Salzburger Festspiele (2): YDP-Empfang in der Galerie Ropac
Daniel Richter in der Galerie Thaddaeus Ropac. 15 Werke des deutschen Malers sind hier während der Festspiele ausgestellt - unter dem kryptischen Titel "Spagotzen".
Es gehört zu den Gepflogenheiten bei den Salzburger Festspielen, dass die Edelfüllerfirma Montblanc, Sponsor der experimentellen Schauspielreihe Young Directors Project (YDP), zur Eröffnung des Projekts einen Weltstar nach Salzburg lädt. Der muss dann für sein zweifellos fürstliches Honorar jeweils ein paar Foto-und Promotion-Termine absolvieren, abends blitzlichtumflutet die YDP-Premiere im Republic besuchen und sich hernach beim obligatorischen Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac blicken lassen. Letztes Jahr wurde auf diese Weise Dita Von Teese zum Theaterbesuch verdonnert, 2008 das James-Bond-Girl Eva Green aus “Casino Royal”.

YDP-Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac
So ärgerlich es insbesondere beim Auftritt der Montblanc-Klunker-behangenen Eva Green war, dass sich schon beim Premierenapplaus alles nur noch um sie und nicht etwa um die Künstler drehte, so unauffällig schlich sich der diesjährige Stargast heran und wieder weg – wenn er die Aufführung von Jakop Ahlboms “Innenschau” denn überhaupt ganz angesehen hat: der US-Schauspieler Val Kilmer, der übrigens selber als Theaterschauspieler begann (sogar in klassischen Rollen wie Orest, Richard III. und Macbeth) und mich persönlich vor allem als Jim Morrison in Oliver Stones Film “The Doors” beeindruckt hat.

Galerist und Festspiel-Liebling Thaddaeus Ropac mit, nein, keiner Heilsarmeeschwester an seiner Seite, sondern der Brillen-Lady und Kunstsammlerin Inge Rodenstock.
Auf die Salzburger Montblanc-PR-Tour schien er jedenfalls keine große Lust gehabt zu haben. Einen Promotion-Termin am Morgen muss der Schauspieler buchstäblich verschlafen haben, ins Theater sah man ihn am Abend nur kurz hineinhuschen (wer weiß, ob er nicht durch einen Hinterausgang gleich wieder rausgehuscht ist), und auf dem Ropac-Empfang nach der YDP-Premiere erschien er auch nicht. Dabei soll Val Kilmer ein ausgesprochener Kunstkenner sein, wie mir Ingrid Roosen-Trinks, die Direktorin der Montblanc Cultural Foundation, nicht unbeeindruckt erzählte. Sie traf ihn dereinst auf der ART Basel, wo die Idee entstand, ihn nach Salzburg einzuladen. Ob sie jetzt so glücklich mit ihrem Stargast war?

Ja! Das ist die Farben-, Frauen- und Festdirndlpracht von Salzburg. Selbstverständlich Hautevolee.
Der traditionelle Empfang in der edlen Galerie von Thaddaeus Ropac, dieses bei den Festspielen und der feinen Gesellschaft so umtriebigen und allgegenwärtigen Kunst-Entrepreneurs (er ist auch Mitglied in der Jury des YDP), war jedenfalls nicht ganz so feierlich, promireich und glamourös wie in früheren Jahren. Der Gastgeber selbst kam erst spät, weil er an diesem Abend gar nicht in Jakop Ahlboms surrealistischer “Innenschau” im Republic, sondern in der Opernpremiere von Wolgang Rihms “Dionysos” war.

Auch dabei: das deutsche Künstlerpaar Eva & Adele
Da das Wetter trüb war, verlagerte sich die Feier auch nicht auf die schöne Terrasse der Galerie mit dem wunderbaren Blick auf den Mirabellgarten und den nächtlichen Mönchsberg. Ropacs Festspiel-Freundin Bianca Jagger huschte nur kurz durch die Menge und entschwand angeblich etwas derangiert nach oben (ich selbst habe sie gar nicht gesehen), und es hielt erstaunlicherweise auch niemand eine Rede.

Die lieben Kritiker-Kollegen aus Wien: Karin Cerny und Wolfgang Kralicek

Kollege Peter Kümmel von der "Zeit"
Was aber immer wieder fasziniert, ist die Location an sich, dieses herrliche Barockpalais mit einer jeweils aktuell zur Festspielzeit frisch eröffneten Ausstellung (in diesem Jahr: Daniel Richter) – und Ropacs Gelassenheit, sie für einen Festspielempfang zu öffnen. Was ja bedeutet, das all die geladenen Menschen mit Sektgläsern und Semmelknödel-Schwammerl-Verköstigung oder mit diesem leckeren Kaiserschmarrn in der Hand durch die Galerieräume hatschen und die Kunstwerke jederzeit beschädigen, beschmieren, bekleckern könnten. Das zuzulassen , ist schon sehr cool.

Gila geht die Treppe hoch (sie ist meine Freundin), und das wirkt doch sehr malerisch.
Vor zwei Jahren war hier zur Festspielzeit Anselm Kiefers Zyklus “Maria durch ein Dornwald ging” ausgestellt, und ich sah Damen, die mit ihrer Feinstrumpfhose oder ihrem Tüllgewand im Dornengestrüpp einer Kiefer-Skulptur hängen blieben.
Dieses Jahr ist Daniel Richter bei Ropac ausgestellt. Er hat das Bühnenbild für Alban Bergs “Lulu” in der Inszenierung von Vera Nemirova geschaffen und ist damit also ein echter, “offizieller” Festspielkünstler.
Richter liebt knallige Farben, grüne Männchen und den Menschen in der Errettung aus rot glühendem Lavagestein (… oder sind die Figuren doch eher kurz vor dem Absturz?). Seine Bilder – bei Ropac versammelt unter der kryptischen Überschrift “Spagotzen” – sind von einer kindlichen Naivität und zielen direkt auf das sensorische Langzeitgedächntnis. Aber das sind alles nur erste Eindrücke. So richtig erschlossen hat sich mir seine Arbeit noch nicht.

Wenn man in den ersten Stock der Galerie hochgeht, finden sich Werke weiterer Ropac-Künstler – etwa des von mir verehrten Erwin Wurm (siehe Foto rechts) oder auch von Tony Cragg, Stephan Balkenhol -, lauter tolle Sachen. Ist schon immer wieder beeindruckend, was und wen Ropac als Galerist alles versammelt.

Früher oder später trifft man sie in Salzburg alle - hier: Thomas Demand (links), Springer-Chef Mathias Döpfner (Mitte) und das Ehepaar Bettina und Thomas Oberender.
Daniel Richter war an diesem Abend nur eingangs kurz zu sehen. Dafür war am Ende Thomas Demand da – und zwar in Begleitung von Springer-Chef Mathias Döpfner. Sie kamen von der “Dionysos”-Premiere. Auch für diese Oper hat ein Künstler das Bühnenbild entworfen: Jonathan Meese. Aber der kriegt noch einen eigenen Blog-Eintrag.
























































