21.04.10 | 18:04 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 1 Kommentar

April-Haiku

Da hat doch tatsächlich Fitzgerald Kusz wieder ein fränkisches Haiku geschickt, das ich soeben erst entdecke. Fast wäre es in der roten Flut meiner noch (längst) nicht bearbeiteten E-Mails von letzter Woche untergegangen, was absolut schade gewesen wäre, denn es ist saukomisch – allerdings, wie er selber hinzufügt: >>nahezu unübersetzbar<< (ich werde es trotzdem nachstehend versuchen). Es ist jedenfalls ein Haiku, >>in dem sich das fränkische rollende “R”  voll entfalten kann<<. Danke, lieber Kusz, wie schön! Vor allem das Wort “Fregga” macht mir augenblicklich gute Laune.

april-haiku

schau nauf däi wambäddn wolkn

anne wambäddä wäi di andä

däi freggä gehm kann rouh bis reengd


Völlig unzureichende Rohübersetzung:

Schau hinauf, die bauchigen Wolken!

Eine bauchiger als die andere.

Die Früchtchen geben keine Ruhe, bis es regnet.

04.04.10 | 10:36 | Dies & das | Kommentare 2 Kommentare

Kritiken-Recycling im Blumenladen

War gestern zwecks Balkonbegrünung auf dem Elisabethmarkt und habe einige Pflanzen erstanden. Da wickelt der Blumenverkäufer die Ranunkeln doch glatt in eine Kritik von mir ein. Ich hab das sofort erkannt: Es war meine Thalheimer-Besprechung, Hebbels “Nibelungen”, DT Berlin, mit Foto von der schreienden Maren Eggert neben dem toten Siegfried, Überschrift “Der Mensch ist dem Menschen ein Säbelzahntiger”, SZ vom letzten Montag.

Ich zum Blumenhändler: “Lustig, Sie packen das gerade in einen Artikel von mir ein.” Da stockt der Mann und will vor Schreck (oder Respekt?) die Blumen gleich wieder auswickeln. “Nein, nein, machen Sie ruhig”, ermuntere ich ihn. “Ist ja gut zu wissen, dass meine Kritiken zu was nutze sind …”

Da sieht man mal wieder: Es lohnt sich in jeder Hinsicht, für den Erhalt der Zeitung auf Papier zu kämpfen.

24.03.10 | 10:45 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 4 Kommentare

Frühling, ja du bist´s

Foto: ddp

Foto: ddp

Jetzt aber!!! Der Frühling hat nicht nur kalendarisch begonnen, sondern tatsächlich Einzug gehalten, was zuletzt ja kaum mehr zu erwarten war.  Hier nun also, wie versprochen, mein Lieblings-Frühlingsgedicht, das eigentlich ein Frühling-geht-in-den-Sommer-geht-in-den-Herbst-Gedicht ist, weshalb es auch “Jahreszeiten” heißt (wobei es den Winter schlichtweg unterschlägt). Es ist von Karl Krolow. Ich liebe es schon seit langem und kann es auswendig — finde ja, dass jeder ein paar Gedichte auswendig können sollte …

Jahreszeiten

Jeder Frühling beginnt mit Übertreibungen.

Wie atemlos dieses Rascheln. Ein Farbstift

wird unruhig, und ein Staatsstreich kommt

aus der Luft, die Marseillaise

der Vögel – ein unwiderstehlicher Text.

Über Nacht kennt ihn jeder. Früher seufzte man,

man hatte mehr Zeit.

Heute ist alles rasch und endgültig grün.

Danach das ruhige Rauschen:

Der Sommer.

Vorbei die vertauschte Prinzessin / der bittere Faulbaum.

Das alles wurde bedichtet. Doch

nun schützt sich ein jeder, so gut er kann,

vor dem Durst.

Und der Traklsche Herbst

/ fängt an.

Karl Krolow

15.03.10 | 11:05 | Dichtung & Wahrheit | Haiku | Kommentare 0 Kommentare

März-Haiku

Der geschätzte Fitzgerald Kusz hat noch mal ein fränkisches März-Haiku geschickt. Es ist sehr luftig und frühlingshaft charmant, wie man nachstehend lesen kann. Aber: Es geht leider komplett an der gegenwärtigen Wetterlage vorbei!!! Ich weiß ja nicht, wie es in Nürnberg ist und ob es tatsächlich die Amsel ist, die da singt (war es nicht vielleicht die Nachtigall???) … hier in München jedenfalls ist der Winter mit all seinem Gematsche zurück. Heute schneit´s mal wieder, es ist gar garstig, und weiter will ich dazu nix mehr sagen.

Nichtsdestotrotz, hier das März-Haiku des Frankendichters:

hobb, raus assm bedd
reiß alle fensdä auf:
di amseln singä widdä

Hochdeutsche Übersetzung:

los, raus ausm bett
reiß alle fenster auf:
die amseln singen wieder

P.S. Wenn der Frühling endlich da ist, veröffentliche ich in diesem Blog mein absolutes Jahreszeiten-Lieblingsgedicht. Aber erst dann!

24.02.10 | 17:49 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 5 Kommentare

Zwei Frühlings-Haikus

Die Pflege der japanischen Gedichtform ist Ehrensache in diesem lyrikaffinen Blog und hat auch schon einen kleinen Fankreis. Dazu gehört mein geschätzter Landsmann, der fränkische Dichter Fitzgerald Kusz. Heute mailte er zwei Frühlings-Haikus, extra für diesen Blog. Es sei dies “der Versuch einer lyrischen Winteraustreibung”. Danke, lieber Fitzgerald Kusz! Auch ich habe die Schnauze voll vom Winter und habe heute früh schon mal die Radl-Saison eröffnet.


hobb frühlingswind blous

bis wech senn däi aldn

bläddä vom vägangänä joä

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