16.02.11 | 16:50 | Kulinarik | Kommentare 2 Kommentare

Brot für die SZ

Brotlieferung in der Redaktion

Der Brotbote von der Handwerkskammer mit seiner Lieferung.

Mmmmh, was das heute für ein Duft hier ist! Das ganze Feuilleton riecht nach frischem Brot. Und es riecht nicht nur so – es schaut hier auch aus wie in einer Bäckerei. Es gibt leckere Butterbrezn und Krapfen en masse. Schokokrapfen, Vanillekrapfen, klassische Krapfen, Himbeerkrapfen … alles, was das Schleckermaul begehrt. Und dazu Brot. Brot in rauen Mengen: Hausbrot, Vollkornbrot, Kastenbrot, Bauernbrot, Sechskornbrot … darunter riesige Laiber, echte Kaliber. Frisch gebacken, warm noch – und alles andere als industrielle Fertigteigprodukte, sondern echte Handwerksarbeiten aus Münchner Bäckerbetrieben.

Und wie und warum kommt das jetzt alles ins SZ-Feuilleton?

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er haut sich gern auch Brezen rein ...

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, es dürfen gerne auch Krapfen und Brezn sein

Tja, das war heute die große Überraschung! Es rief am Vormittag jemand von der Pforte hoch und sagte, ein Herr von der Handwerkskammer habe eine Lieferung für mich. Ich hielt das erst für ein Missverständnis – ich meine: Was hab ich mit der Handwerkskammer zu schaffen? -, aber nein, man bestand darauf: Die Adressatin sei tatsächlich ich. Unten, im Eingangsbereich, erwartete mich dann ein Chauffeur mit einem ganzen Auto voller frischer Backwaren. Mit schönen Grüßen von einem Herrn Heinrich Traublinger, seines Zeichens Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Da dämmerte mir schon, dass das mit der “Null acht neun”-Kolumne zu tun haben muss, die ich neulich im Lokalteil schrieb. Darin hab ich mich für das gute Münchner Pfisterbrot und überhaupt: für die Handwerksbäckereien ausgesprochen – und gegen all die fiesen Discount-Bäcker, die in der Innenstadt überall aus dem Boden schießen und so grässliche Namen tragen wie “Back-Factory” oder “Mr. Baker”.

Welch schöne Exmeplare! Danke der Handwerkskammer und den Münchner Traditionsbäckereien!

Welch schöne Exemplare! Danke der Handwerkskammer und den Münchner Traditionsbäckereien!

Im beigefügten Brief schickt Herr Traublinger “namens des bayerischen und des Münchner Bäckerhandwerks” ein “herzliches Vergelt´s Gott” für mein”Loblied auf handwerklich hergestelltes Brot”. Wenngleich meine Präferenz “den Produkten unseres Mitgliedsbetriebes, der Hofpfisterei” gelte,  so werde doch deutlich, dass damit auch generell die traditionelle Handwerksbäckerei gemeint sei und dass ich deren “breites Sortiment”, “verbunden mit freundlicher Bedienung” sehr zu schätzen wisse.

Ist das nicht großartig? Herzlichen Dank, lieber Herr Traublinger und liebe Münchner Bäckereien. Das gab vielleicht ein “Hallo!” heute in der Redaktion! Es wurden Scharen von Redakteuren und Mitarbeitern gespeist … und es ist immer noch was da.

Fast wollte ich schon sagen, sowas gibt´s wahrscheinlich nur in München, da kommt mit der Nachmittagspost ein Extra-Paket aus dem fränkischen Herzogenaurach, von einer Bäckerei Lang, die mir einen riesigen, herrlichen FRANKENLAIB schickt – mein in der Kolumne erwähntes Lieblingsbrot -, mit den Worten: ” …. damit Sie nicht so lange Schlange stehen müssen, hier ein garantiert fränkischer Frankenlaib! Wir hoffen, er schmeckt Ihnen.”

Sonderlieferung der Bäckerei Lang aus Herzogenaurach: Ein schöner großer Frankenlaib für die fränkische Kolumnistin. Dangschää!

Sonderlieferung der Bäckerei Lang aus Herzogenaurach: Ein schöner großer Frankenlaib für die fränkische Kolumnistin. Dangschää!

Also sowas, ich bin echt gerührt. Dank nach Franken! Danke allen! Das hat heute eine so gute Laune gemacht … Toll.

Und hier, zum Nachlesen, besagte Kolumne, die in der Wochenendausgabe vom 5./6. Februar im Lokalteil erschien:

Warten auf
den Frankenlaib

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, das ist schon wahr, gutes Brot aber muss sein, sonst kann man auch den Aufstrich vergessen. Wir Münchner waren in dieser Hinsicht immer schon privilegierter als die Bewohner trüberer Städte, gibt es hier doch seit kaiserlichen Zeiten (14. Jahrhundert!) die Hofpfisterei mit dem weltbesten Natursauerteigbrotsortiment. Das Pfister-Brot gehörte neben der Maß und der Leberkässemmel lange Zeit zu den ernährungstechnischen Alleinstellungsmerkmalen unserer schönen Stadt, und hätte die Hofpfisterei nicht vier Filialen in Berlin eröffnet, hätten wir den Preußen mindestens vier weitere Punkte auf der urbanen Lebenswert-Liste voraus. Andererseits sei ihnen unser Brot gegönnt, den Berlinern, haben sie doch sonst kaum kulinarische Freuden, und jetzt muss man den Freunden in der Hauptstadt wenigstens nicht mehr bei jedem Besuch einen frischen Laib Öko-Spezial mitbringen.

Nun muss das Lob auf die Hofpfisterei – und generell auf die traditionelle Handwerks-Bäckerei – hier aber allein schon deshalb angestimmt werden, weil die Semmel im Zeitalter ihrer industriellen Reproduzierbarkeit zum laffen Fertigteigling verkommt und der Siegeszug der Discount-Bäcker nicht mehr aufzuhalten ist. Überall schießen diese Back-Aldis wie Pilze aus dem Boden. Sie nennen sich Back-Factory, Back-Shop oder Mr. Baker, bieten Brot und Brezn zu Dumpingpreisen, setzen auf Selbstbedienung und Nusshörnchen-to-go. Sie haben null Charme, und es riecht komisch, wenn man daran vorbeigeht, nach Fett, Emulgatoren und Schmalz, aber ihre Industrieteigwaren gehen weg wie – nun ja – halt doch wie warme Semmeln. Billiger geht´s nicht. Und lange anstehen muss man auch nicht.

Aber selbst, wenn es dort Rosinenschnecken umsonst geben sollte, liebe Teiggenossen und Mitesser, so sei hier versichert: Gebäck von McBack kommt mir nicht in die Tüte!

Lieber wieder das Samstags-Ritual in meiner kleinen Pfister-Filiale am Hohenzollernplatz: Schlange stehen bis raus auf die Straße, eine gefühlte Wartezeit von fünfzehn Minuten lässig in Kauf nehmen, sich drinnen auf engstem Raum an die Wand drücken und dann, um Nachdrängende reinzulassen, nach hinten wechseln, was eine Zweiteilung der Schlange und fast immer eine gewisse Konfusion bewirkt, dabei stets das letzte Stück Frankenlaib fest im Blick haltend, in der Hoffnung, der Kerl vor einem schnappe es einem nicht weg. Was er, sofern es kurz vor Ladenschluss ist, aber garantiert tut. Aber was soll´s . . . Sein Brot muss man sich nun mal hart verdienen.

08.07.10 | 19:57 | Geht doch! | Kulinarik | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick II: Klubabend Aurora Bar

Aurora-Zigarren

Was wird´n jetzt mit den ganzen Rauchern, den Eckkneipen und Raucherbars? Als ich vom bestürzenden Ergebnis des Volksentscheids hörte, hab ich vom preußischen Norden aus gleich mal meinen Freund Anderl angerufen, Anderl Lechner, Betreiber der von mir sehr geschätzten und entsprechend protegierten Aurora Bar am Münchner Beethovenplatz – eine Künstlerbar mit Wohnzimmer-Charme und britischem Club-Ambiente, die im vergangenen November eröffnet hat (siehe Blog-Eintrag von damals) und sich definitiv als Rauchsalon versteht, ja, die überhaupt erst aus der Einführung des (ersten bayerischen) Rauchverbots hervorgegangen ist. Denn Anderl ist passionierter Zigarrenraucher, und als er nach dem ersten Rauchverbotsgesetz zum Whisky nirgends mehr eine paffen konnte, nicht einmal bei Schumann´s, da beschloss er zusammen mit seinem Freund, dem Gourmet-Koch Karl Ederer, einen Klubabend ins Leben zu rufen, zu dem alle paar Wochen Freunde und Bekannte per E-Mail eingeladen wurden: zum Reden und zum Rauchen.

Diese Raucher-Klubabende fanden in „Baumgartners Weinbar“ am Beethovenplatz 2 statt, der heutigen Aurora Bar – als Baumgartner letztes Jahr hinschmiss, da kaufte Anderl kurzerhand das Interieur und machte sein eigenes Ding. Die Klubabende hat er beibehalten. Und weil da immer die meisten (und die kuriosesten und lustigsten) Leute kommen, werden diese Klubabende vom Wirt immer häufiger angesetzt. Es herrscht dann geschlossene Gesellschaft – aber mit weit geöffneter Tür.

Aurora-Wirt Anderl Lechner

Aurora-Wirt Anderl Lechner

Anderl Lechners Anspruch als Wirt: “Hocken, rauchen, reden. Leute treffen und einen guten Wein trinken. Ohne so eine Abzocke in der Gastronomie.“ Klingt gut. Und könnte so einfach sein. Aber jetzt? Ich dachte, ich würde Anderl nach dem Volksentscheid in heller Fassungslosigkeit antreffen – aber es war eigentlich nur Ratlosigkeit. Der neue Wirt weiß selber nicht, was jetzt wird. Bis August wird jetzt erst mal weitergemacht wie bisher (“Durchpaffen bis August!”) – und dann, so Anderl, “schaun mer mol”. Und dann sehn mer scho. Anderl Lechner ist viel zu bairisch, um jetzt hysterisch aus dem Häuschen zu geraten. Es wird ihm schon was einfallen.

Wer weiß, vielleicht wird ja jene spontane Pissoir-Party Schule machen, die sich beim letzten Klubabend am Dienstag ergeben hat, als sich eine kleine Gästeschar schon mal auf die Suche nach (einem stillen) Örtchen machte, wo noch was geht.
Aurora_Intro

Alles ist Fluss

Alles ist Fluss

Zum heimlichen Rauchen aufs Klo – so weit sind wir jetzt in Bayern schon … und das, ich bitte es zu notieren, sagt eine, die selber gar nicht mehr raucht! Ich weiß die Vorzüge des Rauchverbots in Restaurants und vielen Bars und Gaststätten als Nichtmehrraucherin echt zu schätzen, aber ein Generalverbot – das geht total gegen mein Verständnis von Freiheit und Toleranz und Artenschutz!

Daher, liebe Raucher-Clubber: Solltet Ihr Euch künftig zum Paffen und Trinken aufs Männerklo verziehen, gebt mir Bescheid, ich komme mit! Denn so geht´s ja nicht.

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"

Die Klo-Party hatte sich übrigens ganz flashmobmäßig ergeben, nachdem der Münchner Unternehmer Franz Meiller ein paar Gäste auf die Herrentoilette geführt hatte, um dort seine künstlerische WC-Fenstergestaltung vorzuführen: Das ins Fenster eingefügte fotoinstallatorische Werk stammt von ihm selber und trägt den Titel “Gütertrennung”.

Klofensterkunst - wer ko, der ko

Klofensterkunst - wer ko, der ko

Einer, es war Michael Haacke, Chef der FFS (Film- & Fernseh-Synchron GmbH), gab dann spontan die Losung aus: “In einer Stunde wieder hier!” und er hatte ein nettes Sprudelgetränk auf einem Samthocker organisiert, als eine Stunde später tatsächlich eine kleine Klo-Fete für Eingeweihte stieg.

Jedenfalls war der Klubabend nicht nur sehr lustig, sondern auch ein gutes Zeichen: Die Münchner werden immer ein Örtchen finden und sich vom Genius loci inspirieren lassen.

Aurora-Klo-Gruppe

Schönen Gruß übrigens nach Berlin. Von wegen die Schaubühne macht die einzigen Pissoir-Partys!

07.07.10 | 19:08 | Dies & das | Kulinarik | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick I: Schumann´s backstage

Seeprom-Sommermohn

Drei Wochen Urlaub sind bereits vergangen, davon war ich eine Woche Jurorin beim Theatertreffen der Schauspielschulen in Leipzig (ich werde noch berichten) und danach bei Freunden in einem Haus am See nahe Potsdam, wo obiges Mohnwiesensommerfoto entstand und jegliches Bloggen geblockt wurde. Seit Montagabend bin ich wieder zurück in München …

Gleich mal zum Wiedereingewöhnen ins Schumann´s. Montags hat Ernst Fischer, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der SZ, dort immer seinen Stammtisch. Zur festen Besetzung gehören die SZ-Karikaturisten und ein reisefreudiger Steuerberater, zur wechselnden die unterschiedlichsten Gäste aus den Bereichen Politik, Kultur, Medien und Medizin.

Ernst Fischer (rechts) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Ernst Fischer (rechts oben) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Im Sommer sitzen die wahren Kenner und Genießer nicht etwa im Getümmel vor dem Lokal mit Blick auf die Straße und den Odeonsplatz (das ist der eigentliche Bühnenbereich, hier gilt: sehen und gesehen werden) – im Sommer sitzen die wahren Connaisseure backstage. Soll heißen: Man geht hinten raus, in den Hofgarten, wo Charles unter schattigen Bäumen und bordeauxroten Sonnenschirmen Tische aufgestellt hat und mithin einen kleinen, feinen Biergarten betreibt, auch wenn Bier hier als Getränk eine eher nachgeordnete Rolle spielt. Schu-Hofgarten

Der Platz ist zum Draußensitzen herrlich, einer der schönsten in München – bzw. “… auf der Welt”, wie mich Anne Urbauer am Montag korrigierte, und die ist eine weit gereiste Journalistin und dürfte es also wissen. Man sitzt wahnsinnig lauschig zwischen den Arkadengängen und dem Hofgartengrün und kann staunend zusehen, wie der Münchner Abendhimmel dieser Stadt schmeichelt und sie zum Leuchten bringt. Ich hab hier immer so ein schönes feuchtwangerndes München-”Erfolgs”-Gefühl, aber gleichzeitig ist das Licht auf den Arkaden auch molto italiano.

Schu-Arkaden

Na jedenfalls hab ich mir nach meiner Rückkehr gleich wieder diesen München-Kick geben wollen – und es hat auch funktioniert.

Selbst Charles war gut aufgelegt und hatte seine oft so betont ausgestellte – und von etlichen weiblichen Gästen entsprechend beklagte – Misogynität in die Kiste mit den Regensachen gepackt. Wie man sehen konnte, läuft es auch wieder bestens mit seiner Maria. Gracias a dios!

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Was gibt´s Neues in unserer kleinen Stadt? Ein paar Leute sind wählen gegangen und haben per Volksentscheid das öffentliche Rauchen ganz und gar verbieten lassen. Ich fass es nicht. Der neue Focus-Chef Wolfram Weimer hat den Schumann´s-Hofgarten auch schon raus. An einigen Tischen wird getuschelt – wie lange der´s wohl machen wird? Ob man ihn den Abwickler nennen muss? Im Moment lässt sich vom Vordertisch aus nur so viel sagen: Er ist riesengroß und schlaksig und hat so Haare. Die Münchner Abendzeitung gibt es übrigens auch noch – davon konnte man nicht mit Sicherheit ausgehen. Kent Nagano gibt es nach 2013 hier definitiv nicht mehr – das war am Montag noch Befürchtung und Gerücht. Gestern kam die Bestätigung.  Und Ulrike Hessler wird noch viel früher weg sein: nämlich schon ab August. Die Marketingchefin der Bayerischen Staatsoper wird dann Intendantin der Dresdner Semperoper. Im Schumann´s gab sie einen Empfang, der ganz nach Abschiedsfeier aussah. Aber es war eine Opern-Fundraising-Veranstaltung, ich habe nachgefragt: Geld auftun für die Junge Szene Dresden. Den Aperitif gab´s draußen. Drinnen war dann – ganz Schumann´s-untypisch – eine richtig feierliche Tafel gedeckt, mit weißer Tischdecke, Blumendekorationen und Pipapo und eine junge Sängerin sang den Herrschaften was vor.

Aber auch wenn das nicht Ulrike Hesslers Abschiedsfete war (dafür wünsch ich ihr dann doch mehr Partystimmung), hab ich schon mal ein Abschiedsfoto gemacht. Auf Wiederschaun, liebe Ulrike Hessler, pfüat eana! Viel Glück für Dresden. Und schöne Grüße an den Herrn Thielemann.

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Am Ende, da war es schon dunkel, sagte Charles dann noch, dass er Tische mag, die einfach nur im Hof rumstehen, ohne Stuhl, ohne Zweck … Tische halt. Klingt gaga. Aber tatsächlich, wenn man genau hinschaut: Das hat absolut was.

Schu-leereTische2

Andere Wirte würden den Platz vollstopfen und gastronomisch ausnutzen bis zum Gehtnichtmehr. Charles Schumann macht seinen Gästen zwar wahrlich nicht den Hof – aber er (be)lässt ihn ihnen. Dafür danke.

19.02.10 | 14:14 | Kulinarik | Musikalitäten | Publikationen | Kommentare 0 Kommentare

Das neue “Max Joseph”: Pfui Teufel!

Huuuh …. sieht es heutzutage so aus, das Böse? Ja, an der Bayerischen Staatsoper schon …

Maxjoseph

… zumindest auf und in der neuen Ausgabe des hauseigenen Magazins “Max Joseph”, benannt nach dem Ort des Geschehens (die Staatsopern-Adresse lautet: Max-Joseph-Platz 2). Erinnert irgendwie an Heath Ledger, dieses Doppelheft-Monster – und es verbergen sich ja auch zwei richtige Joker dahinter: der ungarische Komponist und Dirigent Peter Eötvös (links) und der Münchner Dichter Albert Ostermaier. Am kommenden Montag, 22. Februar, feiert im Münchner Nationaltheater ihre Oper “Die Tragödie des Teufels” Uraufführung. Darin betritt der Teufel des 21. Jahrhunderts die Bühne, und man darf gespannt sein, welcher Gestalt er sein wird.

Albert Ostermaier ließ sich für sein Libretto von Imre Madáchs “Die Tragödie des Menschen” inspirieren, das ist so etwas wie der ungarische “Faust”. Peter Eötvös, der den Text vertont hat, zählt als Komponist und Dirigent zu den wichtigsten Musikern unserer Zeit.  Seine Bühnenwerke wie “Drei Schwestern”, “Angels in America” und jüngst “Love and other demons” werden weltweit erfolgreich aufgeführt. Den Ruhm merkt man diesem bescheiden auftretenden, freundlich zurückhaltenden Mann gar nicht an. Alle, die ihn kennen, loben ihn als einen unglaublich sympathischen, charmanten, kenntnisreichen und rhetorisch gewandten Künstler, der tatsächlich über Musik reden, Musik erklären, musikalische Vorgänge verständlich machen könne. Und den man, wie ein Kritikerkollege sagte, als Mensch einfach “liebhaben” müsse.

Ich habe bei der Präsentation des neuen Opernhefts leider nicht mit ihm gesprochen, sondern nur oben stehendes Foto gemacht, das jetzt mal aufgedeckt werden muss:

Eötvös-Ostermaier

Das neue “Max Joseph” – es ist die dritte Ausgabe unter der Chefredaktion der stilsicheren Anne Urbauer (vormals “Liebling”) – hat den Teufel gleich zum Titelhelden gemacht. Es sind satanische Hefte, “Pfui Teufel!” steht darauf – ironischer Kommentar zu den Geschmackssachen im Inneren. Etwa zu der Fotostrecke von Philipp Lachenmann, die in hochästhetischen Aufnahmen edel-, nein: ekel-kulinarische Schweinereien wie Kutteln, Kalbsfuß oder Lammhirn zeigt. Der Kinokritiker Georg Seeßlen schreibt über die Faszination des Satans im Film, und zehn Münchner sagen, wen oder was sie zum Teufel wünschen (zum Beispiel DJ Hell: “Vielfliegerei!” Oder Chris Dercon vom Haus der Kunst: “Flashmobs und Leute, die sich bei Massenveranstaltungen entmündigen lassen”). Und der Teufelsdichter Albert Ostermaier führt in dem Heft erstmals selber ein Interview: mit dem Torhelden Oliver Kahn, dem Ostermaier als Torwart der Autoren-Nationalmannschaft immer schon nachgeeifert hat. Sie sprechen über die Oper, über den Transfermarkt, über Helden und Dämonen. Und Andreas Mühe, Sohn des verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe, hat – wie ein heimlicher Beobachter aus dem Wald heraus – ein sehr schönes Foto von den beiden in dunklen Outdoor-Jacken am Ufer eines Kanals gemacht (neben einem Schild: “Vorsicht Lebensgefahr!”).

"Max Joseph"-Chefredakteurin Anne Urbauer

"Max Joseph"-Chefredakteurin Anne Urbauer

Es ist jedenfalls – wieder – ein sehr schönes Heft geworden, hochwertig in der Aufmachung, toller Look, stringentes Konzept, interessante Autoren (so schreibt zum Beispiel der Kulturwissenschaftler Robert Pfaller über “Das Gute am Schlechten”: Alles, was uns Freude mache und amüsiere, entstehe durch die feierliche Umwandlung von etwas Verwerflichem zu etwas Genüsslichem).

Vorgestellt wurde das Magazin gestern bei einem “Presse-Cocktail” im Münchner Hotel Louis, diesem wunderbaren neuen Stadthotel der Wirte Kull & Weinzierl mit Blick auf den Viktualienmarkt. Das dazugehörige japanische Restaurant Emiko (hervorragende Küche in drei Kategorien: japanische Haute Cuisine, Sushi/ Sashimi, Steaks) lieferte die Häppchen bei dem Empfang. Was soll ich sagen … köstlich!

Ja, ja, die Oper hat sich da nicht lumpen lassen. Und es gab auch schon eine Kostprobe aus der “Tragödie des Teufels”: Georg Nigl, Darsteller des Luzifers, sang “Luzifers Lied”. Darin heißt es:

“Ich habe einen Schnupfen/ Ich hab mich an der Welt erkältet / und ich träume mir die Welt in Kälte …”

"Ich habe einen Schnupfen": Georg Nigl singt im Hotel Louis schon mal "Luzifers Lied"

"Ich habe einen Schnupfen": Georg Nigl singt im Hotel Louis schon mal "Luzifers Lied"

Opernintendant Klaus Bachler (früher Direktor des Wiener Burgtheaters) scheint sehr stolz zu sein auf seine Teufelsoper und betonte, wie selten solche Uraufführungen – wirklich große Auftragswerke für neue Opern – im Bereich Musiktheater sind.

Opernintendant Klaus Bachler (links) mit Chris Dercon, der das Münchner Haus der Kunst leitet

Opernintendant Klaus Bachler (links) mit Chris Dercon, der das Münchner Haus der Kunst leitet

Die Spannung ist jedenfalls groß. Aber man weiß ja: Der Teufel steckt im Detail … und das sehen wir dann am Montag.

09.02.10 | 18:04 | Kritikerin unterwegs | Kulinarik | Kommentare 3 Kommentare

Württemberger wollen Wulle

Ich war am Sonntag in Stuttgart und möchte hier nicht versäumen, zu vermelden, dass es dort ein neues altes Kult-Bier gibt: Wulle. Das klingt mehr nach Berlin als nach dem Schwabendländle, ist aber ein traditionsreicher Name: Ernst Imanuel Wulle (1832-1902) war ein schwäbischer Brauerei-Unternehmer, dessen Wulle-Brauerei (gegründet 1861) Anfang der 70er von Dinkelacker übernommen wurde. Damit verschwand das Wulle-Bier. Im März letzten Jahres wurde es aber wieder eingeführt – in Bügelflaschen und mit dem alten Schriftzug.

Wulle-Bier

Die Flasche im Retro-Look macht “Plopp”, wenn man sie öffnet, und dabei entfährt einem schon mal ein “Huch!”. Schmecken tut dieses “Vollbier” wirklich sehr passabel, nicht zu bitter, eher mild, eigentlich richtig süffig. Besser jedenfalls als dieses badische “Tannenzäpfle”-Bier, das sie sonst in Stuttgart trinken. Ich meine: Bitteschön, wie kann man ein Bier “Tannenzäpfle” nennen?! Jetzt macht in Stuttgart wieder der alte Wulle-Slogan die Runde: “Wir wollen Wulle!”