesnerlebnis, das gar nicht auf der Wiesn stattfindet können die Münchner an diesem Vormittag erleben. Erst hört man von weitem Glocken scheppern, dann das Klacken der Hufe auf dem Asphalt und dann zieht mitten auf der befahrenen Emil-Riedel-Straße ein Brauereiwagen vorbei. Zwei in blau und silber geschmückte Pferde ziehen das Holzgefährt, das bis oben mit Bierfässern beladen ist. “Hofbräuhaus” steht auf der Seite des Wagens. Pferde und Kutscher lassen sich von den vorbeirauschenden Autos nicht beeindrucken. Mittags kommen die Wagen auf der Wiesn an. Dann gibt es einen Eimer Wasser für die Pferde – und für die Wiesnbesucher Fotos mit echten Brauereirössern. Felicitas
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Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!
Da soll noch einer sagen, auf der Wiesn werde nur der weltlichen Genüsse gehuldigt: Seit 50 Jahren gibt es jedes Jahr einen Gottesdienst im Hippodrom - so auch an diesem Donnerstag. Wo sonst die Gäste schunkeln, sich zuprosten und „Hölle, Hölle, Hölle!“ rufen, hat Erzbischof Agostino Marchetto aus Rom ein festliches Pontifikalamt zelebriert. Teilgenommen haben Hunderte Schausteller, Wirte, Budenbesitzer und Gäste aus der Bevölkerung. Auch ein Bub und ein Mädchen aus einer Schaustellerfamilie wurden getauft. Foto: dpa
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Oans, zwoa, knipst: Der ScherzfotografZu lachen gibt es auf der Wiesn meist viel: Sei es, dass man alkoholbedingt die Scherze des Nachbarn noch lustiger findet, als sie sind. Sei es, weil man beobachtet, wie ungeschickt sich die Leute bei der Auffahrt zum Toboggan anstellen. Oder weil man beim Scherzfotografen Christopher Doherty vorbeischaut. Nach unserem Wiesnbesuch am Mittwochabend haben wir Doherty einen Besuch abgestattet. Hier das Ergebnis:
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