
Mein "Bauer-Salon" ist nach seinem Gründungsort, der Münchner Bauerstraße, benannt - und so wird er auch weiterhin heißen, auch wenn er nicht mehr dort stattfindet. Mit Stall- und Feldarbeit hat der Bauer-Salon jedenfalls nichts zu tun, wie man auf dem Foto ganz gut sehen kann. In Zukunft wird der Salon wohl auf Wanderschaft gehen. Wer geeignete Bars / Räumlichkeiten weiß: bitte melden!
Mein Kultursalon ist zwar noch jung, aber er läuft schon ziemlich super. Bei der dritten Ausgabe des “Bauer-Salons” am 9. Januar, dem Vorabend meines Geburtstags, waren wieder tolle Künstler zu Gast: der “Teufelsgeiger” Hannes Beckmann, auf dem Klavier begleitet von seinem langjährigen musikalischen Kompagnon Edgar Wilson aus Mozambique, sowie der hochkarätige Kabarettist Helmut Ruge, mit seinen 70 Jahren ein Urgestein der Satirekunst.

"Teufelsgeiger" Hannes Beckmann in Aktion
Dass diese Künstler auf das Herzlichste bereit waren, den Salongedanken zu unterstützen und “bei mir” im Salon aufzutreten (übrigens durchaus auch “für mich” – und das, wohlgemerkt, ohne Honorar!), ist einfach wunderbar und zeigt, dass München in dieser Hinsicht viel lässiger, spontaner und kreativer ist als sein Ruf. Es gibt hier richtig gute, begeisterte und sich begeisternde Leute, mit denen man tatsächlich off-the-Hochkultur und ohne Etat im Sinne der Sache spontan was auf die Beine stellen und neue Vernetzungen schaffen kann. Das ist großartig! An dieser Stelle: vielen herzlichen Dank, lieber Hannes, lieber Edgar, lieber Herr Ruge!

"Weil i wui, dass sich was rührt ...": Kabarettist Helmut Ruge
Veranstaltungsort war zum zweiten Mal die Aurora Bar, bei deren Betreiber ich mich diesmal allerdings nicht bedanken kann – im Gegenteil! -, da er sich komplett verweigert und auf unschöne Weise versucht hat, den Salon auflaufen zu lassen bzw. zu hintertreiben. Das hat mir sehr zugesetzt – wir waren immerhin seit vielen Jahren gute Freunde … aber ein Erfolg wurde der Salon trotzdem (und es dürfte für den Herrn Wirt auch die Kasse ganz schön geklingelt haben, was inzwischen offenbar die eigentliche Musik ist in seinen Ohren).

Jazz- und Swing-Sänger Thomas de Lates (rechts) baut für Helmut Ruge eine Mikrofonanlage auf. Der schaut mit seiner Frau sehr genau zu.
Selbst das Problem mit dem nicht vorhandenen Mikrofon für Ruges Lesung konnte spontan behoben werden – dank des beherzten Einsatzes von Thomas de Lates, der eigentlich nur als Zuhörer gekommen war, sich aber sofort bereit erklärte, nach Hause zu fahren und seine Mikrofonanlage zu holen. Thomas de Lates, von Beruf IT-Journalist, ist ein leidenschaftlicher Sänger und bezeichnet sich auf seiner Homepage selbst als “Münchens Schmuse-Bariton für Jazz und Swing”. Als solcher tritt er seit 2003 reglmäßig öffentlich auf – und verfügt über eine Mikrofonanlage allererster Sahne, die er herbeischaffte und aufbaute, so dass wir technisch dann doch noch bestens gerüstet waren.

Geht doch!
Und so war Helmut Ruge, der gebürtige Stuttgarter, bis in den hintersten Winkel der Bar zu hören, als er sich seinen bitteren Spottreim auf die Finanzkrise machte oder (auf gut zugroast Bairisch) seinen vor Tatkraft strotzenden “Lebensblues” losließ:
“Ich brauch a Leben in meim Leben / und koa Friedhofsruha. / Ich muass es kracha lassn, / weil I wui, dass sich was rührt. / Bis mi der Deifi, der oide Hund, / aufn Anger führt …”
In seinem “Zeit”-Gedicht wiederum, in welchem Ruge, der selbst ernannte “Maultaschenphilosph”, Gedanken über die Zeit anstellt (man kann sie totschlagen/ einhalten/ festhalten/ schinden … oder auch finden), baute er mit dem Schluss-Satz “Und jetzt ist Dössel-Zeit” sogar ein Extra-Zeitfensterchen für die Salon-Bäuerin ein. Was natürlich sehr charmant war.

Salongäste lauschen Ruges Vortrag
Nach seinem letzten offiziellen Bühnenprogramm “Mit Siebzig in die Kurve” schlägt Ruge nun immer stärker den Weg ins Lyrisch-Philosphisch-Aphoristische ein. Das steht ihm gut. Am kommenden Montag, den 7. Februar, feiert er seinen 71. Geburtstag … und zwar mit einem Lyrik- und Chanson-Abend in der Aurora Bar, mit dem er gewissermaßen (so entnehme ich es der Einladung) eine “neue Schaffensphase” eröffnen möchte. Für diesen Weg, lieber Herr Ruge, wünsche ich Ihnen auf alle Fälle schon mal viel Erfolg und Glück!
Tja, und dann der wilde Hannes Beckmann, der nicht umsonst den Beinamen “Teufelsgeiger” trägt – einer der besten Jazzgeiger, die es gibt. Früher, als ich als Pauschalistin noch für die “Münchner Kultur” arbeitete, hab ich hin und wieder über ihn geschrieben. Daher kennen wir uns. Und dann sind wir uns ganz zufällig vor zwei Monaten im “Kalypso” wieder begegnet …

Hannes Beckmann bearbeitet die Saiten
Immer noch voller Leidenschaft, dieser Mann. Und immer wieder mitreißend, mit welchem Furor und Temperament er sich seinem Instrument hingibt. Wie ein Rennfahrer, der sich mit dem Fuß auf dem Gasdpedal volle Pulle in die Kurven legt … mit geschlossenern Augen sich ganz dem Gefühl des Augenblicks hingebend. Wenn Beckmann spielt, ist das Ekstase pur.

Die Salon-Bäuerin mit den Musikern Edgar Wilson und Hannes Beckmann
Schon toll, was er an dem Abend abgeliefert hat. Seine Stücke sind extrem stilübergreifend und verbinden ethnische Einflüsse aus Mitteleuropa, dem Balkan, Brasilien, Afrika und fast aller Herren Länder mit Elementen der Klassik und des Jazz.
So ist auch sein Weltmusikprojekt “Canto Migrando” entstanden, aus dem er beim Salon frei variierend was vortrug: eine von Beckmann komponierte “Suite für großes, ungewöhnlich besetztes Orchester”, von der es eine Live-Aufnahme auf CD gibt – mit Instrumentalsolisten aus sieben Ländern und drei Kontinenten, Orchester, Chor und etlichen migrantische Jugendlichen. Inspiriert wurde Beckmann dazu durch die zunehmend orientalischen Einflüsse im Münchner Westend, dem Viertel um die Landwehrstraße, in dem er wohnt.

Salongastrunde mit Michaela Metz, Sabina Sakoh, Franz Meiller, Frederik Mayet und Laura Weissmüller
Klezmer, Jazz, Balkan Gipsy, europäische, orientalische und arbische Rhythmen – alles vermischt sich in dieser eklektizistischen Großkomposition zu einer monumentalen, manchmal auch etwas schrägen, um nicht zu sagen: kruden Vielstimmigkeit, in der eine gefühlsselige “Migration Hymn” mit Rapper-Text genauso Platz hat wie ein jazzig-fetziger Konzerttango.

.Edgar Wilson spielt noch ein bisschen ... und fliegt mich zu dem Mond
Zu meinem Geburtstag gab es um Mitternacht noch eine Extra-Einlage, und auch der unermüdliche Tastenvirtuose Edgar Wilson gab spät noch ein Special-Wunschkonzert.
War sehr schön! Danke allen. Der Salon lebt.
Selbst der Oberammergauer Jesus (vulgo: Frederik Mayet) war da. Denn wo zwei oder drei im Namen der Kultur versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen.