06.02.11 | 11:19 | Haiku | Kommentare 0 Kommentare

Winteraustreib-Haiku

Es geht voran. Dieser Blog regt sich wieder. Einige Ereignisse aus dem Januar werde ich dieser Tage noch nachholen. Jetzt muss ich erst mal nach Mannheim. Danke nochmals für alle guten Zusprüche!

Und auch Fitzgerald Kusz kommt wie gerufen, um mit einem seiner herrlichen Franken-Haikus den Winter auszutreiben – und diesen Blog lyrisch zu bereichern.

Schön, lieber Herr Kusz, dass Sie auch noch dabei sind. Dangschää nach Franggn. Grüßen Sie mir die Heimat.

fitzgerald kusz:

windäausdreib-haiku

hobb, lichd, laichd!

ohne mein schaddn

gäihi ned assm haus

Hochdeutsche Rohübersetzung:

los, licht, leuchte!

ohne meinen schatten

geh ich nicht aus dem haus

22.12.10 | 22:34 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 0 Kommentare

Schnee-Haiku

Es wird Zeit für ein fränkisches Schnee-Haiku, das Fitzgerald Kusz schon vor längerer Zeit geschickt hat.

Ich hab ihn inzwischen ja tatsächlich getroffen, den netten Herrn Kusz, und zwar bei ihm zuhause in Nürnberg, wo er in einem Reihenhaus nahe der monströsen Bundesagentur für Arbeit lebt. Im November ist im neu eröffneten Nürnberger Theater Kusz´ neues Stück “Lametta” uraufgeführt worden, auf Fränggisch, versteht sich. War aber nicht so toll. Und weil ich das auch geschrieben habe, war Herr Kusz ein bisschen beleidigt. Aber nur kurz. Und jetzt sind wir wieder gut. Daher hier nun das schöne Schnee-Haiku von ihm. Und demnächst, sobald ich ein bisschen mehr Zeit habe, erzähle ich hier drin auch noch von meinem Hausbesuch.

fitzgerald kusz

inn ganzn dooch schnäi!

ä maadlä schdreckd di zungä raus

fängd schnäifloggn

Hochdeutsche Rohübersetzung:

den ganzen tag schnee!

ein mädchen streckt die zunge raus

fängt schneeflocken

05.11.10 | 20:37 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 0 Kommentare

Goldnä-Okdoobä-Haiku

Fitzgerald Kusz hat wieder für diesen Blog gedichtet:

Der goldene Baum ("goldnä Baam") vor meinem Balkon

Der goldene Baum ("goldnä Baam") vor meinem Balkon

ein “ultimatives Haiku-Kondensat zum Goldenen Oktober”, wie er in aller Bescheidenheit schreibt, “gewissermaßen die Quint-Essenz aller Herbst-Gedichte. In der wortkargen Poesie der Franken”. Sabberlodd! Von so viel Selbstbewusstsein kann sich so mancher Franke was abschneiden.

Danke, Herr Kusz – ich glaube, wir lernen uns jetzt bald mal kennen. Ich gedenke, zu Ihrer Uraufführung am 14.11. nach Närmberch zu kommen. Rechnen Sie mit mir.

Fitzgerald Kusz

goldnä-okdoobä-haiku

ach, däi armä bläddä!

wäi schäi´s aa senn:

alle mäins falln


Rohübersetzung:

goldener oktober-haiku

ach, die armen blätter!

wie schön sie auch sind:

alle müssen fallen


27.09.10 | 22:44 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 0 Kommentare

Herbst-Haiku

Grüß Gott, liebe Blog-Leser,

ich war ein wenig abgetaucht (Sonne tanken auf Kreta :-) … und kaum zurück, führte mich mein erster theaterkritischer Einsatz in der neuen Saison vier Tage lang in den Ruhrpott: zur Spielzeiteröffnung in Bochum, von der ich heute erst zurückkam), ich bitte um Nachsicht und um Verzeihung für die lange Pause.

Aber jetzt geht´s wieder los: das Theater und überhaupt! Jetzt kommt der Herbst, und wer jetzt (noch) kein wärmendes Gedicht hat, sollte seiner Seele schleunigst ein lyrisches Winterquartier bauen. Hier kommt zur Einstimmung schon mal ein neues Franken-Haiku von Fitzgerald Kusz, “eben erst geschrieben”, wie er in seiner Mail versichert. Das gibt es NUR IN DIESEM BLOG! Die hochdeutsche Rohübersetzung hat Herr Kusz diesmal vorsichtshalber gleich selber mitgeschickt, nicht ohne kritisch festzuhalten, dass die Übersetzung mal wieder beweise, “wie unpoetisch das Hochdeutsche” eigentlich sei: >>Wenn man die in der Hochsprache unüblichen Diminutiva “lä” bei ”käfälä” und “breddlä” weglässt, ist das Haiku so gut wie gestorben!<<

Hm, stimmt schon irgendwie. Es geht halt nichts über das Fränggische. Welch eine Poesie allein in diesem “ä” liegt! Dankschää, Herr Kusz!

fitzgerald kusz

herbst-haiku

ä junikäfälä affm fensdäbreddlä

du bisd obbä schbeed droo:

dä summä is vobei


Hochdeutsche Roh-Übersetzung:


ein junikäfer auf dem fensterbrett

du bist aber spät dran:

der sommer ist vorbei

28.08.10 | 19:12 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 1 Kommentar

Nach-dem-Urlaub-Haiku

Fitzgerad Kusz ist aus dem Urlaub zurück – und fragt sich: Was bleibt?

Seine Antwort kommt in fränkischer Haiku-Form per E-Mail aus Nämberch (=Nürnberg).

Willkommen zurück, Herr Kusz! Wir haben Sie schon vermisst.

drei schdaa vo drei inseln

und mei schreibdisch

is es meer


Hochdeutsche Rohübersetzung:

Drei Steine von drei Inseln

und mein Schreibtisch

ist das Meer

(aus: fitzgerald kusz,

der vollmond über nämberch

die besten gedichte aus 40 jahren

ars vivendi, cadolzburg 2009)

20.07.10 | 17:52 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 0 Kommentare

Urlaubs-Haiku

Was wäre dieser Blog ohne die saisonale Haiku-Zulieferung des fränkischen Dichters Fitzgerald Kusz!  Heute schickte er “mit herzlichen Sommergrüßen” ein Urlaubs-Haiku: “Für die kleine Pause zwischendurch. Für alle Daheimgebliebenen und – bleibenden.” In vierzehn Tagen, schreibt er, sei er wieder im Lande.

Übrigens, weil ich gelegentlich darauf angesprochen werde: Der Herr Kusz und ich kennen uns nicht persönlich. Noch nicht. Bisher funktioniert unser Kontakt rein über die Lyrik-Schiene in diesem Blog, und vielleicht auch ein bisschen über das “Frängische”.

Etzadla obba aufgebasst:

urlaubs-haiku

zimd aff di apflschnidz

aung zou bamm essn

dann bisd in griechenland


Rohübersetzung:

Zimt auf die Apfelschnitze

Augen zu beim Essen

und du bist in Griechenland

21.06.10 | 14:50 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 0 Kommentare

Juni-Haiku

Allmächt! Der freundliche Frankendichter Fitzgerald Kusz aus Närmberch (vulgo Nürnberg) hat schon letzte Woche ein Juni-Haiku vorbeigeschickt, und ich, da seit einer Woche im Urlaub, habe es zu spät gemerkt … T´schuldigung. Jetzt wird es hier aber ganz schnell nachgeholt. Und zwar von Läp´zsch aus (vulgo Leipzig), wo ich eine Woche lang das “Theatertreffen deutschsprachiger Schauspiel-Studierender” begleiten werde … und zwar, ja ja, als Jurorin.

juni-haiku

nach basho

schmeddäling, sei frouh:

wennsd singä könnäsd

kummäsd in käfig

Hochdeutsche Rohübersetzung:

Schmetterling, sei froh

Wenn du singen könntest

Kämst Du in den Käfig

21.04.10 | 18:04 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 1 Kommentar

April-Haiku

Da hat doch tatsächlich Fitzgerald Kusz wieder ein fränkisches Haiku geschickt, das ich soeben erst entdecke. Fast wäre es in der roten Flut meiner noch (längst) nicht bearbeiteten E-Mails von letzter Woche untergegangen, was absolut schade gewesen wäre, denn es ist saukomisch – allerdings, wie er selber hinzufügt: >>nahezu unübersetzbar<< (ich werde es trotzdem nachstehend versuchen). Es ist jedenfalls ein Haiku, >>in dem sich das fränkische rollende “R”  voll entfalten kann<<. Danke, lieber Kusz, wie schön! Vor allem das Wort “Fregga” macht mir augenblicklich gute Laune.

april-haiku

schau nauf däi wambäddn wolkn

anne wambäddä wäi di andä

däi freggä gehm kann rouh bis reengd


Völlig unzureichende Rohübersetzung:

Schau hinauf, die bauchigen Wolken!

Eine bauchiger als die andere.

Die Früchtchen geben keine Ruhe, bis es regnet.

24.03.10 | 10:45 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 4 Kommentare

Frühling, ja du bist´s

Foto: ddp

Foto: ddp

Jetzt aber!!! Der Frühling hat nicht nur kalendarisch begonnen, sondern tatsächlich Einzug gehalten, was zuletzt ja kaum mehr zu erwarten war.  Hier nun also, wie versprochen, mein Lieblings-Frühlingsgedicht, das eigentlich ein Frühling-geht-in-den-Sommer-geht-in-den-Herbst-Gedicht ist, weshalb es auch “Jahreszeiten” heißt (wobei es den Winter schlichtweg unterschlägt). Es ist von Karl Krolow. Ich liebe es schon seit langem und kann es auswendig — finde ja, dass jeder ein paar Gedichte auswendig können sollte …

Jahreszeiten

Jeder Frühling beginnt mit Übertreibungen.

Wie atemlos dieses Rascheln. Ein Farbstift

wird unruhig, und ein Staatsstreich kommt

aus der Luft, die Marseillaise

der Vögel – ein unwiderstehlicher Text.

Über Nacht kennt ihn jeder. Früher seufzte man,

man hatte mehr Zeit.

Heute ist alles rasch und endgültig grün.

Danach das ruhige Rauschen:

Der Sommer.

Vorbei die vertauschte Prinzessin / der bittere Faulbaum.

Das alles wurde bedichtet. Doch

nun schützt sich ein jeder, so gut er kann,

vor dem Durst.

Und der Traklsche Herbst

/ fängt an.

Karl Krolow

15.03.10 | 11:05 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 0 Kommentare

März-Haiku

Der geschätzte Fitzgerald Kusz hat noch mal ein fränkisches März-Haiku geschickt. Es ist sehr luftig und frühlingshaft charmant, wie man nachstehend lesen kann. Aber: Es geht leider komplett an der gegenwärtigen Wetterlage vorbei!!! Ich weiß ja nicht, wie es in Nürnberg ist und ob es tatsächlich die Amsel ist, die da singt (war es nicht vielleicht die Nachtigall???) … hier in München jedenfalls ist der Winter mit all seinem Gematsche zurück. Heute schneit´s mal wieder, es ist gar garstig, und weiter will ich dazu nix mehr sagen.

Nichtsdestotrotz, hier das März-Haiku des Frankendichters:

hobb, raus assm bedd
reiß alle fensdä auf:
di amseln singä widdä

Hochdeutsche Übersetzung:

los, raus ausm bett
reiß alle fenster auf:
die amseln singen wieder

P.S. Wenn der Frühling endlich da ist, veröffentliche ich in diesem Blog mein absolutes Jahreszeiten-Lieblingsgedicht. Aber erst dann!

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