Heute darf ich hier einen Gastblogger begrüßen:
und zwar den jungen Regisseur Veit Güssow, der nicht nur das Theater liebt,
sondern auch den Fußball (was in dieser Kombination ja häufiger vorkommt als gedacht). Er hat angeboten, was über die 42. Europäische Fußballmeisterschaft der Theater zu posten – eine Veranstaltung, deren Existenz mir gar nicht bekannt war, die aber offenbar tatsächlich am vergangenen Wochenende in Essen über die Bühne den Rasen gegangen ist. Als Spieler mit dabei: Veit Güssow. Der hat sich mächtig ins Zeug gelegt – und gab mir heute bei weitem nicht nur das Ergebnis durch. Fußballaffin ist dieses Blog zwar nicht, aber es soll diese Spielart auch nicht ausgegrenzt werden. Deshalb hier nun also:
Bericht von der “42. European Championship of Theatre Soccer Teams” in Essen am 01.05.2010 /
Von Veit Güssow

Vorwort:
Es gab klangvolle Partien zu bestaunen, bei der 42. European Championship of Theatre Teams in Essen. Wo sonst spielt die Staatsoper Berlin gegen die Wiener Staatsoper (0:0), das Thalia Theater Hamburg gegen die Opéra National de Paris (0:2), das Teatro all Scala di Milano gegen das Slovene National Theater Maribor (0:2) oder das Teatro de la Fenice Venezia gegen das Theater Erlangen (2:0). Am Ende hängten die Opernhäuser die Sprechtheater klar ab. Mindestens die ersten neun Plätze gingen an Opern und Drei-Spartenhäuser – beim 10. Platz, dem Teatro Prinzipal de Zaragoza, ist mir trotz Blick ins Netz nicht klar, was die eigentlich sind.
Und wo waren die großen Sprechbühnen? Aus Berlin und München und Wien – keine dabei! Aus Hamburg? Thalia und Schauspielhaus fanden sich auf den hintersten Plätzen 23 und 24. Aus Erlangen? Die Erlanger errangen – unterstützt von Spielern vom Theater an der Ruhr – nicht nur einen stolzen 15. Platz, sondern hatten auch die größte (und einzige) Fahne dabei, die einsam die Tribüne schmückte.
Das Turnier:
„Dabei sein ist alles“ wurde in der Eröffnungsrede offenbart. Man wünsche sich „faire“ und „harte“ Spiele, hieß es in den etwas irritierenden weiteren Ermunterungen, und überhaupt könne man sich alternativ auch auf den Fairplay-Preis konzentrieren (der ging ans Rheinischen Landestheater Neuss), was sich wohl an jene richtete, die sich bei den „harten“ Spielen keine Chancen ausrechneten (was ich den Spielern von Neuss nicht unterstellen will). Laut Johanniterstatistik ging’s dann aber gar nicht so richtig hart zur Sache, schlimme Verletzungen blieben aus, was einer der Schiedsrichter so umschrieb: „Hier spielen Leute, die mehr wollen, aber weniger können.“ Vielleicht hilft zum Verständnis des Satzes das Wissen, dass letztes Jahr das Endspiel abgebrochen werden musste, nachdem es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Mailand und Ravenna gekommen war (angeblich waren vermeintliche Fakten über die Mutter eines Spielers in Umlauf gebracht worden), so dass ein lachender Dritter dadurch nicht nur Dritter wurde.
Eine Erkenntnis des Turniers ist, dass die Städtischen Bühnen Köln feige sind und, statt beim Elfmeterschießen um den 15. Platz gegen Erlangen anzutreten, heimfuhren. 
Das schickste Trikot hatten die Spieler vom Theater Winterthur, die 22. wurden und die Frage aufwarfen: Was muss man sich unter dem Sponsor „Ruckstuhlelite“ vorstellen (siehe Foto)?

Das Thalia Theater (23.) war übrigens verletzungsbedingt vorzeitig abgereist (was irgendwie im Widerspruch zu der Johanniteraussage steht) und das Schauspielhaus Hamburg (24. und Letzter) war gar nicht erst angereist. Arme „Ruckstuhlelite“.
Nicht nur dabei waren, sondern auch noch gewonnen haben die Slovenen vom Theater Maribor, die so hervorragend spielten, dass irgendwann die Vermutung auftauchte, ob da nicht der eine oder andere Profispieler in letzter Sekunde ein Praktikum in der Requisite angedreht bekommen hatte, aber das sind bloß neidvolle Nachreden, wenn man mich fragt.
Auch wenn das Turnier von Elfmeterschießen nur so wimmelte, wurde die mancherorts gehegte Hoffnung, auf diese Weise mal den slowenischen Torwart in Aktion zu sehen, nicht erfüllt. Der slowenische Sturm war einfach zu stark, Elferschießen blieben aus. Auf dem Bild sieht man den Torwart und einen Spieler im Siegestaumel.
Die Randgeschichte:

Dieser Mann vom Team „Helmut-List-Halle“ (übrigens aus Graz) wurde im Finale berühmt, als er seine fegende Hausmeisterpappfigur als halbnackter Flitzer – halbnackt weil nur obenrum bekleidet – direkt auf den Mittelkreis setzte und dabei ordentlich Applaus erntete.
Die absolute Randgeschichte:
In Essen muss irgendwo gerade Cremeseife im Angebot sein, denn in unserem Mannschaftsquartier – ich spielte übrigens für Erlangen – fanden sich im Gemeinschaftsbad gleich drei Sorten zur Auswahl. Und auf der Siegesfeier in der Rathauskantine gab es noch mal dieselbe Auswahl – das kann kein Zufall sein.
Zum Abschluss der Dank: 
Zweite wurden höflichst die Gastgeber der „Theater und Philharmonie Essen“, die zumindest fürs Jubeln und für die Organisation den dicksten Pokal verdient hätten. Hier nach dem entscheidenden Elfmeter gegen Paris – unhaltbar geschossen. Und auch einen großen Dank hat das Wetter verdient, das sich allen Vorausdeutungen trotzend zum Halten entschied.