07.07.10 | 19:08 | Dies & das | Kulinarik | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick I: Schumann´s backstage

Seeprom-Sommermohn

Drei Wochen Urlaub sind bereits vergangen, davon war ich eine Woche Jurorin beim Theatertreffen der Schauspielschulen in Leipzig (ich werde noch berichten) und danach bei Freunden in einem Haus am See nahe Potsdam, wo obiges Mohnwiesensommerfoto entstand und jegliches Bloggen geblockt wurde. Seit Montagabend bin ich wieder zurück in München …

Gleich mal zum Wiedereingewöhnen ins Schumann´s. Montags hat Ernst Fischer, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der SZ, dort immer seinen Stammtisch. Zur festen Besetzung gehören die SZ-Karikaturisten und ein reisefreudiger Steuerberater, zur wechselnden die unterschiedlichsten Gäste aus den Bereichen Politik, Kultur, Medien und Medizin.

Ernst Fischer (rechts) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Ernst Fischer (rechts oben) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Im Sommer sitzen die wahren Kenner und Genießer nicht etwa im Getümmel vor dem Lokal mit Blick auf die Straße und den Odeonsplatz (das ist der eigentliche Bühnenbereich, hier gilt: sehen und gesehen werden) – im Sommer sitzen die wahren Connaisseure backstage. Soll heißen: Man geht hinten raus, in den Hofgarten, wo Charles unter schattigen Bäumen und bordeauxroten Sonnenschirmen Tische aufgestellt hat und mithin einen kleinen, feinen Biergarten betreibt, auch wenn Bier hier als Getränk eine eher nachgeordnete Rolle spielt. Schu-Hofgarten

Der Platz ist zum Draußensitzen herrlich, einer der schönsten in München – bzw. “… auf der Welt”, wie mich Anne Urbauer am Montag korrigierte, und die ist eine weit gereiste Journalistin und dürfte es also wissen. Man sitzt wahnsinnig lauschig zwischen den Arkadengängen und dem Hofgartengrün und kann staunend zusehen, wie der Münchner Abendhimmel dieser Stadt schmeichelt und sie zum Leuchten bringt. Ich hab hier immer so ein schönes feuchtwangerndes München-”Erfolgs”-Gefühl, aber gleichzeitig ist das Licht auf den Arkaden auch molto italiano.

Schu-Arkaden

Na jedenfalls hab ich mir nach meiner Rückkehr gleich wieder diesen München-Kick geben wollen – und es hat auch funktioniert.

Selbst Charles war gut aufgelegt und hatte seine oft so betont ausgestellte – und von etlichen weiblichen Gästen entsprechend beklagte – Misogynität in die Kiste mit den Regensachen gepackt. Wie man sehen konnte, läuft es auch wieder bestens mit seiner Maria. Gracias a dios!

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Was gibt´s Neues in unserer kleinen Stadt? Ein paar Leute sind wählen gegangen und haben per Volksentscheid das öffentliche Rauchen ganz und gar verbieten lassen. Ich fass es nicht. Der neue Focus-Chef Wolfram Weimer hat den Schumann´s-Hofgarten auch schon raus. An einigen Tischen wird getuschelt – wie lange der´s wohl machen wird? Ob man ihn den Abwickler nennen muss? Im Moment lässt sich vom Vordertisch aus nur so viel sagen: Er ist riesengroß und schlaksig und hat so Haare. Die Münchner Abendzeitung gibt es übrigens auch noch – davon konnte man nicht mit Sicherheit ausgehen. Kent Nagano gibt es nach 2013 hier definitiv nicht mehr – das war am Montag noch Befürchtung und Gerücht. Gestern kam die Bestätigung.  Und Ulrike Hessler wird noch viel früher weg sein: nämlich schon ab August. Die Marketingchefin der Bayerischen Staatsoper wird dann Intendantin der Dresdner Semperoper. Im Schumann´s gab sie einen Empfang, der ganz nach Abschiedsfeier aussah. Aber es war eine Opern-Fundraising-Veranstaltung, ich habe nachgefragt: Geld auftun für die Junge Szene Dresden. Den Aperitif gab´s draußen. Drinnen war dann – ganz Schumann´s-untypisch – eine richtig feierliche Tafel gedeckt, mit weißer Tischdecke, Blumendekorationen und Pipapo und eine junge Sängerin sang den Herrschaften was vor.

Aber auch wenn das nicht Ulrike Hesslers Abschiedsfete war (dafür wünsch ich ihr dann doch mehr Partystimmung), hab ich schon mal ein Abschiedsfoto gemacht. Auf Wiederschaun, liebe Ulrike Hessler, pfüat eana! Viel Glück für Dresden. Und schöne Grüße an den Herrn Thielemann.

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Am Ende, da war es schon dunkel, sagte Charles dann noch, dass er Tische mag, die einfach nur im Hof rumstehen, ohne Stuhl, ohne Zweck … Tische halt. Klingt gaga. Aber tatsächlich, wenn man genau hinschaut: Das hat absolut was.

Schu-leereTische2

Andere Wirte würden den Platz vollstopfen und gastronomisch ausnutzen bis zum Gehtnichtmehr. Charles Schumann macht seinen Gästen zwar wahrlich nicht den Hof – aber er (be)lässt ihn ihnen. Dafür danke.

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