Digital | 14. April 2010 | von johanneskuhn | 1

Die Blogosphäre in Russland und Weißrussland

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Transkript des Liveblogs.

Zugegeben, das ist ein Nischenthema – und auch etwas selbstbezogen. Da wir in Sachen ausländische Blogs meist nach China gucken, sollte dieser Vortrag Bildungslücken schließen.

Auf dem Podium: Viktor Malishevsky, ein Journalist und Blogger aus Minsk (links); Alexandr Plushev, Blogger und Medienkommentator aus Moskau (rechts). Die beiden sprechen russisch, in ihrer Mitte sitzt eine Übersetzerin.

Plushev beginnt: Er zählt die Demokratiedefizite in Russland auf und wirft einen Blick auf die Blogosphäre: Dort gibt es 17 Millionen Blogs, nur zwei Blogs in den Top20 sind politisch. Er selbst schätzt die Zahl der Blogs auf zwei bis drei Millionen, meist geht es aber über Lifestyle-Themen.

Plushev spricht von “Brigaden”, die zum positive Beiträge zur Regierung schreiben. Eine Verbindung zum russischen Staat kann nicht nachgewiesen werden, er geht aber davon aus. Verschiedene Politiker haben inzwischen Blogs entdeckt. 200.000 Menschen nutzen Twitter, einige Zehntausend aktiv. Eine besondere Rolle kommt Twitter bei der Organisation von Demonstrationen zu, genauso Foren. Twitter wird auch während Demonstrationen zur Kommunikation genutzt.

Jetzt wird es spannend: Plushev nennt ein Beispiel für eine Bürgerrechtskampagne, es betrifft Daimler und Korruption (hier eine deutschsprachige Meldung dazu). Blogger haben wohl massive darauf gedrängt, dass die Vorwürfe geprüft werden. Nun liegt es an den russischen Behörden, ob sie dem Druck nachgeben. Ein weiteres Beispiel betrifft die Rechte von Politikern, die Straßenverkehrsordnung zu ignorieren (erinnert mich ein bisschen an die Zarenprivilegien, by the way).

Plushevs Fazit: Einige Male konnten russische Blogger etwas ausrichten, generell sollte man ihren Einfluss aber nicht überschätzen.

Malishevsky stellt uns nun die Blogosphäre in Weißrussland vor. Zur Zensursituation haben wir auf sueddeutsche.de vor einigen Monaten etwas geschrieben. Portale wie Livejournal (.ru) werden nicht als Blogs, sondern als Nachrichtenportale genutzt. Offensichtlich schreiben viele Nachrichtenportale aus Angst vor der Regierung voneinander ab, was die Medienlandschaft noch trister macht.

Stichwort Selbstzensur: Nach zwei Warnungen kann die Regierung ein Medium schließen, selbst wenn es sich nur um technische Fehler halten. Journalisten “stellen nicht die Fragen, die sie eigentlich stellen müssten”. Die Blogs füllen bisweilen diese Lücke: Hier finden die Diskussionen statt. Manchmal reagieren die etablierten Medien nicht auf Tipps, sondern die Blogs müssen es bekannt machen  – erst dann findet es den Weg in die Mainstream-Medien.

Inzwischen findet bei der Medienzensur eine gewisse Liberalisierung statt. Journalisten suchen oft in Blogs nach Geschichten – zumal einige Blogger inzwischen relativ prominent sind. Blogger profitieren davon, dass ihr möglicher Einfluss noch unterschätzt wird und sie – im Gegensatz zu Journalisten – noch nicht so stark auf dem Radar der Regierung sind. Allerding sind einige Internetseiten in Weissrussland nicht erreichbar – als Beispiel nennt er eine tschetschenische Seite. Er spricht ein neues Gesetz an, wonach sich Online-Nachrichtenseiten in Weißrussland künftig wie Printmedien funktionieren. Sprich: Sie dürfen nicht in Echtzeit aktualisiert werden. Erstaunlich – leider wartet das nächste Panel auf mich.

1 Kommentar zu „Die Blogosphäre in Russland und Weißrussland“

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von SZ_Digital, Jost erwähnt. Jost sagte: RT @SZ_Digital: Liveblogging: Die Blogosphäre in Russland und Weißrussland http://bit.ly/djRuul #rp10 [...]

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