30.07.10 | 23:02 | Festivals | Kunstgeschehen | Premierenallerlei | Kommentare 0 Kommentare

Salzburger Festspiele (2): YDP-Empfang in der Galerie Ropac

Daniel Richter in der Galerie Thaddaeus Ropac. 15 Werke des deutschen Malers sind hier während der Festspiele ausgestellt - unter dem Titel "Spagotzen".

Daniel Richter in der Galerie Thaddaeus Ropac. 15 Werke des deutschen Malers sind hier während der Festspiele ausgestellt - unter dem kryptischen Titel "Spagotzen".

Es gehört zu den Gepflogenheiten bei den Salzburger Festspielen, dass die Edelfüllerfirma Montblanc, Sponsor der experimentellen Schauspielreihe Young Directors Project (YDP), zur Eröffnung des Projekts einen Weltstar nach Salzburg lädt. Der muss dann für sein zweifellos fürstliches Honorar jeweils ein paar Foto-und Promotion-Termine absolvieren, abends blitzlichtumflutet die YDP-Premiere im Republic besuchen und sich hernach beim obligatorischen Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac blicken lassen. Letztes Jahr wurde auf diese Weise Dita Von Teese zum Theaterbesuch verdonnert, 2008 das James-Bond-Girl Eva Green aus “Casino Royal”.

YDP-Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac

YDP-Empfang in der Galerie von Thaddaeus Ropac

So ärgerlich es insbesondere beim Auftritt der Montblanc-Klunker-behangenen Eva Green war, dass sich schon beim Premierenapplaus alles nur noch um sie und nicht etwa um die Künstler drehte, so unauffällig schlich sich der diesjährige Stargast heran und wieder weg – wenn er die Aufführung von Jakop Ahlboms “Innenschau” denn überhaupt ganz angesehen hat: der US-Schauspieler Val Kilmer, der übrigens selber als Theaterschauspieler begann (sogar in klassischen Rollen wie Orest, Richard III. und Macbeth) und mich persönlich vor allem als Jim Morrison in Oliver Stones Film “The Doors” beeindruckt hat.

Galerist und Festspiel-Liebling Thaddaeus Ropac mit, nein, keiner Heilsarmeeschwester an seiner Seite, sondern der Brillen-Lady und Kunstsammlerin Inge Rodenstock.

Galerist und Festspiel-Liebling Thaddaeus Ropac mit, nein, keiner Heilsarmeeschwester an seiner Seite, sondern der Brillen-Lady und Kunstsammlerin Inge Rodenstock.

Auf die Salzburger Montblanc-PR-Tour schien er jedenfalls keine große Lust gehabt zu haben. Einen Promotion-Termin am Morgen muss der Schauspieler buchstäblich verschlafen haben, ins Theater sah man ihn am Abend nur kurz hineinhuschen (wer weiß, ob er nicht durch einen Hinterausgang gleich wieder rausgehuscht ist), und auf dem Ropac-Empfang nach der YDP-Premiere erschien er auch nicht. Dabei soll Val Kilmer ein ausgesprochener Kunstkenner sein, wie mir Ingrid Roosen-Trinks, die Direktorin der Montblanc Cultural Foundation, nicht unbeeindruckt erzählte. Sie traf ihn dereinst auf der ART Basel, wo die Idee entstand, ihn nach Salzburg einzuladen. Ob sie jetzt so glücklich mit ihrem Stargast war?

Ja! Das ist die Farben-, Frauen- und Festdirndlpracht von Salzburg.

Ja! Das ist die Farben-, Frauen- und Festdirndlpracht von Salzburg. Selbstverständlich Hautevolee.

Der traditionelle Empfang in der edlen Galerie von Thaddaeus Ropac, dieses bei den Festspielen und der feinen Gesellschaft so umtriebigen und allgegenwärtigen Kunst-Entrepreneurs (er ist auch Mitglied in der Jury des YDP), war jedenfalls nicht ganz so feierlich, promireich und glamourös wie in früheren Jahren. Der Gastgeber selbst kam erst spät, weil er an diesem Abend gar nicht in Jakop Ahlboms surrealistischer “Innenschau” im Republic, sondern in der Opernpremiere von Wolgang Rihms “Dionysos” war.

Auch dabei: das deutsche Künstlerpaar Eva & Adele

Auch dabei: das deutsche Künstlerpaar Eva & Adele

Da das Wetter trüb war, verlagerte sich die Feier auch nicht auf die schöne Terrasse der Galerie mit dem wunderbaren Blick auf den Mirabellgarten und den nächtlichen Mönchsberg. Ropacs Festspiel-Freundin Bianca Jagger huschte nur kurz durch die Menge und entschwand angeblich etwas derangiert nach oben (ich selbst habe sie gar nicht gesehen), und es hielt erstaunlicherweise auch niemand eine Rede.

Die lieben Kritiker-Kollegen aus Wien: Karin Cerny und Wolfgang Kralicek

Die lieben Kritiker-Kollegen aus Wien: Karin Cerny und Wolfgang Kralicek

Kollege Peter Kümmel von der "Zeit"

Kollege Peter Kümmel von der "Zeit"

Was aber immer wieder fasziniert, ist die Location an sich, dieses herrliche Barockpalais mit einer jeweils aktuell zur Festspielzeit frisch eröffneten Ausstellung (in diesem Jahr: Daniel Richter) – und Ropacs Gelassenheit, sie für einen Festspielempfang zu öffnen. Was ja bedeutet, das all die geladenen Menschen mit Sektgläsern und Semmelknödel-Schwammerl-Verköstigung oder mit diesem leckeren Kaiserschmarrn in der Hand durch die Galerieräume hatschen und die Kunstwerke jederzeit beschädigen, beschmieren, bekleckern könnten. Das zuzulassen , ist schon sehr cool.

Gila geht die Treppe hoch (sie ist meine Freundin), und das wirkt doch sehr malerisch.

Gila geht die Treppe hoch (sie ist meine Freundin), und das wirkt doch sehr malerisch.

Vor zwei Jahren war hier zur Festspielzeit Anselm Kiefers Zyklus “Maria durch ein Dornwald ging” ausgestellt, und ich sah Damen, die mit ihrer Feinstrumpfhose oder ihrem Tüllgewand im Dornengestrüpp einer Kiefer-Skulptur hängen blieben.

Dieses Jahr ist Daniel Richter bei Ropac ausgestellt. Er hat das Bühnenbild für Alban Bergs “Lulu” in der Inszenierung von Vera Nemirova geschaffen und ist damit also ein echter, “offizieller” Festspielkünstler.

Richter liebt knallige Farben, grüne Männchen und den Menschen in der Errettung aus rot glühendem Lavagestein (… oder sind die Figuren doch eher kurz vor dem Absturz?). Seine Bilder  – bei Ropac versammelt unter der kryptischen Überschrift “Spagotzen” – sind von einer kindlichen Naivität und zielen direkt auf das sensorische Langzeitgedächntnis. Aber das sind alles nur erste Eindrücke. So richtig erschlossen hat sich mir seine Arbeit noch nicht.

Ropac-Wurm-1

Wenn man in den ersten Stock der Galerie hochgeht, finden sich Werke weiterer Ropac-Künstler – etwa des von mir verehrten Erwin Wurm (siehe Foto rechts) oder auch von Tony Cragg, Stephan Balkenhol -, lauter tolle Sachen. Ist schon immer wieder beeindruckend, was und wen Ropac als Galerist alles versammelt.

Früher oder später trifft man sie in Salzburg alle - hier: Thomas Demand (links), Springer-Chef Mathias Döpfner (Mitte) und das Ehepaar Bettina und Thomas Oberender.

Früher oder später trifft man sie in Salzburg alle - hier: Thomas Demand (links), Springer-Chef Mathias Döpfner (Mitte) und das Ehepaar Bettina und Thomas Oberender.

Daniel Richter war an diesem Abend nur eingangs kurz zu sehen. Dafür war am Ende Thomas Demand da – und zwar in Begleitung von Springer-Chef Mathias Döpfner. Sie kamen von der “Dionysos”-Premiere. Auch für diese Oper hat ein Künstler das Bühnenbild entworfen: Jonathan Meese. Aber der kriegt noch einen eigenen Blog-Eintrag.

28.07.10 | 18:20 | Begegnung mit ... | Festivals | Kommentare 0 Kommentare

Salzburger Festspiele (1): Der eine Jedermann und der andere

Simonischek-Ofczarek

Da stehen sie, Auge in Auge, Kopf an Kopf: der alte Salzburger Jedermann und der neue – Peter Simonischek, der seit der Neuinszenierung von Christian Stückl im Jahr 2002 sage und schreibe 108 “Jedermann”-Vorstellungen hingelegt hat, und sein Nachfolger Nicholas Ofczarek, der als Titelheld in Hugo von Hofmannsthals unverwüstlichem Katholenspiel gerade erst anfängt. Mit 39 Jahren ist er der jüngste Jedermann aller Zeiten. Seine Buhlschaft ist Ofczareks Burgtheater-Kollegin Birgit Minichmayr, sie haben auch schon im “Weibsteufel” schnabulierend kooperiert.

Das Foto entstand vor der Premiere von Peter Steins “Ödipus auf Kolonos” im Theaterhof auf der Perner-Insel. Als ich die zwei Jedermänner beieinander stehen sah, bat ich um ein Foto, woraufhin die beiden nicht etwa Seit an Seit in die Kamera strahlten, sondern bewusst diese kritisch sich beäugende Hahnenkampfpose einnahmen, Stirn an Stirn, Hirn an Hirn. Nur keine falsche Zweieinigkeit: Sie sind nun mal Konkurrenten.

Ich war erstaunt über so viel Ehrlichkeit in der Pose. Man kann sich ja denken (und hört es von Leuten, die ihn kennen), dass es für Simonischek nicht leicht ist, den Jedermann nach acht Jahren abzutreten (er liebte diese Rolle und den in Österreich damit verbundenen Ruhm, suhlte sich darin) – und dass es andererseits für Ofczarek anstrengend ist, in dieser Rolle sehr genau unter die Salzburg-Lupe genommen und permanent mit dem populären Simonischek verglichen zu werden.

Simonischek behauptet, ich sei die Einzige, die so ein Foto mit ihnen beiden bekommen habe – allein schon deshalb, weil sie bei der Stein-Premiere zum ersten Mal in Salzburg zusammengetroffen seien; er scheint dem neuen Jedermann zunächst mal lieber aus dem Weg gegangen zu sein – und unterstrich damit den Seltenheitswert: “Also, machen Sie was draus.”

Einen Tag später habe ich Simonischek dann noch mal bei einem Empfang getroffen – an der Seite seiner lebendigen, sympathischen, von ihm selbst als “wunderbar” bezeichneten Frau -, und als wir kurz noch mal über seine Zeit als Jedermann sprachen, kam Simonischeks ganzer Stolz darüber zum Ausdruck. Er war der vierzehnte Jedermann, ein wahres Jeder-Mannsbild – der mit den meisten Buhlschaften, nämlich vier: Veronika Ferres, Nina Hoss, Marie Bäumer, Sophie von Kessel, “ein absoluter Rekord”. Alexander Moissi, der allererste Jedermann in Max Reinhardts Urinszenierung von 1920, hat 64 Vorstellungen gespielt. Ungefähr 550 Aufführungen sind seither über den Domplatz gegangen. Dass Simonischek davon allein 108 bestritten hat, ist ebenfalls rekordverdächtig.

Nächste Woche, am 6. August, wird Peter Simonischek 64, und wie der Salzburger Klatschpresse zu entnehmen ist, macht er dann endlich mal zur Festspielzeit Urlaub. Es hat auch sein Gutes, kein Jedermann zu sein.

21.07.10 | 17:55 | Ausgezeichnet! | Festivitäten | Kommentare 0 Kommentare

Kulturempfang im Münchner Volkstheater

Empfang-Dekollete

Alle Jahre wieder zur Sommerzeit lädt der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Kulturempfang, und jedesmal wieder stellt sich vielen Menschen aus der K.-u.-K.-Szene (Künstler und Kreative) die Frage, warum der oder die eine Einladung bekommen hat, sie oder er aber nicht. Wo wir doch alle so kreativ sind! Rätselhafte Gästelistenwahl … Aber nur so bleibt´s wohl spannend.

Alle lauschen Ude

Alle lauschen Ude

Noch immer das In-Getränk: Aperol Sprizz - aber schon geht der Drink "Hugo" in Konkurrenz, ein Holundersirup-Weinschorle-Mix.

Noch immer das In-Getränk im Sommer: Aperol Sprizz - aber schon geht der Drink "Hugo" in Konkurrenz, ein Holundersirup-Weinschorle-Mix.

Geladen wurde diesmal in den Garten des Volkstheaters und der angeschlossenen Restauration, die passenderweise “Volksgarten” heißt und nicht nur als Restaurant, Bar und Lounge, sondern auch wegen der extrem gut aussehenden (und auch noch unglaublich freundlichen) Kellner sehr zu empfehlen ist.

Volkstheater-Intendant Christian Stückl war leider nicht zugegen, weil er in Salzburg ja die Wiederaufnahme des “Jedermann” proben muss,  aber es dürften ihm die Ohren geklingelt haben, so sehr, wie Ude ihn gelobt und die guten Auslastungszahlen seines Hauses hervorgehoben hat. Aber der OB hat in diesem Fall ja recht. Stückl – und das sind jetzt meine Worte – ist einfach ein Glücksfall für das Volkstheater, und für Oberammergau, wo er schon zum dritten Mal die Passionsspiele inszeniert hat,  ist er gar ein Segen. Die Oberammergauer sollten jeden Tag drei Vaterunser beten aus Dankbarkeit, dass sie ihn haben, statt ständig gegen ihn zu intrigieren …

Der Architekt Peter Lanz erhält von Oberbürgermeister Ude die Medaille "München leuchtet" in Gold.

Der Architekt Peter Lanz erhält von Oberbürgermeister Ude die Medaille "München leuchtet" in Gold.

Dem Architekten Peter Lanz, dem man seine 80 Jahre nun wirklich nicht ansieht, wurde bei dem Kulturempfang die Medaille “München leuchtet” in Gold verliehen. Für einen Berliner wie ihn – er lebt und wirkt allerdings seit seinem 21. Lebensjahr in München und hat das moderne Gesicht der Stadt architektonisch mitgeprägt – eine ganz große Sache, Lanz zeigte sich auch entsprechend gerührt. Kulturreferent Hans-Georg Küppers kam selber zwar nicht zu Wort, wurde aber von Ude mit dem Satz zitiert: “München ist selbst bei Regen noch schöner als Hamburg oder Berlin bei Sonne” – was Ude als Beleg für die “beängstigende Integrationskraft Münchens” sah, ist Küppers doch ein Zugereister aus Bochum.

Ließ sich schon mal blicken, wenn auch nur kurz: Johan Simons, der neue Intendant der Münchner Kammerspiele, der am 7. Oktober startet. An seiner Seite: Interims-Ko-Chefin Christiane Schneider.

Ließ sich schon mal blicken, wenn auch nur kurz: Johan Simons, der neue Intendant der Münchner Kammerspiele, der am 7. Oktober startet. An seiner Seite: Interims-Ko-Chefin Christiane Schneider.

Was gab´s sonst? Johan Simons, der künftige Intendant der Kammerspiele, schaute kurz vorbei, leger wie immer, war aber auch schnell wieder weg. Muss wahrscheinlich proben (sein Start ist am 7. Oktober) – und er kennt ja auch noch keinen. Die immer originelle Petra Perle, Wirtin im Turmstüberl des Valentin-Karlstadt-Musäums, hatte ihr Pracht-Dekolleté mit Stickern bestückt (siehe Foto) und gab keine Ruhe, bis man sie ihr abpflückte. Der meinige trägt die Aufschrift: “Normale Menschen machen mir Angst”. Hm. Könnte vielleicht was dran sein.

Petra Perles Pracht-Dekolleté: mit vielen Stickern vor der Hütt´n - und der Aufforderung, sich einen zu pflücken.

Petra Perles Pracht-Dekolleté: mit vielen Stickern vor der Hütt´n - und der Aufforderung, sich einen zu pflücken.

Mehrere Schriftsteller gesichtet. Zum Beispiel Uwe Timm, Tilman Spengler, Friedrich Ani, aber nur wenige Schauspieler. Die meisten Menschen kannte ich überhaupt nicht … Wer in dieser Stadt nicht alles Kultur schafft! Meist bleiben die einzelnen Szenen auch bei so einem Empfang wieder unter sich – das vermischt sich nicht wirklich. Vom Theater war hauptsächlich die freie Szene vertreten, in der ich reise- und feuilletonjobbedingt kaum mehr engagiert bin. Viele von denen lange nicht mehr gesehen. Meine Güte, wie alt wir alle geworden sind! Man kennt sich jetzt seit fast zwanzig Jahren, manche kennen sich noch länger … und entweder gibt es keine neuen Jungen oder sie wurden nicht eingeladen. Oder wollen die etwa nicht kommen und hecken irgendwo etwas ganz Krasses, Anarchisches aus? Jedenfalls, das muss gesagt werden: Der Kulturempfang ist tendenziell recht brav und überaltert.

Stelldichein der Münchner Kulturszene

Stelldichein der Münchner Kulturszene

Mir fehlten ein bisschen die Originale, die schrillen Typen und Outfits. Aber dann war ich lange mit dem Tanzwerkstattmeister Walter Heun im Gespräch, der seit letztem Jahr das Tanzquartier Wien leitet, und der lobte die Münchner Lockerheit. Er sagte, so ein Kulturempfang wäre in Wien gleich eine viel steifere, offiziösere Angelegenheit, und ich ahne: Der Heun hat recht. Das ist schon ganz gut so in München, sehr lässig und gelassen. Mehr schreibe ich jetzt auch nicht dazu, sondern lasse einfach ein paar Bilder sprechen.

Schauspieler Jochen Striebeck mit seiner Freu. Wer da in der Mitte durchlugt, ist der Architekt und Karikaturist Gabor Benedek.

Schauspieler Jochen Striebeck mit seiner Frau. Wer da in der Mitte durchlugt, ist der Architekt und Karikaturist Gabor Benedek.

Künstlerecke - mit Martin De Mattia (links) vom Künstlerduo M + M und Klaus von Gaffron, der mit dem Hut

Künstlerecke - mit Martin De Mattia (links) vom Künstlerduo M + M und Klaus von Gaffron, der mit dem Hut

Links von mir: der Schriftsteller Friedrich Ani, rechts: Daniela Weiland (Bayerisches Fernsehen / Literatur und Kunst) und Sabine Rinberger, Chefin des Valentin-Karlstadt Musäums)

Links von mir: der Schriftsteller Friedrich Ani, rechts: Daniela Weiland (Bayerisches Fernsehen / Literatur und Kunst) und Sabine Rinberger, Chefin des Valentin-Karlstadt Musäums.

Grandes Dames der Münchner Theaterszene: Cornelie Müller (Büro für Angelegenheiten) und Anette Spola, (TamS-Chefin)

Grandes Dames der freien Münchner Theaterszene: Cornelie Müller (Büro für Angelegenheiten) und Anette Spola (TamS-Chefin)

Tanzproduzent Walter Heun mit der Kultur-PR-Frau Ute Armanski

Tanzproduzent Walter Heun (neuerdings beruflich in Wien) mit der Kultur-PR-Frau Ute Armanski

Theaterexperimentator Manfred Killer (i-camp)

Theaterexperimentator Manfred Killer (i-camp)

Immer attraktiv: die Volksgarten-Bar(keeper)

Immer attraktiv: die Volksgarten-Bar(keeper)

München leuchtet ... sogar nachts

München leuchtet ...

Da war der Chef schon längst gegangen: Marc Gegenfurtner, persönlicher Mitarbeiter des Kulturreferenten Küppers

Da war der Chef schon längst gegangen: Marc Gegenfurtner, persönlicher Mitarbeiter des Kulturreferenten Küppers

Mein lieber SZ-Kollege Franz Kotteder mit dem Schauspieler Arthur Klemmt (bei dessen Namen ich mir nie den Scherz verbieten kann: Ein Mann, ein Satz) und der Theaterleiterin Angelika Fink (PATHOS transport).

Mein lieber SZ-Kollege Franz Kotteder (Mitte) mit dem Schauspieler Arthur Klemmt (bei dessen Namen ich mir nie den Scherz verkneifen kann: Ein Mann, ein Satz) und der Theaterleiterin Angelika Fink (PATHOS transport).

Schön war´s, spät war´s - und jetzt Schluss

Schön war´s, spät war´s - und jetzt heim

20.07.10 | 17:52 | Dichtung & Wahrheit | Kommentare 0 Kommentare

Urlaubs-Haiku

Was wäre dieser Blog ohne die saisonale Haiku-Zulieferung des fränkischen Dichters Fitzgerald Kusz!  Heute schickte er “mit herzlichen Sommergrüßen” ein Urlaubs-Haiku: “Für die kleine Pause zwischendurch. Für alle Daheimgebliebenen und – bleibenden.” In vierzehn Tagen, schreibt er, sei er wieder im Lande.

Übrigens, weil ich gelegentlich darauf angesprochen werde: Der Herr Kusz und ich kennen uns nicht persönlich. Noch nicht. Bisher funktioniert unser Kontakt rein über die Lyrik-Schiene in diesem Blog, und vielleicht auch ein bisschen über das “Frängische”.

Etzadla obba aufgebasst:

urlaubs-haiku

zimd aff di apflschnidz

aung zou bamm essn

dann bisd in griechenland


Rohübersetzung:

Zimt auf die Apfelschnitze

Augen zu beim Essen

und du bist in Griechenland

17.07.10 | 14:42 | Festivitäten | Kollegialitäten | Kommentare 0 Kommentare

SZ-Sommerfest

SZ-Sommerfest-Titel

Urlaub vorüber, das Zeitungsgeschäft hat mich wieder. Noch gibt es sie ja, die gute alte SZ als Printmedium, sogar mit neu gewähltem Chefredakteur (ab Januar 2011: Kurt Kister), und da schau an: Die Theaterkritik haben sie auch noch nicht abgeschafft!

Am Donnerstag gab es gleich mal das SZ-Sommerfest, nun schon zum zweiten Mal im neuen Hochhaus in Berg am Laim. Früher, als wir noch in der Sendlinger Straße waren, hieß es “Hoffest” und wurde von den Azubis im Innenhof des alten Verlagsgebäudes organisiert. Hoffest kann man es nicht mehr nennen, weil wir ja keinen richtigen Hof mehr haben, sondern … ähm, eine Plattform, einen Ein- bzw. Zugangsbereich oder allenfalls einen Vorhof, halt dieses Pflaster zum Hochhaus, das wir einfach nur “draußen” nennen (“Gehn wir raus?”) – eigentlich die einzige wirkliche Freigangmöglichkeit zwischen Autobahn, Dachser LKW- und Gleisgelände, zumindst bei schönem Wetter.

Das Wetter war schön, die Event-Abteilung hatte Bierbänke aufgestellt und alles mit Sonnenblumen dekoriert, es gab Freibier und Gegrilltes, und auch die “Schwuhplattler”, die schwulen Schuhplattler, sind mal wieder aufgetreten. Der Weißwein versiegte zwar schon gegen zehn (und mein Kollege Johan behauptet, er versagte auch) – aber a bissl wos geht bekanntlich immer (noch). Hier mein kleines Foto-SZenario:

12.07.10 | 11:15 | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick IV: Bergwandern am Taubenstein

Blog-Taubenstein

Es gibt nichts Besseres, um sich seine München-Gefühlssicherheit zurückzuholen, als in die Berge zu fahren. Die liegen tatsächlich vor der Haustür, und ihre Schönheit, kombiniert mit der Tatsache, dass sie so leicht zu haben ist – ohne

Du und die Kuh

Ene mene muh, die Kuh ... bist Du!

Urlaubsbuchung, ohne Flug in ein fernes Land, ohne aufwändige Planung -, ist jedesmal wieder unfassbar.

Man braucht nicht einmal ein Auto, man nehme einfach nur die BOB, das ist – zur Erklärung für alle Uneingeweihten – die Bayerische Oberlandbahn, die vom Hauptbahnhof München auf drei Strecken ins Alpenländische vordringt: nach Lenggries, Tegernsee und Bayerischzell.

Egal welche Richtung, überall ist´s schön

Egal welche Richtung, überall schön

Sie ist an vielen schönen Wochenenden schon am frühen Morgen gestopft voll, und ich habe mir erzählen lassen, dass es schon zu regelrechten Kämpfen mit jenen Fahrgästen gekommen ist, die mit dem Rad unterwegs sind und damit den Fußwanderern zu viel Platz wegnehmen. Da soll es vor Abfahrt am Hbf München sogar schon zu Polizeieinsätzen mit der “Räumung” von Radlern gekommen sein. Blog-Blumenwiese

Wer es aber schafft, mit der BOB ins Alpenvorland vorzustoßen und gegebenenfalls noch den Bus nimmt, dem stehen die Berggipfel frei zur Auswahl. Ich war mit meiner Freundin Caco unterwegs. Unser Ziel an meinem letzten Urlaubstag: der Taubenstein. Und zum Essen – sehr wichtig! – noch rüber zum Rotwandhaus, weil da die Küche so gut ist.

Blick vom Rotwandhaus

Blick vom Rotwandhaus

Bayerische Bilderbuchfamilie (mir unbekannt, nicht gestellt - das gibt´s hier wirklich und tatsächlich)

Bayerische Bilderbuchfamilie (mir unbekannt, nicht gestellt - das gibt´s hier wirklich und tatsächlich)

Zur Zeit wird das Rotwandhaus renoviert, und es gibt nur eine Behelfsküche, aber selbst die lässt sich nicht lumpen – überhaupt ist und tut essen nirgends so gut wie oben aufm Berg, nach einer mehrstündigen, schweißtreibenden Wanderung.

Auch die Stille da oben, durchzogen nur vom Säuseln des Windes und dem Klingklang der Kuhglocken, ist eine ganz besondere, großartige, hoheitsvolle. Sie in sich aufzunehmen, befreit total.

Bei 34 Grad schwitzt man so einiges weg. Deshalb sind wir am Ende zur Abkühlung schnell noch in den Spitzingsee gesprungen.

Und wen sehe ich da, als wir an der Uferpromenade zu unseren Sachen zurückliefen? Julian Nida-Rümelin mit Ringellöckchen und Badehose, malerisch hingegossen auf einer Bank am Seeufer, in geradezu griechisch-antikischer Denkerpose, mit einem Diktaphon in der Hand, in welches er in deutlich vernehmbarer Lautstärke etwas Bioethisch-Philosophisches sprach – seinen nächsten Vortrag wahrscheinlich. Hach ja, wen die Berge nicht alles inspirieren.

Aber schon ärgerlich, dass ich da grade meinen Fotoapparat nicht zur Hand hatte … das Bild war gar zu schön.

09.07.10 | 10:51 | Festivitäten | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick III: Sommerfest Stadtmuseum

Stadtmuseum-Plakat

Meine letzte Urlaubswoche neigt sich dem Ende zu, und noch immer gebe ich mir nach den Aufenthalten im Sächsischen und Brandenburgischen den speziellen München-Kick. Gestern, beim Sommerfest des Stadtmuseums und des dazugehörigen Cafés, war das gleich ein richtiggehender München-Flash: Prä-Oktoberfeststimmung, Maßkrüge, Dirndl, Lederhosen. Mit Live-Voixmusik, aufgspuit vom “Niederbayerischen Musikantenstammtisch”.

Stadtmuseum-Blasmusi

Minga at its very best. Ich mit Trägertop und Sommerröckchen komplett underdressed. Aber seit wann trägt man denn Dirndl zum Stadtcafé-Sommerfest?

Ach so: Das trachtlerische Outfit vieler Gäste war der neuen Ausstellung im Stadtmuseum geschuldet, die bei diesem Sommerfest mit der obligatorischen Ude-Einlage und einer weiteren Rede der neuen Stadtmuseumsdirektorin Isabella Fehle eröffnet wurde: “Das Oktoberfest 1810-2010″ – eine Ausstellung zur Jubiläums-Wiesn.

Stadtmuseum-Tanz

Da ich erst um neun eingeradelt bin und mich dann gleich festgequatscht habe, habe ich leider nicht nur die neue Direktorin, sondern auch den Rundgang durch die Ausstellung versäumt. Als ich rein wollte, haben sie gerade zugemacht. Aber ich hab wenigstens das bescheuerte Plakat fotografiert, siehe oben. Das gelbe Kautschuktier hielt ich auf den ersten Blick für einen von einem Lebkuchenherzen verdeckten Gummi-Quietsch-Elefanten – aber es handelt sich bei näherer Betrachtung um ein Hendl.

Stadtmuseum-Sommerfest

Weil ich doch neulich den Schumann´s-Garten im Hofgarten so gelobt habe: Der Innenhof des Stadtcafés darf in dieser Hinsicht nicht ungerühmt bleiben, gehört er doch ebenfalls zu den schönsten gastronomischen Sitzplatzoasen unserer kleinen Stadt, und als die Süddeutsche noch im Zentrum zuhause war, da, wo eine Zeitung hingehört, da verbrachten weiß Gott viele SZ-ler hier ihren Feierabend … und so manche feucht-fröhliche Stunde danach. Wir befürchteten ja schon, das Stadtcafé würde ohne uns eingehen, aber, nun ja – jetzt muss man froh sein, wenn einen die Kellner noch kennen und der nette Paul einem ein Freibier ausgibt.

Servusheimat

Minga, I mog di. Mit all deinem Hendl-Herzerl-Devotionalienkitsch. Und die Oktoberfest-Ausstellung schau ich mir auch noch an. Aber das hat Zeit – draußen lockt der Sommer.

08.07.10 | 19:57 | Geht doch! | Kulinarik | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick II: Klubabend Aurora Bar

Aurora-Zigarren

Was wird´n jetzt mit den ganzen Rauchern, den Eckkneipen und Raucherbars? Als ich vom bestürzenden Ergebnis des Volksentscheids hörte, hab ich vom preußischen Norden aus gleich mal meinen Freund Anderl angerufen, Anderl Lechner, Betreiber der von mir sehr geschätzten und entsprechend protegierten Aurora Bar am Münchner Beethovenplatz – eine Künstlerbar mit Wohnzimmer-Charme und britischem Club-Ambiente, die im vergangenen November eröffnet hat (siehe Blog-Eintrag von damals) und sich definitiv als Rauchsalon versteht, ja, die überhaupt erst aus der Einführung des (ersten bayerischen) Rauchverbots hervorgegangen ist. Denn Anderl ist passionierter Zigarrenraucher, und als er nach dem ersten Rauchverbotsgesetz zum Whisky nirgends mehr eine paffen konnte, nicht einmal bei Schumann´s, da beschloss er zusammen mit seinem Freund, dem Gourmet-Koch Karl Ederer, einen Klubabend ins Leben zu rufen, zu dem alle paar Wochen Freunde und Bekannte per E-Mail eingeladen wurden: zum Reden und zum Rauchen.

Diese Raucher-Klubabende fanden in „Baumgartners Weinbar“ am Beethovenplatz 2 statt, der heutigen Aurora Bar – als Baumgartner letztes Jahr hinschmiss, da kaufte Anderl kurzerhand das Interieur und machte sein eigenes Ding. Die Klubabende hat er beibehalten. Und weil da immer die meisten (und die kuriosesten und lustigsten) Leute kommen, werden diese Klubabende vom Wirt immer häufiger angesetzt. Es herrscht dann geschlossene Gesellschaft – aber mit weit geöffneter Tür.

Aurora-Wirt Anderl Lechner

Aurora-Wirt Anderl Lechner

Anderl Lechners Anspruch als Wirt: “Hocken, rauchen, reden. Leute treffen und einen guten Wein trinken. Ohne so eine Abzocke in der Gastronomie.“ Klingt gut. Und könnte so einfach sein. Aber jetzt? Ich dachte, ich würde Anderl nach dem Volksentscheid in heller Fassungslosigkeit antreffen – aber es war eigentlich nur Ratlosigkeit. Der neue Wirt weiß selber nicht, was jetzt wird. Bis August wird jetzt erst mal weitergemacht wie bisher (“Durchpaffen bis August!”) – und dann, so Anderl, “schaun mer mol”. Und dann sehn mer scho. Anderl Lechner ist viel zu bairisch, um jetzt hysterisch aus dem Häuschen zu geraten. Es wird ihm schon was einfallen.

Wer weiß, vielleicht wird ja jene spontane Pissoir-Party Schule machen, die sich beim letzten Klubabend am Dienstag ergeben hat, als sich eine kleine Gästeschar schon mal auf die Suche nach (einem stillen) Örtchen machte, wo noch was geht.
Aurora_Intro

Alles ist Fluss

Alles ist Fluss

Zum heimlichen Rauchen aufs Klo – so weit sind wir jetzt in Bayern schon … und das, ich bitte es zu notieren, sagt eine, die selber gar nicht mehr raucht! Ich weiß die Vorzüge des Rauchverbots in Restaurants und vielen Bars und Gaststätten als Nichtmehrraucherin echt zu schätzen, aber ein Generalverbot – das geht total gegen mein Verständnis von Freiheit und Toleranz und Artenschutz!

Daher, liebe Raucher-Clubber: Solltet Ihr Euch künftig zum Paffen und Trinken aufs Männerklo verziehen, gebt mir Bescheid, ich komme mit! Denn so geht´s ja nicht.

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"

Franz Meiller vor seinem Werk "Gütertrennung"

Die Klo-Party hatte sich übrigens ganz flashmobmäßig ergeben, nachdem der Münchner Unternehmer Franz Meiller ein paar Gäste auf die Herrentoilette geführt hatte, um dort seine künstlerische WC-Fenstergestaltung vorzuführen: Das ins Fenster eingefügte fotoinstallatorische Werk stammt von ihm selber und trägt den Titel “Gütertrennung”.

Klofensterkunst - wer ko, der ko

Klofensterkunst - wer ko, der ko

Einer, es war Michael Haacke, Chef der FFS (Film- & Fernseh-Synchron GmbH), gab dann spontan die Losung aus: “In einer Stunde wieder hier!” und er hatte ein nettes Sprudelgetränk auf einem Samthocker organisiert, als eine Stunde später tatsächlich eine kleine Klo-Fete für Eingeweihte stieg.

Jedenfalls war der Klubabend nicht nur sehr lustig, sondern auch ein gutes Zeichen: Die Münchner werden immer ein Örtchen finden und sich vom Genius loci inspirieren lassen.

Aurora-Klo-Gruppe

Schönen Gruß übrigens nach Berlin. Von wegen die Schaubühne macht die einzigen Pissoir-Partys!

08.07.10 | 13:38 | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Spätes Experiment

Viele große Regisseure haben mit Dokumentarfilmen angefangen, aber Sir Ridley Scott – für “Alien” und “Blade Runner” von der Queen geadelt, für “Gladiator” und “Black Hawk Down” und “Thelma und Louise” oscarnominiert – war immer schon für Fiktionen zuständig. Jetzt hat er aber ein neues Projekt – er arbeitet doch tatsächlich, mit immerhin 72 Jahren, an einem experimentellen Dokumentarfilm, der “Life in a Day” heißen soll und den er zusammenstellen will aus von seinem Publikum gespendeten Bildmaterial – das soll am 24. Juli auf Youtube hochgeladen werden. Man kann auch das Filmemachen globalisieren. Sir Ridley betreut das Projekt zusammen mit dem FIlmemacher Kevin MacDonald – der, unter anderem, den oscarprämierten Dokumentarfilm “Ein Tag im September” über das Olympia-Attentat in München gemacht hat und die Spielfilme “Last King of Scotland” (Forest Whitaker als Idi Amin) und “State of Play” (Russell Crowe als der letzte echte Zeitungsmann). Außerdem wird es jede Menge Co- Regisseure geben, die genannt werden- alle nämlich, die Material liefern, dass es in den Film schafft. Sehr demokratisch. “Life in a Day” soll einen Tag im Leben ganz unterschiedlicher Menschen dokumentieren, das Ergebnis wird auf jeden Fall Anfang nächsten Jahres beim Filmfestival in Sundance gezeigt.

07.07.10 | 19:08 | Dies & das | Kulinarik | Off-Office | Kommentare 0 Kommentare

München-Kick I: Schumann´s backstage

Seeprom-Sommermohn

Drei Wochen Urlaub sind bereits vergangen, davon war ich eine Woche Jurorin beim Theatertreffen der Schauspielschulen in Leipzig (ich werde noch berichten) und danach bei Freunden in einem Haus am See nahe Potsdam, wo obiges Mohnwiesensommerfoto entstand und jegliches Bloggen geblockt wurde. Seit Montagabend bin ich wieder zurück in München …

Gleich mal zum Wiedereingewöhnen ins Schumann´s. Montags hat Ernst Fischer, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der SZ, dort immer seinen Stammtisch. Zur festen Besetzung gehören die SZ-Karikaturisten und ein reisefreudiger Steuerberater, zur wechselnden die unterschiedlichsten Gäste aus den Bereichen Politik, Kultur, Medien und Medizin.

Ernst Fischer (rechts) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Ernst Fischer (rechts oben) mit den SZ-Karikaturisten Gabor Benedek, Luis Murschetz, Pepsch Gottscheber

Im Sommer sitzen die wahren Kenner und Genießer nicht etwa im Getümmel vor dem Lokal mit Blick auf die Straße und den Odeonsplatz (das ist der eigentliche Bühnenbereich, hier gilt: sehen und gesehen werden) – im Sommer sitzen die wahren Connaisseure backstage. Soll heißen: Man geht hinten raus, in den Hofgarten, wo Charles unter schattigen Bäumen und bordeauxroten Sonnenschirmen Tische aufgestellt hat und mithin einen kleinen, feinen Biergarten betreibt, auch wenn Bier hier als Getränk eine eher nachgeordnete Rolle spielt. Schu-Hofgarten

Der Platz ist zum Draußensitzen herrlich, einer der schönsten in München – bzw. “… auf der Welt”, wie mich Anne Urbauer am Montag korrigierte, und die ist eine weit gereiste Journalistin und dürfte es also wissen. Man sitzt wahnsinnig lauschig zwischen den Arkadengängen und dem Hofgartengrün und kann staunend zusehen, wie der Münchner Abendhimmel dieser Stadt schmeichelt und sie zum Leuchten bringt. Ich hab hier immer so ein schönes feuchtwangerndes München-”Erfolgs”-Gefühl, aber gleichzeitig ist das Licht auf den Arkaden auch molto italiano.

Schu-Arkaden

Na jedenfalls hab ich mir nach meiner Rückkehr gleich wieder diesen München-Kick geben wollen – und es hat auch funktioniert.

Selbst Charles war gut aufgelegt und hatte seine oft so betont ausgestellte – und von etlichen weiblichen Gästen entsprechend beklagte – Misogynität in die Kiste mit den Regensachen gepackt. Wie man sehen konnte, läuft es auch wieder bestens mit seiner Maria. Gracias a dios!

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Barchef Charles Schumann mit Stammgast Ernst Fischer

Was gibt´s Neues in unserer kleinen Stadt? Ein paar Leute sind wählen gegangen und haben per Volksentscheid das öffentliche Rauchen ganz und gar verbieten lassen. Ich fass es nicht. Der neue Focus-Chef Wolfram Weimer hat den Schumann´s-Hofgarten auch schon raus. An einigen Tischen wird getuschelt – wie lange der´s wohl machen wird? Ob man ihn den Abwickler nennen muss? Im Moment lässt sich vom Vordertisch aus nur so viel sagen: Er ist riesengroß und schlaksig und hat so Haare. Die Münchner Abendzeitung gibt es übrigens auch noch – davon konnte man nicht mit Sicherheit ausgehen. Kent Nagano gibt es nach 2013 hier definitiv nicht mehr – das war am Montag noch Befürchtung und Gerücht. Gestern kam die Bestätigung.  Und Ulrike Hessler wird noch viel früher weg sein: nämlich schon ab August. Die Marketingchefin der Bayerischen Staatsoper wird dann Intendantin der Dresdner Semperoper. Im Schumann´s gab sie einen Empfang, der ganz nach Abschiedsfeier aussah. Aber es war eine Opern-Fundraising-Veranstaltung, ich habe nachgefragt: Geld auftun für die Junge Szene Dresden. Den Aperitif gab´s draußen. Drinnen war dann – ganz Schumann´s-untypisch – eine richtig feierliche Tafel gedeckt, mit weißer Tischdecke, Blumendekorationen und Pipapo und eine junge Sängerin sang den Herrschaften was vor.

Aber auch wenn das nicht Ulrike Hesslers Abschiedsfete war (dafür wünsch ich ihr dann doch mehr Partystimmung), hab ich schon mal ein Abschiedsfoto gemacht. Auf Wiederschaun, liebe Ulrike Hessler, pfüat eana! Viel Glück für Dresden. Und schöne Grüße an den Herrn Thielemann.

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Ulrike Hessler, künftige Intendantin Semperoper Dresden

Am Ende, da war es schon dunkel, sagte Charles dann noch, dass er Tische mag, die einfach nur im Hof rumstehen, ohne Stuhl, ohne Zweck … Tische halt. Klingt gaga. Aber tatsächlich, wenn man genau hinschaut: Das hat absolut was.

Schu-leereTische2

Andere Wirte würden den Platz vollstopfen und gastronomisch ausnutzen bis zum Gehtnichtmehr. Charles Schumann macht seinen Gästen zwar wahrlich nicht den Hof – aber er (be)lässt ihn ihnen. Dafür danke.