Brot für die SZ

Der Brotbote von der Handwerkskammer mit seiner Lieferung.
Mmmmh, was das heute für ein Duft hier ist! Das ganze Feuilleton riecht nach frischem Brot. Und es riecht nicht nur so – es schaut hier auch aus wie in einer Bäckerei. Es gibt leckere Butterbrezn und Krapfen en masse. Schokokrapfen, Vanillekrapfen, klassische Krapfen, Himbeerkrapfen … alles, was das Schleckermaul begehrt. Und dazu Brot. Brot in rauen Mengen: Hausbrot, Vollkornbrot, Kastenbrot, Bauernbrot, Sechskornbrot … darunter riesige Laiber, echte Kaliber. Frisch gebacken, warm noch – und alles andere als industrielle Fertigteigprodukte, sondern echte Handwerksarbeiten aus Münchner Bäckerbetrieben.
Und wie und warum kommt das jetzt alles ins SZ-Feuilleton?

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, es dürfen gerne auch Krapfen und Brezn sein
Tja, das war heute die große Überraschung! Es rief am Vormittag jemand von der Pforte hoch und sagte, ein Herr von der Handwerkskammer habe eine Lieferung für mich. Ich hielt das erst für ein Missverständnis – ich meine: Was hab ich mit der Handwerkskammer zu schaffen? -, aber nein, man bestand darauf: Die Adressatin sei tatsächlich ich. Unten, im Eingangsbereich, erwartete mich dann ein Chauffeur mit einem ganzen Auto voller frischer Backwaren. Mit schönen Grüßen von einem Herrn Heinrich Traublinger, seines Zeichens Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Da dämmerte mir schon, dass das mit der “Null acht neun”-Kolumne zu tun haben muss, die ich neulich im Lokalteil schrieb. Darin hab ich mich für das gute Münchner Pfisterbrot und überhaupt: für die Handwerksbäckereien ausgesprochen – und gegen all die fiesen Discount-Bäcker, die in der Innenstadt überall aus dem Boden schießen und so grässliche Namen tragen wie “Back-Factory” oder “Mr. Baker”.

Welch schöne Exemplare! Danke der Handwerkskammer und den Münchner Traditionsbäckereien!
Im beigefügten Brief schickt Herr Traublinger “namens des bayerischen und des Münchner Bäckerhandwerks” ein “herzliches Vergelt´s Gott” für mein”Loblied auf handwerklich hergestelltes Brot”. Wenngleich meine Präferenz “den Produkten unseres Mitgliedsbetriebes, der Hofpfisterei” gelte, so werde doch deutlich, dass damit auch generell die traditionelle Handwerksbäckerei gemeint sei und dass ich deren “breites Sortiment”, “verbunden mit freundlicher Bedienung” sehr zu schätzen wisse.
Ist das nicht großartig? Herzlichen Dank, lieber Herr Traublinger und liebe Münchner Bäckereien. Das gab vielleicht ein “Hallo!” heute in der Redaktion! Es wurden Scharen von Redakteuren und Mitarbeitern gespeist … und es ist immer noch was da.
Fast wollte ich schon sagen, sowas gibt´s wahrscheinlich nur in München, da kommt mit der Nachmittagspost ein Extra-Paket aus dem fränkischen Herzogenaurach, von einer Bäckerei Lang, die mir einen riesigen, herrlichen FRANKENLAIB schickt – mein in der Kolumne erwähntes Lieblingsbrot -, mit den Worten: ” …. damit Sie nicht so lange Schlange stehen müssen, hier ein garantiert fränkischer Frankenlaib! Wir hoffen, er schmeckt Ihnen.”

Sonderlieferung der Bäckerei Lang aus Herzogenaurach: Ein schöner großer Frankenlaib für die fränkische Kolumnistin. Dangschää!
Also sowas, ich bin echt gerührt. Dank nach Franken! Danke allen! Das hat heute eine so gute Laune gemacht … Toll.
Und hier, zum Nachlesen, besagte Kolumne, die in der Wochenendausgabe vom 5./6. Februar im Lokalteil erschien:
Warten auf
den Frankenlaib
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, das ist schon wahr, gutes Brot aber muss sein, sonst kann man auch den Aufstrich vergessen. Wir Münchner waren in dieser Hinsicht immer schon privilegierter als die Bewohner trüberer Städte, gibt es hier doch seit kaiserlichen Zeiten (14. Jahrhundert!) die Hofpfisterei mit dem weltbesten Natursauerteigbrotsortiment. Das Pfister-Brot gehörte neben der Maß und der Leberkässemmel lange Zeit zu den ernährungstechnischen Alleinstellungsmerkmalen unserer schönen Stadt, und hätte die Hofpfisterei nicht vier Filialen in Berlin eröffnet, hätten wir den Preußen mindestens vier weitere Punkte auf der urbanen Lebenswert-Liste voraus. Andererseits sei ihnen unser Brot gegönnt, den Berlinern, haben sie doch sonst kaum kulinarische Freuden, und jetzt muss man den Freunden in der Hauptstadt wenigstens nicht mehr bei jedem Besuch einen frischen Laib Öko-Spezial mitbringen.
Nun muss das Lob auf die Hofpfisterei – und generell auf die traditionelle Handwerks-Bäckerei – hier aber allein schon deshalb angestimmt werden, weil die Semmel im Zeitalter ihrer industriellen Reproduzierbarkeit zum laffen Fertigteigling verkommt und der Siegeszug der Discount-Bäcker nicht mehr aufzuhalten ist. Überall schießen diese Back-Aldis wie Pilze aus dem Boden. Sie nennen sich Back-Factory, Back-Shop oder Mr. Baker, bieten Brot und Brezn zu Dumpingpreisen, setzen auf Selbstbedienung und Nusshörnchen-to-go. Sie haben null Charme, und es riecht komisch, wenn man daran vorbeigeht, nach Fett, Emulgatoren und Schmalz, aber ihre Industrieteigwaren gehen weg wie – nun ja – halt doch wie warme Semmeln. Billiger geht´s nicht. Und lange anstehen muss man auch nicht.
Aber selbst, wenn es dort Rosinenschnecken umsonst geben sollte, liebe Teiggenossen und Mitesser, so sei hier versichert: Gebäck von McBack kommt mir nicht in die Tüte!
Lieber wieder das Samstags-Ritual in meiner kleinen Pfister-Filiale am Hohenzollernplatz: Schlange stehen bis raus auf die Straße, eine gefühlte Wartezeit von fünfzehn Minuten lässig in Kauf nehmen, sich drinnen auf engstem Raum an die Wand drücken und dann, um Nachdrängende reinzulassen, nach hinten wechseln, was eine Zweiteilung der Schlange und fast immer eine gewisse Konfusion bewirkt, dabei stets das letzte Stück Frankenlaib fest im Blick haltend, in der Hoffnung, der Kerl vor einem schnappe es einem nicht weg. Was er, sofern es kurz vor Ladenschluss ist, aber garantiert tut. Aber was soll´s . . . Sein Brot muss man sich nun mal hart verdienen.



















