27.09.10 | 22:44 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 0 Kommentare

Herbst-Haiku

Grüß Gott, liebe Blog-Leser,

ich war ein wenig abgetaucht (Sonne tanken auf Kreta :-) … und kaum zurück, führte mich mein erster theaterkritischer Einsatz in der neuen Saison vier Tage lang in den Ruhrpott: zur Spielzeiteröffnung in Bochum, von der ich heute erst zurückkam), ich bitte um Nachsicht und um Verzeihung für die lange Pause.

Aber jetzt geht´s wieder los: das Theater und überhaupt! Jetzt kommt der Herbst, und wer jetzt (noch) kein wärmendes Gedicht hat, sollte seiner Seele schleunigst ein lyrisches Winterquartier bauen. Hier kommt zur Einstimmung schon mal ein neues Franken-Haiku von Fitzgerald Kusz, “eben erst geschrieben”, wie er in seiner Mail versichert. Das gibt es NUR IN DIESEM BLOG! Die hochdeutsche Rohübersetzung hat Herr Kusz diesmal vorsichtshalber gleich selber mitgeschickt, nicht ohne kritisch festzuhalten, dass die Übersetzung mal wieder beweise, “wie unpoetisch das Hochdeutsche” eigentlich sei: >>Wenn man die in der Hochsprache unüblichen Diminutiva “lä” bei ”käfälä” und “breddlä” weglässt, ist das Haiku so gut wie gestorben!<<

Hm, stimmt schon irgendwie. Es geht halt nichts über das Fränggische. Welch eine Poesie allein in diesem “ä” liegt! Dankschää, Herr Kusz!

fitzgerald kusz

herbst-haiku

ä junikäfälä affm fensdäbreddlä

du bisd obbä schbeed droo:

dä summä is vobei


Hochdeutsche Roh-Übersetzung:


ein junikäfer auf dem fensterbrett

du bist aber spät dran:

der sommer ist vorbei

02.09.10 | 19:01 | Preview | Schönheit | Kommentare 4 Kommentare

Bei der Modenschau von Gabriele Blachnik

Blachnik-Titel

Meine erste Live-Modenschau respektive “Fashion-Show”: Vorstellung der Herbst-/Winter-Kollektion von Gabriele Blachnik in der alten Kongresshalle auf der Münchner Theresienhöhe. Alte Kongresshalle? Kannte ich gar nicht. Der Taxifahrer sagt: Da hat Strauß früher die CSU-Parteitage abgehalten. Ach so, deshalb.

Blachnik-Schriftzug

Großer Andrang. Bisschen “Sex and the City”-Feeling. Zwei der Fotografen, die ich kenne, wollen mich gleich auf einen Presseplatz weisen. Aber nein danke, ich bin heute ganz privat da – rein als mode- und eventinteressierte Frau und Freundin von Elke Reichart, welche wiederum Stammkundin bei Gabriele Blachnik ist und mich und Gila dazugeladen hat.

Freundinnen: Gila Kesten, Elke Reichart

Freundinnen: Gila Kesten, Elke Reichart

Elke Reichart – Journalistin, Publizistin und als Frau des Herzchirurgen Bruno Reichart auch Charity-Lady – steht (allerdings falsch geschrieben) sogar auf der “VIP Liste” in der Pressemappe, welche ich mir am Ende dann doch noch geholt habe. Dort sind des weiteren aufgelistet (unter anderen): Beckenbauer Sybille; Glas Uschi & Herrmann Dieter; Janson Hella & Horst; Kiechle Marion & Marcel Reif; Kühnemann Ann-Kathrin; May Michaela; Reiber Caroline; Riekel Patricia; Sägebrecht Marianne; Sixt Regine; Speidel Jutta … Tragen offenbar alle Blachnik – und kriegen mit Sicherheit ihre Rabatte.

1. Reihe: "Bunte"-Chefin Patricia Riekel im Aperol-Sprizz-farbenen Bolero. Die Dame links neben ihr ... weiß ich jetzt nicht mehr.

1. Reihe: "Bunte"-Chefin Patricia Riekel im Aperol-Sprizz-farbenen Häkel-Bolero. Die blonde Dame links ... weiß ich jetzt nicht mehr.

Es ist alles eine große Inszenierung, insofern bin ich hier als Theaterkritikerin genau richtig. Und die vielen gelifteten Damengesichter erinnern mich sofort an Salzburg … Habe mich in ein neues braunes Kleid mit luftig-seidigem Übermantel geschmissen (von Luisa Cerano), gekauft für die Salzburger Festspiele, dort aber dann doch nicht getragen, weil ich mich zu fett gefühlt habe. Das bin ich eigentlich immer noch … und jetzt sogar noch sehr viel mehr, nachdem ich all diese superschlanken, superlangbeinigen, superjungen Superfrauen direkt vor meiner (wahrscheinlich auch noch viel zu großen) Nase habe auf und ab defilieren sehen. Oh Mann. Das ist einigermaßen frustrierend. Einerseits. Es ist aber natürlich auch sehr schön anzusehen … so ästhetisch, kunstvoll – modellhaft schön.

Blachnik – nicht unbedingt ein junges, hippes Label (ich sage nur: Uschi Glas!) – wollte diesmal offenbar besonders unkonventionell und modern erscheinen. Daher (als Idee) der Bruch mit den Sehgewohnheiten: hier ein Model, das deutlich kleiner ist als die anderen langbeinigen Grazien, dort eines mit Übergröße. Vor allem das XL-Model (Größe 42, nehme ich mal an, wenn nicht Größe 44) erregte einige Ahs und Ohs!

Das XL-Model

Das XL-Model

Einmal musste es, wie mir meine Freundinnen hinterher indigniert berichteten, am Ende des Laufstegs besonders “sexy” die Brüste rotieren lassen und sich auffordernd in die Hüften schmeißen … was ich, ehrlich gestanden, gar nicht gesehen habe, weil ich damit beschäftigt war, ein nicht verwackeltes Foto für diesen Blog hinzukriegen (was mir aus der dritten Reihe – sitzend – leider nicht so richtig gelungen ist, wie man sehen kann). Daher kann ich auch nicht behaupten, dass dieses dralle Üppig-Model “vorgeführt und benutzt” worden sei, wie meine Freundinnen Elke und Gila befanden. Ich fand es ja erst mal gut, dass da eine Big-Size-Frau daherkam. Allerdings blieb sie völlig alleine in der Riege der Magermodels – und war insofern auch bloß wieder eine Alibifrau und weniger ein Statement. Richtig mutig war das nicht.

Rat Pack-Verschnittkunst

Rat Pack-Verschnittkunst

Ansonsten: (Geschlechter-)Klischees as usual … Als die drei männlichen Models antanzten – die Fernsehgesichter John Friedmann, Michael Mendl und Dave Kaufmann (angeblich bekannt als “Supertalent 2010″) – kam als musikalischer Einspieler gleich mal James Browns “Sex Machine”, und die Männer durften nicht nur viel ungezwungener, unkonventioneller laufen und ein wenig Spaß machen und Dynamik ins Spiel bringen, sie durften auch das Gardemaß unterschreiten (John Friedmann wirkt eher klein) und älter bzw. alt sein (Michael Mendl ist 66!). Sie machten auf Rat Pack, Angeber und Super-Macho und spielten anzüglich grinsend mit der Zigarre im Mundwinkel. Und dann machten sie spielerisch die Dralle an. Auf dem Kopf hatten sie Retro-Hüte von Zechbauer, für den sie gerade eine Werbekampagne machen.

Rot kommt wieder - und zwar verschärfter, als es hier scheint

Rot kommt wieder - und zwar wesentlich verschärfter, als es hier auf meinem Wackelfoto scheint

Wie diese Hüte hergestellt werden, nämlich in mühevoller Detail- und Handarbeit, war in einem der (recht kunstvoll und witzig gemachten) Schwarzweiß-Kurzfilme zu sehen, die zwischendurch auf der rückwärtigen Videoleinwand unter dem Motto “Handwerk” eingespielt wurden: Impressionen aus der großen Modewerkstatt, Einblicke ins Nähkästchen – Werbefilme für die an der Schau beteiligten Kosmetik- und Schmuckhersteller, denn ein Kleid alleine macht noch keine Schönheit, da braucht´s vom richtigen Make-up bis zur getunten Hochsteckfrisur ein ganzes Bataillon von Handwerkern, Polierern und Modellierern. Was für ein Aufwand! Aber auch eine Kunst.

Auch die Gesichtsmalerei gehört zur Schönheitskunst

Auch die Gesichtsmalerei gehört zur Schönheitskunst

Und die Mode selbst? “Femin und selbstbewusst. Ein Tribut an die neue Weiblichkeit”, sagt Frau Blachnik. “Viel zu kurze Hot-Pants. Wer soll die tragen?”, sagt Frau Dössel. Noch dazu im Winter! Es sind aber sehr schöne, schmeichelnde Kleider dabei, fließende, seidige Stoffe, gefällige Muster, dezente Farben. Vieles wirkt tatsächlich tragbar. Paar gute Mäntel darunter, und damit meine ich ganz sicher nicht den Pelz! Insgesamt: alles sehr edel und elegant, angelehnt an den Stil der 50er Jahre, daher auch die Swing-Musik während der Show.

Selber schön: "Bunte"-Kolumnistin Marie Waldburg

Selber schön: "Bunte"-Kolumnistin Marie Waldburg

Von Preisen war auf der Schau natürlich keine Rede. Preise will ich jetzt auch gar nicht wissen. Elke sagt: Die Blachnik wird immer teurer. Nun ja. Muss man sich leisten können … und wollen. Manche müssen sich´s wohl auch leisten müssen. Im Publikum sitzen Herrschaften, von denen man weiß, dass ihnen in diesen Krisenzeiten das Wasser zum Teil auch schon bis zum Bauch, wenn nicht bis zum gestrafften Hals steht. Aber an diesem Abend zählt der schöne Schein und bestimmt das Bewusstsein.