28.12.09 | 16:16 | Dies & das | Theater | Kommentare 0 Kommentare

Kräftige, schöne Männer gesucht!

Das Berliner Ensemble hat ein Problem, das viele Frauen nur zu gut kennen: Es sucht „kräftige und gut aussehende Männer“ im Alter von 18 bis 45 Jahren. Tja, liebes BE, leicht wird das nicht! Auch wenn das Einsatzgebiet der Supermänner hier stark beschränkt und klar umrissen ist: Sie sollen in Peter Steins Sophokles-Inszenierung „Ödipus auf Kolonos“ die Soldaten spielen. In der Titelrolle wird Klaus Maria Brandauer zu sehen sein.

Das Casting für die Soldaten-Rollen ist am 2. Januar um 19.00 Uhr. Treffpunkt ist im Gartenhaus des Berliner Ensembles – das klingt zwar nach einem lauschigen Stelldichein, aber wer den Miesepeter Stein kennt, weiß: Er kann durchaus den Dieter Bohlen!

Die Proben für die Statisten sind den Angaben des Theaters zufolge in der Zeit vom 15. Juni  bis 8. Juli 2010 und dann wieder ab 23. August im Berliner Ensemble. Die Berliner Premiere ist für den 25. August angekündigt. Zuvor kommt die Inszenierung bei den Salzburger Festspielen heraus (Premiere: 26. Juli auf der Pernerinsel).

Kontakt unter 030/28408-153 und statisten@berliner-ensemble.de

08.11.09 | 17:40 | Begegnung mit ... | Kino | Theater | Kommentare 4 Kommentare

Auf einen Kaffee mit Klaus Maria Brandauer

Klaus Maria Brandauer am Sonntag in der Espressobar Paulo, in der Münchner Türkenstraße.    (Foto: cd)

Klaus Maria Brandauer am Sonntag in der Espressobar Paulo in der Münchner Türkenstraße. (Foto: cd)

Heute vormittag habe ich in München Klaus Maria Brandauer getroffen. Während im Arri Kino sein Film “Georg Elser – Einer aus Deutschland” aus dem Jahr 1989 gezeigt wurde, saßen wir ein paar Häuser weiter in der sehr netten Espressobar “Paulo” in der Türkenstraße. Eigentlich wollte ich mir den Film über den Hitler-Attentäter Elser selber noch mal anschauen, auf großer Leinwand habe ich ihn noch nie gesehen; aber da Brandauer hinterher – nach einer Diskussion mit dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude – gleich wieder zum Flughafen und ich in die Redaktion musste und es sonst nur bei einem kurzen Hallo geblieben wäre, nahm ich seine spontane Einladung auf einen Kaffee gerne an. So oft sehen wir uns schließlich nicht, obwohl wir einander seit den vielen Gesprächen für die Biographie “Klaus Maria Brandauer – Die Kunst der Verführung” doch sehr liebgewonnen haben. Einfach war diese Annäherung wahrlich nicht, wir haben sie uns hart erstritten! In meinem Buch mache ich keinen Hehl daraus, wie schwierig Brandauer sein kann – und wie schwierig die Zusammenarbeit mit ihm oft war. Gerade was das moderne Regietheater angeht, haben wir doch sehr unterschiedliche Auffassungen …

Aber, hier sei es noch einmal gestanden: Ich mag und schätze ihn sehr! Und wenn Brandauer so gut aufgelegt ist wie an diesem Sonntag und auf seine saftige österreichische Art ins Erzählen kommt, ist er sowieso wunderbar. “Ist es nicht schön, auf der Welt zu sein?”, strahlt er mich und Ingolf Müller an, seinen früheren Assistenten, der auch mit dabei sitzt. “Ich freu´ mich so, dass ich lebe!” Klingt nach einem Mann, der rundum zufrieden ist mit dem, was er darstellt und tut. Und der sehr entspannt darob ist, nicht mehr so “dieses Karriere-Ding” im Kopf zu haben, endlich “durchschnaufen zu können”.

Läuft ja auch alles bestens bei KMB. Mit seinem Dorfrichter Adam, den er in Peter Steins Inszenierung von Kleists “Der zerbrochne Krug” am Berliner Ensemble spielt, gastierte er jüngst am Hamburger Schauspielhaus – zur Freude des Hamburger Publikums, das ihn mit einem begeisterten Klatschchor feierte (während Intendant Friedrich Schirmer gar nicht da war). Dabei hatte Brandauer anfangs schon befürchtet, die gackernden Hühner auf der Bühne würden ihm die Schau stehlen, sahnte das flatternd sich sträubende Federvieh doch gleich große Lacher und den ersten Beifall ab. Die nächste Inszenierung mit Peter Stein steht auch schon fest: “Ödipus auf Kolonos” von Sophokles kommt nächstes Jahr (in Koproduktion mit dem Berliner Ensemble) bei den Salzburger Festspielen auf der Pernerinsel heraus – 20 Jahre nachdem Brandauer auf dem Salzburger Domplatz seine letzte Vorstellung als “Jedermann” gegeben hat.

Und dann kommt ja auch bald schon (am 12. Dezember) der neue Coppola ins Kino. “Tetro” heißt der Film, der in Cannes vorgestellt wurde: eine in Buenos Aires angesiedelte Familiengeschichte in Schwarz-Weiß, in der Brandauer einen egomanischen Stardirigenten, den dominanten Vater zweier Söhne, spielt. Schon komisch, sagt Brandauer, kaum arbeite man mal wieder mit einem berühmten Regisseur wie Francis Ford Coppola, schon hagle es Angebote und Anfragen … und alle wollen von ihm wissen, wie es denn so sei, mit Coppola zu drehen, wann und wie sie sich kennen gelernt hätten und überhaupt …  “Das darf doch wohl nicht wahr sein!” – Brandauer lacht sein hochamüsiertes Mephisto-Lachen, wenn er sich lustig darüber macht, wie er jetzt plötzlich von vielen “entdeckt” zu werden scheint. Als habe er nicht schon viel größere Rollen in Hollywood gespielt. “Jenseits von Afrika”, “Das Feuerschiff”, “Das Russlandhaus”, sein James-Bond-Bösewicht in “Sag niemals nie” – alles vergessen?

Nein, keineswegs. Schon kommt ein Café-Gast auf Brandauer zu und bringt seine Verehrung für den Schauspielstar zum Ausdruck. Ganz besonders, sagt der Mann, liebe er den Film “Oberst Redl” . Das freut Brandauer, denn er hält “Oberst Redl” selber für seinen besten Film (gedreht hat er ihn, wie  “Mephisto” und “Hanussen”, mit seinem Freund István Szabo). Eigentlich, sagt Brandauer, nachdem er den Gast verabschiedet und dessen Töchterchen in die Wangen gezwickt hat, eigentlich würde er selber gerne mal wieder einen Film drehen. Er hat sich bereits vor Jahren die Rechte an Fernando Pessoas Buch “Der anarchistische Bankier” gesichert und zusammen mit Esther Vilar sogar schon mal eine Drehbuchfassung entwickelt – aber dann kam keine Finanzierung zustande, und naja, wie es eben so ist: Das Projekt blieb liegen. “Schade”, sagt Brandauer. Gerade jetzt wäre diese Verfilmung brandaktuell. Mit Pessoas Schlussfolgerung, dass der “wahre Anarchist” ein Bankier werden müsse, träfe sie absolut den Nerv der Zeit.

Und hier noch das Beweisfoto :-)

Und hier noch ein Beweisfoto :-)

Brandauer muss los zur Diskussion mit Ude – und dann gleich weiter nach Wien, wo er am Abend am Burgtheater aus Texten von Dietrich Bonhoeffer liest, dem evangelischen Theologen, der von den Nazis hingerichtet wurde. (Am Montag liest er Bonhoeffer auch in Berlin am BE). Am Burgtheater, seiner Hausbühne, ist Brandauer schon ewig nicht mehr aufgetreten, obwohl er Ehrenmitglied im Ensemble ist. Auf Lebenszeit, versteht sich. Ob es Pläne für Wien gibt – wo Brandauer, trotz einer neuen Wohnung in Berlin, nach wie vor lebt -, würde man ja schon gerne wissen … Hierzu nur so viel: Er ist mit Matthias Hartmann, dem neuen Intendanten, im Gespräch.

Später, da ist er schon in Wien gelandet, ruft Brandauer noch mal an: Die Diskussion über den “Elser”-Film sei ganz gut gewesen und Ude schwer in Ordnung, auch wenn er, Brandauer, sich nicht beim Handschlag mit dem OB habe fotografieren lassen (“Das ist doch hier kein Staatsbesuch!”). Ansonsten gelte, was bei solchen Diskussionen immer gilt: “Alle, die unserer Meinung sind, sind an Deck. Und die, die man eigentlich erreichen möchte, die erreicht man nicht.” Ein Film, sagt Brandauer, sei letztlich immer “ein Märchen”.  Zivilcourage müsse man schon auch noch anders einfordern als künstlerisch. Dann erzählt er noch, dass es während des Fluges heftige Turbulenzen gab. Er fliegt schon so nicht gerne – und dann auch noch diese Erschütterungen … Na, jedenfalls: Es ist gut gegangen, und er müsse noch einmal sagen: “Ich bin saufroh, dass ich lebe!”

05.11.09 | 18:50 | Kino | Nicht verpassen | Kommentare 5 Kommentare

Brandauer erinnert an Georg Elser

Klaus Maria Brandauer in "Georg Elser - Einer aus Deutschland " (Foto: dpa)

Sehenswert: Klaus Maria Brandauer in "Georg Elser - Einer aus Deutschland". Der Film über den gescheiterten Hitler-Attentäter kam 1989 in die Kinos. Jetzt gibt es eine restaurierte Kopie, die am kommenden Wochenende, zum 70. Jahrestag des Anschlags, in Berlin und München gezeigt wird. Foto: dpa

 

Wenn der Anschlag doch nur gelungen wäre, die deutsche Geschichte hätte eine andere Wendung genommen … Vor 70 Jahren, am 8. November 1939, explodierte im Münchner Bürgerbräukeller um exakt 21.20 Uhr die selbstgebastelte Bombe, mit der Georg Elser, der gelernte Schreiner aus dem württembergischen Hermaringen, Adolf Hitler töten wollte. Er hatte alles wochenlang minutiös geplant – und dann das: Hitler verlässt frühzeitig den Saal und entkommt dem Attentat um wenige Minuten.

Beim Versuch, in die Schweiz zu fliehen, wurde Elser noch am selben Abend verhaftet. Er kam ins KZ und wurde am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegende, in Dachau durch Genickschuss getötet. Lange Zeit war er ein vergessener Held, dem jede öffentliche Anerkennung als Widerstandskämpfer versagt blieb. Dass es sich bei dem Anschlag um die Tat eines Einzelgängers handelte – was heute in der Geschichtsforschung als unumstritten gilt -, wollten viele nicht glauben. Noch lange nach 1945 wurde Elser diffamiert und sein Handeln mit den verschiedensten Auftraggebern in Verbindung gebracht.  

Die Stadt München hat Jahrzehnte gebraucht, um Elser ein Denkmal zu setzen: Eine Lichtinstallation der Künstlerin Silke Wagner am Georg-Elser-Platz in der Maxvorstadt erinnert gerade mal seit einer Woche an den Widerstand dieses Mannes. Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer war da wesentlich schneller: Schon 1989 brachte er den Film “Georg Elser – Einer aus Deutschland” ins Kino, mit dem er sein Debüt als Filmregisseur gab. Den Titelhelden spielt er selber – mit einer wunderbaren, geradezu entsagungsvollen Zurückgenommenheit, die jeden erstaunen muss, der Brandauers Expressivität und seinen Drang ins Rampenlicht kennt. (An dieser Stelle möchte ich anfügen, dass ich Brandauer ganz gut kenne, weil ich eine Biographie über ihn geschrieben habe: “Klaus Maria Brandauer – Die Kunst der Verführung”.)

“Georg Elser” ist kein Dokudrama, sondern basiert auf dem Roman “The Artisan” von Stephen Sheppard, der sich fiktionale Freiheiten herausnimmt. So hat der Film-Elser zum Beispiel eine Freundin, die von ihm schwanger ist: die Kellnerin Anneliese, die als Bedienung im Bürgerbräukeller arbeitet (gespielt von Rebecca Miller, der Tochter von Arthur Miller). In der Rolle des Gestapo-Offiziers Wagner ist der amerikanische Schauspieler Brian Dennehy zu sehen. Auch Theaterkollegen wie Elisabeth Orth, Marthe Keller, Vadim Glowna und Hans Michael Rehberg hat Brandauer besetzt.

Es ist ein eindrucksvoller, angenehm unspektakulärer Film über einen einfachen, geradlinigen Mann, der keine großen Worte macht. Ein Film, der seine Kraft aus der Ruhe schöpft und ohne vorschnelle Erklärungsversuche auskommt. Ein Film, der so leise tickt wie die Uhrwerke, die der Eigenbrötler Elser in seiner Münchner Wohnung repariert, und der doch eine bedrohliche Sprengkraft hat.

Zum 70. Jahrestag des Attentats kommt der Film in einer restaurierten Kopie bei zwei Galavorstellungen wieder ins Kino: Am Samstag, 7. November, ist er in Berlin im Kino International zu sehen (13 Uhr). Am Sonntag, 8. November, wird er – in Anwesenheit Brandauers – im Münchner Arri gezeigt (11 Uhr). Des weiteren plant der Verleih novapool pictures bundesweite Sondervorführungen in Schulen und Bildungseinrichtungen.

“Einer musste es tun”, sagt Elser im Film. Und so heißt auch das Motto der Lesung, die Klaus Maria Brandauer am 9. November zur Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1939 im Berliner Ensemble gibt. Er liest aus den Briefen von Dietrich Bonhoeffer.