24.08.10 | 18:29 | Abschied von ... | Erinnerung | Kommentare 0 Kommentare

Erinnerung an Christoph Schlingensief (2)

Stöbere noch immer in meinen Erinnerungen an Christoph Schlingensief. 2004 war das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen. Erst der Streit wegen Zürich (siehe vorangeganges Posting), dann die Anfrage meinerseits, ob ich nicht einen Probenbericht über Bayreuth schreiben könnte. 2004 war ja das Jahr, in dem Schlingensief den “Parsifal” in Bayreuth inszenierte – ich glaube, er hatte im Nachhinein recht: Diese intensive, nervenaufreibende Zeit der Auseinandersetzung mit Wagner (Richard et al.) war der Anfang vom Ende.

Den Artikel, der aus dem nachstehenden Mail-und-Anruf-Hin-und-Her entstand (“Ich bin Kundry!”), poste ich in meinem nächsten Blog-Eintrag – “Erinnerung an Christoph Schlingensief (3) -, damit das hier nicht noch länger wird.

Mail vom 15.6.2004

Betreff: Ein Besuch in BT

Lieber Christoph Schlingensief,

wenn Sie jetzt also in Bayreuth inszenieren, wäre das nicht ein schöner Anlass, dass wir uns mal persönlich kennen lernen? Ich würde Sie gerne in meiner alten Heimat besuchen (komme selber aus Oberfanken und habe in BT beim RNT Volontariat gemacht) und für die SZ so eine Art Probenbericht schreiben. Was meinen Sie? Lust?
Ich bin bis zum 22.6. in Singapur. Würde mich freuen, danach von Ihnen zu hören!

Mit herzlichen Grüßen
Christine Dössel

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Mail vom 19.6.2004

Betreff: bayreuthophon

liebe frau dössel,

danke für ihre mail. ich würde das gerne tun, habe aber überhaupt keine chance, die proben zu öffnen.

die sind hier total streng, was das angeht.

keine ahnung ob sich das noch ändern wird.

fände ein persönliches kennen lernen auch prima.

vielleicht im schloßgarten?

habe aber auch schon ein längeres gespräch mit herrn kaiser für die sz geführt. vielleicht ist das noch nicht nach singapur durchgedrungen.

denke auch schon an die zeit nach bayreuth. vielleicht haben sie gute adressen.

hier ist es jedenfalls sehr anstrengend. jeden tag probe ohne auch nur einen freien tag.

viele kämpfe. alles durcheinander, weil die sänger auch noch woanders singen.

versuche durchzuhalten.

auch wenn es manchmal sehr schwierig ist.

wünsche ihnen ganz viel schöne asiatische zeit!

herzlichen gruß

ihr christoph schlingensief

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Mail vom 24.6.2004

RE: bayreuthophon

hallo, lieber christoph schlingensief,

singapur war super interessant – die cleanste and greenste stadt, die ich je erlebt habe. auf eine weise multinational und multikulturell, wie wir es uns hierzulande in unseren kühnsten zuwanderungsfantasien nicht vorstellen können.
ich war mit einem tross internationaler journalisten zum singapore arts festival eingeladen – daher ständig volles programm – , hatte am ende aber auch noch zwei tage zeit für mich – und für eine individuelle erkundung der stadt.
danke für ihre mail! dass sie mit kaiser ein langes gespräch geführt haben, ist mir natürlich nicht entgangen. lucia hat schon vor meiner abreise in aller ausführlichkeit davon berichtet (und fotos gezeigt) – und morgen ist es ja auch im blatt.

nichtsdestotrotz wäre ein probenbericht im feu eine feine sache. das doppelt sich ja nicht – und ist ausdrücklich im interesse der klass. musikredaktion (in persona: reinhard brembeck). könnten sie nicht noch einmal darauf drängen? brembeck will auch mal in bayreuth anrufen, was sich machen lässt. und wenn die sich weiter so streng geben, könnten sie mich dann nicht heimlich mit auf die probe nehmen? ein bisschen zugucken wäre schon ganz gut für so einen artikel – auch wenn ich mich natürlich gerne im schlossgarten mit ihnen treffe.
kann mir vorstellen, wie hart die arbeit ist. vor allem mit den sängern. aber sie schaffen das schon, da bin ich mir sicher!

ich hoffe, ich höre von ihnen! würde mich wirklich sehr freuen, sie in bt zu treffen!

beste grüße
christine dössel

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5.07.2004

Betreff: Wagneria

lieber christoph schlingensief,

wo sind sie und wie geht es ihnen?
ich hoffe nicht, dass sie jetzt auch noch absagen in bayreuth, obwohl man mit einem rechtsanwalt im nacken natürlich nicht arbeiten kann.

würde mich über ein lebenszeichen sehr freuen.
ich weiß jetzt auch gar nicht, ob es was wird mit unserem treffen … und wie ich planen kann. es müsste, wenn es denn klappen sollte, bald sein. ich fahre am 16. juli schon in urlaub.

in bayreuth muss man drachenblut entwickeln.
kopf hoch! richard wagner braucht sie!

alles gute

christine dössel

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Mail vom 6.07.2004

Betreff: Parsifal

lieber christoph schlingensief,

dpa meldet, sie hätten die proben zum “parsifal” wieder aufgenommen und sich in strittigen punkten mit gralshüter wagner geeinigt. ich hoffe, dies bedeutet, dass es ihnen wieder besser geht. und dass sie sich nicht unterkriegen lassen!

wie sieht es aus mit unserem geplanten treffen? können wir nicht wenigstens mal telefonieren?
ich bitte sie herzlich, sich bei mir zu melden. habe ihnen heute auch schon aufs handy gesprochen – falls sie`s nicht abgehört haben: joachim kaiser lässt sie “herzlich und voller sympathie” grüßen!

alles gute!

christine dössel

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Mail vom 9.7.2004

Betreff: Parsifalitis

lieber christoph schlingensief,

habe mich heute wirklich sehr über ihren anruf gefreut! ich hatte nicht mehr damit gerechnet. komisch: kurz bevor sie anriefen, hatte ich ihnen in schlaftrunkenen gedanken eine mail geschrieben, in der ich meine enttäuschung über ihre nicht-reaktion zum ausdruck bringen wollte … wenn ich am telefon etwas lahm wirkte, lag es daran, dass es in der nacht zuvor (nach einem sehr schönen opernbesuch: lulu) spät geworden ist und mir noch ein wenig der kopf brummte.

ich würde aus unserem telefonat gerne einen kleinen text machen, den ich ihnen dann, wie versprochen, zum gegenlesen schicke.

ich will ja nicht nerven, aber meinen sie, wir können morgen noch mal telefonieren? sie haben so schnell gesprochen, und ich konnte mir nur rudimentär notizen machen.

es freut mich jedenfalls sehr, dass sie so guter dinge sind! und dass sie den boulez auf ihrer seite haben. und hoffentlich auch das glück aller wagemutigen (und wagnermutigen).

bis bald!
herzlichst
christine dössel

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Mail vom 12.7.2004

Betreff: Artikel

lieber christoph schlingensief,

im anhang schicke ich ihnen, wie versprochen, den artikel, den ich aus unseren telefonaten gebastelt habe. ich hoffe natürlich sehr (!), dass sie mir da nicht allzu viel hineinredigieren oder mir womöglich wieder alles rausstreichen. kann ich bitte so bald wie möglich ein feedback haben? der artikel ist für morgen fest eingeplant.

eine wichtige frage habe ich noch: was ist mit dem beuys-hasen, über den gerüchte kursieren und den heute auch focus erwähnt? was ist da dran?

toi toi toi für die arbeit
und herzliche grüße!

(See attached file: Bayreuth-Schlingensief.doc)
bis morgen
christine dössel

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Mail vom 13.7.2004

Betreff: morgen im sz-feuilleton

hallo, lieber christoph schlingensief,

ich glaube, nun ist der artikel wirklich wasserdicht. habe ihn heute mittag herrn raue zugefaxt, mit dem ich heute mehrmals telefoniert habe (auch grade eben noch mal wegen des anfangssatzes). die heiklen stellen sind ausgemerzt! leider ging der text nicht in seiner ganzen länge durch – ein paar kürzungen waren unvermeidlich, aber keine sorge, inhaltlich wurde nichts verändert!

der einstieg lautet nun so:
Noch vor zwei Wochen hat Christoph Schlingensief auf den Komplex “Bayreuth” höchst allergisch reagiert. Hätte man ihn dazu befragt, er wäre nach eigenem Bekunden “schreiend davongelaufen”. Er ist zunächst ja auch tatsächlich davongelaufen …

ist, glaub ich, ein ganz schöner text geworden. herzlichen dank nochmals für die gespräche – und das vertrauen! ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns auch mal persönlich kennen lernen würden. inzwischen sind sie mir schon richtig vertraut.

herzliche grüße
und alles gute für den endspurt!

christine doessel

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Also, wie gesagt: Wer besagten Artikel lesen will: siehe nächstes Posting

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