24.11.10 | 17:00 | Kollegialitäten | Kommentare 2 Kommentare

Alex Rühle fragt mal den Kaiser …

Meine lieben Feuilleton-Kollegen erkenne ich inzwischen schon am Gang. Wenn vom langen Hochhaus-Flur so ein gewisses schleifendes Schlurfen in mein Büro hereindringt, so ein zügiges Tappen mit schabender Sohle, als würde jemand über den Rips-Teppichbodenbelag wie über eine vereiste Loipe trappeln – dann ist es, kein Zweifel, Joachim Kaiser, der große Meister, auf dem Weg in den Panoramafenstersekretariatsbereich.

Alex Rühle

Alex Rühle

Solcherart hatschte Kaiser vorhin an meiner offenen Tür vorbei, gefolgt vom hibbelig-federnden Tänzel- und Schlenkergang des rührigen Kollegen Alex Rühle. An der Wasser- und Kaffee-Tränke, wo beide zusammentrafen, hat sich ein kleines Fachgespräch entsponnen, das den lieben Alex derart verblüffte, dass er ganz beschwingt bei mir, die ich mein Büro gleich nebenan habe, hereinfederte, um seiner Begeisterung über die kaiserliche Kompetenz-Kompetenz ungestümen Lauf zu lassen. Das war so süß – und ist als Kaiser-Anekdote, wie ich finde, ein unerlässliches Leser-Schmankerl. Alex, willst Du das nicht für den Blog aufschreiben? Ja klar, warum nicht, sagte Alex, und weil er von der flotten Truppe ist, hat er gleich eine E-Mail geschickt und uns seine wunderbare Kaiser-Geschichte aufgeschrieben:

Joachim Kaiser

Joachim Kaiser

Hat schon was, wenn man mit dem Weltgeist auf einem Flur arbeitet. Ich hab da seit Wochen dieses Stück gesucht, eine Bach-Bearbeitung, die ich mal von Emil Gilels gehört habe. Hieber hat die Noten nicht, bei Amazon hab ich sie nicht gefunden. Gerade treff ich Kaiser vorne am Kaffeeautomaten und frage, “Herr Kaiser, sagt Ihnen das vielleicht was:  Bach/Siloti?”

Kaiser schaut mich so von unten an und sagt: “Was meinen Sie genau? Singen Sie mal!” Ich singe drei Takte vor, da führt er aus: Das ist Bach. Bearbeitet von Siloti. Ein Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier, e-moll, das hat der sehr intressant bearbeitet, man erkennts kaum wieder, gibts eine traumhafte Einspielung von Emil Gilels …” Spricht´s, faltet seine Brille zusammen und geht von dannen. An der Ecke dreht er sich nochmal um: “Ich hab die Noten, bring ich Ihnen mit.” Dann schlurfte der Weltgeist zurück in sein kleines Büro.

2 Kommentare »

  1. “Hatschte”! Wie schön, dieses Wort nach langer Zeit mal wieder zu lesen. Wobei, ich nahm an, so etwas sagt man nur in meiner schwäbischen Heimat – und Sie kommen doch eher aus dem Fränkischen, nicht?

    Comment by Zahnwart — November 25, 2010 @ 6:01 pm

  2. Was heißt hier “eher aus dem Fränkischen”? Ich bin Vollfränkin, bitteschön! Voll aus der Fränkischen Schweiz.
    “Hatschen” (sprich: haadschn) gibt es als sogenanntes Tunwort aber nicht nur im “Fränggischn”, sondern auch im Bayerischen. Und der Islam hat davon die Bezeichnung für seine traditionelle Pilgerreise nach Mekka abgeleitet: Hadsch.
    Nicht gewusst? :-)

    Comment by Christine Dössel — November 25, 2010 @ 9:09 pm

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar