21.01.10 | 13:18 | Dichtung & Wahrheit | Kino | Kritikerlust | Preview | Kommentare 0 Kommentare

Unbezwingbar

Clint Eastwood hat eine poetische Ader, in “Million Dollar Baby” und “The Bridges of Madison County” hat er Gedichte von William Butler Yates verwendet. Sein neuer Film handelt von Nelson Mandela -- da finden Wahrheit und Dichtung sozusagen zueinander, der Film heißt nach Mandelas Lieblingsgedicht, “Invictus”, von William Ernest Henley.
Die letzten Zeilen haben in den Trailer gefunden.

Aber das ganze Gedicht, das Henley, 1902 gestorben, geschrieben hatte, als er krank war, ist natürlich noch schöner -- Mandela hat es während seiner Inhaftierung immer wieder rezitiert. Und es passt auch besser zu Mandela als zu dem rechtsextremistischen Terroristen Timothy McVeigh -- der Attentäter von Oklahoma City -- , der eine handgeschriebene Kopie just dieses Gedichts vor seiner Hinrichtung als letztes Statement hinterlassen hat.

Invictus

Out of the night that covers me,
Black as the Pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find, me unafraid.

It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll.
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.

19.01.10 | 14:51 | Geht gar nicht | Kino | Kommentare 5 Kommentare

Mann trägt wieder Bart

Glückwunsch übrigens noch an Christoph Waltz! Dass der österreichische Schauspieler für seine SS-Rolle in Quentin Tarantinos “Inglourious Basterds” einen Golden Globe als bester Nebendarsteller bekam, ist natürlich eine feine Sache. Er hat sich bei der Preisverleihung ja auch gefreut wie ein Schneekönig und seine Dankesworte in bestem Englisch platziert. Aber – hilfe! – wie sah er denn dabei aus?! Woher plötzlich dieses Stoppelkinn?

Foto: afp

Waltz bei den Golden Globe Awards Foto: afp

Okay, es kann zwar sein, dass dieses Gesichtsgestrüpp keiner Geschmacksverirrung, sondern Waltz´ nächster Rolle geschuldet ist: In David Cronenbergs Verfilmung von Christopher Hamptons Theaterstück “The Talking Cure” wird er als Sigmund Freud vor der Kamera stehen. Aber grundsätzlich ist Waltz´ Kinnbehaarung ja wohl der augenfälligste Beweis dafür, dass sich der Schauspieler bereits bestens in Hollywood akklimatisiert hat. Das Role Model, dem er ganz offensichtlich nacheifert, ist kein Geringerer als George “Stachelbart” Clooney:

Clooney bei den Golden Globe Awards   Foto: AP

Clooney bei den Golden Globe Awards Foto: AP

Ohnehin war es die Siegernacht der graumelierten Stoppelträger. Auch Jeff Bridges, ausgezeichnet als bester männlicher Bartträger Hauptdarsteller für seine Rolle in “Crazy Heart”, konnte mit einem stattlichen – im Vergleich mit den anderen ziemlich stylishen – Exemplar aufwarten:

Jeff Bridges bei den Golden Globe Awards  Foto: AP

Jeff Bridges bei den Golden Globe Awards Foto: afp

All diese Barttrachten sind natürlich nur ein Gestoppel gegen den nachgerade göttlichen Rauschebart von Preisträger Michael Haneke (“Das weiße Band”), auch er ein Ösi wie Waltz – inzwischen fast schon mit der Anmutung eines alpenländischen Öhis:

Michael Haneke bei den Golden Globe Awards  Foto: afp

Michael Haneke bei den Golden Globe Awards Foto: afp

Und in Deutschland? Da versucht Harald Schmidt ja schon seit längerem, den Trend durchzusetzen. Bislang, gottlob, ohne größeren Erfolg. Woran´s wohl liegen mag?

Auch Harald Schmidt progagiert das Stoppelkinn.   Foto: ddp

Auch Harald Schmidt progagiert das Stoppelkinn. Foto: ddp

Ausgerecht Harald Schmidt war es, der 2005 in seiner “Focus”-Kolumne mit der Forderung “Bart ab!” gegen den damaligen Superstar der SPD Matthias Platzeck zu Felde zog: “Das mehrfach melierte Kurzgestrüpp in der unteren Gesichtshälfte von Matthias Platzeck geht gar nicht!”, schrieb Schmidt und schlug vor, Steinbrück solle da mal “mit dem Rasenmäher drübergehen”.

Schmidt weiter, in aller satirischen Glätte: “Wer Deutschland in die Zukunft führen will, sollte optisch unterscheidbar sein von einem Lyriker aus dem Kosovo, den die politischen Verhältnisse zum Gewerkschaftsidol gemacht haben. Ist wichtig, ehrlich, in unserer Mediengesellschaft.” Ja ja … aber was kümmert einen Spaßbartisanen schon seine Rasur von gestern.

07.01.10 | 15:50 | Kino | Theater | Kommentare 0 Kommentare

00Tschechow

Engländer sind seltsam, immer schon gewesen. Schneechaos? Totaler Zusammenbruch des öffentlichen Lebens? 700 Millionen Pfund wirtschaftlicher Verlust wegen Glatteis? Sieht man sich die Luftaufnahmen des im “Schneechaos” abgesoffenen Flughafens Heathrow an, wie alle Londoner Airports stundenlang geschlossen, fragt man sich, was in England los ist, wenn es mal richtig schneit; so ein Theater wegen der paar Flocken …
Es muss unbedingt ein Engländer her als Regisseur für den nächsten Bond! Wäre übrigens der erste seit Michael Apted den letzten richtig guten Bond-Film machte, “Die Welt ist nicht genug”. Im fernen, ebenfalls verschneiten Amerika, durch arktische Kälte zu ruhigen Abenden daheim verdammt, kommen die Bond-Produzenten also auf folgende grandiose Idee: Warum nicht Sam Mendes engagieren, die Theater- und “American Beauty”-Legende, damit er den 23. Bond-Film inszeniert? Ein hervorragender Gedanke. Wo in letzter Zeit 007 auch für den IQ des Autors hätte stehen können, plötzlich alle Voraussetzungen für einen intellektuellen Zweikampf zwischen Agent und Weltzerstörer. Man kann den Plot der letzten fünf Bond-Filme sowieso nicht nacherzählen, nicht mal, wenn man sie zweimal anschaut – hier gibt es also Spielraum für qualitative Entwicklung en masse. Der Film könnte mit einem theaternahen Spektakel beginnen, der Sprengung einer “Kirschgarten”-Premiere zum Beispiel, als kleiner Verweis auf Mendes´ersten Bühnenerfolg; oder vielleicht könnte ein suizidaler, von der Midlife-Crisis schwer gebeutelter Bond sich mit einem Superbösewicht anlegen, der gedroht hat, die gesamte Royal Shakespeare Company zu vernichten. Eine Neubesetzung von 007 wäre allerdings dringend angebracht, apropos RSC – Alan Rickman als neuer Bond und Wegweiser in eine elegantere Zukunft, und als Gegenspieler vielleicht Dame Maggie Smith, als ganz ausgekochtes Luder. Ach, herrlich!

16.12.09 | 18:52 | Geht gar nicht | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Von Frauen für Frauen?

Die Filmkritikerin der New York Times, Manohla Dargis, hat in einem Artikel das Thema Frauen in Hollywood sehr kompakt zusammengefasst – warum 2009 zwar, was Frauen und das amerikanische Kino betrifft, ein guter Jahrgang war, es aber trotzdem keinen Grund zum Jubeln gibt. Es gab in diesem Jahr eine ganze Reihe von Filmen, die für die wichtigen amerikanischen Filmpreise, Oscars inklusive, in Frage kämen, und Kathryn Bigelows ´The Hurt Locker` hat auch schon ein paar kleinere Auszeichnungen bekommen. Aber der erste Regieoscar für eine Frau ist wohl trotzdem noch weit weg.
Was Dargis aufgeschrieben hat, ist alles nicht neu – vor ein paar Jahren waren tatsächlich die Hälfte aller wichtigen Studiochefs Frauen, und es hat nichts genützt. Die Spielregeln für Frauen bleiben völlig andere. Dargis vergleicht Michael Mann und Kathryn Bigelow – wie lange man wegen eines Flops auf die Reservebank muss, ist offensichtlich unter anderem eine Frage des Geschlechts. Man könnte aber auch Elaine May mit irgendwem vergleichen, denn die hat, weil ihr ´Ishtar´in den Achtzigern absoff, nie wieder Regie geführt.

11.12.09 | 18:58 | Trouvaillen | Kommentare 0 Kommentare

Spötter

Männer sind doch unsolidarisch. Also, untereinander; uns gegenüber sowieso. Hätte Tiger Woods seine Frau wegen Untreue vermöbelt, würden die Feministinnen nämlich schon auf die Barrikaden gehen. So herum aber gibt es kein Quentchen Mitleid, bloß hämisches Gelächter.
David Letterman ist eigentlich in einer extrem schwachen Postion, wenn es darum geht, Witze über Tiger Woods´ außereheliche Eskapaden zu machen; er will ja bloß von seinen eigenen ablenken (die für den letzten amerikanischen Sexskandal herhalten mussten). Sich den Saubermann Tom Hanks als Verstärkung zu holen, ist …hinterlistig.

07.12.09 | 17:01 | Dies & das | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Ab in die Gender-Ecke

Das gabs noch nie – diesmal sind doch tatsächlich, zumindest im Vorfeld, drei Frauen im Gespräch für eine Nominierung für den Regie-Oscar. Jane Campion für „Bright Star“, eine feministisch poetische Annäherung ans Leben von John Keats; Kathryn Bigelow für den Irakkriegsfilm „The Hurt Locker“ ; und und Lone Scherfig mit „An Education“. Kämen alle drei durch, wären das soviele Frauen wie in der gesamten Oscargeschichte zuvor. Es sind nämlich seit 1927 überhaupt erst drei nominiert worden: Lina Wertmüller war mit Pasqualino Settebellezze 1975 die erste, 1992 dicht gefolgt von Jane Campion für „Das Piano“, und schon 2003 kam die vorerst letzte dran, Sofia Coppola, 2003, für „Lost in Translation”. Gewonnen hat natürlich noch keine.
Eine neue Studie belegt übrigens, das 2008 tatsächlich acht Prozent der 250 erfolgreichsten amerikanischen Filme von Frauen gemacht waren, immerhin zwei Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Als Variety eine Geschichte machen wollte über den Stand der Dinge, was Frauen als Filmemacher angeht , erwies es sich als extrem schwierig, Interviewpartner zu finden, weil ´in die Gender-Ecke gestellt werden`als sehr karrierebremsend gilt. Als würde man sich mit unvorsichtigen Äußerungen endgültig als Frau zu erkennen geben.

04.12.09 | 18:26 | Geht wieder | Kommentare 0 Kommentare

Online reanimiert

Ist einem das Kino in den Achtzigern mit der Filmzeitschrift Premiere ans Herz gewachsen, dann betrauert man ihr Verschwinden – ist schon einige Jahre her – immer noch. In Deutschland läuft die Auseinandersetzung mit dem Kino traditionsgemäß anders. Ein Filmmagazin, das die Filmindustrie als Industrie erkennt und trotzdem dem Autorenfilm huldigt, eines, das witzig ist und sinnlich und trotzdem nicht blöd, das sich ohne Bedauern darüber im Klaren ist, dass die Zuschauer Brad Pitt lieben, aber nicht notwendigerweise für seine Schauspielkunst, eines, das irgendwie elegant einen Balanceakt hinbekommt zwischen klug und glamourös – das hat es hier nie gegeben. Premiere war so, mit wunderbaren Essays und Reportagen (Peter Biskind, der Autor von Easy Riders, Raging Bulls gehörte zu den Stammautoren) – seufz. Der Versuch, online weiterzumachen, scheiterte. Und dann gab es da noch – Movieline. War nicht ganz so grandios wie die Premiere, aber ziemlich witzig und manchmal ein bisschen bösartig. Wurde aufgekauft, in ein Klatschmagazin umgemodelt und dann in diesem Jahr eingestellt. Aber hier gibt es jetzt auch einen hoffnungsvollen Versuch, im Netz an alte Zeiten anzuknüpfen. Die Überschrift “He Killed Da Rabbit” über der Meldung, dass Steven Spielberg sein Remake vom Jimmy-Stewart-Hasenfilm “Harvey” gekippt hat, klingt doch zumindest vielversprechend.

02.12.09 | 17:32 | Trouvaillen | Kommentare 0 Kommentare

Der ewige Misfit

Die Vergangenheit kommt manchmal so wunderschön unschuldig daher -- heute dürfen sich Hollywoodstars ja kaum beim Rauchen erwischen lassen, aber ein Star mit Joint, vor laufender Kamera? Gott bewahre! Es ist unlängst ein Stückchen Film aufgetaucht -- irgendwo auf einem Dachboden -- auf dem Marilyn Monroe, der ewige Misfit, zu sehen ist, in den Fünfzigern, und ja, das sieht schon verteufelt bekifft aus. Aber glücklicher und gelassener hat man sie nur selten gesehen….

11.11.09 | 16:53 | Trouvaillen | Kommentare 0 Kommentare

Kranke Clowns

Im Wahlkampf im vergangenen Jahr war die Unterstütztung für Obama aus Hollywood immens; hat sich inzwischen irgendwie gelegt. Kann das, was die US-Gesundheitsreform angeht, ernstlich daran liegen, dass Obamas Exunterstützer fürchten, selbst mit zur Kasse gebeten zu werden? Oder ist Obama bloß gerade nicht populär genug?

Es hat sich jedenfalls ein kleiner Club der Gesundheitsfans zusammengefunden, unter Führung  des Komikers Will Ferrell: