Reise | 29. April 2010 | von Paul Katzenberger | 2

Verrückte Pizza für Pizza-Verrückte

Pizza Capricciosa

Pizza Capriccioasa in der Pizzaria Remo in Rom.

Es sind Fragen, die die Menschheit bewegen: Wer bäckt die besten Brezeln – die  Bayern oder die Schwaben? Wer braut das beste Bier – die Franken oder die Tschechen? Wer keltert den besten Wein – die Franzosen oder die Chilenen? Wer sich wie ich gerade in Rom aufhält, der muss natürlich sondieren, wer eigentlich die besten Pizzas bäckt. In Italien erhitzt diese Frage besonders die Neapolitaner und eben die Römer. Denn  beide nehmen für sich in Anspruch,  Erfinder der Pizza zu sein, ergo die besten Pizzas zu backen. Ihre Anwartschaft begründen die Römer – wie könnte es anders sein – mit antiken Rezepten. Denn schon im Imperium Romanum gab es wohl einen nichtsüßen Kuchen mit aufgeperltem Rand, eben so etwas ähnliches wie die moderne Pizza. Zumindest belegen das lateinische Kochanleitungen.

Die Neapolitaner halten dem entgegen, dass bei der Pizza alles von der Tomate abhängt, und die wurde erst im 16. Jahrhundert in Italien überhaupt bekannt. Pizzas, wie wir sie heute kennen, also mit Tomaten, Olivenöl, Oregano oder Basilikum, wurden auf jeden Fall erst im 18. Jahrhundert und zweifelsfrei in Neapel zubereitet. Nur die “Pizza Neapoletana” hat außerdem einen eigenen Verband, der sich weltweit für die traditionelle Herstellungsweise der neapolitanischen Pizza einsetzt.

Es sieht also ziemlich schlecht aus für die römische Pizza, doch immerhin haben die hiesigen Pizzerias landesweit einen guten Ruf wegen ihres Teigbodens. Der soll viel dünner sein als bei der neapolitanischen Version. Also auf zur besten Pizzastation Roms, wobei sich unvermittelt die Frage stellt, welche das überhaupt sein könnte. Der  Reiseführer empfiehlt die Pizzeria Remo an der Piazza Santa Maria Liberatrice 44 im ehemaligen Schlachthofviertel Testaccio.

Und tatsächlich: Das Remo scheint keine der vielen Touristenfallen Roms zu sein: Kurz nachdem das einfach gehaltene Lokal abends um halbacht öffnet, ist es bis auf den letzten Platz mit lauten Römern belegt. Allerdings hat die Pizzeria den Charme einer Bahnhofsgaststätte: grelles Licht, einfache Bänke und Stühle und statt einer Tischdecke gibt es raues unbehandeltes Papier. Doch das Wichtigste – die Pizza – passt. Meine Pizza Capricciosa ist zwar etwas verbrannt (siehe  Foto oben), doch lecker. Auch die Bucatini all’amatriciana (Nudeln mit Tomaten, Speck und Zwiebeln), die in Rom einfach gegessen werden müssen, sind hier wesentlich besser als etwa die weichgespülten Versionen im touristischen Esquiline-Viertel. Das Urteil über das Remo fällt also positiv aus.

Gleichwohl bleibt die Frage, ob das nun schon die Krönung der römischen Pizzakunst war. Ein Blick ins Internet verrät, dass das Remo offensichtlich in der oberen Liga mitspielt. Immerhin belegt es auf der Bewertungsseite 10best.com Rang 10 unter den Pizzerias der Stadt. Die Nummer eins bei 10best.com, das Da Vittorio, preist sich, besonders neapolitanisch zu sein – dann doch lieber gleich das Original mit dickem Teigboden in Neapel essen.  Die Nummer fünf, das La Gallina Bianca, liegt gleich um die Ecke, also muss es sich einem Vergleich mit dem Remo stellen. Der Test fällt so aus, dass Zweifel an 10best.com aufkommen.

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Pizza Capricciosa in der Pizzaria La Gallina Bianca in Rom

Denn das Gallina ist zwar tatsächlich wohl die beste Pizzeria in der Gegend, doch das deutlich schlechter gerankte Remo ist nach dem übereinstimmenden Urteil der drei Testesser eindeutig besser.

Bleibt wohl nur, das Urteil eines echten Römers einzuholen. Der Tresenmann in der Kaffeebar nebenan eignet sich als Experte wohl nicht so sehr, denn ganz offensichtlich betreibt ein guter Spezi von ihm die Pizzeria in der übernächsten Querstraße. Glücklicherweise schließe ich über einem Glas Wein an der Piazza Pasquino Freundschaft mit vertrauenswürdigen Einheimischen. Meine Frage nach der besten Pizzeria Roms endet allerdings in einem wüsten Disput. Während Giorgio emphatisch zum Pizzarium in der Via della Meloria rät, legt mir Camilla beschwörend Pizza Luigi in der Via Frederico Nansen ans Herz.

Ich fühle mich an die hiesige Pizzeria “Pizza Pazza Per I Pazzi Della Pizza” (Verrückte Pizza für Pizza-Verrückte) erinnert – aber ich suche weiter.

2 Kommentare zu „Verrückte Pizza für Pizza-Verrückte“

  1. Bonny Viegas sagt:

    Nur ein sehr europäischen Gedanken baut eine Bilderwelt, die Panoramabild-Landschaften hat, schneebedeckte Berge, weite Wiesen, flache Täler, malerische Landschaft vor unseren Augen seine eine Beschreibung, die so erfrischend und beruhigend ist, als käme sie direkt aus das Märchenbuch.

  2. Ihren Auschwung nimmt die Pizza wohl doch eher in Neapel im 18. Jahrhundert.

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