16.03.11 | 23:38 | Dies & das | Trouvaillen | Kommentare 3 Kommentare

Media Markt to go

Gesehen am Münchner Flughafen, Terminal 1

Gesehen am Münchner Flughafen, Terminal 1

Zigarettenautomaten sind ja schwer auf dem Rückmarsch. Und wo hätte man zuletzt einen Kaugummiautomaten gesehen? Dafür kann man sich jetzt schnell mal einen iPod oder ein neues Handy aus dem Automaten ziehen: im “Media Markt to go”, wie das “Ich bin doch nicht blöd”-Unternehmen seine Verkaufsautomaten für Elektronikartikel nennt. Seit November testet Media Markt, ob der schnelle en-passant-Verkauf aus der öffentlichen Vitrine bei der Kundschaft zieht. Mir ist der rote Kasten am Münchner Flughafen (Terminal 1) erst neulich aufgefallen, als ich nach Düsseldorf geflogen bin. Am Münchner Hauptbahnhof soll es noch ein zweites Exemplar geben, da bin ich aber offenbar immer dran vorbeigehetzt.

Auch an diesem Teil war ich schon vorbei, als irgendwelche Gehirnrezeptoren meldeten: Hey, das war ja gar nichts Essbares, keine Chips, kein Twix – was dann? Ich also noch mal umgekehrt, um die Produktlage zu sondieren. (Obwohl ich es bereits geschafft hatte, diesmal schnurstracks, mit eisern nach vorne gerichtetem Blick am Duty Free vorbeizustromern, das ist am Flughafen meine gefährlichste Kaufsuchtfalle.) Das Sortiment im Bauch des Automaten: Digitalkameras, Ladekabel, externe Festplatten, Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten, Batterien … gottlob keine große Kaufgefahr. Das Angebot richtet sich wohl eher an Urlauber, die was vergessen haben. Und an Reisefrustkäufer, die so elektronikversessen sind wie ich kosmetikaffin.

Ich jedenfalls hab mir nichts gezogen, schon gar keine Digicam, hatte ja meine eigene dabei – damit hab ich dann schnell dieses Foto gemacht, und dann schaun wir mal, ob die Elektronik-Automaten ihre Testphase bestehen.

24.12.10 | 20:07 | Dies & das | Trouvaillen | Kommentare 5 Kommentare

Frohe Weihnachten

 Wiener Weihnachtsbudenzauber vor dem Rathaus

Wiener Weihnachtsbudenzauber vor dem Rathaus

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs frohe, besinnliche Weihnachten und schöne Feiertage.

Die Fotos hier habe ich am Sonntag in Wien vor dem Rathaus gemacht. Illuminationstechnisch lassen sich die Wiener zur Weihnachtszeit ja echt nicht lumpen. Was die da jedes Jahr an Glitzer-Deko, Leuchtzeugs und Weihnachtsmärchenzauberkitsch auffahren, gerade rund ums Rathaus mit dem populären Christkindlmarkt davor, das macht ihnen so schnell keine andere Stadt nach. Immer wieder beeindruckend.

Wien-Blog-KerzeUnd jetzt möchte ich hier gerne noch von meinem persönlichen kleinen Weihnachtswunder erzählen:

Meine verlorene Digitalkamera mit den Bildern von der Kilz-Abschiedsfeier ist wieder da! (Himmel! Damit ist sie zum dritten Mal in diesem Jahr zu mir zurückgekehrt …)

Gefunden hat sie eine unglaublich rührige  SZ-Leserin, die eins und eins zusammenzuzählen wusste und sich richtig Mühe gab, den Besitzer ausfindig zu machen. Nachdem sie die Kamera im Schneematsch auf der Straße, in der ich wohne, gefunden hatte – sie muss mir beim Aussteigen aus dem Taxi herausgefallen sein -, sah sie die Bilder durch und erkannte als aufmerksame SZ-Leserin, die sie ist, dass es sich dabei um Fotos von der Abschiedsfeier des Chefredakteurs Kilz handeln musste (es war im Lokalteil ein “Szenario” über die Abschiedsparty erschienen – mit ähnlichen Fotos). Was also tat die liebe Frau? Sie schrieb eine Mail an die SZ, dass sie eine Kamera gefunden habe, die vermutlich einem der Gäste unseres scheidenden Chefredakteurs gehöre. Ob man sich nicht mal umhören möge?

Diese Mail landete in der Chefredaktion, zu welcher sich der Verlust meines Fotoapparates bis dahin noch nicht herumgesprochen hatte. Aber wofür gibt es Kantinen und den Klatsch beim Mittagessen? Einen Tag später kriegte ich eine Nachricht aus der Chefredaktion mit angehängter Mail der Finderin, bei der ich mir meine Kamera inzwischen mit einer Flasche Champagner abgeholt habe. Wie sie mir erzählte, hatte sie sogar bei mir in der Straße, da wo sie die Kamera gefunden hatte, einen Aushang gemacht. Wahnsinn. Dass es das noch gibt! Tolle Erfahrung.

In Wien kann man zu Weihnachten sein blaues Wunder erleben ...

In Wien kann man zu Weihnachten halt immer noch sein blaues Wunder erleben ...

Danke, liebe Frau Kornprobst! Sie haben mir eine große Freude bereitet und so viel gute Energie in die Welt gesetzt. Mögen Sie diese Energie um ein Vielfaches zurückbekommen.

Außerdem sind die SZ-Leser einfach die besten!

Tja, jetzt hab ich also zwei Kameras. Die alte, zurückgekommene ist zwar ein bisschen lädiert und hat ihre Beulen, aber wunderbarerweise geht sie noch. Ich hänge immer noch an ihr, auch wenn die neue (vielleicht doch etwas vorschnell gekaufte) doch eine ganze Klasse besser ist und Fotos schafft wie diese hier.

Jedenfalls, liebe Freunde und Feinde: My blogging is going on. Mit zwei Kameras ja wohl erst recht!

08.12.10 | 23:18 | Dies & das | Trouvaillen | Kommentare 1 Kommentar

Sauber, sog i!

Münchner Fußgänger-Container-Tunnel: So sauber, dass man sich drin spiegeln kann

Münchner Fußgänger-Container-Tunnel: So sauber, dass man sich drin spiegeln kann

München, Innenstadt. Bin neulich Abend nach einer Premiere in den Kammerspielen bei Schneewetter Richtung Odeonsplatz gestiefelt. An der Alten Residenzpost, Maximilianstraße / Ecke Residenzstraße, ist da jetzt diese Baustelle. Es entsteht hier, auf einer Fläche von mehr als 4500 Quadratmetern, das sogenannte Palais an der Oper. Die Passanten werden an der Fassade entlang durch so einen Baucontainer-Fußgängertunnel geschickt. Eigentlich nichts Besonderes. Aber in München schon!

Das bayerische Reinheitsgebot  - jetzt auch in Fußgänger-Schleusen!

Das bayerische Reinheitsgebot - jetzt auch in Fußgänger-Schleusen!

Geht man da durch, wird man von der Sauberkeit, Weißheit, ja von der geradezu strahlenden Reinheit dieses Containerschleusengangs direkt geblendet. Unglaublich! Fast schon wollte ich meine Stiefel ausziehen, um nur ja keinen Matsch reinzutragen. An den – hell erleuchteten – Blechcontainerwänden fand sich überhaupt kein Geschmiere, kein einziges Graffitto, nicht einmal ein Strichlein, kein kitzekleines Kritzelchen. Alles blitzeblank, wie von Meister Proper und Herrn Domestos persönlich gescheuert.

Wer ein bisschen rumkommt in Deutschland oder sonstwo auf der Welt und zum Beispiel die Hausfassadenbeschmierungsnot der Berliner kennt, der kommt zu der unbefleckten Erkenntnis: Das gibt es nur in München!

Die Frage ist nur, ob man so viel Saubermännlichkeit dem bayerischen Reinheitsgebot zurechnen und mithin als ursprünglich und pur begrüßen oder nicht vielleicht doch eher gespenstisch finden soll …

17.11.10 | 23:20 | Dies & das | Kritikerin unterwegs | Publikationen | Kommentare 1 Kommentar

Heimliche Zwillinge, von Geburt an getrennt

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Auf dem Titelbild der aktuellen “Mobil”, dem unverzichtbaren Fachmagazin aller Bahnreisenden, ist … ähm … wer gleich noch mal abgebildet?

Schon zweimal ertappte ich mich beim flüchtigen Draufgucken bei dem Gedanken, das sei Edmund Stoiber. – I mean … Stoiber, you remember?

Aber nein: Der im ungewöhnlichen Seitenprofil lachend abgelichtete Titelheld ist Harald Schmidt. – Harald Schmidt, you remember? Es gibt im Moment eigentlich rein gar keinen Anlass oder Bedarf, ein Interview mit Harald Schmidt zu lesen. Oder sollte ich mich da täuschen? Nun je, ich kann inhaltlich eigentlich gar nichts dazu sagen, denn ich habe das Interview tatsächlich nicht gelesen. Die Zeit ist knapp, das Titelbild langweilig, und man hat ja so viele andere Sachen zu lesen – gerade im Zug.

Ich habe das Heft zunächst einfach nur deshalb abfotografiert, weil es mir so unzeitgemäß stoiberhaft erschien …

Dann kam ich nach Nämberch, ins schöne Frankenland, und erlebte den auf Anhieb wahreren, erkennbareren Harald Schmidt: Klaus Kusenberg, Schauspielintendant am Staatstheater Nürnberg, ein Mann von echtem Schmidt-Muster.

Hier mal zum Vergleich:

Blog-Kusenberg1Blog-Schmidt2

—–
Zur Verdeutlichung: Links, das ist Klaus Kusenberg vom Theater in Nürnberg – rechts, das ist Harald Schmidt von Bahn Mobil, oder na ja: Schmidt mobil eben. Die Ähnlichkeit ist frappierend, und Kusenberg, von mir darauf angesprochen, muss beinahe gähnen, weil das für ihn nun wirklich nichts Neues ist. Mit Schmidt, sagt er, werde er schon seit Jahren verwechselt. Eine Zeit lang hätten sie eine fast identische Frisur gehabt, da sei es besonders schlimm gewesen. Aber er stehe da längst drüber.

Klaus Kusenberg

Klaus Kusenberg

Was man unbedingt zu Kusenberg anmerken muss: Er ist derzeit einer der glücklichsten Schauspieldirektoren Deutschlands, wenn nicht der allerglücklichste. Hat er doch in Zeiten, in denen anderswo Sparpakete in Millionenhöhe geschnürt werden (siehe aktuell: Bonn), ein super schönes, rundum erneuertes, technisch hochmodernes Haus hingestellt bekommen (siehe meinen Blog-Eintrag vom 26.10.), in dem man es jetzt theatermäßig mal so richtig krachen lassen kann. Süß, wie er sich freut.

Der “Mobil”-Titel mit Schmidt lautet übrigens: “Ich will kein Upgrade”. Ist ja echt mal eine Nachricht! Die kann das Nürnberger Theater aber kein bisschen jucken, denn das hat ja eins.

06.10.10 | 15:31 | Dies & das | Geht gar nicht | Kommentare 0 Kommentare

Curtis, der Öko-Fascho

Richard Curtis ist so ziemlich der größte Drehbuchautor, den England zu bieten hat, er hat “Vier Hochzeiten und ein Todesfall” und “Notting Hill” geschrieben, und dann auch noch den nächsten Spielberg, der noch in Arbeit ist, “War Horse”. Wie der wird, weiß man ja nicht, aber dass Curtis nicht immer geschmackssicher ist, das sieht man an “Tatsächlich Liebe” , jenem Hugh-Grant-Film, den er nicht nur geschrieben, sondern auch ohne übergeordnete Instanz, inszeniert hat. Das Ergebnis ist an manchen Stellen der reine Kitsch. Aber man kann sich ja auf die unterschiedlichsten Arten geschmacklich verirren. Für die britische Öko-Kampagne 10 : 10 hat Richard Curtis einen Werbefilm gedreht, der am vergangenen Wochenende online gestellt wurde -- und dann, ein paar Stunden später, im Giftschrank landete. Curtis outet sich da als echter Öko-Faschist, für die Kampagne wurde etwas weniger blutrünstige Überzeugungsarbeit erwartet; “No Pressure” heißt das Ding, gemeint ist wohl das Gegenteil. Der Film wurde zurückgezogen, aber im Netz geht ja nichts verloren.

20.08.10 | 13:14 | Dies & das | Kommentare 0 Kommentare

Im Vollrausch

Your mind is the scene of the crime … Ist schon erstaunlich, wie viel Mühe sich Menschen manchmal geben, nur um andere auf den Arm zu nehmen. Christopher Nolans Traumfilm “Inception” mit Leonardo DiCaprio ist mit seinem vorgegaukelten Tiefgang ein sehr naheliegendes Opfer -- weswegen auf Youtube eine ganze Palette von kleinen “Inception”-Satiren unterweg sind. “Contraception” ist sehr nett, aber was die Macher des getürkten Trailers “Inebriation” (zu deutsch: Vollrausch) geleistet haben, ist schon auf der technischen Ebene eindrucksvoll. Und komisch. Trinken statt träumen. Your liver is the scene of the damage.

Zum Vergleich hier der Originaltrailer.

18.08.10 | 21:58 | Dies & das | Geht doch! | Kommentare 0 Kommentare

Absolutes Shopping-Verbot!

Foto: ap

Foto: ap

Diese Glosse habe ich für die Rubrik “Shopping-Tour” im SZ-Lokalteil geschrieben (erschienen heute, 18.08.) – kleine Etüde aus dem wahren Einkaufsleben.

Die Stimme der Vernunft

Die Stimme der Vernunft hat nach dem Schock der letzten Kreditkartenabrechnung für die nächsten zwei Monate – oder na ja, sagen wir: wenigstens für August – ein absolutes Shopping-Verbot erlassen. Die Zeit dafür scheint günstig. Der Sommer ist so gut wie rum, da braucht es nun wirklich kein weiteres Paar Korksandalen und so ein Hängerchen mehr. Für die Herbst-Winter-Kollektion wiederum, deren Camel Coats und Strickjacken in den Auslagen schon wollig locken, ist es gefühlsmäßig doch noch ein bisschen zu früh. So! Jetzt wird mal das getragen, was im Schrank ist und zum Teil tatsächlich noch nie getragen wurde, dieses blaue Kleid vom letzten Jahr zum Beispiel, an dem sogar noch das Preisschild hängt. Tolles Kleid, tolles Blau – leider viel zu figurbetont. Dafür müsste man erst mal abnehmen . . .

Objektiv und rein funktional betrachtet mag der eigene Kleiderschrank eine riesige Auswahl und Vielfalt bieten, subjektiv am Morgen davor grübelnd fehlt mit Sicherheit justament ein weißes Top oder sonst ein Teil zum Kombinieren, was sofort die Stimme der Vernunft auf den Plan ruft, die da sagt: Ein weißes Top ist ein Basic, ein Must-Have für alle Jahreszeiten und Gelegenheiten, es zu haben, würde dir am Morgen immens viel Zeit und Kopfzerbrechen ersparen, geh und kaufe eins.

Also geht man los, ist ja nur für ein Top, und schon ist man mittendrin im Preisgepurzel dieser Tage. Unglaubliche Schlussverkaufsrabatte alarmieren sofort die Stimme der Vernunft: Zuschlagen, sagt die Stimme, so billig kriegst du dieses Trägerkleid nie wieder! Der Sommer ist zwar so gut wie rum, aber dann brauchst du nächstes Jahr kein neues mehr zu kaufen. Und die schöne weiße Bluse von Joop ist ein Basic, ein Must-Have für alle Jahreszeiten und Gelegenheiten. Halber Preis! Totales Schnäppchen. Macht am Ende fünf unverzichtbare Muss-ich-haben-Teile für 375 Euro. Die Stimme der Vernunft hat gesiegt.

07.07.10 | 19:08 | Dies & das | Kulinarik | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick I: Schumann´s backstage

Seeprom-Sommermohn

Drei Wochen Urlaub sind bereits vergangen, davon war ich eine Woche Jurorin beim Theatertreffen der Schauspielschulen in Leipzig (ich werde noch berichten) und danach bei Freunden in einem Haus am See nahe Potsdam, wo obiges Mohnwiesensommerfoto entstand und jegliches Bloggen geblockt wurde. Seit Montagabend bin ich wieder zurück in München …

Gleich mal zum Wiedereingewöhnen ins Schumann´s. Montags hat Ernst Fischer, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der SZ, dort immer seinen Stammtisch. Zur festen Besetzung gehören die SZ-Karikaturisten und ein reisefreudiger Steuerberater, zur wechselnden die unterschiedlichsten Gäste aus den Bereichen Politik, Kultur, Medien und Medizin.

Ernst Fischer (rechts) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Ernst Fischer (rechts oben) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Im Sommer sitzen die wahren Kenner und Genießer nicht etwa im Getümmel vor dem Lokal mit Blick auf die Straße und den Odeonsplatz (das ist der eigentliche Bühnenbereich, hier gilt: sehen und gesehen werden) – im Sommer sitzen die wahren Connaisseure backstage. Soll heißen: Man geht hinten raus, in den Hofgarten, wo Charles unter schattigen Bäumen und bordeauxroten Sonnenschirmen Tische aufgestellt hat und mithin einen kleinen, feinen Biergarten betreibt, auch wenn Bier hier als Getränk eine eher nachgeordnete Rolle spielt. Schu-Hofgarten

Der Platz ist zum Draußensitzen herrlich, einer der schönsten in München – bzw. “… auf der Welt”, wie mich Anne Urbauer am Montag korrigierte, und die ist eine weit gereiste Journalistin und dürfte es also wissen. Man sitzt wahnsinnig lauschig zwischen den Arkadengängen und dem Hofgartengrün und kann staunend zusehen, wie der Münchner Abendhimmel dieser Stadt schmeichelt und sie zum Leuchten bringt. Ich hab hier immer so ein schönes feuchtwangerndes München-”Erfolgs”-Gefühl, aber gleichzeitig ist das Licht auf den Arkaden auch molto italiano.

Schu-Arkaden

Na jedenfalls hab ich mir nach meiner Rückkehr gleich wieder diesen München-Kick geben wollen – und es hat auch funktioniert.

Selbst Charles war gut aufgelegt und hatte seine oft so betont ausgestellte – und von etlichen weiblichen Gästen entsprechend beklagte – Misogynität in die Kiste mit den Regensachen gepackt. Wie man sehen konnte, läuft es auch wieder bestens mit seiner Maria. Gracias a dios!

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Was gibt´s Neues in unserer kleinen Stadt? Ein paar Leute sind wählen gegangen und haben per Volksentscheid das öffentliche Rauchen ganz und gar verbieten lassen. Ich fass es nicht. Der neue Focus-Chef Wolfram Weimer hat den Schumann´s-Hofgarten auch schon raus. An einigen Tischen wird getuschelt – wie lange der´s wohl machen wird? Ob man ihn den Abwickler nennen muss? Im Moment lässt sich vom Vordertisch aus nur so viel sagen: Er ist riesengroß und schlaksig und hat so Haare. Die Münchner Abendzeitung gibt es übrigens auch noch – davon konnte man nicht mit Sicherheit ausgehen. Kent Nagano gibt es nach 2013 hier definitiv nicht mehr – das war am Montag noch Befürchtung und Gerücht. Gestern kam die Bestätigung.  Und Ulrike Hessler wird noch viel früher weg sein: nämlich schon ab August. Die Marketingchefin der Bayerischen Staatsoper wird dann Intendantin der Dresdner Semperoper. Im Schumann´s gab sie einen Empfang, der ganz nach Abschiedsfeier aussah. Aber es war eine Opern-Fundraising-Veranstaltung, ich habe nachgefragt: Geld auftun für die Junge Szene Dresden. Den Aperitif gab´s draußen. Drinnen war dann – ganz Schumann´s-untypisch – eine richtig feierliche Tafel gedeckt, mit weißer Tischdecke, Blumendekorationen und Pipapo und eine junge Sängerin sang den Herrschaften was vor.

Aber auch wenn das nicht Ulrike Hesslers Abschiedsfete war (dafür wünsch ich ihr dann doch mehr Partystimmung), hab ich schon mal ein Abschiedsfoto gemacht. Auf Wiederschaun, liebe Ulrike Hessler, pfüat eana! Viel Glück für Dresden. Und schöne Grüße an den Herrn Thielemann.

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Am Ende, da war es schon dunkel, sagte Charles dann noch, dass er Tische mag, die einfach nur im Hof rumstehen, ohne Stuhl, ohne Zweck … Tische halt. Klingt gaga. Aber tatsächlich, wenn man genau hinschaut: Das hat absolut was.

Schu-leereTische2

Andere Wirte würden den Platz vollstopfen und gastronomisch ausnutzen bis zum Gehtnichtmehr. Charles Schumann macht seinen Gästen zwar wahrlich nicht den Hof – aber er (be)lässt ihn ihnen. Dafür danke.

04.05.10 | 17:34 | Dies & das | Kommentare 1 Kommentar

Die Europäische Fußballmeisterschaft der Theater

Heute darf ich hier einen Gastblogger begrüßen:

und zwar den jungen Regisseur Veit Güssow, der nicht nur das Theater liebt, Guessow2 sondern auch den Fußball (was in dieser Kombination ja häufiger vorkommt als gedacht). Er hat angeboten, was über die 42. Europäische Fußballmeisterschaft der Theater zu posten – eine Veranstaltung, deren Existenz mir gar nicht bekannt war, die aber offenbar tatsächlich am vergangenen Wochenende in Essen über die Bühne den Rasen gegangen ist. Als Spieler mit dabei: Veit Güssow. Der hat sich mächtig ins Zeug gelegt – und gab mir heute bei weitem nicht nur das Ergebnis durch. Fußballaffin ist dieses Blog zwar nicht, aber es soll diese Spielart auch nicht ausgegrenzt werden. Deshalb hier nun also:

Bericht von der “42. European Championship of Theatre Soccer Teams” in Essen am 01.05.2010 /

Von Veit Güssow

bild1

Vorwort:

Es gab klangvolle Partien zu bestaunen, bei der 42. European Championship of Theatre Teams in Essen. Wo sonst spielt die Staatsoper Berlin gegen die Wiener Staatsoper (0:0), das Thalia Theater Hamburg gegen die Opéra National de Paris (0:2), das Teatro all Scala di Milano gegen das Slovene National Theater Maribor (0:2) oder das Teatro de la Fenice Venezia gegen das Theater Erlangen (2:0). Am Ende hängten die Opernhäuser die Sprechtheater klar ab. Mindestens die  ersten neun Plätze gingen an Opern und Drei-Spartenhäuser – beim 10. Platz, dem Teatro Prinzipal de Zaragoza, ist mir trotz Blick ins Netz nicht klar, was die eigentlich sind.

bild2Und wo waren die großen Sprechbühnen? Aus Berlin und München und Wien – keine dabei! Aus Hamburg? Thalia und Schauspielhaus fanden sich auf den hintersten Plätzen 23 und 24. Aus Erlangen? Die Erlanger errangen – unterstützt von Spielern vom Theater an der Ruhr – nicht nur einen stolzen 15. Platz, sondern hatten auch die größte (und einzige) Fahne dabei, die einsam die Tribüne schmückte.

Das Turnier:

„Dabei sein ist alles“ wurde in der Eröffnungsrede offenbart. Man wünsche sich „faire“ und „harte“ Spiele, hieß es in den etwas irritierenden weiteren Ermunterungen, und überhaupt könne man sich alternativ auch auf den Fairplay-Preis konzentrieren (der ging ans Rheinischen Landestheater Neuss), was sich wohl an jene richtete, die sich bei den „harten“ Spielen keine Chancen ausrechneten (was ich den Spielern von Neuss nicht unterstellen will). Laut Johanniterstatistik ging’s dann aber gar nicht so richtig hart zur Sache, schlimme Verletzungen blieben aus, was einer der Schiedsrichter so umschrieb: „Hier spielen Leute, die mehr wollen, aber weniger können.“ Vielleicht hilft zum Verständnis des Satzes das Wissen, dass letztes Jahr das Endspiel abgebrochen werden musste, nachdem es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Mailand und Ravenna gekommen war (angeblich waren vermeintliche Fakten über die Mutter eines Spielers in Umlauf gebracht worden), so dass ein lachender Dritter dadurch nicht nur Dritter wurde.

Eine Erkenntnis des Turniers ist, dass die Städtischen Bühnen Köln feige sind und, statt beim Elfmeterschießen um den 15. Platz gegen Erlangen anzutreten, heimfuhren. bild3

Das schickste Trikot hatten die Spieler vom Theater Winterthur, die 22. wurden und die Frage aufwarfen: Was muss man sich unter dem Sponsor „Ruckstuhlelite“ vorstellen (siehe Foto)?

bild4

Das Thalia Theater (23.) war übrigens verletzungsbedingt vorzeitig abgereist  (was irgendwie im Widerspruch zu der Johanniteraussage steht) und das Schauspielhaus Hamburg (24. und Letzter) war gar nicht erst angereist. Arme „Ruckstuhlelite“.

Nicht nur dabei waren, sondern auch noch gewonnen haben die Slovenen vom Theater Maribor, die so hervorragend spielten, dass irgendwann die Vermutung auftauchte, ob da nicht der eine oder andere Profispieler in letzter Sekunde ein Praktikum in der Requisite angedreht bekommen hatte, aber das sind bloß neidvolle Nachreden, wenn man mich fragt.bild5

Auch wenn das Turnier von Elfmeterschießen nur so wimmelte, wurde die mancherorts gehegte Hoffnung, auf diese Weise mal den slowenischen Torwart in Aktion zu sehen, nicht erfüllt. Der slowenische Sturm war einfach zu stark, Elferschießen blieben aus. Auf dem Bild sieht man den Torwart und einen Spieler im Siegestaumel.

Die Randgeschichte:

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Dieser Mann vom Team „Helmut-List-Halle“ (übrigens aus Graz) wurde im Finale berühmt, als er seine fegende Hausmeisterpappfigur als halbnackter Flitzer – halbnackt weil nur obenrum bekleidet – direkt auf den Mittelkreis setzte und dabei ordentlich Applaus erntete.

Die absolute Randgeschichte:

bild7In Essen muss irgendwo gerade Cremeseife im Angebot sein, denn in unserem Mannschaftsquartier – ich spielte übrigens für Erlangen – fanden sich im Gemeinschaftsbad gleich drei Sorten zur Auswahl. Und auf der Siegesfeier in der Rathauskantine gab es noch mal dieselbe Auswahl – das kann kein Zufall sein.

Zum Abschluss der Dank: bild8

Zweite wurden höflichst die Gastgeber der „Theater und Philharmonie Essen“, die zumindest fürs Jubeln und für die Organisation den dicksten Pokal verdient hätten. Hier nach dem entscheidenden Elfmeter gegen Paris – unhaltbar geschossen. Und auch einen großen Dank hat das Wetter verdient, das sich allen Vorausdeutungen trotzend zum Halten entschied.

04.05.10 | 16:39 | Dies & das | Harte Realitäten | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Das Imaginarium des Dr. Gollum

Auch die Schauspielkunst unterliegt dem Wandel der Zeit. Das behauptet zumindest Andy Serkis – ein Londoner Schauspieler, Jahrgang 1964, hat viel Theater gespielt, aber als er 35 Jahre alt war, 1999, wartete er immer noch auf seinen großen Druchbruch. Den hat er auch erlebt – als Gollum in Peter Jacksons “Herr der Ringe”-Filmen; und als Jacksons “King Kong”. Gut, das waren jetzt keine Rollen, mit denen sein Gesicht berühmt wurde – aber aus der Mischform von Schauspiel und Computeranimation hat er tatsächlich eine eigene Kunstform gemacht. Und nun will er, so steht`s im Guardian, auch anderen beibringen, wie das geht – und gründet deswegen eine Schauspielschule für computergenerierte Charakterrollen, das Imaginarium, wo man lernt, sich in nicht existenten Räumen in dreidimensionale oder auch nur irgendwie verwachsene Figuren einzufinden. Sie haben unseren Schatz gestohlen…

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