17.11.10 | 23:20 | Dies & das | Kritikerin unterwegs | Publikationen | Kommentare 1 Kommentar

Heimliche Zwillinge, von Geburt an getrennt

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Auf dem Titelbild der aktuellen “Mobil”, dem unverzichtbaren Fachmagazin aller Bahnreisenden, ist … ähm … wer gleich noch mal abgebildet?

Schon zweimal ertappte ich mich beim flüchtigen Draufgucken bei dem Gedanken, das sei Edmund Stoiber. – I mean … Stoiber, you remember?

Aber nein: Der im ungewöhnlichen Seitenprofil lachend abgelichtete Titelheld ist Harald Schmidt. – Harald Schmidt, you remember? Es gibt im Moment eigentlich rein gar keinen Anlass oder Bedarf, ein Interview mit Harald Schmidt zu lesen. Oder sollte ich mich da täuschen? Nun je, ich kann inhaltlich eigentlich gar nichts dazu sagen, denn ich habe das Interview tatsächlich nicht gelesen. Die Zeit ist knapp, das Titelbild langweilig, und man hat ja so viele andere Sachen zu lesen – gerade im Zug.

Ich habe das Heft zunächst einfach nur deshalb abfotografiert, weil es mir so unzeitgemäß stoiberhaft erschien …

Dann kam ich nach Nämberch, ins schöne Frankenland, und erlebte den auf Anhieb wahreren, erkennbareren Harald Schmidt: Klaus Kusenberg, Schauspielintendant am Staatstheater Nürnberg, ein Mann von echtem Schmidt-Muster.

Hier mal zum Vergleich:

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Zur Verdeutlichung: Links, das ist Klaus Kusenberg vom Theater in Nürnberg – rechts, das ist Harald Schmidt von Bahn Mobil, oder na ja: Schmidt mobil eben. Die Ähnlichkeit ist frappierend, und Kusenberg, von mir darauf angesprochen, muss beinahe gähnen, weil das für ihn nun wirklich nichts Neues ist. Mit Schmidt, sagt er, werde er schon seit Jahren verwechselt. Eine Zeit lang hätten sie eine fast identische Frisur gehabt, da sei es besonders schlimm gewesen. Aber er stehe da längst drüber.

Klaus Kusenberg

Klaus Kusenberg

Was man unbedingt zu Kusenberg anmerken muss: Er ist derzeit einer der glücklichsten Schauspieldirektoren Deutschlands, wenn nicht der allerglücklichste. Hat er doch in Zeiten, in denen anderswo Sparpakete in Millionenhöhe geschnürt werden (siehe aktuell: Bonn), ein super schönes, rundum erneuertes, technisch hochmodernes Haus hingestellt bekommen (siehe meinen Blog-Eintrag vom 26.10.), in dem man es jetzt theatermäßig mal so richtig krachen lassen kann. Süß, wie er sich freut.

Der “Mobil”-Titel mit Schmidt lautet übrigens: “Ich will kein Upgrade”. Ist ja echt mal eine Nachricht! Die kann das Nürnberger Theater aber kein bisschen jucken, denn das hat ja eins.

26.01.10 | 00:50 | Dichtung & Wahrheit | Literatur | Nicht verpassen | Kommentare 2 Kommentare

Frank Schätzing treffen in der Deutschen Bahn!

Der Autor Frank Schätzing hat jetzt endgültig den Durchbruch geschafft: Er ist auf dem Cover der aktuellen “mobil”, dem Magazin der Deutschen Bahn! Das könnte zu den 3,85 Millionen Käufern seines Bestsellers “Der Schwarm” noch einmal einen satten Schwarm von potentiellen Lesern seines neuen Romans “Limit” hinzubringen, ist es doch kaum möglich, seinem herausfordernden Beau-Blick vor halber Mondkugel auf einer längeren Zugfahrt zu entgehen.

Bahnmobil

Nichts gegen das Porträt des Schriftstellers von Christiane Winter; der Text ist bei aller Verwunderung darüber, “diesem schönen Mann plötzlich live gegenüberzustehen”, völlig okay. Im Editorial aber, wo sich die “mobil”-Redakteurin (und stellvertretende Chefredakteurin) an der Herzensseite des verehrten Schriftstellers mit bewunderndem Praktikantinnen-Blick vor dessen Apple-Notebook abbilden ließ, geht die Ergriffenheitspoesie doch mit ihr durch: “Hier hat er also gesessen”, schwärmt der Text. Gemeint ist der Eckplatz im vorderen Teil des Kölner Restaurants “Fonda”, wo Frank Schätzing einen Großteil seines neuen Mond-Thrillers “Limit” in guter alter Kaffeehaustradition geschrieben haben soll. Und auch Christiane Winter, so fährt der Text fort, “durfte beim Gespräch auf eben diesem hohen Stuhl sitzen und einen Blick ins Allerheiligste werfen: den Bauplan des Romans.” So was aber auch. Auf demselben Stuhl gesessen wie Frank Schätzing! In dessen Kölner Stammrestaurant!

Die Chancen stehen übrigens gut, in den folgenden Wochen in einem der DB-Züge auf demselben Platz zu sitzen, auf dem auch Frank Schätzing schon mal gesessen hat!!! Ja, vielleicht hat die eine oder andere Verehrerin sogar das Glück, im selben Abteil mit ihrem Schwarm zu fahren! Der supererfolgreiche, supergutaussehende und laut “mobil”-Porträt auch noch supernette (na gut: “Eine gewisse Eitelkeit gehört dazu …”) Schriftsteller tourt nämlich im Februar und im März mit der Deutschen Bahn durch Deutschland, um “Limit” vorzustellen – und zwar nicht in einer ordinären Lesung, sondern in einer ausgefeilten Multimediashow mit Filmausschnitten, kabarettistischen Einlagen, wissenschaftlichen Exkursen und einem von ihm selbst komponierten Soundtrack. Dieser Frank Schätzing! Entweder er ist der sagenumwobene Mann im Mond – oder einfach nur zu gut, um wahr zu sein.

Hier schon mal die Auftrittstermine – für die Streckenplanung:

24. Februar: Weimar, CCN Weimarhalle

25. Februar: Leipzig, Gewandhaus

28. Februar: Mannheim, Rosengarten

1. März: Frankfurt, Alte Oper

2. März: Nürnberg, Meistersingerhalle

3. März: Stuttgart, Liederhalle

7. März: Düsseldorf, Tonhalle

8. März: Hannover, Theater am Aegi

9. März: Berlin, Admiralspalast

10. März: Hamburg, Laeiszhalle

14. März: München, Herkulessaal in der Residenz

15. März: Dresden, Kulturpalast

17. März: Köln, Lanxess Arena

19. März: Bremen, Pier 2

20. März: Münster, Halle Münsterland

21. März: Dortmund, Konzerthaus

15.11.09 | 23:53 | Kritikerin unterwegs | Kommentare 1 Kommentar

Zug der Zeit

Wien, Hotel Regina. WLAN nur in der Lobby, und man muss dafür bezahlen. Sei´s drum. Ich muss unbedingt noch was zu einem meiner Lieblingsthemen loswerden: den Speisewagen. Ich bin ja eine große Anhängerin dieser kultivierten Form des Essens auf Rädern. Ich fördere den Speisewagen, sofern es ihn überhaupt noch gibt, durch regelmäßigen Konsum und trage so hoffentlich zu seinem Überleben bei. Auf meinen Theaterreisen reserviere ich meistens gar nicht erst einen Platz, sondern setze mich direkt in das „Bordrestaurant“, wie man das heute nennt, und verpflege mich auf diese zugegeben nicht ganz billige Weise. Und wenn das Angebot der deutschen Regionalspitzenköche des Monats mal wieder zu hausmannsköstlich ist … der Salat mit Thunfisch geht immer.

Dass der Speisewagen bei der Deutschen Bahn Zug um Zug zu einer Schrumpfform der Gattung verkümmert, bestehend aus vier ordinären Vierertischen, die aussehen wie Sitzplätze in einem ganz normalen Abteil, halte ich für ein Unding. Aber es gibt ja immer noch die Züge nach Wien – mit ihren herrlich altmodischen, atmosphärischen, ja geradezu klassisch stilvollen Speisewagen, in denen sich auch die österreichische Küche kein bisschen lumpen lässt. Und in denen man eine Melange serviert bekommt, die schmeckt. Tu felix Austria … in Österreich fängt die Essens- und Kaffeehauskultur halt schon mit der Anreise an.

Klassischer österreichischer Speisewagen, aufgenommen im Frühjahr auf dem Weg von München nach Wien. Der Herr rechts im Bild ist zufälligerweise Sepp Bierbichler.

Klassischer österreichischer Speisewagen, aufgenommen im Frühjahr auf dem Weg von München zu Schlingensiefs "Mea Culpa" in Wien. Der Herr rechts im Bild ist zufälligerweise Sepp Bierbichler.

Doch, ach, selbst das droht zu verkommen! Es gibt jetzt diese neumodischen „railjets“ der ÖBB, die sich „modernster Ausstattung, höchsten Komforts und eines zeitgemäßen Designs“ rühmen. Ich bin mit einem angereist, dem „railjet 67 München – Budapest“.  Es gibt darin ein Drei-Klassen-System: First, Premium, Economy. Wobei man in der Premium und First „Class“ (wer spricht denn noch von Klasse?) einen „Am-Platz-Service” des “railjet-Bordpersonals“ buchen kann (pay Service), während man in der „Economy  Class“ den „railjet-Trolleyservice“ in Anspruch nehmen kann: die mobile Snack-Verkäuferin. Ihre Kaffeepads-Maschine hat leider nur tröpfchenweise braune Brühe von sich gegeben. Das, was dabei als „Verlängerter“ herauskam, war eine Frechheit

Und der Speisewagen? Fehlanzeige. Stattdessen gibt es ein trostloses „railjet-Bistro“ mit dem Charme eines Postbank-Kundenzentrums.

Das Railjet-Bistro mit Take-Away-Service

Das Railjet-Bistro mit Take-Away-Service

Im „railjet“-Flyer heißt es dazu: „Unser Bistro bietet ein Self-Service-Restaurant und eine moderne Lounge für ein Steh- oder Sitz-in.“  Ähm … geht´s noch?

Manchmal hasse ich ihn einfach nur, den Zug der Zeit.

02.11.09 | 22:55 | Kritikerin unterwegs | Theater | Kommentare 3 Kommentare

Endlich: ein Anrechtsbüro!

Anrechtsbuero

Nanu, das ist ja mal was: ein Anrechtsbüro!!! Feine Sache, wie mir scheint.

Kann ich hier vielleicht mein Anrecht auf menschenwürdige Behandlung oder gar auf eine der Fahrkarte entsprechende Zugbeförderung mit der Deutschen Bahn einklagen? Ich meine gar nichts Überzogenes, nur: eine Bahnfahrt ohne Pannen und 40-minütige Verspätungen, ohne Kühlschranktemperaturen im Abteil und Scharen von stehenden Menschen in den Gängen heillos überfüllter Wochenend-Kurzzüge, eine Zugfahrt von A nach B, also von Abreise- zu Ankunftsbahnhof, ohne dass man zum Beispiel, von Dresden kommend, in Hof plötzlich willkürlich ausgeladen und in einen völlig anderen Regio-Express verfrachtet wird, auf den zu warten auf zugigem Bahnsteig einen die Kälte in die Glieder und die Verachtung in alle Nervenzellen treibt. Von den ausgeschütteten Stress- und Ärgerhormonen wegen der verpassten Anschlussverbindungen mal ganz zu schweigen … Anrechtsbüro – gibt es hier vielleicht jene neu eingeführten Entschädigungsbeantragungsformulare, die der Schaffner natürlich nicht dabei hat, sofern sich überhaupt ein Schaffner zeigt (auf den Chaos-Strecken können sie aufgrund der “außerfahrplanmäßigen Verzögerungen” leider nicht zusteigen, oder sie lassen sich vorsichtshalber gar nicht erst blicken, man fährt da völlig unkontrolliert)?

Anrechtsbüro – ist das die Lösung meiner Probleme? Ich meine gar nicht die hausgemachten, nur: die Umweltprobleme, diese aufgezwängten, weltgemachten. Die einen mitunter an den Rand der Verzweiflung und in die Misanthropie treiben. Gibt es ein Anrecht auf bessere Umstände – in der Arbeit wie bei der Deutschen Bahn? Oder vielleicht sogar in der gesamten Gesellschaft? Und wenn ja, liebes Anrechtsbüro, braucht man dafür ein Formular?

Gibt´s so was denn wirklich, ein “Anrechtsbüro”? Ja, doch: unter den Arkaden des Staatsschauspiels Dresden, wo mein Foto entstand. Man kann dort Abonnements für das Theater erwerben, Besucherservice garantiert. Es sind doch immer nur die Bretter, die notfalls die bessere Welt bedeuten  – und nicht einmal das mit Garantie.