07.07.11 | 16:52 | Ausgezeichnet! | Glückwunsch! | Theater | Kommentare 1 Kommentar

Laudatio auf Brigitte Hobmeier

Brigitte Hobmeier auf dem Plakat im Eingangsbereich der Münchner Kammerspiele

Brigitte Hobmeier auf dem Plakat im Eingangsbereich der Münchner Kammerspiele

Gestern hat die Schauspielerin Brigitte Hobmeier den Theaterpreis der Stadt München erhalten. Die Preisverleihung fand im Anschluss an die Vorstellung “Hotel Savoy” in der Spielhalle der Kammerspiele statt. Hier auf vielfachen Wunsch meine Laudatio  – mit der ich mich wieder zurückmelde in diesem Blog.

(Die lange Sendepause tut mir leid, das hatte persönliche und technische Gründe. Heute habe ich leider schon wieder keine Zeit, aber ich werde – sorry lieber Herr FAZ-Kollege! – schon auch noch jene Preisverleihung nachholen, die seit Mai überfällig ist: die Auszeichnung Gerhard Stadelmaiers mit dem Herbert-Riehl-Heyse-Preis)

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Preisträgerin,

Als ich mich letzte Woche zur Vorbereitung auf diese Laudatio mit Brigitte Hobmeier im Blauen Haus traf, da trat ein älterer Herr an unseren Tisch und bat die Schauspielerin in aller Ehrerbietung um ein Autogramm. Er hatte sich dafür eines der neuen Spielzeithefte der Kammerspiele geschnappt, die auf den Tischen ausliegen, und er hatte die Seite mit dem ernsten, asketisch-strengen, fast ikonisch wirkenden Schwarz-Weiß-Porträt von Hobmeier aufgeschlagen. In meine Richtung sagte er erklärend, er habe sie in „Hotel Savoy“ gesehen, da spiele sie „15 Rollen“.

Die rote "Gitti", von der Probe kommend - letzte Woche bei unserem Treffen im Blauen Haus

Die rote "Gitti", von der Probe kommend - letzte Woche bei unserem Treffen im Blauen Haus

Wie wir soeben sehen konnten, sind es nicht 15 Rollen, die Brigitte Hobmeier in „Hotel Savoy“ spielt, sondern „nur“ sieben, genau genommen: acht, aber die Intensität und virtuose Wandlungsfähigkeit, mit der sie diese Minirollen darstellt und zu grandiosen Kabinettstückchen aufwertet, ihre Knallchargenresitenz und komödiantische Durchschlagskraft – all das reicht natürlich locker für 15 und ist in dieser Aufführung so unübersehbar ausfüllend, dass man den Eindruck des begeisterten Autogrammjägers ohne Weiteres nachvollziehen kann.

Schon einmal habe ich mich mit Brigitte Hobmeier für ein längeres Gespräch getroffen, das war 2004 für ein Porträt in der Fachzeitschrift „Theater heute“. Damals war sie 28 und der Star am Münchner Volkstheater, und auf die Frage, was ihr berufliches Fernziel sei, antwortete sie: „Ich möchte gerne eine außergewöhnliche Schauspielerin werden.“ Und, „ja, doch“, auch Berühmtheit strebe sie an. Aber (Zitat): „Ich möchte kein Star sein nur um der Berühmtheit willen, sondern als Künstlerin etwas Besonderes.“

Tja, da kann man eigentlich nur gratulieren, denn wenn Brigitte Hobmeier etwas geworden ist, dann sicher eine außergewöhnliche Schauspielerin – die sie übrigens auch damals schon war. Etwas Besonderes. Eine Auffallende. Eine auffallend Unmodische, Untypische, Unverbogene . . . Rothaarige. Kussmündige. Bayerisch-Bodenständige. Inbrünstige.

1. Reihe: Die Familie Hobmeier (Brigitte, Bruder, Mutter, Vater), der Rede lauschend

1. Reihe: Die Familie Hobmeier aus Ismaning (Brigitte mit Bruder, Mutter und Vater), der Rede lauschend

Diese sehr besondere Schauspielerin Brigitte Hobmeier ist mit 35 Jahren die bislang jüngste Trägerin des Münchner Theaterpreises, einer Auszeichnung, für die nur Künstlerinnen und Künstler in Frage kommen, „die ihre Wirkungsstätte in München oder der Region haben und ⁄ oder deren Schaffen mit dem Theaterleben Münchens eng verknüpft ist“.

Dass München sie gewonnen hat und wir sie heute überhaupt hier ehren können, verdankt sich einem harten Entscheidungsfindungsprozess, den Brigitte Hobmeier vor neun / zehn Jahren durchgemacht hat. Damals hatte sie gerade zwei Jahre im „Faust“-Ensemble von Peter Stein hinter sich gebracht, in Winzigrollen als Nymphe, Hexe, Wassergeist, Äffchen oder – jawohl! – als „Gemurmel“. Jetzt wollte sie spielen, endlich spielen! Aber wo: am Schauspielhaus Düsseldorf oder am Münchner Volkstheater? Von beiden Theatern hatte sie ein Angebot, in Düsseldorf stand sie damals sogar schon auf der Bühne, als Ismene in einer „Antigone“-Inszenierung der Intendantin Anna Badora. Es war eine Entscheidung zwischen einem großen und einem sehr kleinen Haus, zwischen Bundes- und Lokalliga, Nordrhein-Westfalen und Bayern, zwischen abgesichertem Stadttheaterbetrieb und einem ungesicherten Neuanfang, denn am damals siechenden Münchner Volkstheater übernahm im Herbst 2002 Christian Stückl die Intendanz, und noch wusste keiner, wo das hinführen würde.

Bürgermeisterin Christine Strobl liest die Jurybegründung vor. Sie kam direkt vom Marienplatz, wo an diesem Tag die Olympia-Entscheidung für Südkorea hingenommen werden musste

Bürgermeisterin Christine Strobl liest die Jurybegründung vor. Sie kam direkt vom Marienplatz, wo an diesem Tag die Olympia-Entscheidung für Südkorea hingenommen und verkraftet werden musste.

Brigitte Hobmeier nimmt solche Lebensweichenstellungen alles andere als leicht. Sie ist eine „Entweder/Oder-Frau“ – das, wofür sie sich entscheidet, gilt hundertprozentig, voll und ganz, und da haut sich sich dann auch entsprechend rein. Das muss also gut überlegt sein.

Wenn sie von den „verzweifelten Nächten“ erzählt, in denen sie damals mit sich gerungen hat, klingt das kein bisschen übertrieben. Sie sagt, die Verzweiflung sei ihr derart ins Gesicht geschrieben gestanden, dass sie ein Polaroid von sich machen musste: ein Porträtfoto als „Mahnmal“ für diesen existenziellen Zustand. Dieses Bild würde man gerne einmal sehen: Brigitte Hobmeiers schönes, expressionistisches Stummfilmdiven-Gesicht in selbst erzeugter München-Düsseldorf-Tragik, wahrscheinlich noch blässer als sonst, mit dunklen, weit aufgerissenen Augen wie Höhlen, darin die Angst, etwas komplett falsch zu machen …

Aber sie hat sich gottlob ja richtig entschieden – nämlich indem sie ihrem Herzen und dem Ruf der Heimat gefolgt ist. Es mag pathetisch klingen, aber Brigitte Hobmeier spricht tatsächlich von „Sehnsucht nach der Heimat“ und „heimkommen wollen“, wenn sie von ihrer Entscheidungsfindung damals erzählt.

Sie ist in Ismaning geboren, eine waschechte Bayerin, Münchnerin – mit Wurzeln in Niederbayern, von wo ihre Eltern stammen, aus Wendelskirchen, um genau zu sein, 20 Kilometer von Landshut entfernt, das ist tiefstes Martin-Sperr-Gebiet. Hier, in diesem Landstrich, wo sie ihre Kindheit und alle Ferien verbrachte, ist die Hobmeierin verwurzelt. Sie beherrscht den derbsten, g´schertesten Dialekt mit all den einschlägigen Schimpf- und Kraftausdrücken; sie verfügt über urbayerische Tugenden wie Sturheit, Erdung, Trotz, Widerborstigkeit, Eigensinn; und sie sagt Sätze wie: „Dieser Boden hier tut mir gut.”

Familie Hobmeier mit Hausarzt (rechts)

Familie Hobmeier mit Hausarzt (rechts)

Dass Brigitte Hobmeier, die ihre Schauspielausbildung an der Folkwangschule in Essen absolviert hat und danach fast zwei Jahre mit Steins „Faust“-Ensemble herumgetingelt ist, dass dieses weggezogene Münchner Kindl überhaupt von Stückls Neuanfang am Volkstheater erfuhr, ist Johan Adam Oest zu verdanken, dem Schauspieler vom Wiener Burgtheater, der in Steins Expo-„Faust“ einer der beiden Mephistos war. Er hat Brigitte Hobmeier gesagt: Du, da soll in München so ein Verrückter das Volkstheater übernehmen, das wär doch was für Dich . . .

Die Geschichte von Hobmeiers Vorsprechen am Volkstheater sollte man sich am besten von Christian Stückl erzählen lassen. Der weiß zwar nicht mehr, was die „Gitti“ ihm damals vorgespielt hat, dafür aber noch sehr genau, wie. Sie hatte nämlich eine Quarktasche dabei, und die muss sie so eindrucksvoll ausgepackt und auf der Bühne verspeist haben, dass Stückl sofort wusste: „Die wui i ham!“ 170 Schauspieler waren zu diesem Vorsprechen geladen, aber die Hobmeierin war die einzige, bei der er sich sofort sicher war. Es war übrigens die Restaurantszene aus Friederike Roths „Die einzige Geschichte“, die sie damals so quarktaschenverstärkt vorgetragen hat, und dann noch was aus der „Bernauerin“.

Preisträgerin mit Bürgermeisterin und Laudatorin

Preisträgerin mit Bürgermeisterin und Laudatorin

Hobmeier und Stückl – die beiden schienen in ihrer saftigen bayerischen Art wie für einander geschaffen, und wenn Stückl über die Hobmeierin sagt, sie sei ein „Theaterviech“, dann gilt das natürlich umgekehrt auch für ihn. Am Volkstheater avancierte Brigitte Hobmeier mit bayerischer Grandezza gleich in ihrer ersten Rolle, als Geierwally, zum Publikumsliebling – und dann sehr schnell zum Star des jungen Ensembles.

Als die „Gitti“, wie ihre Kollegen und Freunde sie nennen, in ihrer dritten Spielzeit dann wieder diesen Drang in sich spürte, der sie fort- und vorantreibt, da kündigte sie. Kündigte, ohne etwas Neues zu haben – aber sich auf Erfolgen auszuruhen, das ist ihre Sache nicht. Zum Abschied spielte sie bei Stückl noch die Lulu. Eine Paraderolle, weil diese Wedekind-Figur ähnliche Gegensätze in sich vereint, wie Brigitte Hobmeier sie als Schauspielerin ohnehin mitbringt: changierend zwischen Kindfrau und Vamp, Unschuldsengel und Mordsweib, zwischen Frömmigkeit und Frivolität, Entrücktheit, Derbheit und Arroganz – all das, was den speziellen Hobmeier-Mix ausmacht, dieses bayerisch-sommersprossig-bleichgesichtig-rothaarig-katholisch-ätherisch-Robuste, wenn Sie verstehen, was ich meine . . .

Die Ausgezeichnete beim Fototermin mit blauem Sofa

Die Ausgezeichnete beim Fototermin mit blauem Sofa

(Lassen sie mich an dieser Stelle einen aktuellen Einschub machen. Denn als ich heute auf Facebook auf diese Preisverleihung hingewiesen habe, da postete der Berliner Schauspieler Thomas Arnold einen Kommentar, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Er schrieb:

„Eine Kollegin, die den Glanz der früheren Zeit und den Heiligenschein ins Theater zurückgebracht hat – als Theater noch etwas Besonderes, Außerordentliches war. Sternenstaub und Handwerk sind hier wieder vereint.“)

Als sie 2005 an die Kammerspiele wechselte – sie selbst hat sich an dem Haus beworben –, da sagte der Intendant Frank Baumbauer zu ihr: „Hier werden Sie´s nicht so gut haben wie am Volkstheater.“  Wohl wahr, wenn man bedenkt, wie klein sie in diesem Edel-Ensemble angefangen hat. In Tschechows „Kirschgarten“ spielte sie 2006 die Anja, zu der Tschechow einmal in einem Brief anmerkte: Sie ist eine so unwichtige Figur, mir ist ganz egal, wer sie spielt.

Oder dann ihre Rolle in dieser grässlichen Fosse-Inszenierung von Laurent Chétouane!

Und noch mal die Hobmeierin

Und noch mal die schöne Hobmeierin

Aber Brigitte Hobmeier wollte es ja wissen, wollte nicht, wie sie es selbst ausdrückt, „Prinzessin sein im geschützten Hort“, sondern sich messen, sich stellen, herausgefordert werden an einem großen Haus mit vielen Stars und tollen Leuten. Und sie hat ja auch das Beste daraus gemacht, hat sich – wie auch jetzt wieder in „Hotel Savoy“ – mit der ihr eigenen Unbedingtheit in diese Minirollen gestürzt, ihnen Aufmerksamkeit, Bedeutung erspielt. Sie ist zwar eine geborene Hauptdarstellerin, aber eben auch eine großartige Supporterin – von wegen „Diva“!

Die Saison 2006/07 wurde dann ihre Spielzeit, da hat Brigitte Hobmeier ihre Kammerspiele-Chance erhalten. Zunächst als Elisabeth in Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“, diesem unsentimentalen Sozialstaats-Totentanz, inszeniert von Stephan Kimmig. Hobmeier, einst Herzerlverkäuferin auf dem Oktoberfest (damit verdiente sie sich ihr Schauspielstudium), war die Idealbesetzung für Horváths traurige Glücksritterin: eine kraftvolle Unterschichtskämpferin, die sich taff, kokett und überaus trotzig zur Wehr setzt gegen die Zumutungen des Lebens. Die nie Glück hat – und trotzdem weitermacht. Bis sie sich am Ende bäuchlings auf der Bühne in einer Pfütze ertränken will, aber nicht einmal dieses Glück wird ihr gewährt. Ihr Japsen klingt einem bis heute in den Ohren. Was für eine Szene! Nicht umsonst hat sie für diese Rolle den „Faust“ als beste Darstellerin erhalten.

Dann kam Thomas Ostermeier, Intendant der Berliner Schaubühne, gebürtiger Niederbayer, aufgewachsen in Landshut, mit der Hobmeierin sofort auf einer Wellenlänge. Er inszenierte mit ihr als erotischen Fixstern Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“. Das war ein Abend, an dem sie aufs Schönste ihren kühlen Sex-Appeal ausspielen konnte und einen mit ihrer Hanna-Schygullahaftigkeit schier verblüffte.

Große Kolleginnen: Gundi Ellert, Doris Dörrie und (Hobmeiers erste "Filmmutti") Ulrike Kriener

Große Kolleginnen: Gundi Ellert, Doris Dörrie und (Hobmeiers erste "Filmmutti") Ulrike Kriener

Es war übrigens diese Rolle, in der sie Flo, ihr Mann, zum ersten Mal auf der Bühne sah. Kein Witz! Sie hatte es ihm verboten, sie im Theater zu sehen, wollte das Berufliche stets raushalten aus ihrer Beziehung. Und er hatte sich bis zu dieser Premiere auch immer daran gehalten. Nun aber ging er in einen Kostümverleih, klebte sich einen Schnurrbart an und kam: inkognito.

So viel zu den Eigentümlichkeiten in der Hobmeier-Ehe. Der Mann, ein Münchner, ist übrigens studierter Mathematiker, aber innerlich ein berufener Schriftsteller – als solcher hat er sich im Moment nach Berlin zurückgezogen, um seinen ersten Roman zu schreiben. Sollte er wider Erwarten heute Abend hier sein, dann sicher in guter Verkleidung. – Die beiden haben übrigens einen Sohn miteinander, den kleinen August. Er wird im September sechs.

Im April 2009 folgte, wieder mit Ostermeier, „Susn“ von Herbert Achternbusch, ein Stück aus den achtziger Jahren, aber wie geschrieben für die Hobmeier. Sie hat den Text dieser weiblichen Passionsgeschichte nicht einfach nur gespielt, sie hat ihn durchdrungen, ihn sich mit Leib und bayerischer Seele anverwandelt – und die Titelfigur dann auch gleich in allen Altersstufen gespielt. Es ist eine Wandlung über vier Lebensalter hinweg: vom aufmüpfigen Dorfmädchen im Beichtstuhl über die zornig-depressive Studentin in der Großstadt, die an der Seite des lieblosen Herbert verkümmert – bis hin zur vergrämten alten Alkoholikerin auf der Kloschüssel.

Es war ein brillanter Soloabend. Rau, ehrlich, schonungslos. Völlig uneitel. Ein Abend, der auch über die Videolandschaftsbilder sehr viel von Heimat erzählte, von Bayern, von dieser waidwunden Sehnsucht derer, die dieses Land lieben und hassen und fliehen wollen – und ihm doch nie entkommen. Brigitte Hobmeier hat diese Rolle ein „Geschenk“ genannt, weil sie da nicht nur aus dem Vollen, sondern auch aus ihrem Innersten schöpfen und sich mit all ihrer Spielgier hineinschmeißen konnte.

Brigitte Hobmeier zeigt maiken Hagemeister das Geschenk von Sepp Bierbichler: Eine Erstausgabe von Achternbuschs "Susn". Er hat sie, wie eine Widmung zeigt, von Achternbusch selbst bekommen. Nun gab er das Buch an die Susn-Darstellerin Hobmeier weiter, verpackt in einem Gefrierbeutel und versehen mit der Widmung "Servus Howe" (so nennt er die Hobmeierin auf gut Bayerisch).

Brigitte Hobmeier zeigt der Kammerspiele-Pressefrau Maiken Hagemeister das Geschenk von Sepp Bierbichler: eine Erstausgabe von Achternbuschs "Susn". Er hat sie, wie eine Widmung zeigt, von Achternbusch selbst bekommen. Nun gab er das Buch an die Susn-Darstellerin weiter, verpackt in einem Gefrierbeutel und versehen mit der Widmung "Servus Howe" (so nennt er die Hobmeierin auf gut Bayerisch).

Auch für uns Zuschauer war der Abend ein Geschenk, und so möchte ich Johan Simons, den neuen Intendanten, an diesem Abend herzlichst ersuchen, „Susn“ doch bitte wieder in den Spielplan zu nehmen. Auch wenn das vielleicht nur Bayern verstehen . . . aber diese Inszenierung rührt an unsere ureigensten Empfindungen und Prägungen. Sie erzählt davon, dass Bayern weniger ein Land als ein Zustand ist. Man würde diesen Abend gerne noch da haben und besuchen können, wie eine Andacht oder einen guten alten Bekannten. Und so schön es ist, Brigitte Hobmeier als Sissi in „Ludwig II.“ zu sehen – als Susn hätten wir noch viel mehr von ihr.

Aber wir müssen ja schon froh sein, dass sie uns überhaupt erhalten geblieben ist. Ostermeier wollte sie an die Berliner Schaubühne abziehen (sie hat dort bei ihm in den „Dämonen“ von Lars Norén gespielt), auch Film und Fernsehen kommen immer wieder auf sie zurück (erst im Mai lief mit ihr der viel beachtete ZDF-Film „Die Hebamme“), und das ist ja alles auch kein Wunder bei dieser Ausnahmeschauspielerin mit diesem Ausnahmegesicht.

Noch ein Wort dazu, dass es manchmal heißt, sie sei schwierig oder zickig. Wahrscheinlich ist das nur ihrer Unbedingtheit und ihrer niederbayerischen „Wuidheit“ geschuldet. Brigitte Hobmeier sagt: „Ich lass mich ungern komplett fremd bestimmen.“ Und sie verweist auf den raueren, viel direkteren Umgangston, mit dem sie, das Arbeiterkind, aufgewachsen ist.

Wenn Hobmeier aufstampft und zu einem Regisseur sagt: „So a Schmarrn!“, dann bedeutet das in etwa so viel, wie wenn ein Kollege aus nördlicheren oder wohlerzogeneren Gefilden sagen würde: „Du, könnten wir in dieser Szene vielleicht noch mal etwas Anderes ausprobieren?“

Alles gesagt: Die Laudatorin verlässt den Schauplatz - und gratuliert herzlichst!

Alles gesagt: Die Laudatorin verlässt den Schauplatz - und gratuliert herzlichst!

Nein nein, das passt schon so, wie sie ist. Dafür kriegt sie jetzt auch den Münchner Theaterpreis. Und dafür hat sie letztes Jahr in Regensburg bei den Bayerischen Theatertagen – mit „Susn“ – auch jenen Preis einer Jugend-Jury bekommen, der sich „Die Rampensau“ nennt. Das ist sehr schön, denn damit ist die Intensivschauspielerin Brigitte Hobmeier eine urkundlich beglaubigte Rampensau.

Herzlichen Glückwunsch!

29.04.11 | 16:04 | Abschied von ... | Barkultur | Kollegialitäten | Kommentare 2 Kommentare

Letzte Tage im Café Platzhirsch

Ausgeröööhhhrt!

Ausgeröööhhhrt! Mit DJ Ralf Zimmermann

Aus. Ende. Finito. Am Samstag macht das von mir leider viel zu spät erst entdeckte Café Platzhirsch (mit der schönen Münchner Innenstadtadresse: “Im Rosental 8″) seine Schotten dicht. Wieder mal so ein Sanierungsfall, wo Renovierung plus Optimierung und Gewinnmaximierung vor Lebens-, Trink- und Barkultur geht. Das Haus ist schon eingerüstet, jetzt wird es saniert, es gibt keine Laufzeitverlängerung: die Gastronomie muss raus – damit verliert die Münchner Innenstadt eine ihrer nettesten, lounge launtschigsten (oder wie man das schreibt) Café-Bars.

FFensterplatz am Viktualienmarkt

Fensterplatz am Viktualienmarkt

Gelegen im ersten Stock des Hauses an der Ecke Rosental / Prälat-Zistl-Straße – da, wo unten der Schmuckladen drin ist -, bietet es durch seine Panoramafensterscheiben einen grandiosen Blick auf und über den Viktualienmarkt. Man kann auf den breiten Fensterbänken auf Filzkissen sitzen und sich einfach nur satt sehen oder die Nase an den Scheiben platt drücken oder sich bei einem Cocktail gut unterhalten. Sind auch immer nette Leute da. Wie gestern zum Beispiel Thomas aus Eichstätt, der sagt: “Diese Räume haben gelebt.”

Seit 1979 war hier das Cafe Rosental zuhause, angeblich ein klassisches Oma-Café. Vor viereinhalb Jahren hat dann Christoph “Tchisi” Schlundt mit seinem Team die Räumlichkeiten übernommen, mitsamt den Möbeln und der ganzen herrlichen Kaffeehaus-Patina. Seither legen hier auch DJs auf – darunter mein lieber wuscheliger Kollege Ralf Zimmermann, Bildredakteur beim SZ-Magazin. Er war immer am letzten Donnerstag im Monat dran, so auch gestern wieder. Die Bilder sind allerdings vom Monat davor, da wollte ich längst schon über das Platzhirsch und DJ Ralf und das Unikum von Barchef bloggen. Aber na ja, man kennt mich ja (inzwischen) …

DJ Ralf "Platzhirsch" Zimmermann

DJ Ralf "Platzhirsch" Zimmermann

Jedenfalls legt Ralf Zimmermann – der übrigens mit seinem SZ-Magazin-Kollegen Thomas Kartsolis den Fotoblog DOPPELKLICK betreibt – sehr coole, sehr entspannte, einen sofort in gute (in meinem Fall oft auch redselige) Laune versetzende Musik auf: Disco, Soul, House. Sagen wir Frankie Knuckles zum Beispiel, oder Kevin Saunderson, wie ich vom SZ-Magazin-Fotografen Camillo Büchelmeier gesteckt bekam (danke für die Mail, Camillo Büchelmeier – was für ein toller Name!). Sehr easy, das alles. Und handaufgelegt, versteht sich. Mit Schallplatten aus dem Privatarchiv. Zuhause hat Ralf eine Sammlung von 2000 Stück.

Nicht zu vergessen Barchef Wolfgang “Wolfi” Götz, ein Münchner mit dem robusten Humor eines Oberpfälzers (was er aber definitiv nicht ist), dem blauen Arbeiterkittelhemd eines workaholischen Chinesen und etlichen bayerischen Entertainerqualitäten. Der verbreitet hinter dem Tresen eine derart gute Stimmung, während er gleichzeitig für fünf arbeitet, dass man sich dringend einen Platz an der Bar sichern – oder schleichend erobern – sollte.

Barchef Wolfgang "Wolfi" Götz

Barchef Wolfgang "Wolfi" Götz

Warum erzählt sie uns das erst jetzt, werden nun alle fragen … viel zu spät, werden alle sagen. Aber nein, wir müssen nur geduldig sein (und die Website oder das “Platzhirsch” auf Facebook verfolgen). Wolfi und die restliche Mannschaft sind heftig auf der Suche nach einer neuen Location. Wir müssen ihnen die Daumen drücken, dass sie bald fündig werden. Denn dann legt auch Ralf wieder bei ihnen auf.

So viel steht fest: Ralf Zimmermann bleibt, wo auch immer es sein wird, als DJ der Platzhirsch!

Also. Nicht vergessen: Heute und morgen letzte Tage im Café Platzhirsch – mit Restetrinken (“alles mus raus”).

Ich kann ja leider nicht. Aber viel Spaß!

Prost. Und auf ein baldiges Wiedersehen!

16.02.11 | 16:50 | Kulinarik | Kommentare 2 Kommentare

Brot für die SZ

Brotlieferung in der Redaktion

Der Brotbote von der Handwerkskammer mit seiner Lieferung.

Mmmmh, was das heute für ein Duft hier ist! Das ganze Feuilleton riecht nach frischem Brot. Und es riecht nicht nur so – es schaut hier auch aus wie in einer Bäckerei. Es gibt leckere Butterbrezn und Krapfen en masse. Schokokrapfen, Vanillekrapfen, klassische Krapfen, Himbeerkrapfen … alles, was das Schleckermaul begehrt. Und dazu Brot. Brot in rauen Mengen: Hausbrot, Vollkornbrot, Kastenbrot, Bauernbrot, Sechskornbrot … darunter riesige Laiber, echte Kaliber. Frisch gebacken, warm noch – und alles andere als industrielle Fertigteigprodukte, sondern echte Handwerksarbeiten aus Münchner Bäckerbetrieben.

Und wie und warum kommt das jetzt alles ins SZ-Feuilleton?

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er haut sich gern auch Brezen rein ...

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, es dürfen gerne auch Krapfen und Brezn sein

Tja, das war heute die große Überraschung! Es rief am Vormittag jemand von der Pforte hoch und sagte, ein Herr von der Handwerkskammer habe eine Lieferung für mich. Ich hielt das erst für ein Missverständnis – ich meine: Was hab ich mit der Handwerkskammer zu schaffen? -, aber nein, man bestand darauf: Die Adressatin sei tatsächlich ich. Unten, im Eingangsbereich, erwartete mich dann ein Chauffeur mit einem ganzen Auto voller frischer Backwaren. Mit schönen Grüßen von einem Herrn Heinrich Traublinger, seines Zeichens Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Da dämmerte mir schon, dass das mit der “Null acht neun”-Kolumne zu tun haben muss, die ich neulich im Lokalteil schrieb. Darin hab ich mich für das gute Münchner Pfisterbrot und überhaupt: für die Handwerksbäckereien ausgesprochen – und gegen all die fiesen Discount-Bäcker, die in der Innenstadt überall aus dem Boden schießen und so grässliche Namen tragen wie “Back-Factory” oder “Mr. Baker”.

Welch schöne Exmeplare! Danke der Handwerkskammer und den Münchner Traditionsbäckereien!

Welch schöne Exemplare! Danke der Handwerkskammer und den Münchner Traditionsbäckereien!

Im beigefügten Brief schickt Herr Traublinger “namens des bayerischen und des Münchner Bäckerhandwerks” ein “herzliches Vergelt´s Gott” für mein”Loblied auf handwerklich hergestelltes Brot”. Wenngleich meine Präferenz “den Produkten unseres Mitgliedsbetriebes, der Hofpfisterei” gelte,  so werde doch deutlich, dass damit auch generell die traditionelle Handwerksbäckerei gemeint sei und dass ich deren “breites Sortiment”, “verbunden mit freundlicher Bedienung” sehr zu schätzen wisse.

Ist das nicht großartig? Herzlichen Dank, lieber Herr Traublinger und liebe Münchner Bäckereien. Das gab vielleicht ein “Hallo!” heute in der Redaktion! Es wurden Scharen von Redakteuren und Mitarbeitern gespeist … und es ist immer noch was da.

Fast wollte ich schon sagen, sowas gibt´s wahrscheinlich nur in München, da kommt mit der Nachmittagspost ein Extra-Paket aus dem fränkischen Herzogenaurach, von einer Bäckerei Lang, die mir einen riesigen, herrlichen FRANKENLAIB schickt – mein in der Kolumne erwähntes Lieblingsbrot -, mit den Worten: ” …. damit Sie nicht so lange Schlange stehen müssen, hier ein garantiert fränkischer Frankenlaib! Wir hoffen, er schmeckt Ihnen.”

Sonderlieferung der Bäckerei Lang aus Herzogenaurach: Ein schöner großer Frankenlaib für die fränkische Kolumnistin. Dangschää!

Sonderlieferung der Bäckerei Lang aus Herzogenaurach: Ein schöner großer Frankenlaib für die fränkische Kolumnistin. Dangschää!

Also sowas, ich bin echt gerührt. Dank nach Franken! Danke allen! Das hat heute eine so gute Laune gemacht … Toll.

Und hier, zum Nachlesen, besagte Kolumne, die in der Wochenendausgabe vom 5./6. Februar im Lokalteil erschien:

Warten auf
den Frankenlaib

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, das ist schon wahr, gutes Brot aber muss sein, sonst kann man auch den Aufstrich vergessen. Wir Münchner waren in dieser Hinsicht immer schon privilegierter als die Bewohner trüberer Städte, gibt es hier doch seit kaiserlichen Zeiten (14. Jahrhundert!) die Hofpfisterei mit dem weltbesten Natursauerteigbrotsortiment. Das Pfister-Brot gehörte neben der Maß und der Leberkässemmel lange Zeit zu den ernährungstechnischen Alleinstellungsmerkmalen unserer schönen Stadt, und hätte die Hofpfisterei nicht vier Filialen in Berlin eröffnet, hätten wir den Preußen mindestens vier weitere Punkte auf der urbanen Lebenswert-Liste voraus. Andererseits sei ihnen unser Brot gegönnt, den Berlinern, haben sie doch sonst kaum kulinarische Freuden, und jetzt muss man den Freunden in der Hauptstadt wenigstens nicht mehr bei jedem Besuch einen frischen Laib Öko-Spezial mitbringen.

Nun muss das Lob auf die Hofpfisterei – und generell auf die traditionelle Handwerks-Bäckerei – hier aber allein schon deshalb angestimmt werden, weil die Semmel im Zeitalter ihrer industriellen Reproduzierbarkeit zum laffen Fertigteigling verkommt und der Siegeszug der Discount-Bäcker nicht mehr aufzuhalten ist. Überall schießen diese Back-Aldis wie Pilze aus dem Boden. Sie nennen sich Back-Factory, Back-Shop oder Mr. Baker, bieten Brot und Brezn zu Dumpingpreisen, setzen auf Selbstbedienung und Nusshörnchen-to-go. Sie haben null Charme, und es riecht komisch, wenn man daran vorbeigeht, nach Fett, Emulgatoren und Schmalz, aber ihre Industrieteigwaren gehen weg wie – nun ja – halt doch wie warme Semmeln. Billiger geht´s nicht. Und lange anstehen muss man auch nicht.

Aber selbst, wenn es dort Rosinenschnecken umsonst geben sollte, liebe Teiggenossen und Mitesser, so sei hier versichert: Gebäck von McBack kommt mir nicht in die Tüte!

Lieber wieder das Samstags-Ritual in meiner kleinen Pfister-Filiale am Hohenzollernplatz: Schlange stehen bis raus auf die Straße, eine gefühlte Wartezeit von fünfzehn Minuten lässig in Kauf nehmen, sich drinnen auf engstem Raum an die Wand drücken und dann, um Nachdrängende reinzulassen, nach hinten wechseln, was eine Zweiteilung der Schlange und fast immer eine gewisse Konfusion bewirkt, dabei stets das letzte Stück Frankenlaib fest im Blick haltend, in der Hoffnung, der Kerl vor einem schnappe es einem nicht weg. Was er, sofern es kurz vor Ladenschluss ist, aber garantiert tut. Aber was soll´s . . . Sein Brot muss man sich nun mal hart verdienen.

08.12.10 | 23:18 | Dies & das | Trouvaillen | Kommentare 1 Kommentar

Sauber, sog i!

Münchner Fußgänger-Container-Tunnel: So sauber, dass man sich drin spiegeln kann

Münchner Fußgänger-Container-Tunnel: So sauber, dass man sich drin spiegeln kann

München, Innenstadt. Bin neulich Abend nach einer Premiere in den Kammerspielen bei Schneewetter Richtung Odeonsplatz gestiefelt. An der Alten Residenzpost, Maximilianstraße / Ecke Residenzstraße, ist da jetzt diese Baustelle. Es entsteht hier, auf einer Fläche von mehr als 4500 Quadratmetern, das sogenannte Palais an der Oper. Die Passanten werden an der Fassade entlang durch so einen Baucontainer-Fußgängertunnel geschickt. Eigentlich nichts Besonderes. Aber in München schon!

Das bayerische Reinheitsgebot  - jetzt auch in Fußgänger-Schleusen!

Das bayerische Reinheitsgebot - jetzt auch in Fußgänger-Schleusen!

Geht man da durch, wird man von der Sauberkeit, Weißheit, ja von der geradezu strahlenden Reinheit dieses Containerschleusengangs direkt geblendet. Unglaublich! Fast schon wollte ich meine Stiefel ausziehen, um nur ja keinen Matsch reinzutragen. An den – hell erleuchteten – Blechcontainerwänden fand sich überhaupt kein Geschmiere, kein einziges Graffitto, nicht einmal ein Strichlein, kein kitzekleines Kritzelchen. Alles blitzeblank, wie von Meister Proper und Herrn Domestos persönlich gescheuert.

Wer ein bisschen rumkommt in Deutschland oder sonstwo auf der Welt und zum Beispiel die Hausfassadenbeschmierungsnot der Berliner kennt, der kommt zu der unbefleckten Erkenntnis: Das gibt es nur in München!

Die Frage ist nur, ob man so viel Saubermännlichkeit dem bayerischen Reinheitsgebot zurechnen und mithin als ursprünglich und pur begrüßen oder nicht vielleicht doch eher gespenstisch finden soll …

13.11.10 | 00:06 | Dichtung & Wahrheit | Geht wieder | Kommentare 0 Kommentare

Bauer-Salon goes Aurora Bar

Kerstin Specht liest aus ihrer Paraphrase der Odysseus-Heimkehr

Kerstin Specht liest aus ihrem Stück "Odysseus!"

Jetzt sind schon wieder so viele Tage ins Land gegangen, und ich habe noch gar nichts über die erfolgreiche Wiederbelebung meines Kultursalons am vergangenen Samstag, dem 6. November, in der Münchner Aurora Bar geschrieben. Das muss jetzt schleunigst nachgeholt werden, das bin ich allein schon den beiden tollen Künstlern schuldig, die an dem Abend aufgetreten sind: die Dramatikerin Kerstin Specht und der Komponist Minas Borboudakis, denen ich hier noch mal von Herzen danken möchte. Ihr wart großartig!

Minas Borboudakis spielt sein Stück "Zykloiden I"

Minas Borboudakis spielt sein Stück "Zykloiden I"

Die Aurora Bar meines Freundes Anderl Lechner ist mit ihrem ebenso gemütlichen wie stilvollen Club-Ambiente für einen Kultursalon wie geschaffen – und war allein schon deshalb der richtige Austragungsort, weil dort, anders als bei mir im Wohnzimmer, ein Klavier steht. Außerdem kann man in die Aurora Bar natürlich viel mehr Leute einladen … und es kommen Überraschungsgäste vorbei, wie zum Beispiel an diesem Abend: Sepp Bierbichler.

Der Bauer-Salon – benannt nach meiner Straße, der Bauerstraße – wurde im Herbst 2008 bei mir zuhause im kleinen Kreis gegründet. Auftretender Künstler war damals kein anderer als Anderl Lechner, der jetzige Wirt.

So fing´s damals an: 1. Bauer-Salon mit Anderl Lechner und den Musikerinnen Fany Kammerlander (Cello) und Franziska Eimer (Harfe) in der Lesung "Frieda"

So fing´s damals an: 1. Bauer-Salon mit Anderl Lechner, Fany Kammerlander (Cello) und Franziska Eimer (Harfe) bei der Lesung "Frieda"

Er trug seinen Monolog “Frieda” vor, die Lebensgeschichte seiner Münchner Mutter, begleitet von der Cellistin Fany Kammerlander und der Harfenistin Franziska
Eimer. Also, was soll ich sagen … die Salon-Taufe war ein voller Erfolg! Dass der Bauer-Salon danach ins Koma fiel, muss allein der Salon-Bäuerin angelastet werden, die ständig in der Theaterlandschaft herumkurvt und nie Zeit hat. Aber jetzt ist sie wieder voller guter Vorsätze, welche durch die erfolgreiche aushäusige Reanimation des Salons aufs Schönste genährt werden.

Die Künstler des 2. Bauer-Salons: Minas Borboudakis und Kerstin Specht

Die Künstler des 2. Bauer-Salons: Minas Borboudakis und Kerstin Specht

Kerstin Specht und Minas Borboudakis ist es zu verdanken, dass es eine richtig professionelle, absolut hochkulturelle Veranstaltung wurde.

Minas Borboudakis, Jahrgang 1974, ist ein griechischer Komponist und Pianist, der bei seinen klangexperimentellen Schöpfungen auf antike Tonsysteme und altgriechische Muster ebenso zurückgreift, wie er mit Atonalität, elektroakustischen und perkussiven Elementen spielt. Er stammt aus Kreta, lebt aber seit vielen Jahren in München, wo ich ihn im Februar bei der Premierenfeier von Peter Eötvös´ Oper “Die Tragödie des Teufels” kennen lernte.

Minas Borboudakis in Aktion

Minas Borboudakis in Aktion

Beim Salon habe ich ihn zum ersten Mal live spielen hören – und spielen sehen: eine Wucht! Ich meine das im umfassenden Sinn des Wortes. Was – und auch: wie – er spielt, ist ungeheuer expressiv und intensiv, und er hat dabei die Körperspannung eines Raubtiers. Die zwei Eigenkompositionen, die er äußerst temperament- und kraftvoll zum Besten gab, tragen die Titel “Zykloiden I ” und “Palindromia”. Zwei Hammerstücke, nicht leicht eingängig, aber extrem fordernd und eindringlich.

Kerstin Specht, lesend

Kerstin Specht, sich vorbereitend

Kerstin Specht, die – wie ich – aus Oberfranken kommt und mit Stücken wie “Lila”, “Amiwiesen” und “Das glühend Männla” bekannt wurde, kenne ich als Theaterkritikerin natürlich schon länger. Wir waren vor vielen Jahren sogar mal gemeinsam mit einer Künstler- und Journalistengruppe der Bundeszentrale für politische Bildung in Israel unterwegs. Beim Salon las sie aus ihrem neuen, noch nicht uraufgeführten Stück “Odysseus!”, das sie zusammen mit Manolis Manussakis entwickelt hat, dem Wirt der bekannten Schwabinger Taverne Kalypso (dem Stammrestaurant von Dieter Dorn).

Kerstin Specht mit Manolis Manussakis, mit dem gemeinsam ihre "Odysseus"-Paraphrase entwickelt hat.

Kerstin Specht mit Manolis Manussakis, mit dem sie ihre "Odysseus"-Paraphrase entwickelt hat.

Das Stück ist eine lakonisch-melancholische Fortschreibung des Mythos aus heutiger Sicht. Es beginnt, wenn der Titelheld nach Ithaka zurückgekehrt ist. 20 Jahre war er weg – wie soll man da an frühere Zeiten, an die frühere Liebe anknüpfen können? Der gealterte Odysseus hält sich auch gar nicht lange bei und mit Penelope auf, sondern bricht gleich wieder auf: erst in einen vermeintlichen zweiten Frühling mit Helena, seinem Jugendschwarm, und dann weiter in die Illusionslosigkeit, in die Banalität der Realität und noch weiter bis zum Nordpol des Herzens.

Salon-Gast Sepp Bierbichler

Salon-Gast Sepp Bierbichler

Die Ruhe und nüchterne Klarheit, mit der Kerstin Specht diesen Text über das Altern von Menschen und Gefühlen vortrug, erzeugte einen schönen, trägen, die Geschichte sanft tragenden Fluss, auf dem man nicht nur den abgewrackten Odysseus, sondern auch so manch eigene Hoffnung dahinplätschern sah … Das hat sie wirklich gut gemacht.

Dass – rein zufällig – auch Sepp Bierbichler in der Aurora Bar vorbeischaute und dann zum Salon-Programm blieb, hat mich sehr gefreut, kann man sich ja denken.

Yep! So ungefähr stell ich mir das mit dem Salon vor. Austausch, Vernetzung, Geselligkeit, kreatives Beisammensein – alles ganz zwanglos, in lockerem, stilvollem Ambiente, und es kommen: gute Leute (ins Gespräch).

Anatol Regnier mit seiner Frau Anja

Anatol Regnier mit seiner Frau Anja

Salon-Gast war – neben vielen guten Freunden und einigen Kollegen – auch der Schriftsteller und Gitarrenprofessor Anatol Regnier, der Enkel von Frank Wedekind. Er hat über seinen Großvater die Biografie “Frank Wedekind – eine Männertragödie” geschrieben und auch ein Buch über Tilly Wedekind und ihre Töchter veröffentlicht, ein charmanter Herr mit feiner Ausstrahlung.

Und es war, last but not least, auch mein ehemaliger Dozent Hans-Martin Schönherr da, Professor für politische Philosophie an der LMU. Er, der mich durch seinen eigenen “philosophischen Rau(s)chsalon” überhaupt erst auf die Idee mit dem Kultursalon gebracht hat, ist Gründungsmitglied und Spiritus Rector des Bauer-Salons.

Dank an alle, die da waren und den Abend mit ihrer Anwesenheit belebt und bereichert haben. Es soll auf alle Fälle weitergehen.

Es lebe die Salon-Kultur!

02.09.10 | 19:01 | Preview | Schönheit | Kommentare 4 Kommentare

Bei der Modenschau von Gabriele Blachnik

Blachnik-Titel

Meine erste Live-Modenschau respektive “Fashion-Show”: Vorstellung der Herbst-/Winter-Kollektion von Gabriele Blachnik in der alten Kongresshalle auf der Münchner Theresienhöhe. Alte Kongresshalle? Kannte ich gar nicht. Der Taxifahrer sagt: Da hat Strauß früher die CSU-Parteitage abgehalten. Ach so, deshalb.

Blachnik-Schriftzug

Großer Andrang. Bisschen “Sex and the City”-Feeling. Zwei der Fotografen, die ich kenne, wollen mich gleich auf einen Presseplatz weisen. Aber nein danke, ich bin heute ganz privat da – rein als mode- und eventinteressierte Frau und Freundin von Elke Reichart, welche wiederum Stammkundin bei Gabriele Blachnik ist und mich und Gila dazugeladen hat.

Freundinnen: Gila Kesten, Elke Reichart

Freundinnen: Gila Kesten, Elke Reichart

Elke Reichart – Journalistin, Publizistin und als Frau des Herzchirurgen Bruno Reichart auch Charity-Lady – steht (allerdings falsch geschrieben) sogar auf der “VIP Liste” in der Pressemappe, welche ich mir am Ende dann doch noch geholt habe. Dort sind des weiteren aufgelistet (unter anderen): Beckenbauer Sybille; Glas Uschi & Herrmann Dieter; Janson Hella & Horst; Kiechle Marion & Marcel Reif; Kühnemann Ann-Kathrin; May Michaela; Reiber Caroline; Riekel Patricia; Sägebrecht Marianne; Sixt Regine; Speidel Jutta … Tragen offenbar alle Blachnik – und kriegen mit Sicherheit ihre Rabatte.

1. Reihe: "Bunte"-Chefin Patricia Riekel im Aperol-Sprizz-farbenen Bolero. Die Dame links neben ihr ... weiß ich jetzt nicht mehr.

1. Reihe: "Bunte"-Chefin Patricia Riekel im Aperol-Sprizz-farbenen Häkel-Bolero. Die blonde Dame links ... weiß ich jetzt nicht mehr.

Es ist alles eine große Inszenierung, insofern bin ich hier als Theaterkritikerin genau richtig. Und die vielen gelifteten Damengesichter erinnern mich sofort an Salzburg … Habe mich in ein neues braunes Kleid mit luftig-seidigem Übermantel geschmissen (von Luisa Cerano), gekauft für die Salzburger Festspiele, dort aber dann doch nicht getragen, weil ich mich zu fett gefühlt habe. Das bin ich eigentlich immer noch … und jetzt sogar noch sehr viel mehr, nachdem ich all diese superschlanken, superlangbeinigen, superjungen Superfrauen direkt vor meiner (wahrscheinlich auch noch viel zu großen) Nase habe auf und ab defilieren sehen. Oh Mann. Das ist einigermaßen frustrierend. Einerseits. Es ist aber natürlich auch sehr schön anzusehen … so ästhetisch, kunstvoll – modellhaft schön.

Blachnik – nicht unbedingt ein junges, hippes Label (ich sage nur: Uschi Glas!) – wollte diesmal offenbar besonders unkonventionell und modern erscheinen. Daher (als Idee) der Bruch mit den Sehgewohnheiten: hier ein Model, das deutlich kleiner ist als die anderen langbeinigen Grazien, dort eines mit Übergröße. Vor allem das XL-Model (Größe 42, nehme ich mal an, wenn nicht Größe 44) erregte einige Ahs und Ohs!

Das XL-Model

Das XL-Model

Einmal musste es, wie mir meine Freundinnen hinterher indigniert berichteten, am Ende des Laufstegs besonders “sexy” die Brüste rotieren lassen und sich auffordernd in die Hüften schmeißen … was ich, ehrlich gestanden, gar nicht gesehen habe, weil ich damit beschäftigt war, ein nicht verwackeltes Foto für diesen Blog hinzukriegen (was mir aus der dritten Reihe – sitzend – leider nicht so richtig gelungen ist, wie man sehen kann). Daher kann ich auch nicht behaupten, dass dieses dralle Üppig-Model “vorgeführt und benutzt” worden sei, wie meine Freundinnen Elke und Gila befanden. Ich fand es ja erst mal gut, dass da eine Big-Size-Frau daherkam. Allerdings blieb sie völlig alleine in der Riege der Magermodels – und war insofern auch bloß wieder eine Alibifrau und weniger ein Statement. Richtig mutig war das nicht.

Rat Pack-Verschnittkunst

Rat Pack-Verschnittkunst

Ansonsten: (Geschlechter-)Klischees as usual … Als die drei männlichen Models antanzten – die Fernsehgesichter John Friedmann, Michael Mendl und Dave Kaufmann (angeblich bekannt als “Supertalent 2010″) – kam als musikalischer Einspieler gleich mal James Browns “Sex Machine”, und die Männer durften nicht nur viel ungezwungener, unkonventioneller laufen und ein wenig Spaß machen und Dynamik ins Spiel bringen, sie durften auch das Gardemaß unterschreiten (John Friedmann wirkt eher klein) und älter bzw. alt sein (Michael Mendl ist 66!). Sie machten auf Rat Pack, Angeber und Super-Macho und spielten anzüglich grinsend mit der Zigarre im Mundwinkel. Und dann machten sie spielerisch die Dralle an. Auf dem Kopf hatten sie Retro-Hüte von Zechbauer, für den sie gerade eine Werbekampagne machen.

Rot kommt wieder - und zwar verschärfter, als es hier scheint

Rot kommt wieder - und zwar wesentlich verschärfter, als es hier auf meinem Wackelfoto scheint

Wie diese Hüte hergestellt werden, nämlich in mühevoller Detail- und Handarbeit, war in einem der (recht kunstvoll und witzig gemachten) Schwarzweiß-Kurzfilme zu sehen, die zwischendurch auf der rückwärtigen Videoleinwand unter dem Motto “Handwerk” eingespielt wurden: Impressionen aus der großen Modewerkstatt, Einblicke ins Nähkästchen – Werbefilme für die an der Schau beteiligten Kosmetik- und Schmuckhersteller, denn ein Kleid alleine macht noch keine Schönheit, da braucht´s vom richtigen Make-up bis zur getunten Hochsteckfrisur ein ganzes Bataillon von Handwerkern, Polierern und Modellierern. Was für ein Aufwand! Aber auch eine Kunst.

Auch die Gesichtsmalerei gehört zur Schönheitskunst

Auch die Gesichtsmalerei gehört zur Schönheitskunst

Und die Mode selbst? “Femin und selbstbewusst. Ein Tribut an die neue Weiblichkeit”, sagt Frau Blachnik. “Viel zu kurze Hot-Pants. Wer soll die tragen?”, sagt Frau Dössel. Noch dazu im Winter! Es sind aber sehr schöne, schmeichelnde Kleider dabei, fließende, seidige Stoffe, gefällige Muster, dezente Farben. Vieles wirkt tatsächlich tragbar. Paar gute Mäntel darunter, und damit meine ich ganz sicher nicht den Pelz! Insgesamt: alles sehr edel und elegant, angelehnt an den Stil der 50er Jahre, daher auch die Swing-Musik während der Show.

Selber schön: "Bunte"-Kolumnistin Marie Waldburg

Selber schön: "Bunte"-Kolumnistin Marie Waldburg

Von Preisen war auf der Schau natürlich keine Rede. Preise will ich jetzt auch gar nicht wissen. Elke sagt: Die Blachnik wird immer teurer. Nun ja. Muss man sich leisten können … und wollen. Manche müssen sich´s wohl auch leisten müssen. Im Publikum sitzen Herrschaften, von denen man weiß, dass ihnen in diesen Krisenzeiten das Wasser zum Teil auch schon bis zum Bauch, wenn nicht bis zum gestrafften Hals steht. Aber an diesem Abend zählt der schöne Schein und bestimmt das Bewusstsein.

21.07.10 | 17:55 | Ausgezeichnet! | Festivitäten | Kommentare 0 Kommentare

Kulturempfang im Münchner Volkstheater

Empfang-Dekollete

Alle Jahre wieder zur Sommerzeit lädt der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Kulturempfang, und jedesmal wieder stellt sich vielen Menschen aus der K.-u.-K.-Szene (Künstler und Kreative) die Frage, warum der oder die eine Einladung bekommen hat, sie oder er aber nicht. Wo wir doch alle so kreativ sind! Rätselhafte Gästelistenwahl … Aber nur so bleibt´s wohl spannend.

Alle lauschen Ude

Alle lauschen Ude

Noch immer das In-Getränk: Aperol Sprizz - aber schon geht der Drink "Hugo" in Konkurrenz, ein Holundersirup-Weinschorle-Mix.

Noch immer das In-Getränk im Sommer: Aperol Sprizz - aber schon geht der Drink "Hugo" in Konkurrenz, ein Holundersirup-Weinschorle-Mix.

Geladen wurde diesmal in den Garten des Volkstheaters und der angeschlossenen Restauration, die passenderweise “Volksgarten” heißt und nicht nur als Restaurant, Bar und Lounge, sondern auch wegen der extrem gut aussehenden (und auch noch unglaublich freundlichen) Kellner sehr zu empfehlen ist.

Volkstheater-Intendant Christian Stückl war leider nicht zugegen, weil er in Salzburg ja die Wiederaufnahme des “Jedermann” proben muss,  aber es dürften ihm die Ohren geklingelt haben, so sehr, wie Ude ihn gelobt und die guten Auslastungszahlen seines Hauses hervorgehoben hat. Aber der OB hat in diesem Fall ja recht. Stückl – und das sind jetzt meine Worte – ist einfach ein Glücksfall für das Volkstheater, und für Oberammergau, wo er schon zum dritten Mal die Passionsspiele inszeniert hat,  ist er gar ein Segen. Die Oberammergauer sollten jeden Tag drei Vaterunser beten aus Dankbarkeit, dass sie ihn haben, statt ständig gegen ihn zu intrigieren …

Der Architekt Peter Lanz erhält von Oberbürgermeister Ude die Medaille "München leuchtet" in Gold.

Der Architekt Peter Lanz erhält von Oberbürgermeister Ude die Medaille "München leuchtet" in Gold.

Dem Architekten Peter Lanz, dem man seine 80 Jahre nun wirklich nicht ansieht, wurde bei dem Kulturempfang die Medaille “München leuchtet” in Gold verliehen. Für einen Berliner wie ihn – er lebt und wirkt allerdings seit seinem 21. Lebensjahr in München und hat das moderne Gesicht der Stadt architektonisch mitgeprägt – eine ganz große Sache, Lanz zeigte sich auch entsprechend gerührt. Kulturreferent Hans-Georg Küppers kam selber zwar nicht zu Wort, wurde aber von Ude mit dem Satz zitiert: “München ist selbst bei Regen noch schöner als Hamburg oder Berlin bei Sonne” – was Ude als Beleg für die “beängstigende Integrationskraft Münchens” sah, ist Küppers doch ein Zugereister aus Bochum.

Ließ sich schon mal blicken, wenn auch nur kurz: Johan Simons, der neue Intendant der Münchner Kammerspiele, der am 7. Oktober startet. An seiner Seite: Interims-Ko-Chefin Christiane Schneider.

Ließ sich schon mal blicken, wenn auch nur kurz: Johan Simons, der neue Intendant der Münchner Kammerspiele, der am 7. Oktober startet. An seiner Seite: Interims-Ko-Chefin Christiane Schneider.

Was gab´s sonst? Johan Simons, der künftige Intendant der Kammerspiele, schaute kurz vorbei, leger wie immer, war aber auch schnell wieder weg. Muss wahrscheinlich proben (sein Start ist am 7. Oktober) – und er kennt ja auch noch keinen. Die immer originelle Petra Perle, Wirtin im Turmstüberl des Valentin-Karlstadt-Musäums, hatte ihr Pracht-Dekolleté mit Stickern bestückt (siehe Foto) und gab keine Ruhe, bis man sie ihr abpflückte. Der meinige trägt die Aufschrift: “Normale Menschen machen mir Angst”. Hm. Könnte vielleicht was dran sein.

Petra Perles Pracht-Dekolleté: mit vielen Stickern vor der Hütt´n - und der Aufforderung, sich einen zu pflücken.

Petra Perles Pracht-Dekolleté: mit vielen Stickern vor der Hütt´n - und der Aufforderung, sich einen zu pflücken.

Mehrere Schriftsteller gesichtet. Zum Beispiel Uwe Timm, Tilman Spengler, Friedrich Ani, aber nur wenige Schauspieler. Die meisten Menschen kannte ich überhaupt nicht … Wer in dieser Stadt nicht alles Kultur schafft! Meist bleiben die einzelnen Szenen auch bei so einem Empfang wieder unter sich – das vermischt sich nicht wirklich. Vom Theater war hauptsächlich die freie Szene vertreten, in der ich reise- und feuilletonjobbedingt kaum mehr engagiert bin. Viele von denen lange nicht mehr gesehen. Meine Güte, wie alt wir alle geworden sind! Man kennt sich jetzt seit fast zwanzig Jahren, manche kennen sich noch länger … und entweder gibt es keine neuen Jungen oder sie wurden nicht eingeladen. Oder wollen die etwa nicht kommen und hecken irgendwo etwas ganz Krasses, Anarchisches aus? Jedenfalls, das muss gesagt werden: Der Kulturempfang ist tendenziell recht brav und überaltert.

Stelldichein der Münchner Kulturszene

Stelldichein der Münchner Kulturszene

Mir fehlten ein bisschen die Originale, die schrillen Typen und Outfits. Aber dann war ich lange mit dem Tanzwerkstattmeister Walter Heun im Gespräch, der seit letztem Jahr das Tanzquartier Wien leitet, und der lobte die Münchner Lockerheit. Er sagte, so ein Kulturempfang wäre in Wien gleich eine viel steifere, offiziösere Angelegenheit, und ich ahne: Der Heun hat recht. Das ist schon ganz gut so in München, sehr lässig und gelassen. Mehr schreibe ich jetzt auch nicht dazu, sondern lasse einfach ein paar Bilder sprechen.

Schauspieler Jochen Striebeck mit seiner Freu. Wer da in der Mitte durchlugt, ist der Architekt und Karikaturist Gabor Benedek.

Schauspieler Jochen Striebeck mit seiner Frau. Wer da in der Mitte durchlugt, ist der Architekt und Karikaturist Gabor Benedek.

Künstlerecke - mit Martin De Mattia (links) vom Künstlerduo M + M und Klaus von Gaffron, der mit dem Hut

Künstlerecke - mit Martin De Mattia (links) vom Künstlerduo M + M und Klaus von Gaffron, der mit dem Hut

Links von mir: der Schriftsteller Friedrich Ani, rechts: Daniela Weiland (Bayerisches Fernsehen / Literatur und Kunst) und Sabine Rinberger, Chefin des Valentin-Karlstadt Musäums)

Links von mir: der Schriftsteller Friedrich Ani, rechts: Daniela Weiland (Bayerisches Fernsehen / Literatur und Kunst) und Sabine Rinberger, Chefin des Valentin-Karlstadt Musäums.

Grandes Dames der Münchner Theaterszene: Cornelie Müller (Büro für Angelegenheiten) und Anette Spola, (TamS-Chefin)

Grandes Dames der freien Münchner Theaterszene: Cornelie Müller (Büro für Angelegenheiten) und Anette Spola (TamS-Chefin)

Tanzproduzent Walter Heun mit der Kultur-PR-Frau Ute Armanski

Tanzproduzent Walter Heun (neuerdings beruflich in Wien) mit der Kultur-PR-Frau Ute Armanski

Theaterexperimentator Manfred Killer (i-camp)

Theaterexperimentator Manfred Killer (i-camp)

Immer attraktiv: die Volksgarten-Bar(keeper)

Immer attraktiv: die Volksgarten-Bar(keeper)

München leuchtet ... sogar nachts

München leuchtet ...

Da war der Chef schon längst gegangen: Marc Gegenfurtner, persönlicher Mitarbeiter des Kulturreferenten Küppers

Da war der Chef schon längst gegangen: Marc Gegenfurtner, persönlicher Mitarbeiter des Kulturreferenten Küppers

Mein lieber SZ-Kollege Franz Kotteder mit dem Schauspieler Arthur Klemmt (bei dessen Namen ich mir nie den Scherz verbieten kann: Ein Mann, ein Satz) und der Theaterleiterin Angelika Fink (PATHOS transport).

Mein lieber SZ-Kollege Franz Kotteder (Mitte) mit dem Schauspieler Arthur Klemmt (bei dessen Namen ich mir nie den Scherz verkneifen kann: Ein Mann, ein Satz) und der Theaterleiterin Angelika Fink (PATHOS transport).

Schön war´s, spät war´s - und jetzt Schluss

Schön war´s, spät war´s - und jetzt heim

17.07.10 | 14:42 | Festivitäten | Kollegialitäten | Kommentare 0 Kommentare

SZ-Sommerfest

SZ-Sommerfest-Titel

Urlaub vorüber, das Zeitungsgeschäft hat mich wieder. Noch gibt es sie ja, die gute alte SZ als Printmedium, sogar mit neu gewähltem Chefredakteur (ab Januar 2011: Kurt Kister), und da schau an: Die Theaterkritik haben sie auch noch nicht abgeschafft!

Am Donnerstag gab es gleich mal das SZ-Sommerfest, nun schon zum zweiten Mal im neuen Hochhaus in Berg am Laim. Früher, als wir noch in der Sendlinger Straße waren, hieß es “Hoffest” und wurde von den Azubis im Innenhof des alten Verlagsgebäudes organisiert. Hoffest kann man es nicht mehr nennen, weil wir ja keinen richtigen Hof mehr haben, sondern … ähm, eine Plattform, einen Ein- bzw. Zugangsbereich oder allenfalls einen Vorhof, halt dieses Pflaster zum Hochhaus, das wir einfach nur “draußen” nennen (“Gehn wir raus?”) – eigentlich die einzige wirkliche Freigangmöglichkeit zwischen Autobahn, Dachser LKW- und Gleisgelände, zumindst bei schönem Wetter.

Das Wetter war schön, die Event-Abteilung hatte Bierbänke aufgestellt und alles mit Sonnenblumen dekoriert, es gab Freibier und Gegrilltes, und auch die “Schwuhplattler”, die schwulen Schuhplattler, sind mal wieder aufgetreten. Der Weißwein versiegte zwar schon gegen zehn (und mein Kollege Johan behauptet, er versagte auch) – aber a bissl wos geht bekanntlich immer (noch). Hier mein kleines Foto-SZenario:

12.07.10 | 11:15 | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick IV: Bergwandern am Taubenstein

Blog-Taubenstein

Es gibt nichts Besseres, um sich seine München-Gefühlssicherheit zurückzuholen, als in die Berge zu fahren. Die liegen tatsächlich vor der Haustür, und ihre Schönheit, kombiniert mit der Tatsache, dass sie so leicht zu haben ist – ohne

Du und die Kuh

Ene mene muh, die Kuh ... bist Du!

Urlaubsbuchung, ohne Flug in ein fernes Land, ohne aufwändige Planung -, ist jedesmal wieder unfassbar.

Man braucht nicht einmal ein Auto, man nehme einfach nur die BOB, das ist – zur Erklärung für alle Uneingeweihten – die Bayerische Oberlandbahn, die vom Hauptbahnhof München auf drei Strecken ins Alpenländische vordringt: nach Lenggries, Tegernsee und Bayerischzell.

Egal welche Richtung, überall ist´s schön

Egal welche Richtung, überall schön

Sie ist an vielen schönen Wochenenden schon am frühen Morgen gestopft voll, und ich habe mir erzählen lassen, dass es schon zu regelrechten Kämpfen mit jenen Fahrgästen gekommen ist, die mit dem Rad unterwegs sind und damit den Fußwanderern zu viel Platz wegnehmen. Da soll es vor Abfahrt am Hbf München sogar schon zu Polizeieinsätzen mit der “Räumung” von Radlern gekommen sein. Blog-Blumenwiese

Wer es aber schafft, mit der BOB ins Alpenvorland vorzustoßen und gegebenenfalls noch den Bus nimmt, dem stehen die Berggipfel frei zur Auswahl. Ich war mit meiner Freundin Caco unterwegs. Unser Ziel an meinem letzten Urlaubstag: der Taubenstein. Und zum Essen – sehr wichtig! – noch rüber zum Rotwandhaus, weil da die Küche so gut ist.

Blick vom Rotwandhaus

Blick vom Rotwandhaus

Bayerische Bilderbuchfamilie (mir unbekannt, nicht gestellt - das gibt´s hier wirklich und tatsächlich)

Bayerische Bilderbuchfamilie (mir unbekannt, nicht gestellt - das gibt´s hier wirklich und tatsächlich)

Zur Zeit wird das Rotwandhaus renoviert, und es gibt nur eine Behelfsküche, aber selbst die lässt sich nicht lumpen – überhaupt ist und tut essen nirgends so gut wie oben aufm Berg, nach einer mehrstündigen, schweißtreibenden Wanderung.

Auch die Stille da oben, durchzogen nur vom Säuseln des Windes und dem Klingklang der Kuhglocken, ist eine ganz besondere, großartige, hoheitsvolle. Sie in sich aufzunehmen, befreit total.

Bei 34 Grad schwitzt man so einiges weg. Deshalb sind wir am Ende zur Abkühlung schnell noch in den Spitzingsee gesprungen.

Und wen sehe ich da, als wir an der Uferpromenade zu unseren Sachen zurückliefen? Julian Nida-Rümelin mit Ringellöckchen und Badehose, malerisch hingegossen auf einer Bank am Seeufer, in geradezu griechisch-antikischer Denkerpose, mit einem Diktaphon in der Hand, in welches er in deutlich vernehmbarer Lautstärke etwas Bioethisch-Philosophisches sprach – seinen nächsten Vortrag wahrscheinlich. Hach ja, wen die Berge nicht alles inspirieren.

Aber schon ärgerlich, dass ich da grade meinen Fotoapparat nicht zur Hand hatte … das Bild war gar zu schön.

09.07.10 | 10:51 | Festivitäten | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick III: Sommerfest Stadtmuseum

Stadtmuseum-Plakat

Meine letzte Urlaubswoche neigt sich dem Ende zu, und noch immer gebe ich mir nach den Aufenthalten im Sächsischen und Brandenburgischen den speziellen München-Kick. Gestern, beim Sommerfest des Stadtmuseums und des dazugehörigen Cafés, war das gleich ein richtiggehender München-Flash: Prä-Oktoberfeststimmung, Maßkrüge, Dirndl, Lederhosen. Mit Live-Voixmusik, aufgspuit vom “Niederbayerischen Musikantenstammtisch”.

Stadtmuseum-Blasmusi

Minga at its very best. Ich mit Trägertop und Sommerröckchen komplett underdressed. Aber seit wann trägt man denn Dirndl zum Stadtcafé-Sommerfest?

Ach so: Das trachtlerische Outfit vieler Gäste war der neuen Ausstellung im Stadtmuseum geschuldet, die bei diesem Sommerfest mit der obligatorischen Ude-Einlage und einer weiteren Rede der neuen Stadtmuseumsdirektorin Isabella Fehle eröffnet wurde: “Das Oktoberfest 1810-2010″ – eine Ausstellung zur Jubiläums-Wiesn.

Stadtmuseum-Tanz

Da ich erst um neun eingeradelt bin und mich dann gleich festgequatscht habe, habe ich leider nicht nur die neue Direktorin, sondern auch den Rundgang durch die Ausstellung versäumt. Als ich rein wollte, haben sie gerade zugemacht. Aber ich hab wenigstens das bescheuerte Plakat fotografiert, siehe oben. Das gelbe Kautschuktier hielt ich auf den ersten Blick für einen von einem Lebkuchenherzen verdeckten Gummi-Quietsch-Elefanten – aber es handelt sich bei näherer Betrachtung um ein Hendl.

Stadtmuseum-Sommerfest

Weil ich doch neulich den Schumann´s-Garten im Hofgarten so gelobt habe: Der Innenhof des Stadtcafés darf in dieser Hinsicht nicht ungerühmt bleiben, gehört er doch ebenfalls zu den schönsten gastronomischen Sitzplatzoasen unserer kleinen Stadt, und als die Süddeutsche noch im Zentrum zuhause war, da, wo eine Zeitung hingehört, da verbrachten weiß Gott viele SZ-ler hier ihren Feierabend … und so manche feucht-fröhliche Stunde danach. Wir befürchteten ja schon, das Stadtcafé würde ohne uns eingehen, aber, nun ja – jetzt muss man froh sein, wenn einen die Kellner noch kennen und der nette Paul einem ein Freibier ausgibt.

Servusheimat

Minga, I mog di. Mit all deinem Hendl-Herzerl-Devotionalienkitsch. Und die Oktoberfest-Ausstellung schau ich mir auch noch an. Aber das hat Zeit – draußen lockt der Sommer.

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