28.07.10 | 18:20 | Begegnung mit ... | Festivals | Kommentare 0 Kommentare

Salzburger Festspiele (1): Der eine Jedermann und der andere

Simonischek-Ofczarek

Da stehen sie, Auge in Auge, Kopf an Kopf: der alte Salzburger Jedermann und der neue – Peter Simonischek, der seit der Neuinszenierung von Christian Stückl im Jahr 2002 sage und schreibe 108 “Jedermann”-Vorstellungen hingelegt hat, und sein Nachfolger Nicholas Ofczarek, der als Titelheld in Hugo von Hofmannsthals unverwüstlichem Katholenspiel gerade erst anfängt. Mit 39 Jahren ist er der jüngste Jedermann aller Zeiten. Seine Buhlschaft ist Ofczareks Burgtheater-Kollegin Birgit Minichmayr, sie haben auch schon im “Weibsteufel” schnabulierend kooperiert.

Das Foto entstand vor der Premiere von Peter Steins “Ödipus auf Kolonos” im Theaterhof auf der Perner-Insel. Als ich die zwei Jedermänner beieinander stehen sah, bat ich um ein Foto, woraufhin die beiden nicht etwa Seit an Seit in die Kamera strahlten, sondern bewusst diese kritisch sich beäugende Hahnenkampfpose einnahmen, Stirn an Stirn, Hirn an Hirn. Nur keine falsche Zweieinigkeit: Sie sind nun mal Konkurrenten.

Ich war erstaunt über so viel Ehrlichkeit in der Pose. Man kann sich ja denken (und hört es von Leuten, die ihn kennen), dass es für Simonischek nicht leicht ist, den Jedermann nach acht Jahren abzutreten (er liebte diese Rolle und den in Österreich damit verbundenen Ruhm, suhlte sich darin) – und dass es andererseits für Ofczarek anstrengend ist, in dieser Rolle sehr genau unter die Salzburg-Lupe genommen und permanent mit dem populären Simonischek verglichen zu werden.

Simonischek behauptet, ich sei die Einzige, die so ein Foto mit ihnen beiden bekommen habe – allein schon deshalb, weil sie bei der Stein-Premiere zum ersten Mal in Salzburg zusammengetroffen seien; er scheint dem neuen Jedermann zunächst mal lieber aus dem Weg gegangen zu sein – und unterstrich damit den Seltenheitswert: “Also, machen Sie was draus.”

Einen Tag später habe ich Simonischek dann noch mal bei einem Empfang getroffen – an der Seite seiner lebendigen, sympathischen, von ihm selbst als “wunderbar” bezeichneten Frau -, und als wir kurz noch mal über seine Zeit als Jedermann sprachen, kam Simonischeks ganzer Stolz darüber zum Ausdruck. Er war der vierzehnte Jedermann, ein wahres Jeder-Mannsbild – der mit den meisten Buhlschaften, nämlich vier: Veronika Ferres, Nina Hoss, Marie Bäumer, Sophie von Kessel, “ein absoluter Rekord”. Alexander Moissi, der allererste Jedermann in Max Reinhardts Urinszenierung von 1920, hat 64 Vorstellungen gespielt. Ungefähr 550 Aufführungen sind seither über den Domplatz gegangen. Dass Simonischek davon allein 108 bestritten hat, ist ebenfalls rekordverdächtig.

Nächste Woche, am 6. August, wird Peter Simonischek 64, und wie der Salzburger Klatschpresse zu entnehmen ist, macht er dann endlich mal zur Festspielzeit Urlaub. Es hat auch sein Gutes, kein Jedermann zu sein.

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