06.02.10 | 15:33 | Glückwunsch! | Theater | Kommentare 3 Kommentare

Hildegard Schmahl wird 70 – auch Jelinek gratuliert

Heute feiert die wunderbare Schauspielerin Hildegard Schmahl ihren 70. Geburtstag.

Herzlichen Glückwunsch!


Schmahl

Hildegard Schmahl ist ein Nordlicht – eigentlich ist Hamburg ihre Stadt. Dort ist sie, als Flüchtlingskind aus Pommern, in ärmsten Verhältnissen aufgewachsen. Dort hatte sie, Ende der 50er Jahre, ihr erstes Engagement am Thalia Theater, wo sie als Aschenputtel debütierte. Dort war sie dann (nach Engagements in Bochum und Berlin) Anfang der Achtziger am Deutschen Schauspielhaus – mit ihrem damaligen Mann, dem Regisseur und Intendanten Niels-Peter Rudolph. Nach einer Auszeit in Rom und einigen Jahren bei George Tabori in dessen Wiener Theater “Der Kreis” ging sie 1990 wieder nach Hamburg ans Thalia, diesmal unter der Intendanz von Jürgen Flimm.

Der Intendant Frank Baumbauer hat die Schauspielerin schließlich überredet, mit ihm nach München zu gehen. Seit 2001 gehört sie zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Dort steht sie heute Abend wieder als Prospero in Shakespeares “Der Sturm” auf der Bühne, das hat sie sich gewünscht. Sie sagt: “Das ist auch ein Danke an meinen Beruf.” Der Beruf hat Hildegard Schmahl immer Halt gegeben und sie durch die dunkelsten Phasen ihres Lebens getragen – und es gab in ihrem Leben viele solcher dunklen Phasen, Zeiten der Depression und des Schmerzes. Aber gerade, weil diese Schauspielerin so leidgeprüft und leiderfahren ist, haben ihre Figuren auch eine besondere, oft sehr abgründige Tiefe und, wie ich das nenne, eine gefährlich schimmernde Durchlässigkeit.

Das Foto entstand Ende Januar bei einem Gespräch mit Hildegard Schmahl im Kammerspiele-Restaurant “Conviva”, dem “Blauen Haus”. Es war ein sehr persönliches Gespräch, kein normales Interview. Das Porträt, das daraus entstanden ist, kann man in der aktuellen Wochenendausgabe der SZ nachlesen, im Feuilleton.

—————————– NACHTRAG ———————————-

Schmahl-Rosen

Das Geburtstagsfest für die Schauspielerin, am Samstagabend nach der “Sturm”-Vorstellung, war rauschend und sehr sehr rührend. Absolut liebevoll. Die Kammerspiele-Kollegen haben für Hildegard Schmahl, die sie “Hilli” nennen, ein selbst gedichtetes Lied gesungen (“Hilli”, nach der Melodie von “Sunny”) – wunderbar. Und sie haben ein unglaubliches Büffet hingezaubert, alles selbst gebacken und gekocht. Das scharfe Chili con Carne von André Jung zum Beispiel: ein Gedicht! Und dann all diese köstlichen Kuchen und Torten!

Die Schauspielerin Katja Bürkle las Geburtstagsgrüße von Regisseuren wie Jürgen Flimm, Stephan Kimmig und Jossi Wieler vor. Und auch Elfriede Jelinek hat für Hildegard Schmahl, die in ihrem Stück “Rechnitz” eine so funkelnd zwielichtige Botin spielt, einen Text geschrieben.

Hier die Worte von Elfriede Jelinek – ich habe mir die Genehmigung für die Veröffentlichung dieses sehr persönlichen Geburtstagsgrußes per E-Mail bei Frau Jelinek eingeholt. Und sie bekommen. Danke, liebe Elfriede Jelinek!

Die haben immer noch nicht genug, diese Frauen. Da kann eine siebzig Jahre alt werden, und sie hat dann immer noch nicht genug, und wir haben auch nicht genug von ihr, wir können gar nicht genug von ihr bekommen, nie, es wäre nie genug, das ginge gar nicht. Sie muss weiter sprechen, auch wenn ich vielleicht manchmal an ihr vorbeigesprochen haben mag, sie hat nie an mir vorbeigesprochen, sie hat genau mich angesprochen, obwohl ich kannte, was sie sagte, mich mit größter Genauigkeit angesprochen; sie spricht wie eine Nachtwandlerin, sie spricht wie eine Tagwandlerin, sie wandelt, was ich schreibe, in Sprechen, und das schon so lange. Ich bin ganz ergriffen von ihr, was für eine Abenteurerin des Sprechens, und das schon so lange!

Ich gestatte mir, irgendwas zu sagen, aber so wie sie es sagt, schon so lange sagt, verschwindet das alles hinter ihr und wird erst recht, viel mehr als ich das könnte, zu meinem Sagen und wird wieder unsagbar, obwohl es gesagt werden musste, dieses Hindernis überwindet sie mühelos, jedes Hindernis überwindet sie, es ist einfach schön, wie sie es sagt, auch wenn es schrecklich ist, es ist unsagbar schön. Ich freue mich über sie und gratuliere ihr herzlich. Sie wissen, wen ich meine, aber jetzt wieder an die Arbeit! Weiter im Text!

Hildegard Schmahl mit Familie: Tochter Hannah Rudolph (Regisseurin), Sohn Sebastian Rudolph (Schauspieler am Hamburger Thalia Theater) und Enkel Anton (Sohn von Sebastian Rudolph)

Hildegard Schmahl mit Familie: Tochter Hannah Rudolph (Regisseurin), Sohn Sebastian Rudolph (Schauspieler am Hamburger Thalia Theater) und Enkel Anton (Sohn von Sebastian Rudolph)

Als Zehnjährige hatte Hildegard Schmahl in einem Schulaufsatz geschrieben, was sie einmal werden möchte: “Schauspielerin, von allen geliebt und verehrt.” Wie schön, wenn sich ein Leben solchermaßen erfüllt.

29.01.10 | 00:01 | Glückwunsch! | Literatur | Theater | Kommentare 0 Kommentare

In memoriam Anton Tschechow

“Du fragst, was das Leben ist? Das ist das Gleiche, als würde man fragen, was ist eine Mohrrübe? Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe, und das ist alles.”

Tschechow2

Vor 150 Jahren, am 29. Januar 1860, wurde im südrussischen Taganrog Anton Tschechow geboren. Laut dem im Zarenreich gültigen Julianischen Kalender war der Geburtstag zwar bereits am 17. Januar – aber egal, wir feiern ihn hier und heute: Tschechow, den genialen Menschenbeobachter, Seelenforscher, Weltschmerzanalysten, Philantrophen, Mediziner, Novellisten – einen der großartigsten, tiefgründigsten Dramatiker der Welt.

Warum leben wir nicht so, wie wir leben könnten? – Das ist die Frage in und hinter allen Tschechow-Dramen. “Die Möwe”, “Onkel Wanja”, “Drei Schwestern”, “Der Kirschgarten” – viel an Handlung passiert darin ja nicht. Vielmehr sitzen die Menschen darin ihr Leben aus: abwarten und Tee trinken! Dabei reden und philosophieren sie, rauchen sie und legen Patiencen, langweilen und sehnen sie sich – und immer, immer verlieben sie sich in die Falschen. Wie erbärmlich, wie lächerlich, wie ausweglos … und wie abgrundtief komisch doch! All diese Vergeblichkeitsmenschen und “Man müsste doch!”-Theoretiker, in denen wir uns selber wiedererkennen. Man fühlt sich zuhause in einem Tschechow-Stück, warm umfangen und seelisch geborgen. Und irgendwie auch getröstet … weil einem diese Menschen so nahe gehen. Weil sie einem sagen: Du bist nicht allein.

Tschechow starb am 15. Juli 1904 im deutschen Kurort Badenweiler an Tuberkulose. Er wurde nur 44 Jahre alt. Es wird kolportiert, dass unmittelbar nach seinem letzten Atemzug die legendäre Champagnerflasche, die neben seinem Bett stand, regelrecht explodierte: Der Korken öffnete sich wie von Geisterhand und soll wie ein Raketengeschoss durch die Luft geflogen sein. Wie passend für einen Dramatiker, bei dem jede Tragödie den Kern einer Komödie birgt. Zum Schießen!

Begraben liegt Tschechow auf dem Moskauer Friedhof Nowodewitschi. Ich war im Oktober letzten Jahres dort und habe auf seinem Grab eine Rose hinterlegt. A rose is a rose is a rose … so wie eine Mohrrübe eine Mohrrübe ist – und das Leben eben das Leben.

Tschechows Grab auf dem Moskauer Friedhof Nowodewitschi

Tschechows Grab auf dem Moskauer Friedhof Nowodewitschi

Woody Allen: “Anton Tschechow ist überhaupt der Größte!” – “Bei Tschechow weinen die Leute und lachen im nächsten Moment.”

Samuell Beckett: “Ein Lächeln wie seines gab es kein zweites Mal.”

Jean-Louis Barrault: “Erster Akt: Der Kirschgarten muss vielleicht verkauft werden. Zweiter Akt: Der Kirschgarten wird verkauft werden. Dritter Akt: Der Kirschgarten ist verkauft. Vierter Akt: Der Kirschgarten ist verkauft worden. Der Rest ist Leben.”

Leo Tolstoi: “Wenn ein betrunkener Arzt auf dem Sofa liegt und es draußen regnet, so wird das, nach Meinung Tschechows, ein Theaterstück.”

Maxim Gorki: “Von seinen Schauspielen sprach er als von >lustigen Stücken<, und mir scheint, er war aufrichtig davon überzeugt, dass er eben >lustige Stücke< schrieb.”

… und als aktuelle Stimme, weil so schön treffend:

Rüdiger Schaper (im “Tagesspiegel” vom 24.1.2010): “In seine Erzählungen und Theaterstücke tritt man ein wie in eine vertraute Welt, man glaubt sich da auszukennen und auf Verwandte und Bekannte zu treffen, was natürlich auch daran liegt, dass die besten Regisseure und Schauspieler des deutschsprachigen Theaters uns in den letzten Jahrzehnten mit ihren wunderbaren Tschechow-Aufführungen verwöhnt haben. Klaus Michael Grübers „An der großen Straße“, Peter Steins „Drei Schwestern“, Peter Zadeks „Iwanow“ und Jürgen Goschs Vermächtnis mit „Onkel Wanja“ und der „Möwe“: Sie haben Theatergeschichte geschrieben, an die sich die eigene Biografie anlehnt. Ebenso wenig wie man sich ein Leben ohne Theater und Literatur vorstellen kann, lässt sich das Theater ohne Tschechow denken. Es hätte weder Sinn noch Herz und Verstand.”

20.01.10 | 18:32 | Ausgezeichnet! | Glückwunsch! | Kollegialitäten | Literatur | Kommentare 1 Kommentar

Kabarettreif: Hoferichter-Preis für Unterstöger und Pelzig

Preisverleihungen, das weiß jeder, können ganz schön öde sein. Wenn der Preis aber an einen Kabarettisten wie Erwin Pelzig geht und dazu auch noch an einen humoristischen Sprachlaboranten wie meinen verehrten SZ-Kollegen Hermann Unterstöger und beide diesen Preis aus den Händen des Münchner Oberkabarettisten Oberbürgermeisters Christian Ude entgegennehmen, welcher als Redekünstler wiederum abgelöst wird von dem ebenso stil- wie ironiesicheren Allerweltsbetrachter und Meisterkolumnenschreiber Axel Hacke – dann, liebe Leser, können Sie Gift darauf nehmen, dass es eine wunderbar charmante, geistreiche und hochkomische Angelegenheit ist! Soll heißen: Die gestrige Verleihung des Ernst-Hoferichter-Preises im Münchner Literaturhaus war absolut kabarettreif.

Der Münchner Ernst-Hoferichter-Preis wird seit 1975 jährlich an Autoren verliehen, die in ihrer Arbeit “Originalität mit Weltoffenheit und Humor” verbinden – insofern gehen die Preisträger Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) und Hermann Unterstöger (gewürdigt als “Meister der kleinen Form”) auf alle Fälle in Ordnung, auch wenn sie nicht unbedingt als Jungspunde mit diesem “Förderpreis” geehrt wurden. Unterstöger ist fast 67, Barwasser wird in diesem Jahr 50. Ude in seiner seitenhieb- und stichfesten Rede: “Der Hoferichter-Preis ist meistens nicht der erste Preis, den einer bekommt, aber oft der letzte.”

Der Münchner OB Christian Ude mit den Preisträgern Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) und Hermann Unterstöger.  Foto: Stephan Rumpf

Der Münchner OB Christian Ude mit den Preisträgern Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) und Hermann Unterstöger. Foto: Stephan Rumpf

Während der Unterfranke Frank-Markus Barwasser mit seinen kabarettistischen Soloprogrammen, seiner TV-Show “Pelzig unterhält sich” und dem Film “Vorne ist verdammt weit weg” einem breiten Publikum bekannt ist – zumindest unter dem Namen seiner fränkischen Kunstfigur Erwin Pelzig -, tritt SZ-Redakteur Hermann Unterstöger kaum je öffentlich und als “Streiflicht”-Autor nicht einmal namentlich in Erscheinung. Was ganz gut zu seinem bescheidenen Naturell passt, welches Laudator Axel Hacke – dereinst Unterstögers Kollege bei der “Süddeutschen” und selber Träger des Ernst-Hoferichter-Preises – in anschaulichen Szenen höchst amüsant zu beschreiben wusste.

Etwa, als er darlegte, wie sich SZ-Redakteure an manchen ereignislosen Tagen verlegen und ratlos unter ihren Zeitungen wegducken und wichtigste Termine vorschützen, wenn es bei der Morgenkonferenz darum geht, das “Streiflicht” zu vergeben. Und wie sich dann, in der größten Not, leise der Hermann meldet, mit langsam sich rötenden Wangen: “Es gäbe da vielleicht ein Thema, ein wirkliches Thema ist es nicht, eigentlich nur ein Achtelthema, aber man könnte zur Not . . .” So ist der Sprachfiesler Unterstöger in seinen 25 Jahren bei der SZ nicht nur zum Altmeister, sondern auch zum Fackelträger und Retter des “Streiflichts” geworden. Und man muss froh sein, dass er nicht dem Rat seines Lehrers gefolgt ist, der ihm einst anempfahl: “Mensch, Unterstöger, werd´ Friseur, da kannst du auch Kopfarbeit leisten!”

Laudator Axel Hacke, selber Ernst-Hofericht-Preisträger und Meister der kleinen Form.  Foto: Rumpf

Laudator Axel Hacke, selber ein Meister der kleinen Form. Foto: Stephan Rumpf

Unterstöger indes hat seinen Rückzug ins heimatliche Altötting schon eingefädelt und das Preisgeld dem Fliesenleger versprochen, der ihm das Bad verlegt. Im Ruhestand, so verriet er in seiner streiflichtwürdigen Dankesrede, werde er sich dann einem dreibändigen Langzeitstudienprojekt widmen. Titel: “Wenn Altötting das Herz Bayerns ist, was ist dann München?” Im Dunstkreis der berühmten Kapelle an seinem Alterswohnsitz wird Unterstöger dann vielleicht auch jene göttliche Gnade erfahren, die ihm ein frommes Altöttinger Großmütterchen einst absprach, als sie ihn fragte: “San Sie immer noch bei dem Kommunistenblattl?” (gemeint war die SZ), und als Unterstöger diese seine Tätigkeit nicht leugnete, richtete die Alte den Finger gen Himmel mit den Worten: “Jeder muss sich amol verantworten – dort drobn!” So viel zum (niederbayerischen) Background des stets so ab- und tiefgründig ausgeschrittenen Spannungsfeldes “Gott und die Welt” in Unterstögers Texten.

Die Laudatio auf den Preisträger Pelzig hielt die Kritikerin Beate Kayser, die ehemalige Feuilletonchefin der Münchner “tz”. Von Pelzigs Spießeroutfit mit Cordhut und Herrenhandtasche auf Barwassers “blitzschnelles Switching” kommend, porträtierte sie den fränkischen Kabarettisten als gespaltene Künstlerpersönlichkeit von hohem Unterhaltungs-, Erkenntnis- und Überraschungswert: Er stelle seinen Gästen jene Fragen, “die der Zuschauer sich selbst zu stellen nie getraut hätte”, und er kitzle Seiten heraus, “die keiner vermutet hätte” – aber, so Frau Kayser: “nie mit diesen Bratwurstthemen”.

Pelzig erregt sich.   Foto: Rumpf

Pelzig erregt sich. Foto: Rumpf

Der solcherart Gelobte zeigte zum Dank den Wolf im Schaf-Pelzig, indem er sich immer mehr in Rage redete, bis er von den Themen Preisgeld, München und Gerechtigkeit auf verarmte Milliardäre, die fehlende Protestkultur in Deutschland und auf Westerwelles FDP kam: Er wolle ja nicht sagen, dass die FDP käuflich sei, “aber man kann sie mieten”. Pelzig ist dagegen unbezahlbar.

25.10.09 | 17:48 | Glückwunsch! | Kollegialitäten | Literatur | Kommentare 1 Kommentar

10 Jahre Suchers Leidenschaften

Sucher ist der mit der roten Hose

Sucher ist der mit der roten Hose

Früher war er selber Kritiker und als solcher mein Theaterchef bei der “Süddeutschen Zeitung”: C. Bernd Sucher, lange Jahre Redakteur im Feuilleton der SZ, inzwischen desertiert und als Vortragskünstler auf die andere Seite gewechselt: von der fünften Reihe Parkett auf die Bühne. “Ich bin angekommen”, kommentiert er den Übersprung. Mit seiner Reihe “Suchers Leidenschaften” zieht er seit zehn Jahren durch die Lande, tritt an Theatern in München, Hamburg, Wien und Weimar auf und vermarktet das Ganze in Form von Büchern und CDs.

Wer Sucher kennt, weiß: Dieser Mann hat viele Leidenschaften. Frankreich zum Beispiel, kulinarische Abende mit illustren Gästen oder schrille Sakkos von Comme des Garçons. Nicht zu vergessen seine Vorliebe für rote Hosen und schmutzige Witze. Bei “Suchers Leidenschaften” spielt das zwar auch mit rein, aber vornehmlich geht es um Literatur. Das Konzept ist so einfach wie effektiv: Sucher hält einen Vortrag über einen Dichter/eine Dichterin seiner Wahl – er tut das nicht literaturwissenschaftlich-professoral, sondern sehr unterhaltsam und leidenschaftlich-subjektiv. Dazu sitzen Schauspieler auf der Bühne – und zwar nicht die schlechtesten - und lesen an den entsprechenden Stellen sozusagen die O-Töne ein: Zitate aus Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Stücken. Wobei Suchers Hauptleidenschaft immer den Liebes- und Bettgeschichten und damit auch, wie er das nennt, den “Ferkeleien” gilt.

Bei der Gala “10 Jahre Suchers Leidenschaften” im Münchner Prinzregententheater ging es um das (Liebes-)Werk so unterschiedlich enthemmter Literaten wie Thomas Mann, Gertrude Stein, Franz Kafka, Oscar Wilde oder Simone de Beauvoir – eine Reader´s Digest-Version vergangener Leidenschaften. Zwischendurch gab es Szenen aus Bernsteins “West Side Story”, aufgeführt von Musical-Studenten der Bayerischen Theaterakademie. Bisschen lang. Aber sehr nett. Als Lese-Assistenten an Bistrotischchen fungierte eine ganze Riege namhafter Schauspielkünstler:  Hildegard Schmahl von den Münchner Kammerspielen, Sunnyi Melles, Stefan Hunstein und Thomas Loibl vom Bayerischen Staatsschauspiel, Elisabeth Augustin und Markus Meyer vom Burgtheater Wien – und nicht zuletzt Angela Winkler und Otto Sander, die aus Berlin angereist kamen. Früher, sagte Sander hinterher auf der Raucherterrasse, habe der Sucher ihn ja oft verrissen – aber was verzeihe man nicht alles aus Leidenschaft für die Sache (seine Sache war es an diesem Abend,  Textbeispiele von Arthur Miller zu lesen, was er einigermaßen fahrig tat).

Und weil es nun mal Bernd Suchers Lieblingslied aus der “West Side Story” ist, gibt´s hier zum Grande Finale den Song “Tonight”:

http://www.youtube.com/watch?v=jfxGoq8MkYA


« Newer Posts