01.08.10 | 21:33 | Festivals | Kunstgeschehen | Kommentare 0 Kommentare

Salzburger Festspiele (3): Jonathan Meese

Meeses Tunnelblick

Meeses Tunnelblick

Jonathan Meese ist derzeit in Salzburg nicht nur als Bühnenbildkünstler in Wolfgang Rihms “Dionysos” präsent – es hängen auch großfomatige, plakative Bilder von ihm im Fußgängertunnel des Neutors. Ich habe sie alle fotografiert, um sie hier im Blog auszustellen.

Dazwischen ein paar Wortlaut-Zitate von Meese aus einem – sicherlich schriftlich geführten – Interview mit den “Salzburger Nachrichten” (31.7.2010), die den deutschen Künstler als einen “höflichen und lieben Menschen” beschreiben.

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“Es gibt Tendenzen in der Kunst zum Realen hin. Ich halte das für absolut falsch, denn in der Kunst ist immer alles künstlich, sonst ist es Realitätsillustration, dann will man sozusagen die schreckliche Realität einholen, indem man noch schrecklicher wird.”

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“Theater kann nie böse, falsch, unwahr sein. Es ist der Ort, an dem gespielt wird, eine Spielwiese, ein Versuchsfeld. Spiel kann und muss radikal sein, macht alles brisant und ultimativ, gefährlich. Ein wahres Spiel beendet sich aber immer so, dass alle müde nach Hause gehen und glücklich sind, ohne Verlierer und Gewinner. Dass einer böse ist, weil er verloren hat, gibt es nur in der Realität.”

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“Im Wort Kultur schwingt kultivieren, einordnen, züchten, die Zucht mit, Begriffe, die in der Realität vorhanden sind. In der Kunst ist nichts züchtbar, nichts berechenbar, nichts kultivierbar.”

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“Kunst ist im Gegensatz zur Kultur nicht instrumentalisierbar. Kultur kann eingesetzt werden, um etwas zu erreichen, mit Kunst erreicht man nichts. Kunst ist mit Atmung vergleichbar, sie ist gekoppelt an Lebensnotwendigkeiten, an das, was ich tun muss, nicht was ich tun kann. Was ich tun kann, ist der Kunst egal, in der Kultur hingegen ist Können in Ordnung. Kunst ist total, totalst, Kultur ist ein Segment.”

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“Nicht der Mensch gestaltet, sondern die Kunst, der Mensch ist verpflichtet, die radikalste Sprache an sich abspielen zu lassen. Demokratische Sprache ist für Kunst total ungeeignet, denn diese will Kompromiss, Konsens, Diplomatie, das optimale Mittelmaß. Das hat mit Kunst nichts zu tun. In der Kultur gibt es das, denn Kultur muss sich ja auch immer verschachteln, überall reinkriechen. Das muss die Kunst nicht. Kunst ist Stoffwechsel, Osmose, Atmung, Fließen, Diffundieren. Sie ist unabdingbar, ein metabolischer Prozess.”

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“Salzburg muss die schreckliche Realität verdrängen und sich ausdehnen, groß wie die ganze Welt werden. Und darüber hinaus. Die Bühne muss rattenscharf klargemacht werden für die Zukunft, alles muss Bühne werden, jeder Flecken Erde.”

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