München-Kick II: Klubabend Aurora Bar
Was wird´n jetzt mit den ganzen Rauchern, den Eckkneipen und Raucherbars? Als ich vom bestürzenden Ergebnis des Volksentscheids hörte, hab ich vom preußischen Norden aus gleich mal meinen Freund Anderl angerufen, Anderl Lechner, Betreiber der von mir sehr geschätzten und entsprechend protegierten Aurora Bar am Münchner Beethovenplatz – eine Künstlerbar mit Wohnzimmer-Charme und britischem Club-Ambiente, die im vergangenen November eröffnet hat (siehe Blog-Eintrag von damals) und sich definitiv als Rauchsalon versteht, ja, die überhaupt erst aus der Einführung des (ersten bayerischen) Rauchverbots hervorgegangen ist. Denn Anderl ist passionierter Zigarrenraucher, und als er nach dem ersten Rauchverbotsgesetz zum Whisky nirgends mehr eine paffen konnte, nicht einmal bei Schumann´s, da beschloss er zusammen mit seinem Freund, dem Gourmet-Koch Karl Ederer, einen Klubabend ins Leben zu rufen, zu dem alle paar Wochen Freunde und Bekannte per E-Mail eingeladen wurden: zum Reden und zum Rauchen.
Diese Raucher-Klubabende fanden in „Baumgartners Weinbar“ am Beethovenplatz 2 statt, der heutigen Aurora Bar – als Baumgartner letztes Jahr hinschmiss, da kaufte Anderl kurzerhand das Interieur und machte sein eigenes Ding. Die Klubabende hat er beibehalten. Und weil da immer die meisten (und die kuriosesten und lustigsten) Leute kommen, werden diese Klubabende vom Wirt immer häufiger angesetzt. Es herrscht dann geschlossene Gesellschaft – aber mit weit geöffneter Tür.

Aurora-Wirt Anderl Lechner
Anderl Lechners Anspruch als Wirt: “Hocken, rauchen, reden. Leute treffen und einen guten Wein trinken. Ohne so eine Abzocke in der Gastronomie.“ Klingt gut. Und könnte so einfach sein. Aber jetzt? Ich dachte, ich würde Anderl nach dem Volksentscheid in heller Fassungslosigkeit antreffen – aber es war eigentlich nur Ratlosigkeit. Der neue Wirt weiß selber nicht, was jetzt wird. Bis August wird jetzt erst mal weitergemacht wie bisher (“Durchpaffen bis August!”) – und dann, so Anderl, “schaun mer mol”. Und dann sehn mer scho. Anderl Lechner ist viel zu bairisch, um jetzt hysterisch aus dem Häuschen zu geraten. Es wird ihm schon was einfallen.
Wer weiß, vielleicht wird ja jene spontane Pissoir-Party Schule machen, die sich beim letzten Klubabend am Dienstag ergeben hat, als sich eine kleine Gästeschar schon mal auf die Suche nach (einem stillen) Örtchen machte, wo noch was geht.


Alles ist Fluss
Zum heimlichen Rauchen aufs Klo – so weit sind wir jetzt in Bayern schon … und das, ich bitte es zu notieren, sagt eine, die selber gar nicht mehr raucht! Ich weiß die Vorzüge des Rauchverbots in Restaurants und vielen Bars und Gaststätten als Nichtmehrraucherin echt zu schätzen, aber ein Generalverbot – das geht total gegen mein Verständnis von Freiheit und Toleranz und Artenschutz!
Daher, liebe Raucher-Clubber: Solltet Ihr Euch künftig zum Paffen und Trinken aufs Männerklo verziehen, gebt mir Bescheid, ich komme mit! Denn so geht´s ja nicht.

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"
Die Klo-Party hatte sich übrigens ganz flashmobmäßig ergeben, nachdem der Münchner Unternehmer Franz Meiller ein paar Gäste auf die Herrentoilette geführt hatte, um dort seine künstlerische WC-Fenstergestaltung vorzuführen: Das ins Fenster eingefügte fotoinstallatorische Werk stammt von ihm selber und trägt den Titel “Gütertrennung”.

Klofensterkunst - wer ko, der ko
Einer, es war Michael Haacke, Chef der FFS (Film- & Fernseh-Synchron GmbH), gab dann spontan die Losung aus: “In einer Stunde wieder hier!” und er hatte ein nettes Sprudelgetränk auf einem Samthocker organisiert, als eine Stunde später tatsächlich eine kleine Klo-Fete für Eingeweihte stieg.
Jedenfalls war der Klubabend nicht nur sehr lustig, sondern auch ein gutes Zeichen: Die Münchner werden immer ein Örtchen finden und sich vom Genius loci inspirieren lassen.

Schönen Gruß übrigens nach Berlin. Von wegen die Schaubühne macht die einzigen Pissoir-Partys!










