22.11.10 | 19:26 | Geht doch! | Premierenallerlei | Theater | Kommentare 0 Kommentare

Berlin ändert sich – zum Glück

An dem Abend, als Peggy Pickit das Gesicht Gottes gesehen hatte, sah Grand Old Johannes Schütz nicht die Hörner, die ihm der Spaßteufel Ulrich Matthes für dieses Foto aufsetzte.

An dem Berliner Premierenabend, als Peggy Pickit das Gesicht Gottes sah, sah Grand Old Johannes Schütz nicht die Hörner, die ihm Spaßteufel Ulrich Matthes aufsetzte.

Letzten Freitag, nach der Premiere von Schimmelpfennigs “Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes”, ist mir im Deutschen Theater Berlin meine Kamera abhanden gekommen. Ich hatte sie im Damenklo liegen lassen. Als ich den Verlust bemerkte und an Ort und Stelle nachschaute, war sie weg. Natürlich. Klar. War ja Berlin.

Berlin mag arm sein, aber Freibier nach der Premiere es nur hier, am Deutschen Theater, gesponsort von Berliner Kindl. Und das ist nicht das Berliner Christkindl!

Berlin mag arm sein, aber Freibier nach der Premiere gibt es nur hier, am Deutschen Theater, gesponsort von Berliner Kindl. Und das ist nicht das Berliner Christkindl!

Man hätte mich in meiner Aufgeregtheit, Wut und Verzweiflung fluchen und auf dieses Scheiß-Berlin schimpfen hören müssen, während ich, den Tränen nahe, alles absuchte und dann zum Pförtner eilte, um den Verlust anzumelden und – für alle Fälle – meine Telefonnummer zu hinterlassen. Die Hoffnung, meine Kamera könnte beim Pförtner abgegeben worden sein, hegte ich gar nicht erst. Ich meine: war ja Berlin. Da wird doch nichts abgegeben! Da klauen sie dir doch, wenn du nicht aufpasst, sogar deinen vollgekritzelten Notizblock oder deine Visitenkarten oder was weiß ich für nen Kram unter den Fingern weg.

Kollegen: Elke Buhr, Anke Dürr, Wolfgang Höbel, Peter Michalzik, Wolfgang Kralicek (von links)

Kollegen: Elke Buhr, Anke Dürr, Wolfgang Höbel, Peter Michalzik, Wolfgang Kralicek (von links)

Und es war ja auch tatsächlich beim Pförtner nichts abgegeben worden. Klar. Berlin eben. Ohweh, war ich bitter! In München, dachte ich und sagte es allen, die es nicht wissen wollten, in München würde das nicht passieren. Da würde das anders laufen. Da würde so eine auf der Damentoilette vergessene Kamera mit freundlichsten Grüßen an die Besitzerin abgegeben werden! In München hab ich letztes Jahr doch sogar die Einkaufstasche mit den Klamotten zurückbekommen, die ich in der S-Bahn hatte stehen lassen – ein Anruf bei der MVG genügte, um zu erfahren: Ja, die Tasche sei gefunden worden und könne am Ostbahnhof abgeholt werden. Muss man sich mal vorstellen!

Meine an diesem Abend zahlreich vertretenen Kritikerkollegen trösteten mich mit erbaulichen Weisheiten über das Hinnehmenkönnenmüssen  … und dass es sich ja “nur” um einen Fotoapparat handle, den man also nachkaufen könne – womit klar war, dass sie keinen blassen Schimmer von meiner innigen Beziehung zu meiner digitalen Canon haben.

Am Tatort Theater: Ulrike Folkerts, Georg Uecker

Am Tatort Theater: Ulrike Folkerts, Georg Uecker

Hätte ich sie doch bloß nicht rausgeholt an diesem Abend! Erst hatte ich ja auch gar keine Lust, Bilder zu machen. War viel zu sehr ins Gespräch verwickelt mit x Leuten, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte …  Berlin eben … war schon länger nicht mehr da.

Seit er hier alleiniger Juror bei den Autorentheatertagen war, geht auch FAZ-Filmkritiker Michael Althen ins DT. Bei der SZ saßen wir uns früher jahrelang am Schreibtisch gegenüber. Mensch, Michael, ich freu mich immer so, Dich zu sehen!

Seit er hier alleiniger Juror bei den diesjährigen Autorentheatertagen war, geht auch FAZ-Filmkritiker Michael Althen regelmäßig ins DT. Bei der SZ saßen wir uns früher jahrelang am Schreibtisch gegenüber. Mensch, Michael, ich freu mich immer, Dich zu sehen!

Aber dann entdeckte ich die an diesem Abend umwerfend aussehende Ulrike Folkerts (die ich mit langen Haaren erst auf den zweiten Blick als Ulrike Folkerts erkannte), und mein lieber Freund Georg Uecker fand, ich müsse ein Foto machen, welches er dann auch arrangierte. Tja, und bei dieser Gelegenheit hab ich dann auch gleich ein paar Kollegen abgelichtet, sieht man ja nicht alle Tage so viele auf einem Haufen.

Und wenig später war sie also weg, die Kamera. Und meine Laune auch. Und ich musste daran denken, dass und wie ich in Berlin schon zwei Mal bestohlen wurde. Und zwar so richtig: Tasche weg mit Geldbeutel, Ausweis, Kreditkarte und allem, wirklich allem. Einmal war´s im Kumpelnest – nun gut, solche zweifelhaften Orte sollte man, zumindest mit Allesdrin-Tasche, vielleicht besser meiden. Aber das andere Mal war´s im Foyer der Schaubühne! In der Schaubühne! Beim F.I.N.D.-Festival vor vielen Jahren! Eine Sauerei.

Nochmal die schöne Ulrike Folkerts, hier mit dem DT-Intendanten Ulrich Khuon

Nochmal die schöne Ulrike Folkerts, hier mit dem DT-Intendanten Ulrich Khuon

Ich bin also in dieser Hinsicht ein gebranntes … ähm … beklautes Kind und bitte meine Berlin-Frust-und-Schimpftirade vor diesem Hintergrund zu verstehen. Ohne einen Funken Hoffnung, einfach nur, um am Ende nichts unversucht gelassen zu haben, begab ich mich, bevor ich das DT zu verlassen gedachte, hinüber in die Bar des Kammerspiele-Foyers, wo die eigentliche Premierenfeier mit DJ und so stattfand, und fragte an der Bar nach, ob nicht vielleicht eine Digitalkamera …

Höret nun, liebe Leser, Freunde und Feinde, und staunet über die frohe vorweihnachtliche Botschaft: Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Meine Kamera war tatsächlich an der Bar abgegeben worden und wurde mir mit einer stummen, coolen Geste von einer jungen Barfrau überreicht. Ich war baff. Schlichtweg baff. Vor Freude kamen mir fast die Tränen. Wie großartig das ist, etwas verloren Geglaubtes zurückzukriegen. Was für ein schönes Gefühl! Was für ein gutes Zeichen das ja auch ist! Man bekommt sofort den Glauben an die Menschheit zurück. Und an Berlin!

Vor dem Fotoverlust ist nach dem Fotofund, oder so ähnlich ... Diese hier spendeten mir Trost (von links): Till Briegleb, Oana Solomon, Jürgen Berger, Christiane Kühl.

Vor dem Fotoverlust ist nach dem Fotofund, oder so ähnlich ... Diese hier spendeten mir Trost (v. l.): Till Briegleb, Oana Solomon, Jürgen Berger, Christiane Kühl.

Als ich mich, überglücklich, mit meiner just wiedererlangten Kamera umdrehte, standen da Ulrich Matthes und der Bühnenbildner Johannes Schütz, grinsend, als seien sie selber die Glückspilze, und gratulierten mir. Und so entstand das obige Foto mit den beiden. Für mich das reine Glückspilzbild.

Welche ehrliche Frau auch immer meine Kamera gefunden und an der Bar abgegeben hat: Ich danke ihr von Herzen und wünsche ihr ebensoviel Glück; wünsche ihr, dass die gute Energie, die sie erzeugt hat, auf sie selber zurückwirkt. Und auf die ganze schöne Stadt Berlin.

30.07.10 | 23:02 | Festivals | Kunstgeschehen | Premierenallerlei | Kommentare 0 Kommentare

Salzburger Festspiele (2): YDP-Empfang in der Galerie Ropac

Daniel Richter in der Galerie Thaddaeus Ropac. 15 Werke des deutschen Malers sind hier während der Festspiele ausgestellt - unter dem Titel "Spagotzen".

Daniel Richter in der Galerie Thaddaeus Ropac. 15 Werke des deutschen Malers sind hier während der Festspiele ausgestellt - unter dem kryptischen Titel "Spagotzen".

Es gehört zu den Gepflogenheiten bei den Salzburger Festspielen, dass die Edelfüllerfirma Montblanc, Sponsor der experimentellen Schauspielreihe Young Directors Project (YDP), zur Eröffnung des Projekts einen Weltstar nach Salzburg lädt. Der muss dann für sein zweifellos fürstliches Honorar jeweils ein paar Foto-und Promotion-Termine absolvieren, abends blitzlichtumflutet die YDP-Premiere im Republic besuchen und sich hernach beim obligatorischen Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac blicken lassen. Letztes Jahr wurde auf diese Weise Dita Von Teese zum Theaterbesuch verdonnert, 2008 das James-Bond-Girl Eva Green aus “Casino Royal”.

YDP-Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac

YDP-Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac

So ärgerlich es insbesondere beim Auftritt der Montblanc-Klunker-behangenen Eva Green war, dass sich schon beim Premierenapplaus alles nur noch um sie und nicht etwa um die Künstler drehte, so unauffällig schlich sich der diesjährige Stargast heran und wieder weg – wenn er die Aufführung von Jakop Ahlboms “Innenschau” denn überhaupt ganz angesehen hat: der US-Schauspieler Val Kilmer, der übrigens selber als Theaterschauspieler begann (sogar in klassischen Rollen wie Orest, Richard III. und Macbeth) und mich persönlich vor allem als Jim Morrison in Oliver Stones Film “The Doors” beeindruckt hat.

Galerist und Festspiel-Liebling Thaddaeus Ropac mit, nein, keiner Heilsarmeeschwester an seiner Seite, sondern der Brillen-Lady und Kunstsammlerin Inge Rodenstock.

Galerist und Festspiel-Liebling Thaddaeus Ropac mit, nein, keiner Heilsarmeeschwester an seiner Seite, sondern der Brillen-Lady und Kunstsammlerin Inge Rodenstock.

Auf die Salzburger Montblanc-PR-Tour schien er jedenfalls keine große Lust gehabt zu haben. Einen Promotion-Termin am Morgen muss der Schauspieler buchstäblich verschlafen haben, ins Theater sah man ihn am Abend nur kurz hineinhuschen (wer weiß, ob er nicht durch einen Hinterausgang gleich wieder rausgehuscht ist), und auf dem Ropac-Empfang nach der YDP-Premiere erschien er auch nicht. Dabei soll Val Kilmer ein ausgesprochener Kunstkenner sein, wie mir Ingrid Roosen-Trinks, die Direktorin der Montblanc Cultural Foundation, nicht unbeeindruckt erzählte. Sie traf ihn dereinst auf der ART Basel, wo die Idee entstand, ihn nach Salzburg einzuladen. Ob sie jetzt so glücklich mit ihrem Stargast war?

Ja! Das ist die Farben-, Frauen- und Festdirndlpracht von Salzburg.

Ja! Das ist die Farben-, Frauen- und Festdirndlpracht von Salzburg. Selbstverständlich Hautevolee.

Der traditionelle Empfang in der edlen Galerie von Thaddaeus Ropac, dieses bei den Festspielen und der feinen Gesellschaft so umtriebigen und allgegenwärtigen Kunst-Entrepreneurs (er ist auch Mitglied in der Jury des YDP), war jedenfalls nicht ganz so feierlich, promireich und glamourös wie in früheren Jahren. Der Gastgeber selbst kam erst spät, weil er an diesem Abend gar nicht in Jakop Ahlboms surrealistischer “Innenschau” im Republic, sondern in der Opernpremiere von Wolgang Rihms “Dionysos” war.

Auch dabei: das deutsche Künstlerpaar Eva & Adele

Auch dabei: das deutsche Künstlerpaar Eva & Adele

Da das Wetter trüb war, verlagerte sich die Feier auch nicht auf die schöne Terrasse der Galerie mit dem wunderbaren Blick auf den Mirabellgarten und den nächtlichen Mönchsberg. Ropacs Festspiel-Freundin Bianca Jagger huschte nur kurz durch die Menge und entschwand angeblich etwas derangiert nach oben (ich selbst habe sie gar nicht gesehen), und es hielt erstaunlicherweise auch niemand eine Rede.

Die lieben Kritiker-Kollegen aus Wien: Karin Cerny und Wolfgang Kralicek

Die lieben Kritiker-Kollegen aus Wien: Karin Cerny und Wolfgang Kralicek

Kollege Peter Kümmel von der "Zeit"

Kollege Peter Kümmel von der "Zeit"

Was aber immer wieder fasziniert, ist die Location an sich, dieses herrliche Barockpalais mit einer jeweils aktuell zur Festspielzeit frisch eröffneten Ausstellung (in diesem Jahr: Daniel Richter) – und Ropacs Gelassenheit, sie für einen Festspielempfang zu öffnen. Was ja bedeutet, das all die geladenen Menschen mit Sektgläsern und Semmelknödel-Schwammerl-Verköstigung oder mit diesem leckeren Kaiserschmarrn in der Hand durch die Galerieräume hatschen und die Kunstwerke jederzeit beschädigen, beschmieren, bekleckern könnten. Das zuzulassen , ist schon sehr cool.

Gila geht die Treppe hoch (sie ist meine Freundin), und das wirkt doch sehr malerisch.

Gila geht die Treppe hoch (sie ist meine Freundin), und das wirkt doch sehr malerisch.

Vor zwei Jahren war hier zur Festspielzeit Anselm Kiefers Zyklus “Maria durch ein Dornwald ging” ausgestellt, und ich sah Damen, die mit ihrer Feinstrumpfhose oder ihrem Tüllgewand im Dornengestrüpp einer Kiefer-Skulptur hängen blieben.

Dieses Jahr ist Daniel Richter bei Ropac ausgestellt. Er hat das Bühnenbild für Alban Bergs “Lulu” in der Inszenierung von Vera Nemirova geschaffen und ist damit also ein echter, “offizieller” Festspielkünstler.

Richter liebt knallige Farben, grüne Männchen und den Menschen in der Errettung aus rot glühendem Lavagestein (… oder sind die Figuren doch eher kurz vor dem Absturz?). Seine Bilder  – bei Ropac versammelt unter der kryptischen Überschrift “Spagotzen” – sind von einer kindlichen Naivität und zielen direkt auf das sensorische Langzeitgedächntnis. Aber das sind alles nur erste Eindrücke. So richtig erschlossen hat sich mir seine Arbeit noch nicht.

Ropac-Wurm-1

Wenn man in den ersten Stock der Galerie hochgeht, finden sich Werke weiterer Ropac-Künstler – etwa des von mir verehrten Erwin Wurm (siehe Foto rechts) oder auch von Tony Cragg, Stephan Balkenhol -, lauter tolle Sachen. Ist schon immer wieder beeindruckend, was und wen Ropac als Galerist alles versammelt.

Früher oder später trifft man sie in Salzburg alle - hier: Thomas Demand (links), Springer-Chef Mathias Döpfner (Mitte) und das Ehepaar Bettina und Thomas Oberender.

Früher oder später trifft man sie in Salzburg alle - hier: Thomas Demand (links), Springer-Chef Mathias Döpfner (Mitte) und das Ehepaar Bettina und Thomas Oberender.

Daniel Richter war an diesem Abend nur eingangs kurz zu sehen. Dafür war am Ende Thomas Demand da – und zwar in Begleitung von Springer-Chef Mathias Döpfner. Sie kamen von der “Dionysos”-Premiere. Auch für diese Oper hat ein Künstler das Bühnenbild entworfen: Jonathan Meese. Aber der kriegt noch einen eigenen Blog-Eintrag.

28.10.09 | 00:32 | Premierenallerlei | Theater | Kommentare 1 Kommentar

Premierenfeier auf dem Männerklo

Premierenfeier auf der Herrentoilette

Premierenfeier auf der Herrentoilette

Hier verpisst man sich zum Tanzen aufs Klo: Die Berliner Schaubühne hat ihre Premierenfeiern in die Herrentoilette im Untergeschoss verlegt. Getanzt wird auf Kacheln zwischen Waschbecken und Pissoirs. Keine Sorge: Da fließt kein Urin, sondern allenfalls Alkohol.

Der Schauspieler Lars Eidinger war im Frühjahr der erste, der als DJ spaßeshalber hierher auswich. Inzwischen hat die Schaubühnen-Leitung die Vorzüge der neuen Partyzone erkannt: Zwar ist das Herren-WC nun wahrlich kein stilles Örtchen mehr, dafür kann man sich oben, im Schaubühnen-Café, besser unterhalten. “Da verstand man doch oft sein eigenes Wort nicht mehr”, sagt Alt-Direktor Jürgen Schitthelm, den die laute Musik im Café sowieso immer nervte. Und die Beschwerden der Anwohner wegen Lärmbelästigung, die sei man mit der Klo-Lösung auch los.

Der Lokus als neue Location

Der Lokus als neue Location

Partyfeiern auf dem Abort ist natürlich Geschmackssache, und nicht jedem muss sich auf dem Lokus gleich der genius loci erschließen. Die Frage ist: Wo verrichten jetzt die Herren ihre Geschäfte? Letzte Rettung finden sie wahrscheinlich mal wieder nur bei den Damen.

24.10.09 | 16:34 | Premierenallerlei | Theater | Kommentare 1 Kommentar

Drei Schwestern suchen einen Regisseur

 

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler: drei großartige, immerschöne, sehr besondere Schauspielerinnen, die man schon deshalb nie so vergnüglich Seit an Seit sieht, weil sie sich selber so selten sehen. Sie haben noch nie miteinander in einem Stück gespielt, schätzen sich aber sehr und würden, wie sie sagen, ja schon gerne mal … Auf diesem Foto empfehlen sie sich als Tschechows “Drei Schwestern”. Was für eine Besetzung! Wer von den dreien nun Mascha, Olga und Irina ist, müsste noch ausgehandelt werden. Ein Regisseur wird sich ja wohl finden lassen.

Entstanden ist das Bild am Freitag, 23. Oktober, im Gartensaal des Münchner Prinzregententheaters am Ende der Gala “10 Jahre Suchers Leidenschaften”. Bei Bernd Suchers Literatur-Programm standen – oder besser gesagt: saßen – die drei Schauspiel-Diven als Vorleserinnen zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Mehr dazu in meinem nächsten Blog-Eintrag.

Hier muss es unbedingt noch um das Schuhwerk von Sunnyi Melles gehen. Die edlen schwarzen High Heels, die sie zum kleinen Schwarzen trug, tauschte die verheiratete Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein am Ende der Party gegen Gummistiefel in schreiendem Rosa aus. Mit ihrer Geisha-Applikation und dem Aufdruck “Kiss Death” sahen sie aus wie von einem Manga-Zeichner entworfen. Ganz falsch: Es sind Rain Boots von Ed Hardy. Frau Melles ist so begeistert davon, dass sie die Stiefel nicht nur ihren Kindern kauft, sondern auch selber trägt. Sehr schrill. Angela Winkler war derart fasziniert, dass sie vor ihrer Kollegin buchstäblich in die Knie ging, um Material und Aufdruck näher zu inspizieren.

 

Sunnyis Stiefel /       Fotos: cd

Sunnyis Stiefel / Fotos: cd

 

Wo man die drei Schauspielkünstlerinnen sonst sieht:

Sunnyi Melles gehört noch immer zum Ensemble von Dieter Dorn (früher Kammerspiele, seit 2000 Bayerisches Staatsschauspiel München) und glänzt im Residenztheater in Yasmina Rezas Erfolgsstück “Der Gott des Gemetzels”. Am Wiener Burgtheater spielt sie bei Matthias Hartmann in Thomas Bernhards “Immanuel Kant”. Im Kino ist sie derzeit in dem Film “Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen” zu sehen (Regie: Margarethe von Trotta), als Mutter von Hannah Herzsprung.

Hildegard Schmahl ist die Grande Dame im Ensemble der Münchner Kammerspiele. Sie spielt dort zum Beispiel einen wunderbaren Prospero in Shakespeares “Der Sturm” (Regie: Stefan Pucher), und man sollte sie unbedingt in Elfriede Jelineks “Rechnitz (Der Würgeengel)” sehen.

Angela Winkler, die unvergessene Rollen im Theater des jüngst verstorbenen Peter Zadek hatte, spielt an verschiedenen Bühnen. Am Berliner Ensemble ist sie zum Beispiel die Jenny in der “Dreigroschenoper” von Robert Wilson und singt sehr schön den “Salomon”-Song. An der Berliner Schaubühne spielt sie in der Regie von Thomas Ostermeier die Ella in Ibsens wieder hochaktuellem Bankiersdrama “John Gabriel Borkman” (mit Sepp Bierbichler). Sie wirkte auch in Christoph Schlingensiefs “Kirche der Angst” mit. Volker Schlöndorff, mit dem sie in den siebziger Jahren “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” und “Die Blechtrommel” drehte, war in diesem Jahr auch im Theater ihr Regisseur: in Leo Tolstois “Und ein Licht scheint in der Finsternis”.