08.07.10 | 19:57 | Geht doch! | Kulinarik | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick II: Klubabend Aurora Bar

Aurora-Zigarren

Was wird´n jetzt mit den ganzen Rauchern, den Eckkneipen und Raucherbars? Als ich vom bestürzenden Ergebnis des Volksentscheids hörte, hab ich vom preußischen Norden aus gleich mal meinen Freund Anderl angerufen, Anderl Lechner, Betreiber der von mir sehr geschätzten und entsprechend protegierten Aurora Bar am Münchner Beethovenplatz – eine Künstlerbar mit Wohnzimmer-Charme und britischem Club-Ambiente, die im vergangenen November eröffnet hat (siehe Blog-Eintrag von damals) und sich definitiv als Rauchsalon versteht, ja, die überhaupt erst aus der Einführung des (ersten bayerischen) Rauchverbots hervorgegangen ist. Denn Anderl ist passionierter Zigarrenraucher, und als er nach dem ersten Rauchverbotsgesetz zum Whisky nirgends mehr eine paffen konnte, nicht einmal bei Schumann´s, da beschloss er zusammen mit seinem Freund, dem Gourmet-Koch Karl Ederer, einen Klubabend ins Leben zu rufen, zu dem alle paar Wochen Freunde und Bekannte per E-Mail eingeladen wurden: zum Reden und zum Rauchen.

Diese Raucher-Klubabende fanden in „Baumgartners Weinbar“ am Beethovenplatz 2 statt, der heutigen Aurora Bar – als Baumgartner letztes Jahr hinschmiss, da kaufte Anderl kurzerhand das Interieur und machte sein eigenes Ding. Die Klubabende hat er beibehalten. Und weil da immer die meisten (und die kuriosesten und lustigsten) Leute kommen, werden diese Klubabende vom Wirt immer häufiger angesetzt. Es herrscht dann geschlossene Gesellschaft – aber mit weit geöffneter Tür.

Aurora-Wirt Anderl Lechner

Aurora-Wirt Anderl Lechner

Anderl Lechners Anspruch als Wirt: “Hocken, rauchen, reden. Leute treffen und einen guten Wein trinken. Ohne so eine Abzocke in der Gastronomie.“ Klingt gut. Und könnte so einfach sein. Aber jetzt? Ich dachte, ich würde Anderl nach dem Volksentscheid in heller Fassungslosigkeit antreffen – aber es war eigentlich nur Ratlosigkeit. Der neue Wirt weiß selber nicht, was jetzt wird. Bis August wird jetzt erst mal weitergemacht wie bisher (“Durchpaffen bis August!”) – und dann, so Anderl, “schaun mer mol”. Und dann sehn mer scho. Anderl Lechner ist viel zu bairisch, um jetzt hysterisch aus dem Häuschen zu geraten. Es wird ihm schon was einfallen.

Wer weiß, vielleicht wird ja jene spontane Pissoir-Party Schule machen, die sich beim letzten Klubabend am Dienstag ergeben hat, als sich eine kleine Gästeschar schon mal auf die Suche nach (einem stillen) Örtchen machte, wo noch was geht.
Aurora_Intro

Alles ist Fluss

Alles ist Fluss

Zum heimlichen Rauchen aufs Klo – so weit sind wir jetzt in Bayern schon … und das, ich bitte es zu notieren, sagt eine, die selber gar nicht mehr raucht! Ich weiß die Vorzüge des Rauchverbots in Restaurants und vielen Bars und Gaststätten als Nichtmehrraucherin echt zu schätzen, aber ein Generalverbot – das geht total gegen mein Verständnis von Freiheit und Toleranz und Artenschutz!

Daher, liebe Raucher-Clubber: Solltet Ihr Euch künftig zum Paffen und Trinken aufs Männerklo verziehen, gebt mir Bescheid, ich komme mit! Denn so geht´s ja nicht.

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"

Die Klo-Party hatte sich übrigens ganz flashmobmäßig ergeben, nachdem der Münchner Unternehmer Franz Meiller ein paar Gäste auf die Herrentoilette geführt hatte, um dort seine künstlerische WC-Fenstergestaltung vorzuführen: Das ins Fenster eingefügte fotoinstallatorische Werk stammt von ihm selber und trägt den Titel “Gütertrennung”.

Klofensterkunst - wer ko, der ko

Klofensterkunst - wer ko, der ko

Einer, es war Michael Haacke, Chef der FFS (Film- & Fernseh-Synchron GmbH), gab dann spontan die Losung aus: “In einer Stunde wieder hier!” und er hatte ein nettes Sprudelgetränk auf einem Samthocker organisiert, als eine Stunde später tatsächlich eine kleine Klo-Fete für Eingeweihte stieg.

Jedenfalls war der Klubabend nicht nur sehr lustig, sondern auch ein gutes Zeichen: Die Münchner werden immer ein Örtchen finden und sich vom Genius loci inspirieren lassen.

Aurora-Klo-Gruppe

Schönen Gruß übrigens nach Berlin. Von wegen die Schaubühne macht die einzigen Pissoir-Partys!

07.07.10 | 19:08 | Dies & das | Kulinarik | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick I: Schumann´s backstage

Seeprom-Sommermohn

Drei Wochen Urlaub sind bereits vergangen, davon war ich eine Woche Jurorin beim Theatertreffen der Schauspielschulen in Leipzig (ich werde noch berichten) und danach bei Freunden in einem Haus am See nahe Potsdam, wo obiges Mohnwiesensommerfoto entstand und jegliches Bloggen geblockt wurde. Seit Montagabend bin ich wieder zurück in München …

Gleich mal zum Wiedereingewöhnen ins Schumann´s. Montags hat Ernst Fischer, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der SZ, dort immer seinen Stammtisch. Zur festen Besetzung gehören die SZ-Karikaturisten und ein reisefreudiger Steuerberater, zur wechselnden die unterschiedlichsten Gäste aus den Bereichen Politik, Kultur, Medien und Medizin.

Ernst Fischer (rechts) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Ernst Fischer (rechts oben) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Im Sommer sitzen die wahren Kenner und Genießer nicht etwa im Getümmel vor dem Lokal mit Blick auf die Straße und den Odeonsplatz (das ist der eigentliche Bühnenbereich, hier gilt: sehen und gesehen werden) – im Sommer sitzen die wahren Connaisseure backstage. Soll heißen: Man geht hinten raus, in den Hofgarten, wo Charles unter schattigen Bäumen und bordeauxroten Sonnenschirmen Tische aufgestellt hat und mithin einen kleinen, feinen Biergarten betreibt, auch wenn Bier hier als Getränk eine eher nachgeordnete Rolle spielt. Schu-Hofgarten

Der Platz ist zum Draußensitzen herrlich, einer der schönsten in München – bzw. “… auf der Welt”, wie mich Anne Urbauer am Montag korrigierte, und die ist eine weit gereiste Journalistin und dürfte es also wissen. Man sitzt wahnsinnig lauschig zwischen den Arkadengängen und dem Hofgartengrün und kann staunend zusehen, wie der Münchner Abendhimmel dieser Stadt schmeichelt und sie zum Leuchten bringt. Ich hab hier immer so ein schönes feuchtwangerndes München-”Erfolgs”-Gefühl, aber gleichzeitig ist das Licht auf den Arkaden auch molto italiano.

Schu-Arkaden

Na jedenfalls hab ich mir nach meiner Rückkehr gleich wieder diesen München-Kick geben wollen – und es hat auch funktioniert.

Selbst Charles war gut aufgelegt und hatte seine oft so betont ausgestellte – und von etlichen weiblichen Gästen entsprechend beklagte – Misogynität in die Kiste mit den Regensachen gepackt. Wie man sehen konnte, läuft es auch wieder bestens mit seiner Maria. Gracias a dios!

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Was gibt´s Neues in unserer kleinen Stadt? Ein paar Leute sind wählen gegangen und haben per Volksentscheid das öffentliche Rauchen ganz und gar verbieten lassen. Ich fass es nicht. Der neue Focus-Chef Wolfram Weimer hat den Schumann´s-Hofgarten auch schon raus. An einigen Tischen wird getuschelt – wie lange der´s wohl machen wird? Ob man ihn den Abwickler nennen muss? Im Moment lässt sich vom Vordertisch aus nur so viel sagen: Er ist riesengroß und schlaksig und hat so Haare. Die Münchner Abendzeitung gibt es übrigens auch noch – davon konnte man nicht mit Sicherheit ausgehen. Kent Nagano gibt es nach 2013 hier definitiv nicht mehr – das war am Montag noch Befürchtung und Gerücht. Gestern kam die Bestätigung.  Und Ulrike Hessler wird noch viel früher weg sein: nämlich schon ab August. Die Marketingchefin der Bayerischen Staatsoper wird dann Intendantin der Dresdner Semperoper. Im Schumann´s gab sie einen Empfang, der ganz nach Abschiedsfeier aussah. Aber es war eine Opern-Fundraising-Veranstaltung, ich habe nachgefragt: Geld auftun für die Junge Szene Dresden. Den Aperitif gab´s draußen. Drinnen war dann – ganz Schumann´s-untypisch – eine richtig feierliche Tafel gedeckt, mit weißer Tischdecke, Blumendekorationen und Pipapo und eine junge Sängerin sang den Herrschaften was vor.

Aber auch wenn das nicht Ulrike Hesslers Abschiedsfete war (dafür wünsch ich ihr dann doch mehr Partystimmung), hab ich schon mal ein Abschiedsfoto gemacht. Auf Wiederschaun, liebe Ulrike Hessler, pfüat eana! Viel Glück für Dresden. Und schöne Grüße an den Herrn Thielemann.

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Am Ende, da war es schon dunkel, sagte Charles dann noch, dass er Tische mag, die einfach nur im Hof rumstehen, ohne Stuhl, ohne Zweck … Tische halt. Klingt gaga. Aber tatsächlich, wenn man genau hinschaut: Das hat absolut was.

Schu-leereTische2

Andere Wirte würden den Platz vollstopfen und gastronomisch ausnutzen bis zum Gehtnichtmehr. Charles Schumann macht seinen Gästen zwar wahrlich nicht den Hof – aber er (be)lässt ihn ihnen. Dafür danke.

06.12.09 | 10:43 | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

Nikolausgruß

In Ägypten, wo ich gerade meinen Urlaub verbringe, sagt man: “Tabak ohne Kaffee ist wie ein Fürst ohne Pelz” (was umgekehrt auch für den Kaffee ohne Tabak gilt); die Shisha gehört zum festen Bestandteil der ägyptischen Kultur, und das gemeinsame Rauchen wird traditionell als Symbol der Gastfreundschaft angesehen. Andere Länder, andere Kippen … Selbst der Nikolaus, sofern man ihn am Roten Meer antrifft, hat sehr nah an der Wasserpfeife gebaut.

Weihnachtsdeko in meinem Hotel in Ägypten. Entspannt Euch, liebe Daheimgebliebenen!

Weihnachtsdeko in meinem Hotel in Ägypten. Entspannt Euch, liebe Daheimgebliebenen!

In diesem Sinne: Frohen Nikolausi – und eine entspannte Vorweihnachtszeit! Inschallah.