Lena, twelve points
Lena, twelve points. Lena, douze points … Na, wer sagt´s denn! Herzlichen Glückwunsch, liebe Lena. Dann vertrete uns mal schön charmant und keck-prägnant in Oslo und gib uns wieder ein bisschen Stolz zurück! Beim Eurovision Song Contest musste man sich zuletzt ja nur noch für sein Land schämen. Das war schon nicht mehr zum Aushalten … Dieses Jahr am 29. Mai sind wir aber wieder dabei, versprochen! Und drücken für “Satellite” auch die Daumen. Schlecht ist der Song ja nicht, wenn auch nicht so unverwechselbar speziell wie seine Interpretin.
Das Schöne an Lena ist ja, dass sie so eigenwillig ist -- keines von diesen glatten 0-8-15-Glamour-Sternchen, wie man sie bei DSDS und auch sonst so gern in den Fernsehshows züchtet und protegiert. Lena hat Kopf und Charakter, zumindest wirkt sie so -- wie eine junge Frau mit Persönlichkeit (und bald auch mit Abitur). Schon die eher exzentrische Auswahl ihrer Songs war immer was Besonderes. Ihr Styling: stilvoll individueller Kreativ-Chic, nicht vordergründig auf Sex-Appeal und Primärreize ausgerichtet. Sie wirkt keck, cool, selbstbewusst, weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen. Sie ist keine von diesen hochgeschminkten Kreisch- und “I love you all”-Lieseln, die auf Big Star machen und ihre Idole eilfertig kopieren. Sie ist Lena Meyer-Landrut, Meyer mit “ey” (auch wenn sie aussieht wie die kleine Schwester von Nora Tschirner). Sie kommt aus Hannover und kann einen kuriosen British-English-Suburb-Akzent, mit dem singend zu kokettieren ihr hörbar Spaß macht. Überhaupt singt sie sehr kapriziös. Sie ist, kurzum, schon sehr bezaubernd, und sie versteht es, mit dieser originellen Kombi ein ziemlich breites Publikum zu mobilisieren, darunter, so denk´ ich mal, durchaus auch eine weniger fernsehaffine Kultur- und Intellektuellen-Klientel.
Schämen muss man sich am 29. Mai jedenfalls nicht für unseren Star aus Deutschland. Damit ist schon mal viel Land gewonnen.
Nachtrag vom 15.03, 15.35 Uhr:
Wie die Nachrichtenagentur ddp soeben meldet, hat Lena einen neuen
Charts-Rekord aufgestellt. Noch nie verkaufte sich nach Angaben von
Media Control ein Musik-Download innerhalb von drei Tagen so oft wie
das Siegerlied „Satellite“, mit dem die 18-Jährige in Oslo antreten wird. Zwischen Freitag und Sonntag verkaufte sich „Satellite“ demnach mehr als doppelt so häufig wie Lenas zweiter (eigentlich ja besserer) Song „Love Me“. Beide Songs machten zusammengerechnet fast die
Hälfte aller Top-Ten-Verkäufe bei den Download-Singles aus. Respekt!


