John Malkovich in “The Infernal Comedy”

Foto: dpa
Sieht man dem Kino dabei zu, wie es entsteht, ist das meistens eine ziemlich langweilige Sache: Viele Menschen tun sehr wenig, und wie die Szene aussehen soll, die da gedreht wird, geschweige denn der ganze Film, kann man nicht einmal erahnen. Vielleicht ist das ja, wenn man John Malkovich beim Drehen zuschaut, anders – ihm bei einer Theaterprobe zusehen ist jedenfalls ein Zuckerl.
Ich durfte zusehen, wie er im Ronacher in Wien das Stück “The Infernal Comedy” probte – Malkovich als Jack Unterweger, der österreichische Prostitutiertenmörder, der sich 1991
Malkovichs Unterweger liest in dem Stück aus einem Buch, dass er nach seinem Tod geschrieben hat, erzählt aus seinem Leben, und zwei Sopranistinnen begleiten das in wechselnden Rollen – und werden immer mal wieder von ihm mit ihrem Büstenhalter gemeuchelt. Im Ronacher probte er als mit Aleksandra Zamojska, außer dem Regisseur (und Autor) Michael Sturminger waren nur noch zwei Leute von der Produktion dabei – wenn man da als Journalistin drin sitzt ist, ist man also mangels Konkurrenz das Publikum. So direkt angespielt wird man im Theater natürlich nie, selbst wenn ein Schauspieler das tut, würde man es nicht merken.
Bei Malkovich, der zu allem, auch zu sich selbst und ganz besonders zu Jack Unterweger eine ironische Distanz hat, ist das jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis: Der große Löwe…ganz ruhig und im nächsten Moment furchterregend. Wenn man ihm zusieht, ist auch klar, warum der Mann immer sagt, er nehme seine Charaktere – anders als viele Schauspieler – abends nicht mit heim, denn er legt sie von einer Sekunde auf die andere ab. Die Figuren, die er spielt, gehen durch ihn hindurch, sagt Malkovich achselzuckend im Interview, dass der Anlass gewesen ist für den Probenbesuch (erscheint in der SZ am Wochenende vom 29. Mai).
In Deutschland ist das Stück vom 2. bis zum 6. Juni bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen zu sehen. Gerne, sagten Malkovich und Sturminger, wären sie mit der “Infernal Comedy” auch nach München gekommen – aber bislang hat kein Münchner Theater sie eingeladen.
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Das Interview in der SZ habe ich gerne gelesen. Sehr faszinierend, wie John Malkowich Blockbuster und Bühne und alles jenseits und dazwischen unter einen Hut bekommt. Keine Publikumsanbiederei zu betreiben, unberechenbar zu bleiben und sich von Zeit zu Zeit seines eigenen Verstandes zu bedienen – das reicht wohl schon, um als exzentrisch zu gelten.
Ein sehr schöner Satz steht ganz am Anfang des Interviews: “Ich habe viele Interessensfelder, aber ich selbst gehöre nicht dazu; deswegen interessiert es mich auch nicht, was andere über mich denken.”
Comment by Ulrich Berding — Mai 30, 2010 @ 8:59 am