Die Pflege der japanischen Gedichtform ist Ehrensache in diesem lyrikaffinen Blog und hat auch schon einen kleinen Fankreis. Dazu gehört mein geschätzter Landsmann, der fränkische Dichter Fitzgerald Kusz. Heute mailte er zwei Frühlings-Haikus, extra für diesen Blog. Es sei dies “der Versuch einer lyrischen Winteraustreibung”. Danke, lieber Fitzgerald Kusz! Auch ich habe die Schnauze voll vom Winter und habe heute früh schon mal die Radl-Saison eröffnet.
Clint Eastwood hat eine poetische Ader, in “Million Dollar Baby” und “The Bridges of Madison County” hat er Gedichte von William Butler Yates verwendet. Sein neuer Film handelt von Nelson Mandela -- da finden Wahrheit und Dichtung sozusagen zueinander, der Film heißt nach Mandelas Lieblingsgedicht, “Invictus”, von William Ernest Henley.
Die letzten Zeilen haben in den Trailer gefunden.
Aber das ganze Gedicht, das Henley, 1902 gestorben, geschrieben hatte, als er krank war, ist natürlich noch schöner -- Mandela hat es während seiner Inhaftierung immer wieder rezitiert. Und es passt auch besser zu Mandela als zu dem rechtsextremistischen Terroristen Timothy McVeigh -- der Attentäter von Oklahoma City -- , der eine handgeschriebene Kopie just dieses Gedichts vor seiner Hinrichtung als letztes Statement hinterlassen hat.
Invictus
Out of the night that covers me,
Black as the Pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.
In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.
Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find, me unafraid.
It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll.
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.
In unserer kleinen lyrischen Reihe zur Förderung der japanischen Gedichtform heute ein Weihnachts-Haiku meines fränkischen Landsmannes Fitzgerald Kusz (eines, das die klassische Haiku-Form in aller Gemütsruhe sprengt):
in dä warmä boodwannä hoggn
„here comes the sun“ vo di beatles horng
und enn schdernlässchbeiä oozindn
Hochdeutsche Roh-Übersetzung:
in der warmen badewanne sitzen
“here comes the sun” von den beatles hören
und eine wunderkerze anzünden
Der Dramatiker Werner Fritsch ist zweifellos kein Japaner, sondern ein waschechter Oberpfälzer. Aber als dichtender Naturfreund verfasst er sehr gerne Haikus in klassischer japanischer Form, die er dann per Mail verschickt. Sein neuestes sei hier weitergegeben: 17 Silben, die dem Sommer nachwinken.
Herbst-Haiku
Zaunkönigflügel
Zwischen Holunderdolden
Der Sommer fliegt fort