24.12.10 | 20:07 | Dies & das | Trouvaillen | Kommentare 5 Kommentare

Frohe Weihnachten

 Wiener Weihnachtsbudenzauber vor dem Rathaus

Wiener Weihnachtsbudenzauber vor dem Rathaus

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs frohe, besinnliche Weihnachten und schöne Feiertage.

Die Fotos hier habe ich am Sonntag in Wien vor dem Rathaus gemacht. Illuminationstechnisch lassen sich die Wiener zur Weihnachtszeit ja echt nicht lumpen. Was die da jedes Jahr an Glitzer-Deko, Leuchtzeugs und Weihnachtsmärchenzauberkitsch auffahren, gerade rund ums Rathaus mit dem populären Christkindlmarkt davor, das macht ihnen so schnell keine andere Stadt nach. Immer wieder beeindruckend.

Wien-Blog-KerzeUnd jetzt möchte ich hier gerne noch von meinem persönlichen kleinen Weihnachtswunder erzählen:

Meine verlorene Digitalkamera mit den Bildern von der Kilz-Abschiedsfeier ist wieder da! (Himmel! Damit ist sie zum dritten Mal in diesem Jahr zu mir zurückgekehrt …)

Gefunden hat sie eine unglaublich rührige  SZ-Leserin, die eins und eins zusammenzuzählen wusste und sich richtig Mühe gab, den Besitzer ausfindig zu machen. Nachdem sie die Kamera im Schneematsch auf der Straße, in der ich wohne, gefunden hatte – sie muss mir beim Aussteigen aus dem Taxi herausgefallen sein -, sah sie die Bilder durch und erkannte als aufmerksame SZ-Leserin, die sie ist, dass es sich dabei um Fotos von der Abschiedsfeier des Chefredakteurs Kilz handeln musste (es war im Lokalteil ein “Szenario” über die Abschiedsparty erschienen – mit ähnlichen Fotos). Was also tat die liebe Frau? Sie schrieb eine Mail an die SZ, dass sie eine Kamera gefunden habe, die vermutlich einem der Gäste unseres scheidenden Chefredakteurs gehöre. Ob man sich nicht mal umhören möge?

Diese Mail landete in der Chefredaktion, zu welcher sich der Verlust meines Fotoapparates bis dahin noch nicht herumgesprochen hatte. Aber wofür gibt es Kantinen und den Klatsch beim Mittagessen? Einen Tag später kriegte ich eine Nachricht aus der Chefredaktion mit angehängter Mail der Finderin, bei der ich mir meine Kamera inzwischen mit einer Flasche Champagner abgeholt habe. Wie sie mir erzählte, hatte sie sogar bei mir in der Straße, da wo sie die Kamera gefunden hatte, einen Aushang gemacht. Wahnsinn. Dass es das noch gibt! Tolle Erfahrung.

In Wien kann man zu Weihnachten sein blaues Wunder erleben ...

In Wien kann man zu Weihnachten halt immer noch sein blaues Wunder erleben ...

Danke, liebe Frau Kornprobst! Sie haben mir eine große Freude bereitet und so viel gute Energie in die Welt gesetzt. Mögen Sie diese Energie um ein Vielfaches zurückbekommen.

Außerdem sind die SZ-Leser einfach die besten!

Tja, jetzt hab ich also zwei Kameras. Die alte, zurückgekommene ist zwar ein bisschen lädiert und hat ihre Beulen, aber wunderbarerweise geht sie noch. Ich hänge immer noch an ihr, auch wenn die neue (vielleicht doch etwas vorschnell gekaufte) doch eine ganze Klasse besser ist und Fotos schafft wie diese hier.

Jedenfalls, liebe Freunde und Feinde: My blogging is going on. Mit zwei Kameras ja wohl erst recht!

15.11.09 | 23:53 | Kritikerin unterwegs | Kommentare 1 Kommentar

Zug der Zeit

Wien, Hotel Regina. WLAN nur in der Lobby, und man muss dafür bezahlen. Sei´s drum. Ich muss unbedingt noch was zu einem meiner Lieblingsthemen loswerden: den Speisewagen. Ich bin ja eine große Anhängerin dieser kultivierten Form des Essens auf Rädern. Ich fördere den Speisewagen, sofern es ihn überhaupt noch gibt, durch regelmäßigen Konsum und trage so hoffentlich zu seinem Überleben bei. Auf meinen Theaterreisen reserviere ich meistens gar nicht erst einen Platz, sondern setze mich direkt in das „Bordrestaurant“, wie man das heute nennt, und verpflege mich auf diese zugegeben nicht ganz billige Weise. Und wenn das Angebot der deutschen Regionalspitzenköche des Monats mal wieder zu hausmannsköstlich ist … der Salat mit Thunfisch geht immer.

Dass der Speisewagen bei der Deutschen Bahn Zug um Zug zu einer Schrumpfform der Gattung verkümmert, bestehend aus vier ordinären Vierertischen, die aussehen wie Sitzplätze in einem ganz normalen Abteil, halte ich für ein Unding. Aber es gibt ja immer noch die Züge nach Wien – mit ihren herrlich altmodischen, atmosphärischen, ja geradezu klassisch stilvollen Speisewagen, in denen sich auch die österreichische Küche kein bisschen lumpen lässt. Und in denen man eine Melange serviert bekommt, die schmeckt. Tu felix Austria … in Österreich fängt die Essens- und Kaffeehauskultur halt schon mit der Anreise an.

Klassischer österreichischer Speisewagen, aufgenommen im Frühjahr auf dem Weg von München nach Wien. Der Herr rechts im Bild ist zufälligerweise Sepp Bierbichler.

Klassischer österreichischer Speisewagen, aufgenommen im Frühjahr auf dem Weg von München zu Schlingensiefs "Mea Culpa" in Wien. Der Herr rechts im Bild ist zufälligerweise Sepp Bierbichler.

Doch, ach, selbst das droht zu verkommen! Es gibt jetzt diese neumodischen „railjets“ der ÖBB, die sich „modernster Ausstattung, höchsten Komforts und eines zeitgemäßen Designs“ rühmen. Ich bin mit einem angereist, dem „railjet 67 München – Budapest“.  Es gibt darin ein Drei-Klassen-System: First, Premium, Economy. Wobei man in der Premium und First „Class“ (wer spricht denn noch von Klasse?) einen „Am-Platz-Service” des “railjet-Bordpersonals“ buchen kann (pay Service), während man in der „Economy  Class“ den „railjet-Trolleyservice“ in Anspruch nehmen kann: die mobile Snack-Verkäuferin. Ihre Kaffeepads-Maschine hat leider nur tröpfchenweise braune Brühe von sich gegeben. Das, was dabei als „Verlängerter“ herauskam, war eine Frechheit

Und der Speisewagen? Fehlanzeige. Stattdessen gibt es ein trostloses „railjet-Bistro“ mit dem Charme eines Postbank-Kundenzentrums.

Das Railjet-Bistro mit Take-Away-Service

Das Railjet-Bistro mit Take-Away-Service

Im „railjet“-Flyer heißt es dazu: „Unser Bistro bietet ein Self-Service-Restaurant und eine moderne Lounge für ein Steh- oder Sitz-in.“  Ähm … geht´s noch?

Manchmal hasse ich ihn einfach nur, den Zug der Zeit.